Read Microsoft Word - lehrer titel text version

,,Genau wie hier, nur alles anders ­ KulturUnterschiede entdecken"

Eine Wanderausstellung von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Unterrichtsmaterialien

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

1

Vorwort

Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselkompetenz, die heutzutage mehr denn je in Schule, Ausbildung und Berufsleben von Jugendlichen entwickelt und eingebracht werden muss. Wer als Lehrer den Besuch seiner Schulklasse in unserer Ausstellung vor- oder nachbereiten möchte, kann dafür das vorliegende Handout nutzen. Unsere Ausstellung eignet sich als außerschulischer Lernort, an dem wesentliche Aspekte von interkulturellem Lernen multimedial vermittelt werden. Sie ist für Schüler ab 12 Jahren geeignet, die Ausstellungsrallye ist für die Altersgruppe bis 15 Jahre konzipiert. Kulturunterschiede zu entdecken ist spannend und macht Spaß. Das ist unsere Erfahrung aus 60 Jahren AFS ­ und dies versuchen wir, in der Jubiläums-Wanderausstellung zu zeigen, die von April bis Oktober 2008 in Deutschland unterwegs ist. Dabei haben wir besonders Schüler und Lehrer im Blick, denn die AFS-Idee von Völkerverständigung ist zwar eine globale, jede Austauscherfahrung findet aber lokal statt: in Schulen, in Familien und Gemeinden. Auf Stellwänden und in Hörbeispielen geht es um die aufregende Herausforderung, die sich ergibt, wenn sich Menschen unterschiedlicher Kulturkreise begegnen. Grundlage ist das ,,KulturzwiebelModell" des niederländischen Soziologen Geert Hofstede, das wir mit Erzählungen, Bildern und Zitaten ehemaliger Austauschschüler und Gastfamilien illustrieren und belegen. Schüler erhalten bei einem Besuch eine eigens konzipierte, kompakte Ausstellungsrallye, anhand derer sie sich die Inhalte der Ausstellung erarbeiten und mit ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen in Verbindung bringen können. Für Sie als Lehrer stehen zudem ergänzende Unterrichtsmaterialien rund um das Thema ,,Interkulturelles Lernen" zur Verfügung, die Sie im Internet unter www.afs60.de/wje lesen und kostenlos herunterladen können. Sollten Sie mit einer Schulklasse unsere Ausstellung besuchen, werden Sie von unseren Ehrenamtlichen vor Ort empfangen und betreut. Daher bitten wir Sie dringend um eine schriftliche oder telefonische

Anmeldung.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

2 Hintergrund zur Ausstellung (Hofstede)

Grundlage für unsere Ausstellung ist ein Modell, das der holländische Soziologe Geert Hofstede (www.geert-hofstede.com) entwickelt hat, um kulturelle Unterschiede sichtbar zu machen, zu untersuchen und zu verstehen. Das Wissen über Kulturunterschiede ermöglicht es Menschen, aufeinander zuzugehen, Unterschiede zu respektieren und Begegnungen zwischen Kulturen als Bereicherung zu empfinden. Hofstede hat dafür Menschen aus über 60 Ländern befragt und in der Auswertung als feste Kategorien die so genannten Kulturdimensionen entwickelt, die zeigen, wie eine Kultur sich gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Zuständen verhält. Über diese Kategorien lassen sich verschiedene Kulturen miteinander vergleichen.

Was ist eigentlich Kultur?

