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Michael Tewes ([email protected])

»Strukturfunktionalismus als Grundprinzip des Grammatikunterrichts« Überlegungen zu Format und Paradigma eines (künftigen) Grammatikunterrichts in der Sekundarstufe I (und II) des Gymnasiums. 14. November 2006 (Ruhr-Universität Bochum) Vorlesung ,,Sprachreflexion im Deutschunterricht" (Wolfgang Boettcher)

Aktuelle TOP-Themen der Sprachdidaktik zum Stichwort ,,Reflexion über Sprache / Grammatikunterricht"

· Empirische / statistische Verfahren zur Evaluierung und Weiterentwicklung didaktischer / methodischer Ansätze · Funktional orientierter Grammatikunterricht

Faktoren ,,´Grammatikunterricht´ in der Schule"

Lehrer/Schüler als Träger & Adressaten des GrU Bindende institutionell-gesetzliche Vorgaben des Lernorts Schule

"Grammatikunterricht" in der Schule

12.11.2006 - v5

Fachwissenschaft (Linguistik) Fachdidaktik / Methodik des Faches Deutsch Bezugswissenschaften des Deutschunterrichts

Medien des GrU

Stundentafel ­ Fach Deutsch Primarstufe und Gymnasien (Niedersachsen)

Klasse/Jg. Stunden 6 6 6 6 pro Woche Schüler/Klasse 21,2 Schüler (2005); Lebensalter 6 7 8

Primarstufe 1 2 3 4

5 5

Sek I (Gym) Sek II (Gym) 6 7 8 9 10 11 12 (13) 4 4 4(3) 4 28,2 Schüler 3 3 4 (4)

9 10 11 12 13 14 15 16 17 (18)

Bildungsstandards der KMK im Fach Deutsch für den ,,Primarbereich" (2004) und für den Mittleren ,,Bildungsabschluss" (2003)

Primarbereich

Sekundarstufe I WORTEBENE

Wort Silbe, Wortstamm, Wortbaustein; Verwandte Wörter / Wortfamilien Nomen Einzahl / Mehrzahl; Fall; Geschlecht Verb Grundform / gebeugte Form (Tempus) Gegenwarts- / Vergangenheitsformen Bestimmter / unbestimmter Artikel Adjektiv Grundform, Vergleichsstufen Pronomen (Andere Wörter: Restklasse)

Flexion; abgeleitetes Wort; zusammengesetztes Wort Singular / Plural Nominativ / Genitiv / Dativ / Akkusativ Infinitiv / Partizip I & II Aktiv / Passiv Indikativ / Konjunktiv / Imperativ Präsens / Präteritum / Perfekt / Plusquamperfekt / Futur

Präposition Konjunktion Adverb (Andere Wörter: Restklasse) SATZEBENE Objekt, Adverbiale Bestimmung Attribut Hauptsatz, Gliedsatz, Satzgefüge, Satzreihe

Subjekt, Prädikat

Aussageform / Fragesatz / Ausrufesatz Wörtliche Rede Satzzeichen Punkt, Komma, Ausrufezeichen, Fragezeichen, Doppelpunkt, Redezeichen Proben (Glinz)

Syntax

Satzarten / Satztypen / Satzbau

beim Lesen: Satzgrenzen erfassen (bis 2); Satzarten erkennen und benennen (bis 4) Aussage-, Frage- und Ausrufesatz (bis 4) Erweiterung der Kenntnisse des Satzbaus Hauptsatz (5/6) Unterscheidung Satzreihe und Satzgefüge (5/6) Satzwertige Infinitivund Partizipialkonstruktionen (7/8)

Kerncurriculum Deutsch (Niedersachsen)

Satzglieder

Der Satzkern

Die übrigen Satzglieder

Operationen

Das Prädikat als verbales Satzglied (einund mehrteilig) (bis 4) Das Subjekt (bis 4) Der Satzkern (Subjekt und Prädikat) als syntaktisches Minimum des Satzes (5/6) Attributsatz (7/8)

