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Firmvorbereitung nachhaltig

Ein Erfahrungsbericht Vor vier Jahren kam ich als Pastoralreferent und Pfarrbeauftragter in die Pfarrei Söllhuben St. Rupert, einen Ort mit ca. 1200 Katholiken ­ im Chiemgau gelegen und mit nahezu idealtypischem oberbayrischem Ambiente: eine wunderschöne Barockkirche, ein Gasthof mit Biergarten gegenüber, ein reiches Vereinsleben... eben ,,die Kirche im Dorf", wie man so sagt. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch durchaus die altbekannten Phänomene der Moderne und Postmoderne: rückgängige Zahlen beim Kirchenbesuch, beim SakramentenEmpfang, beim ehrenamtlichen Engagement usw. Die Vorbereitung auf die Firmung lag bis dato in den Händen eines 80jährigen Pfarrers, dem für einige Gruppenaktivitäten noch ein paar ehrenamtliche Firmhelfer/innen ,,zu Hilfe" kamen. In einigen Gesprächen gewann ich den Eindruck, dass die Zeit reif sei für ein neues Firmkonzept. So streute ich 2006 eine Idee, die mich schon lange reizte: Wie wäre es, wenn die Firmbewerber (mit Erwachsenen) einen Besinnungsweg gestalten würden ­ als dauerhafte Einrichtung und in herrlicher Landschaft? Diese Idee fand rasch Freunde; Firmhelfer, Handwerker und Künstler, Landwirte, Bürger-meister unterstützten dieses Projekt. Auch das übergeordnete Thema gefiel allen: ,,Der Sonnengesang des Franziskus". Nachdem die Rahmenbedingungen geklärt waren und auch die Wegstrecke festgelegt war (von einer Kapelle zu einer anderen), versuchten wir die Firmbewerber dafür zu gewinnen. Hier ist zu bemerken, dass ,,nur" 27 Jugendliche (im Alter von 13/14 Jahren) sich angemeldet hatten ­ eine Anzahl, die pastoral sehr viel sinn-voller ist als Firmungen mit 100 Jugendlichen und mehr. Wir wählten ein Motto, das inhaltlich und lebensgeschichtlich zur Firmvorbereitung und zu den Firmlingen passt: ,,Finde deinen Weg!" Als die Jugendlichen von dem Projekt erfuhren und von den Workshops, zu denen sie sich anmelden konnten, waren sie sofort Feuer und Flamme. Nach einer inhaltlichen Einführung zum hl. Franziskus, zu seinem Leben und seinem ,,Sonnengesang" wurden die fünf Stationen vorgestellt: Schwester Mutter Erde (Material Holz) ­ Bruder Wind (Stahl) ­ Schwester Sonne (Holz und Bronze) ­ Bruder Feuer (Eisen) ­ Schwester Wasser (Holz). Die Handwerker und Künstler, die sich um jeweils eine Station kümmerten, gingen unterschiedlich vor: einige planten die gesamte Arbeit zusammen mit den Jugendlichen, andere gaben den Weg vor. Die Attraktivität dieses Firmprojektes lag für mich in der Kreativität und Nachhaltigkeit. Durch das gemeinsame Überlegen und Tun, durch das Experimentieren in neuen Techniken (Schmieden, Löten, Schreinern, Treiben...), durch ein neues Miteinander von Firmbewerbern und Erwachsenen entstand ein überaus positives Gemeinschaftsgefühl ­ verbunden mit dem Wissen: ,,Was wir hier machen, wird nicht entsorgt, sondern lädt die Menschen dauerhaft zum Nachdenken über die Schöpfung, über sich selbst und über Gott ein." Natürlich bestand die gesamte Firmvorbereitung nicht nur aus dem Besinnungsweg; Jugendgottesdienste, der Kreuzweg auf den Petersberg, drei inhaltliche Gruppenstunden zum Sakrament der Firmung, ein Besinnungswochenende in einem Jugendhaus, Beichtund Glaubensgespräche gehörten dazu; das Herzstück aber war der Besinnungsweg. Noch heute ­ drei Jahre später ­ erzählen manche von ihnen ganz begeistert von dieser Zeit. Der Besinnungsweg verbindet zwei Kapellen der Pfarrei; in Kapelle am Ende des