Die wissenschaftlichen Definitionen von Kultur sind vielfältig und unterscheiden sich, je nachdem in welcher Disziplin (Kulturwissenschaften, Soziologie, Kunst, Politik...) sie benutzt werden. Für unsere Ausstellung gehen wir davon aus, dass gewisse grundlegende menschliche Funktionen genetisch veranlagt und bei allen Menschen vorhanden sind. Neben biologischen Instinkten gehören dazu auch die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, der Drang, sich mit anderen Menschen auszutauschen, oder Neugier auf die umgebende Umwelt zu empfinden. Die Frage, wie wir damit umgehen, wie wir Gefühle äußern oder mit anderen kommunizieren, wird durch das bestimmt, was wir Kultur nennen. Kultur ist immer erlernt. Von frühester Kindheit an bilden wir Denk-, Fühl- und Handlungsmuster aus, die durch unsere Umgebung bestimmt werden: etwa Begrüßungen, Essensgewohnheiten, Zeigen von Gefühlen, Distanzverhalten, Feste oder religiöse Rituale. Unsere kulturelle Prägung erhalten wir also innerhalb bestimmter Gruppen. Das kann zum Beispiel eine Gesellschaft sein, aber auch eine Nation oder eine Religionsgemeinschaft, die Familie, eine Clique oder ein Unternehmen. Kultur verbindet uns mit anderen Menschen einer Gruppe und wird von allen Mitgliedern dieser Gruppe geteilt.

Die Hofstedesche Kulturzwiebel

Mit Hofstedes Modell können wir uns eine Kultur wie eine Zwiebel vorstellen. Das Innere der ,,Kulturzwiebel" besteht aus Werten: Sie bestimmen als eine Art unbewusste Programmierung, wie wir bestimmte gesellschaftliche Situationen oder Beziehungen erleben, bewerten (gut/schlecht, richtig/falsch...) und danach handeln. Mit diesen Wertvorstellungen werden wir nicht geboren, sondern erlernen sie in den ersten Jahren unseres Lebens, so wie wir auch essen, laufen und sprechen lernen. Gleiche Werte verbinden uns mit den anderen Mitgliedern unserer Kultur, können aber auch zu Abgrenzung und Intoleranz gegenüber anderen Kulturen führen. Werte sind nicht sichtbar ­ wir können aber durch die Art und Weise, wie Menschen unter bestimmten Bedingungen handeln, auf sie schließen. Sie beeinflussen das Verhalten und Denken der Menschen innerhalb einer Kultur. Damit haben sie auch Auswirkung auf die äußeren Schichten der Kulturzwiebel. Hier zeigen sich sichtbare Bräuche oder Merkmale. Hofstede nennt sie Symbole, Helden und Rituale (zusammen: kulturelle Praktiken).

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Kommen wir in Berührung mit einer anderen Kultur, fallen uns Symbole, Helden und Rituale zwar als Erstes auf. Welche Bedeutung sie haben, müssen wir aber erst lernen.

Die Kulturzwiebel von Hofstede

Symbole

Auf der äußersten Schicht der Kulturzwiebel befinden sich die so genannten Symbole. Es sind die Dinge, die wir als erstes bemerken, wenn wir eine neue Kultur kennen lernen, weil sie deutlich sichtbar sind. Symbole einer Kultur können zum Beispiel sein: Worte oder Ausdrücke, Gesten oder andere Formen der Körpersprache, Kleidungsstücke, Bilder, Flaggen oder andere äußerliche Zeichen, die eine bestimmte Bedeutung haben.

Helden

Ein weiteres Merkmal von Kulturen, das wir schnell entdecken weil es gut sichtbar ist, sind Helden. Hofstede bezeichnet damit Personen, die in einer Kultur hohes Ansehen genießen oder einfach populär und berühmt sind. Sie sind für die Mitglieder der Kultur Vorbilder und Leitfiguren. Von Popstar über Freiheitskämpfer bis hin zum König kann jeder als Held gesehen werden.

Rituale

Schließlich gibt es kulturelle Rituale. Nach Hofstede verstehen wir darunter Handlungen oder feste Abläufe, die von allen Mitgliedern einer Kultur einheitlich ausgeführt werden. Rituale dienen nicht dazu, ein bestimmtes Ziel zu erreichen sondern werden nur um ihrer selbst willen ausgeführt. Typische Rituale sind soziale und religiöse Zeremonien, Begrüßungsformen, Darstellung von Ehrerbietung oder der Ablauf von politischen und geschäftlichen Verhandlungen.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Werte