Objekte: Einführung (bis 4); Dativ-, Akkusativ-, Genitivobjekt (5/6)

fragen, ersetzen, weglassen, umstellen (bis 4) Bestimmung der Satzart: Klangprobe (5/6)

Nebensatz (5/6) Subjektsatz (7/8) Objektsatz (7/8) Adverbialsätze (Konjunktionalsätze) (7/8)

Das Attribut als Satzglieddteil: GenitivBestimmung von Satzund Adjektivattribut, gliedern: Umstellprobe, das Partizip als Attribut gezielte Frage; Erweiterungs(einschl. Proben) und Weglassprobe (7/8) (Bestimmung Subjekt/ Prädikat) (5/6) Adverbialbestimmung: Temporal-, Lokal-, Kausal-, Modalbestimmungen (5/6)

Vervollständigung der Kenntnisse über Satzglieder (7/8)

Kontrastive Linguistik

Textlinguistik, Topologie, Stilistik

Textlinguistik: einfache Mittel der Textkohäsion (5/6); Funktion von Satz- und Textstruktur bzgl. Textkohärenz, einschl. Varianten (7/8); Reflexion: sprachliche Mittel zur Sicherung der Textkohärenz, Beurteilung der Wirkung (9/10); Topologie: Analyse: Satzbauformen als Mittel sprachlicher Differenzierung (7/8); Stilistik: Nutzung der Kenntnisse über die Leistung der Syntax in der Analyse von Texten / beim Schreiben und Sprechen (9/10)

© Michael Tewes (2006) [email protected]

Heranziehen muttersprachlicher Kompetenz für die Fremdsprache(n) (5­10) Erkennen von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Sprachen (7/8) Nutzung der Erkenntnisse aus verschiedenen Sprachen: Sprachbewusstsein (9/10)

Syntax

Der Satz als Sinneinheit Satzarten / Satztypen / Satzbau

Satzarten erkennen und benennen (3/4) Aussage-, Frage- und Aufforderungssatz (5/6) Festigung der bisherigen Kenntnisse (7) Erweiterung der Kenntnisse des Satzbaus

Lehrpläne Deutsch (Niedersachsen)

Satzglieder

Der Satz als gegliederte Sinn- und Klangeinheit (1/2) Sätze als Teil eines Textes (1/2) Texte als aufeinander bezogene Sätze (3/4) Der Satz als aufeinander bezogene Wörter (3/4) Verknüpfen und Auflösen von Sätzen (3/4)

Der Satzkern

Die übrigen Satzglieder

Operationen

Das Prädikat als verbales Satzglied [einund mehrteilig] (5/6) Die besondere Rolle der finiten Verbform für die Struktur des Satzes (5/6) Das Subjekt (5/6)

Objekte: Dativ-, Akkusativund Präpositionalobjekt (5/6) das Attribut als Satzgliedteil (5/6) Adverbialbestimmungen: Temporal-, Lokal-, Kausal-, Modalbestimmungen (5/6)

Teile im Satz umstellen und so Satzglieder ermitteln (3/4) Sätze erweitern und kürzen (3/4) Bestimmung von Satzgliedern mit Hilfe der Umstellprobe (5/6)

Hauptsatz (7)

Infinitiv- und Partizipialgruppen [in Haupt- und Nebensätzen] (8)

Gliedsatz (7): Bestimmung der Gliedsätze nach Form und Funktion (8)

Festigung der bisherigen Kenntnisse (7)

Konjunktionalsatz (8)

Relativsatz (8)

Interrogativ- häufig verwendete sätze (8) Adverbialsatzarten (7) Adverbialsätze (8)

Stilistische Merkmale in Wortwahl und Syntax (10)

Topologie Leistungen des Satzbaus für die Aussage und Wirkung eines Textes [z.B. Stellung von Satzgliedern; pronominale, konjunktionale, adverbiale Verknüpfungen; Wiederaufnahmen] (9)

© Michael Tewes (2006) [email protected]

IdS-Grammatik: Institut für deutsche Sprache (Mannheim)

Zifonun, Gisela u.a. (Hrsg., 1997): Grammatik der deutschen Sprache, Mannheim. Umfang: insges. 2569 Seiten; Preis: 128,- EUR.