Weges gibt es ein ,,Anliegen-Buch", in dem sich viele Menschen der näheren und weiteren Umgebung sehr dankbar darüber äußern, dass die Firmlinge diesen Weg gestaltet haben. Vor der nächsten Firmvorbereitung im Jahr 2008 entstand die (berechtigte) Frage, welches besondere Projekt denn diesmal angegangen werden sollte. Von einem Landwirt der Pfarrei hörte ich, dass dieser den Bau einer Hofkapelle plante. Nachdem auch eine Tochter von ihm sich zur Firmung anmelden wollte, fragte ich ihn, ob nicht der Kapellenbau ein mögliches Projekt der Firmvorbereitung werden könnte. Das Landwirtsehepaar war damit sehr einverstanden; und so war ein würdiges Nachfolge-Projekt für den Besinnungsweg geboren ­ mit ähnlichem Erfolg, mit ähnlicher Gesamtstruk tur: drei inhaltliche Gruppenstunden, ein Besinnungswochenende in einem Jugendhaus, drei Jugendgottesdienste, der Besuch einer Behindertenwerkstatt, ein Nachmittag mit Beichtbzw. Glaubensgesprächen und das Engagement der Firmlinge in den ,,Baugruppen". Eine Gruppe kümmerte sich um das Mauern, eine um den Dachstuhl, eine schmiedete Kerzenständer für das Innere, eine verlegte ein Bodenmosaik vor der Kapelle. Die Baugenehmigung des Landratsamtes ließ sehr lange auf sich warten, doch die Arbeit in den Gruppen schritt so schnell voran, dass die Kapelle nach einem Monat fertig war ­ rechtzeitig vor der Firmung. Das Richtfest auf der Tenne des Landwirts zeigte die Freude und Zufriedenheit über das Geschaffene. Dieses Projekt ,,Kapellenbau" hatte zum Motto der gesamten Firmvorbereitung geführt: ,,Bei Gott daheim sein". ­ Das gemeinsame Tun und das entstandene Werk lieferten immer wieder die Reflexionsgrundlage für dieses (anspruchsvolle) Motto, das insofern nachhaltig wirkt, als die Firmlinge in den kommenden Jahren wohl beim Besuch der Kapelle an ihr Mitwirken erinnern werden (,,Diesen Stein habe ich beigesteuert...!") Übertragbarkeit diese Projekte auf andere Pfarreien ­ oder singuläre Ereignisse? Natürlich gibt es nicht in jeder Pfarrei die Möglichkeit, einen Besinnungsweg oder eine Kapelle mit den Firmlingen zu errichten. Mir ging es auch nicht darum, ,,Denkmäler" im engen Sinn zu hinterlassen... Doch wichtige Faktoren im Rahmen der Firmvorbereitung sind für mich dadurch sichtbar geworden: · Die Kreativität und das handwerkliche Geschick der Jugendlichen wollen stärker berücksichtigt sein als in vielen ,,normalen" Firmvorbereitungen. · Viele Ideen und Talente schlummern in den Pfarreien; viele Erwachsenen sind als Mitarbeiter für solche Projekte zu gewinnen, weil sie in diesen praktischen Bereichen eine große Kompetenz haben. · Ein größeres Projekt erfordert eine längere Vorlaufzeit; bevor die Projektgruppen der Firmlinge beginnen können, braucht es mitunter viele Vorgespräche, Absprachen mit Baubehörden, politischer Gemeinde etc. · Die Nachhaltigkeit sollte unbedingt angesteuert werden; in diesem Sinn sind Besinnungsweg und Kapelle ,,Denkmäler" im weiteren Sinn: ,,Denk mal darüber nach, welche schönen und wichtigen Erfahrungen du damit verbindest!" Helmut Heiss, FB Sakramentenpastoral ­ 089 / 2137-1787

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Konzept Helmut Heiss - Firmvorbereitung nachhaltig

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