Hofstede unterscheidet in Bezug auf die Wertvorstellungen unterschiedlicher Kulturen fünf verschiedene Bereiche des menschlichen und gesellschaftlichen Miteinanders, die er Kulturdimensionen nennt. Sie beeinflussen das Verhalten der Menschen in einer Kultur entscheidend, sind in allen Gesellschaften unterschiedlich stark ausgebildet und nur indirekt sichtbar: In Form von allgemeinen Normen, Regeln, Beziehungsmuster oder Verhaltensweisen, die in Familien, in der Öffentlichkeit, in Schule, Arbeitplatz oder politischem System gelebt werden. Hofstede nennt seine Kulturdimensionen: Machtdistanz Individualismus Maskulinität Unsicherheitsvermeidung Langzeitorientierung

In Hofstedes Modell sind die Kulturdimensionen einzeln dargestellt, in der Realität vermischen und überschneiden sie sich. Auch wenn normalerweise die meisten Menschen in einer Kultur ähnliche Wertvorstellungen haben, gibt es in jeder Kultur natürlich auch Personen oder Gruppen, deren Werte davon abweichen.

Machtdistanz Das Ausmaß der Machtdistanz beschreibt die Verteilung von Macht in einer Gesellschaft. Sie zeigt an, in welchem Umfang weniger mächtige Menschen erwarten und akzeptieren, dass die Macht ungleich verteilt ist. Je höher die Machtdistanz, desto ungleicher ist die Machtverteilung: in Familie, Schule, Beruf oder Politik. Bei hoher Machtdistanz wird erwartet, dass die Initiative immer vom Lehrer oder Vorgesetzten ausgeht, man wird zu Respekt und Gehorsam erzogen. Bei einer niedrigen Machtdistanz wird Eigeninitiative von Schülern oder Mitarbeitern gefordert und man wird zu Gleichberechtigung erzogen. Auch die Akzeptanz von sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden hängt hiervon ab. Beispiele für hohe Machtdistanz - Erziehung zu Gehorsam - Initiativen gehen von Lehrern / Vorgesetzten aus - Die Mächtigen genießen Privilegien Beispiele für niedrige Machtdistanz - Erziehung zur Gleichberechtigung - Lehrer / Vorgesetzte erwarten Eigeninitiative - Alle haben dieselben Rechte

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Individualismus Menschen bauen im Verlauf ihres Lebens immer wieder Beziehungen zu anderen Menschen auf. Gesellschaften, in denen die Bindungen der Menschen untereinander locker sind, werden als individualistisch bezeichnet. Im Gegensatz dazu finden sich in kollektivistischen Kulturen starke, geschlossene WirGemeinschaften, deren Mitglieder ihnen ein Leben lang angehören. In eher individualistischen Gesellschaften ist es wichtig, sich als eigene Person zu definieren, in der Kommunikation wird direktes und offenes Auftreten erwartet. In kollektivistischen Gesellschaften geht das ,,Wir" vor das ,,Ich", und in der Kommunikation werden viele Dinge für selbstverständlich gehalten und daher nicht direkt angesprochen. Zudem gehen Harmonie und Bewahrung einer Beziehung vor Offenheit, die schnell als beleidigend empfunden wird. Beispiele für Individualismus - Menschen sorgen für sich und ihre direkte Kernfamilie - Aufrichtige Meinungsäußerungen werden geschätzt - Direktes Kommunizieren (Informationen wie in Schlagzeilen) Beispiele für Kollektivismus - Menschen gehören zu Gruppen (z.B. Familie, Schule, Firma), denen gegenüber sie loyal sind - Meinungen werden zum Wohl der Harmonie zurückgehalten - Indirektes Kommunizieren (Informationen liegen zwischen den Zeilen)