Doppelperspektivik als erkenntnisleitendes Prinzip

Erste Perspektive: Von der Funktion zur Form wechselseitige Durchdringung Zweite Perspektive: Von der Form zur Funktion

Adjazenzellipsen A: ,,Kommst du morgen?" B: ,,Ja, um 7"

Verwendbare Abschnitte für eine struktur-funktionale Syntax aus der IdS-Grammatik (Zifonun et al. 1997)

Band 1 Abschnitte B1: Wortarten und interaktive Einheiten B2: Wortgruppe: Phrasen und verbale Gruppen C: Zur Grammatik von Text und Diskurs; Band 3 Abschnitt H: Subordinierte und koordinierte Strukturen (vor allem: die Koordinationsstrukturen in H2).

Aufbau der funktionalen Grammatik

LEXIKON abgeleitete Prädikatsmuster Prädikatbildung fundamentale Prädikatsmuster

fundamentale Terme

abgeleitete Terme Termbildung

Kernprädikatsmuster TERME Satelliteneinführung

erweiterte Prädikatsmuster PRÄDIKATSMUSTER

Terminsertion

PRÄDIKATIONEN

Zuschreibung syntaktischer Funktionen

Zuschreibung pragmatischer Funktionen

,,voll" spezifizierte PRÄDIKATIONEN

Quelle: nach Dik, Simon (1993): Functional Grammar, in: Jacobs, Jochim u.a. (Hrsg.): Syntax. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, (= HSK, Bd. 9.1), 368 - 394, hier: 373.

AUSDRUCKSREGELN: Form Ordnung Intonation

SPRACHGEBILDE

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive

Georg von der Gabelentz (1840 bis 1893): Trennung von · psychologischem und · grammatischem Subjekt.

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive Es existiert: (a) ein spezieller Ausgangspunkt der Aussage, (b) der abhängig ist von der Situation und einer ,,normalen" Abfolge, die Rede zu organisieren (,,Default"), (c) und es gibt darüber hinaus psychologische Faktoren.

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive (Prominente) Topikansätze: (a) Topik als given/known Information, (b) Topik als Ausgangspunkt des Satzes, (c) Topik als der Satzteil, über den etwas ausgesagt wird, (d) Topik als Baustein der ,,kommunikativen Dynamik" und Topikkontinuierung.

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive Merkmale der ,,given information" (Chafe 1976): · lower pitch · weaker stress · subject to pronominalization Gestern habe ich Peter [new] getroffen. Er [given] lässt dich schön grüßen. Faktoren: · Faktor der Identifitzierbarkeit im Diskus (bekannt / nicht bekannt); · Grad, inwieweit das Element im Bewusstsein eines Hörers / Sprechers verankert ist.

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive Gundel 1985: "A constituent C is the topic of some sentence S, if C is immediately dominated by S and C is adjoined to the left or right of some sentence S´, which is also immediately dominated by S."

Pragmatische Funktion und funktionale Satzperspektive · Topikalisierte Objekt-Nominalgruppe Den Mann habe ich gesehen. · Linksherausstellung (Left-dislocation) Den Mann, den habe ich gesehen. · Hanging topic Berlin, wann sehen wir uns wieder? · Spaltsätze (cleft-Sätze) Es war Peter, der nach Berlin wollte. · Pseudo-Spaltsätze (Pseudo-Cleft) Was Peter wollte, war ein Hamburger.

