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Der Klassenneuling will "nicht nur rumschnuppern"

Mittwoch, den 14. September 2011 um 12:33 Uhr

Volleyball. Trotz eher bescheidener Möglichkeiten sehen sich die Allianz-Männer für die zweite Liga gut aufgestellt. Von Franz Stettmer Die eine oder andere Angetraute beziehungsweise Lebensabschnittsgefährtin dürfte geschluckt haben. Irgendwann im Frühsommer haben die jeweiligen Herzbuben die Fakten auf den Tisch gelegt, und die verhießen nicht unbedingt Gutes. Die Botschaft lautete sinngemäß: sorry, Schatz, aber die traute Zweisamkeit muss fortan vermehrt hinten anstehen. Stattdessen diktiert in den kommenden Monaten eine andere "Liebe" den Freizeitplan. Deren Name: Volleyball.

Volleyball, Volleyball und wieder Volleyball. Hätte den aktuell Beteiligten beim TSV Georgii Allianz vor ein paar Lenzen jemand prophezeit, dass sie einmal an sechs Abenden in der Woche in der Trainingshalle stehen würden, so wie zuletzt geschehen, sie hätten sich wohl an die Stirn getippt. Doch die Zeiten haben sich rasant geändert. Mit dem überraschenden erstmaligen Aufstieg einer Vaihinger Männermannschaft in die zweite Bundesliga ist im März einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte geglückt. Zugleich ist der einstige bloße Hobbybetrieb "Familia Uno", wie sie sich an der Heßbrühlstraße nennen, in einer neuen Dimension angelangt - nicht nur von der Spielklasse her, eben auch, was den zu betreibenden Aufwand betrifft. Denn eines steht für den Trainer Christian Hohmann vor dem Rundenbeginn am Wochenende außer Frage: "Wir möchten hier nicht nur ein bisschen rumschnuppern oder ein Exot der Liga sein." Damit, als staunender Lehrling durchs Abenteuerland zu ziehen und dabei brav Punkte zu überreichen, gedenken der 33-Jährige und die Seinen sich nicht zu begnügen. Dafür ist der Ehrgeiz zu groß, zuvorderst jener von Hohmann selbst.

Der Coach gilt als entscheidende Figur des Höhenflugs. Seit seiner Beförderung zum sportlich Verantwortlichen vor Jahresfrist hat er innerhalb der Abteilung mit akribischer Arbeit für professionellere Strukturen gesorgt. Entstanden ist ein leistungsorientiertes Kleinunternehmen, ohne dass der Teamgeist und der Spaß auf der Strecke geblieben wären. Letzteren, den Spaß, sieht der Kapitän Axel Ziethe nach wie vor als große Triebfeder. Die Stimmung beschreibt der Routinier, der neben Frank Rüdinger als Einziger im bisherigen Team bereits über Zweitliga-Erfahrung verfügt, wie folgt: "Es ist eine supergeile Angelegenheit, dass uns das alles mit unserem hiesigen Verein gelungen ist." Nun freue sich ein jeder "wahnsinnig" auf die anstehende Herausforderung. Und für diese haben denn auch alle das von Hohmann ausgeklügelte harte Programm akzeptiert, auch wenn dieses manch einen an zeitliche Kapazitätsgrenzen brachte und bringt.

Statt bisher drei stehen nun die erwähnten sechs Übungseinheiten pro Woche an, zwei davon im Kraftraum. Dazu ein Trainingslager am Bodensee, individuelle Leistungstests, kardiologische Untersuchungen - der diplomierte Sportwissenschaftler Hohmann hat alle modernen Möglichkeiten seines Metiers genutzt, um sein Aufgebot zu trimmen und mögliche sonstige Nachteile zu kompensieren.

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Gewiss, andere verfügen über mehr Geld. Zu verdienen gibt es bei der Allianz weiter allein sportliche Meriten. Die Spieler treten unverändert für den "Nuller" an. Schwer genug wiegt es, rund 12 000 Euro mehr als bisher aufbringen zu müssen, nämlich für fällige Verbandsgebühren und wegen weiterer Auswärtsfahrten. An den Wochenenden nach Ulm und Fellbach zu tuckern wie noch in der Regionalliga oder künftig Kilometer nach Leipzig und Dresden abzuspulen, das macht einen nicht unerheblichen Unterschied.

Ebenso keine Frage: andere treten mit namhafter besetzten Kadern an. Die Vaihinger haben es schließlich bei der Verpflichtung von zwei Neuzugängen belassen. Immerhin: denen attestiert Hohmann Leistungsträgerpotenzial. Die Rede ist von dem Zuspieler Jan Zimmermann und dem Außenangreifer Philipp Trenkler. Beide sind gerade einmal 18 Jahre alt, beide sind Junioren-Nationalspieler, und beide kommen, ausgestattet mit einer Doppelspiellizenz, vom TV Rottenburg. Der Erstligist parkt seine Talente für eine Saison in Vaihingen, wo sie sich weiterentwickeln und Spielpraxis sammeln sollen.

Doch mag der TSV Georgii Allianz von den erwähnten Möglichkeiten in der Summe ein Außenseiter sein, "physisch topfit" und gut aufgestellt sieht Hohmann seine Truppe allemal. Gut genug jedenfalls, um das alleinige Ziel zu einer realistischen Aufgabe zu machen. Dieses lautet, natürlich, Klassenverbleib - übermütig werden wollen sie ja nicht, die Vaihinger. Für ein Gelingen müsste der Liganeuling in der Tabelle zumindest zwei Mannschaften hinter sich lassen, wobei die VYS Friedrichshafen und der VCO Kempfenhausen in dieser Rechnung nicht zählen. Sie sind als Stützpunktteams vom Abstieg ausgenommen.

Ein anderer, der erste Gegner, kann ohnehin nicht der Maßstab sein. Wie es der Spielplan so will: zum Auftakt müssen Ziethe und Co. am Samstag (20 Uhr) gleich zum amtierenden Meister, dem VC Eintracht Mendig. "Zu verlieren haben wir dort nichts", sagt Hohmann, der bereits einen Satzgewinn als Erfolg erachtete. Der wäre dann vermutlich auch im Sinne der weiblichen Holdseligkeit. Schließlich: wenn der Volleyball schon wieder einmal Vorrang hat, so mögen die Herren Partner doch wenigstens gut gelaunt heimkehren.

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