Maskulinität Die Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern in einer Gesellschaft gibt uns Auskunft über die Kulturdimension Maskulinität. Hofstede macht sie an ,,typisch männlichen" und ,,typisch weiblichen" Merkmalen fest. In maskulinen Gesellschaften herrschen demnach vermeintlich männliche Werte (hart, kämpferisch, materiell orientiert) vor und die Rollen der Geschlechter sind klar abgegrenzt. In Gesellschaften mit femininer Werteausrichtung (sozial, sensibel, verhandelnd) überschneiden sich die Geschlechterrollen. Beispiele für Maskulinität - Strenge Rollenverteilung zwischen Mann und Frau - Betonung von Leistung und Wettbewerb - Sympathie mit den Leistungsträgern Beispiele für Feminität - Rollenverteilung und Geschlecht hängen nicht zwingend zusammen - Betonung von Solidarität und der Qualität von Beziehungen - Sympathie mit den Schwachen

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Unsicherheitsvermeidung Gefühltes Risiko und gefühlte Sicherheit in einer Gesellschaft sind entscheidend dafür, in welchem Umfang sich Menschen durch bestimmte Situationen bedroht fühlen. In Kulturen, die ungewisse oder unsichere Situationen schlecht ertragen und daher vermeiden wollen, ist das Leben durch Gesetze und Sicherheitsmaßnahmen stark reglementiert. Das Gegenteil ist der Fall, wenn Unsicherheit akzeptiert und ausgehalten wird. Das äußert sich beispielsweise in der Schule, wo bei hoher Unsicherheitsvermeidung die Lehrer immer alles ,,wissen müssen" und die Schüler richtige und klare Antworten mögen; bei einer Toleranz von Unsicherheit ist es für den Lehrer kein Problem, Unwissen zuzugeben, und Schüler mögen eher Diskussionen und offene Fragen. Beispiele für starke Unsicherheitsvermeidung - Unsicherheit ist eine Bedrohung und muss bekämpft werden - Viele detaillierte Regeln und Strukturen - Pünktlichkeit ist wichtig Beispiele für schwache Unsicherheitsvermeidung - Unsicherheit gehört zum Leben dazu - So wenig Regeln wie möglich - Zeit ist ein Orientierungsrahmen

Langzeitorientierung Die Bedeutung, die Menschen Raum und Zeit geben, wirkt sich darauf aus, ob eine Kultur lang- oder kurzfristig ausgerichtet ist. Diese Kulturdimension ist vor allem in asiatischen Gesellschaften mit konfuzianischem Hintergrund zu beobachten. Langzeitorientierung zeigt sich durch den Stellenwert, der zu erwartenden Zuständen in der Zukunft zugeschrieben wird. Gesellschaften mit ausgeprägter Langzeitorientierung sind ausdauernd. Kurzfristige Orientierung ist dagegen in der Gegenwart verankert. Bei langfristiger Orientierung haben Beharrlichkeit und traditionelle Werte einen hohen Stellenwert, bei eher kurzfristiger Orientierung kommt es auf Effizienz und das ,,objektiv" Richtige an. Beispiele für langfristige Orientierung - Zukunftsorientiert - Traditionen entwickeln sich mit den Gegebenheiten weiter - Beharrlichkeit, Ergebnisse werden langsam erreicht Beispiele für kurzfristige Orientierung - Gegenwartsorientiert - Respekt für Traditionen - Erwartung rascher Ergebnisse

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Realität vs. Modell

Natürlich ist das Modell kein 1:1-Abziehbild der Realität. Nicht alles, was wir bei Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen erleben, lässt sich einfach so in eine Modell-Form pressen ­ schon allein deshalb nicht, weil ein Modell nicht Individuen oder einzelne Persönlichkeiten darstellt, sondern das Verhalten von Gruppen. In der Realität sind die Kulturdimensionen keine voneinander abgegrenzten Bereiche, sondern überschneiden sich, sind unterschiedlich stark ausgeprägt und auch veränderbar. Beispielsweise können zwei Gesellschaften in etwa demselben Maße kollektivistisch sein, aber der Umgang mit den Geschlechterrollen ist völlig unterschiedlich. Hinzu kommt unsere individuelle Prägung, die von den in unserem Kulturkreis vorherrschenden Denkmustern abweichen kann: Natürlich kann es zum Beispiel auch in einer Kultur mit ausgeprägtem Hierarchie-Bewusstsein Menschen geben, denen Gleichberechtigung wichtig ist. Es gilt: Das Modell hilft dabei, grundsätzliche kulturelle Unterschiede überhaupt erst sichtbar zu machen, einzuordnen, zu vergleichen und damit besser zu verstehen.