Deutsches Seminar

Deutsches Seminar · Königsworther Pl. 1 · D-30167 Hannover

Dr. Michael Tewes

Königsworther Platz 1 / PF 44 D-30167 Hannover Tel Fax +49(0)511 762-5198 +49(0)511 762-3330

[email protected] germanistik.uni-hannover.de http://michael.tewes.phil.unihannover.de/

12. November 2006

Bibliographie Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (2003): Bildungsstandards im Fach Deutsch für den mittleren Schulabschluss (Jahrgangsstufe 10) vom 04. Dezember 2003. ­ (2004): Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4) vom 15. Oktober 2004. Blattmann, Ekkehard / Kottke, Edith (2001): Der Satzfächer im Grammatikunterricht der Grundschule, in: Blattmann, Ekkehard / Frederking, Volker (Hrsg.): Deutschunterricht konkret (= Bd. 2, Sprache), Baltmannsweiler. Brinitzer, Michaela / Damm, Verena (42003): Grammatik sehen. Arbeitsbuch für Deutsch als Fremdsprache, Ismaning. Dik, Simon (1993): Functional Grammar, in: Jacobs, Joachim u.a. (Hrsg.): Syntax. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, Bd. 1.1 (= HSK, Bd. 9.1), 368-394. Dudenredaktion (Hrsg., 72005): Duden ­ Die Grammatik (= Duden, Bd. 4), völlig neu überarbeitete Auflage, Mannheim. Eisenberg, Peter (21989): Grundriss der deutschen Grammatik, Stuttgart u.a. ­ (22004): Das Wort (= Grundriss der deutschen Grammatik, Bd. 1), Stuttgart u.a. ­ (22004): Der Satz (= Grundriss der deutschen Grammatik, Bd. 2), Stuttgart u.a. Engel, Ulrich (2004): Deutsche Grammatik, München. Frentz, Hartmut / Lehmann, Christian (2003): Der gymnasiale Lernbereich ´Reflexion über Sprache´ und das Hochschulzugangsniveau für sprachliche Fähigkeiten, in: Didaktik Deutsch 14, 92-98. Givón, Talmy (1995): Functionalism and Grammar, Amsterdam.

Helbig, Gerhard (52005): Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht, München u.a. Hoffmann, Ludger (2006): Didaktik der Wortarten; maschinenschriftliches Manuskript. Kanngießer, Siegfried (1977): ´Skizze des linguistischen Funktionalismus´, in: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 3, 188-240. Köller, Wilhelm (41997): Funktionaler Grammatikunterricht. Tempus, Genus, Modus: wozu wurde das erfunden?, Baltmannsweiler. Montaigne, Michel de (1953): Die Essais, Leipzig. Das Niedersächsische Kultusministerium (Hrsg., 1984): Rahmenrichtlinien für die Grundschule, Hannover. ­ (Hrsg., 1993): Rahmenrichtlinien für das Gymnasium. Schuljahrgänge 7-10. Deutsch, Hannover. ­ (Hrsg., 2004): Curriculare Vorgaben für das Gymnasium. Schuljahrgänge 5/6. Deutsch, Hannover. ­ (Hrsg., 2006a): Kerncurriculum für die Grundschule. Schuljahrgänge 1-4. Deutsch, Hannover. ­ (Hrsg., 2006b): Kerncurriculum für das Gymnasium. Schuljahrgänge 5-10. Deutsch, Hannover. Ochs, Elinor u.a. (1993): Interaction and Grammar, Cambridge, 1-51. Prenzel, Michael u.a. (2003): PISA 2003. Ergebnisse des zweiten Ländervergleichs; http://pisa.ipn.unikiel.de/PISA2003_E_Zusammenfassung.pdf#search=%22pisa%202003%20prenzel%22 Rehbein, Jochen (1977): Komplexes Handeln. Elemente zu einer Handlungstheorie der Sprache, Stuttgart. Schlobinski, Peter (2003): Grammatikmodelle (= Studienbücher zur Linguistik, Bd. 10), Wiesbaden, 125-158. Siwierska, Anna (1991): Functional Grammar, London. Stanat, Petra u.a. (Hrsg., 2002): PISA 2000. Die Studie im Überblick, hrsg. v. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin. Zifonun, Gisela u.a. (Hrsg., 1997): Grammatik der deutschen Sprache, 3 Bde., Mannheim.

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