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Erstleselehrgang nach dem Kieler Leseaufbau (KLA)

Der Kieler Leseaufbau wurde ursprünglich für Leselernversager und Förderschüler von Frau Hackethal und Frau Dr. Dummer-Smoch konzipiert. Die Prinzipien des Leselehrgangs an der Hermann-Löns-Schule Isolierung von Schwierigkeiten Fortschreiten in kleinsten Schritten Aneignung der Konsonanten in einer bestimmten Reihenfolge: zunächst werden die dehnbaren Konsonanten M ­R-S-N-L-F und die Vokale A-E-I-

O-U gelernt. Mit diesen Graphemen bildet man zunächst zweisilbige

Wörter nach der Wortstruktur Konsonant - Vokal - Konsonant ­ Vokal (Beispiel: Name, Nase, Mofa) Die größte Schwierigkeit, aber auch das sicherste Zeichen für Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb liegt im Zusammenziehen von Konsonant und Vokal. Deshalb ist es sinnvoll mit den dehnbaren Graphemen zu beginnen. Konsequente Beachtung der Wortstruktur Kurze Vokale finden sich am Anfang nur in den Endungen (-,e, -en, -er, -el) für diese Endungen gibt es jeweils eine Lautgebärde. Am Anfang sind die Vokale in den Stammsilben immer lang (erst KINO ­ später KIND) Wörter mit Dehnungen und Dopplungen kommen am Anfang nicht vor. Konsequenter Einsatz der Lautgebärden Das Prinzip vom einfachen zum Schwierigen: Der Leselernprozess wird so einfach wie möglich gestaltet. Ein Graphem steht für einen Laut. Die kleinen Druckbuchstaben werden erst später eingeführt. Die Schreibschrift erlernen die Kinder im zweiten Schuljahr. Die Auf- und Abbauübungen werden immer in Silben vollzogen (Beispiel: Au ­ Auto ­ Autorei ­ Autoreifen ­ Autorei ­ immer als Ganzes gesehen werden. Auto ­ Au). Die Silbe soll

Keine Fibel! Da es immer noch keine adäquate Fibel zum Kieler Leseaufbau gibt, arbeiten wir an der Hermann-Löns-Schule nach einer modifizierten Form dieses Leseaufbaus, um die Sicherstellung der Lese- und Rechtschreibkompetenz herzustellen und die Einbindung lern- und leistungsschwacher zu gewährleisten. Auf Grundlage dieses Leseaufbaus, der für Leseversager konzipiert wurde, wurde eine methodische Aufarbeitung für den Erstleseunterricht vorgenommen. Am Ende des 1. Schuljahres können alle Kinder lesen und schreiben Die Arbeitsmaterialien wurden immer wieder neu aufbereitet. und alle Kolleginnen der ersten Klassen arbeiten mit ihm. Auf dem ersten Elternabend können wir den Eltern versichern, dass alle Kinder Weihnachten mit den eingeführten Graphemen lesen können. Die leistungsstarken Schüler können die erworbenen Kenntnisse auf noch unbekannt Buchstaben übertragen und die schwachen Schüler bleiben bei dem angebotenen Wortmaterial. Aber alle können in ihrem eigenen Tempo lesen und den Sinn kurzer Sätze erfassen. In dieser Art gibt es keine Fibel bzw. kein Erstlesewerk. Der Mildenberger Verlag hat eine Silbenfibel heraus gebracht und der Cornelsen-Verlag hat sich mit wenigen Abweichungen an die Reihenfolge der einzuführenden Buchstaben gehalten. Aber die entscheidenden Prinzipien, vom Einfachen zum Komplizierten, sind nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die ritualisierte Einführung mit einer Anlautgeschichte ist nach einigen Wochen ein ,,Selbstgänger" und motiviert die Kinder sehr, außerdem bietet sie besonders den leistungsschwachen Kindern Sicherheit. Methodischer Einsatz des Erstleselehrgangs Am besten haftet Neues, wenn es in möglichst vielen Zusammenhängen präsentiert wird, deshalb werden die Grapheme über Anlautgeschichten eingeführt, eine Figur begleitet den Leselernprozess, ein Buchstabentisch

gehört ebenso dazu. Die neuen Grapheme werden ritualisiert eingeführt; (,,Buchstabenkino"); wöchentlich nur ein Graphem. Die Kinder bekommen sehr früh Lese-Arbeitsbögen, die sehr vielseitig sind und das Auswendiglernen verhindern. Der Einsatz eines ,,Herzwortes" und Namen von Fantasiefiguren ermöglichen die Bildung einfachster kleiner Sätze. Regelmäßige Graphem- Silben und Wortdiktate schleifen die lautgetreue Rechtschreibung ein. Die Erstklässler können alle Weihnachten mit den eingeführten Graphemen lesen. Die Kinder, die schon Vorkenntnisse mitbringen, können z.T. dann kleine Bücher lesen. Die häufig erfolgreiche Durchführung des Erstleseprozesses gibt das Vertrauen, es immer wieder zu schaffen. Seit 1994 wird der Erstleseunterricht in allen ersten Klassen durchgeführt. Es wurde im Schulkonzept verankert. Die guten Erfahrungen sprechen für sich.

*Ein Graphem ist die kleinste Einheit in der Schriftsprache. Es besteht aus einem

oder mehreren Buchstabe und bildet einen Laut ab. Beispiele: a, e, o u, ei, sch, st, usw.

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Erstleselehrgang nach dem Kieler Leseaufbau

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