Zur Kritik an Hofstede

Das Hofstedesche Modell ist nur eines von verschiedenen Kulturmodellen, die es gibt (z. B. auch von Edward T. Hall, Fons Trompenaars oder Alexander Thomas). Es ist in diesem Forschungsbereich üblich, mit einer Einteilung in Dimensionen zu arbeiten, um Untersuchungen vergleichbar zu machen. Ausgewählt haben wir die Hofstede-Kulturzwiebel, weil es seit seiner Entwicklung die Kulturwissenschaften entscheiden geprägt hat: Es ist eines der meist genutzten Modelle und auch für ,,Kultur-Neulinge" anschaulich und einfach zu vermitteln. Kritik gibt es an Hofstedes Modell durchaus. Zum Beispiel an den Basisdaten seiner Untersuchung: Hofstede nutzte in seiner Originalstudie Befragungsdaten aus einer weltweiten MitarbeiterBefragung von IBM und damit von Menschen, die alle bei einem Unternehmen beschäftigt sind (ein Teil seiner Untersuchung bezieht sich auch explizit auf Unternehmenskulturen). Zudem liegt der Fokus auf vermeintlich homogenen Nationalkulturen mit einheitlicher Wertestruktur, ohne mögliche regionale oder ethnische Unterschiede. In aktuelleren Updates seiner Studien werden zwar auch Untergruppen verglichen (z. B. Religionsgruppen), der Schwerpunkt liegt aber immer noch auf Nationen.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Länderbewertung nach Hofstede

Hofstede hat nicht nur das Modell der Kulturzwiebel entwickelt, sondern mit dessen Hilfe auch die Nationalkulturen 60 verschiedener Länder miteinander verglichen. Für jedes Land lassen sich die einzelnen Kulturdimensionen in ihren Ausprägungen als Graphen darstellen.

(aus: www.geert-hofstede.com)

(Tabelle zum Vergleich des Individualismusindex verschiedener Länder)

Literatur und Links

www.geert-hofstede.com Nicklas/Müller/Kordes (Hrsg.): Interkulturell denken und handeln. Bundeszentrale für politische Bildung (2006).

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

3 Ausstellungsrallye

Für Schüler liegt eine eigens konzipierte Ausstellungrallye vor. Damit sollen schwerpunktmäßig 12- bis 15-jährige Zugang zum Thema Kulturunterschiede bekommen und sich die Inhalte der Ausstellung selbstständig erarbeiten können. Anhand von Fragen zur eigenen Einstellung und eigenen Erlebnissen setzen die Schüler ihre Erfahrungen in Bezug zum Ausstellungsthema und erarbeiten sich dabei neue Sichtweisen.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

AFS-Wanderausstellung 2008

"Genau wie hier, nur alles anders ­ KulturUnterschiede entdecken"

Entdeckungstour für Schülerinnen und Schüler

!

Guck dir die Beispiele auf der jeweiligen Stellwand an und beantworte die dazugehörigen Fragen. Du musst die Fragen nicht der Reihenfolge nach bearbeiten. Bitte beantworte die Fragen für dich alleine.

,,Menschen denken, fühlen und handeln unterschiedlich. Oder vielleicht doch nicht?"

,,Gut zu sehen"

Welches Symbol kennst du? Wie heißt es? Versuche es zu zeichnen und schreibe auf, was es für dich bedeutet.

,,Besser als du und ich"

Wer ist dein Held ­ und warum?

,,Das machen wir hier so!"

Welches Ritual benutzt du? Wann?

,,Ich oder Wir?"

Bist du gerne allein oder lieber in Gemeinschaft? Warum?

,,Eine Frage der Gleichheit"

Auf dieser Stellwand siehst du ein Bild von einem Fahnenappell in einer kolumbianischen Schule. Beschreibe das Bild.

Stell dir vor, es gäbe auch an deiner Schule Fahnenappelle. Wie würdest du dich dabei fühlen? Warum?

,,Sie und Er und das, was zählt"

Schau dir das Bild links oben auf dieser Stellwand an und lies dir das Zitat durch. Warum, glaubst du, wäre es für Pedro in Guatemala unvorstellbar, sich als Frau zu verkleiden?

Wie hättest du dich an Pedros Stelle gefühlt und verhalten?

,,Auf Nummer sicher"

Auf dieser Stellwand sind verschiedene Schilder abgebildet. Welches ist deiner Meinung nach am Wichtigsten? Warum?

Zeichne ein Schild auf, das du kennst. Was bedeutet es?

Was würde passieren, wenn es dieses Schild nicht gäbe?

copyright: AFS Intekulturelle Begegnungen e.V.

,,Menschen denken, fühlen und handeln unterschiedlich. Oder vielleicht doch nicht?" ­ Diese Aussage habt ihr zur Einstimmung auf die Rallye gelesen. Was haltet ihr davon? Begründet eure Antwort. Welche eurer Antworten sind gleich? Welche sind unterschiedlich? Schreibt je eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied auf. Abschluss: Hast du die Aufgaben zu den Stellwänden gelöst? Dann such dir zwei oder drei Partner/innen. Vergleicht eure Ergebnisse im Team.

4 Unterrichtsbegleitung

Vorbereitung des Ausstellungsbesuchs

,,Unsere Ursprünge"

ZIELE a) Die Vorkenntnisse der Schülerinnen über ihre eigene Kultur erforschen b) Analysieren, wie die eigene kulturelle Identität entsteht c) Einschätzung der verschiedenen kulturellen Einflüsse und Bezüge, die unsere kulturelle Identität ausmachen ARBEITSZEIT 1 Stunde. NOTWENDIGE MATERIALIEN Die eigene kulturelle Erfahrung der Schülerinnen DURCHFÜHRUNG Der Lehrer schlägt eine Umfrage über das kulturelle Erbe der SchülerInnen vor. Diese Untersuchung kann schriftlich, und somit individuell durchgeführt werden. Um die Übung zu beschleunigen, kann sie aber auch mündlich ausgeführt werden, indem die Antworten an die Tafel geschrieben werden. Die Schülerinnen sollen folgende Fragen beantworten: 1) Woher kommen Deine Eltern? 2) Was weißt Du über ihren Heimatort und über dessen Kultur? 3) Welche Merkmale dieser Kultur haben sich geändert, welche sind erhalten geblieben? 4) Welche Eigenarten dieser Kultur hast Du angenommen? Die Umfrage kann um Fragen erweitert werden, die auch Großeltern und Urgroßeltern einschließen. HINWEISE Die Evaluation wird sich auf die Analyse richten, die die Schülerinnen von ihrem eigenen kulturellen Hintergrund machen. Die kulturellen Komponenten sollen dabei verdeutlicht werden; ebenso der Wandel, der stattgefunden hat im Laufe der Zeit innerhalb der eigenen Kultur - wenn die ganze Familie aus dem selben Ort stammt- und innerhalb der Elemente, die ihre kulturelle Identität ausmacht.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs ,,Meine interkulturellen Begegnungen"

ZIELE a) Erkennen der interkulturellen Erfahrungen der Schülerinnen b) Die eigenen interkulturellen Erlebnisse in Erinnerung rufen und den anderen mitteilen c) Analysieren des Einflusses anderer Kulturen auf unsere Werte und Gebräuche ARBEITSZEIT 2 Stunden NOTWENDIGE MATERIALIEN Objekte, Fotos, Videos etc., werden von den Schülerinnen mitgebracht DURCHFÜHRUNG Der Lehrer bittet die Schülerinnen, ein Referat oder einen Bericht über eine Reise, die sie gemacht haben oder über eine Begegnung mit einem Menschen aus einem anderen Land oder aus einer anderen Kultur zusammenzustellen. Sie sollen Gegenstände, Souvenirs, Fotos, Videos und dergleichen mitbringen, die ihr Erlebnis illustrieren. Die Schülerinnen sollten ihren Bericht an folgenden Leitfragen orientieren: Was war der Grund für die Begegnung oder die Reise? Wie wurde der Ort oder die Kultur ausgewählt? Wie waren deine früheren Vorstellungen über diese Kultur? Wie hast du die ersten Tage erlebt? Welche Probleme bzw. Konflikte (wenn überhaupt) gab es? Sprache, Essen etc.? Wie wurden sie gelöst? Was hast du aus dem Erlebnis gelernt? Hast du auf Grund dieser Erfahrung deine Vorurteile geändert? Welche Eigenheiten dieser Kultur (Gebräuche, Werte, Lebensweisen) hast du in deine eigene Kultur übernommen? Welche wirst du niemals übernehmen? Warum? Wenn du die Erfahrung noch einmal machen müsstest, was würdest du anders machen? Warum? HINWEISE Die Schülerinnen sollten nach Möglichkeit einen Rückblick auf alle Aspekte, die im Verlauf der Übungen behandelt worden sind, machen und versuchen, die eigenen Erfahrungen mit anderen Kulturen nach interkulturellen Kriterien zu betrachten.

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Übungen

Bild von einem fremden Land Warst du schon mal in einem anderen Land? Sicher hast dich vorab versucht, über das Land oder die Stadt, in der du sein würdest, zu informieren. Was wusstest du über das Land, als du ankamst? Wie und bei wem hast du dich vor der Reise informiert? Was hast du erwartet? Über welche Bereiche hast du Informationen gesucht (z. B. Landschaft, Städte, Häuser, Menschen, Klima, Kleidung, Wirtschaft, Schule, Essen, ...)?

Erinnere dich an deine Eindrücke nach der Reise. Vergleiche dein Bild vor der Abreise mit deinem Bild danach. Hat sich dein Eindruck geändert? Hast du ein anderes Bild des Landes bekommen? Wenn ja, woran liegt das? Glaubst du, dass alle das gleiche oder ein ähnliches Bild des Landes haben wie du?

Geschlechterrollen Diskutiert in Kleingruppen über folgende Fragestellung: Welche Vorstellungen und Hoffnungen für die Zukunft habt ihr in Bezug auf Ausbildung, Beruf, Familie, Kinder? Unterscheiden sich die Vorstellungen von Jungen und Mädchen? Wenn ja, wie? Fragt euch gegenseitig, wie sie sich die Berufstätigkeit später vorstellen. Wer soll für das Geldverdienen, wer für den Haushalt, wer für die Erziehung der Kinder zuständig sein? Wie sehen diese Bereiche in euren Familien aus? Wie sahen Beruf, Haushalt und Familie bei euren Großeltern aus?

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Symbole Symbole werden in Kulturen genutzt, weil sie Träger von Informationen sind. Oft geht ihr Ursprung weit in die Geschichte zurück. Viele von ihnen versteht man nur, wenn der kulturelle oder sprachliche Hintergrund bekannt ist. Kennst du diese Symbole? Woran denkst du, wenn du diese Symbole siehst? Woran denken deine Mitschüler? Drückt ihr die gleichen Bedeutungen mit unterschiedlichen Symbolen aus?

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Gesten Sieh dir die dargestellten Gesten an. Was bedeuten sie deiner Meinung nach? Diskutiere mit deinen Schulfreunden, wie sie die Gesten verstehen. Interpretieren alle die Gesten gleich? Kennst du andere Bedeutungen für Gesten aus einem anderen Land?

© AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., 2008

Information

Microsoft Word - lehrer titel

17 pages

Report File (DMCA)

Our content is added by our users. We aim to remove reported files within 1 working day. Please use this link to notify us:

Report this file as copyright or inappropriate

946438


You might also be interested in

BETA
Microsoft Word - GFL_1_2010_Fachkommunikation_Medizin_06052010
Microsoft Word - lehrer titel
Arbeitspapier Interkulturelle Bildung