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Alten- und Pflegeheim: Weiterentwicklung der Pflegeplanung und Auswirkungen in Pflege- und Ausbildungspraxis

Renate Neu Alten- und Pflegeheim der Württ. Schwesternschaft vom Roten Kreuz e. V. Ausgezeichnet durch den Förderpreis der Robert-Bosch-Stiftung von 1999. 1 Eingangslage in das Projekt

Im Sommer 1998 wurden auf der Leitungsebene des Pflegeheimes die Prioritäten für die Projekte "Weiterentwicklung der Pflegepraxis" diskutiert. Zur Diskussion stand die notwendige Einführung der neuen Pflegekonzepte, wie z.B. die 10'er -Aktivierung, Kinästhetik und Inkontinenztraining. Besonders ausführlich wurde dabei die Methode der Umsetzung dieser Konzepte in die Pflegepraxis erörtert. Als bestehender Schwachpunkt kristallisierte sich hierbei die Pflegeplanung und Pflegedokumentation heraus, die in der damals vorliegenden Form erwarten ließ, dass die zukünftig angegangenen Projekte nicht konsequent bewohnerorientiert umgesetzt werden würden und Anleitungs- und Fortbildungsarbeit ineffizient verpuffen würde. Dabei kamen die Verantwortlichen der Pflege zu dem Schluss mit der Grundlagenarbeit der Pflege, nämlich der Auswahl einer Pflegetheorie und abgeleitet davon der Pflegeplanung und -dokumentation, das wichtige Fundament sowohl für qualitativ gute, praktische Schülerausbildung als auch für zukünftige Innovationen in der Pflegepraxis zu entwickeln. Im Projektverlauf von jetzt ziemlich genau einem Jahr hat sich gezeigt, dass diese Entscheidung tatsächlich Vorteile für die Zukunft gebracht hat, da jetzt ein dichtes Netz mit bewohnerrelevanten Informationen geknüpft wurde, das relativ klar strukturiert ist. Es wird vom Mitarbeiter- und damit auch vom Anleitungskreis regelmäßig und ausführlich bedient und genutzt. Darüber hinaus löst es die Option, strukturierte Anleitungssituationen und neue Konzepte in der Pflege einzuflechten, tatsächlich ein. 2 Ist- Analyse der Pflegeplanung im August 1998

Zur Durchführung des Projektes wird die Ist-Situation der Pflegeplanung in der Pflegepraxis nochmals detaillierter betrachtet. Sie stellt sich wie folgt dar: Ende 1995 haben die letzten Fortbildungen zum Thema Pflegeplanung stattgefunden. Damaliger Inhalt war eine Auffrischung der Grundkenntnisse im Bereich des Pflegeprozesses und der Pflegeplanung. Konkret wurde auch vereinbart, dass Pflegeprobleme und Pflegemaßnahmen der pflegeversicherungsrelevanten ATL's immer dokumentiert sein müssen. Nach drei Jahren ist in der Ist-Situation festzustellen, dass diese Vereinbarung pauschal so eingehalten wird. Schwächen der Handhabung sind aber wie folgt: · Die Pflegeprobleme und -maßnahmen werden einmalig erstellt und dann "en bloc" abgezeichnet. Eine Aktualisierung und eine einzelne Leistungsabzeichnung findet nicht statt. Die Verbindlichkeit des Pflegeplanes kann nicht eingelöst werden. · Da außer den pflegeversicherungsrelevanten ATL's "Sich bewegen/ essen und trinken/ ausscheiden /sich waschen und kleiden" keine weiteren Bereiche der Pflege aufgeführt 1

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werden, entsteht kein ganzes, rundes Bild der Pflegesituation. Das Ziel der ganzheitlichen Betrachtung kann damit nicht erreicht werden. Indem die psychosozialen Bereiche (s.o.) weggelassen werden, leidet die professionelle Diskussion dieser Thematik und damit auch die Umsetzung in die Pflegepraxis. Formale Probleme diese Mängel anzugehen ergeben sich dadurch, dass die vorhandenen Formulare zu eng sind und sehr wenig Struktur vorgeben. Die in der Mitarbeitergruppe in Gang gekommene Diskussion über die vorhandene Pflegequalität und über die Integration neuer pflegerischer Konzepte ist unbefriedigend, weil sie sich in den Pflegeplanungen nicht wiederfindet und deshalb nicht weiterentwickelt werden kann (s. Verbindlichkeit). Die Ausbildung der SchülerInnen, die Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen und die Integration der Teilzeitarbeitenden zeigt dort Defizite auf, wo nur mit mündlichen, bruchstückhaften Übergaben gearbeitet wird.

Allgemeines Problem der Ist-Situation ist, dass die Pflege nicht einheitlich genug arbeitet und deshalb zuviel pflegerische Energie diesem Reibungsverlust zugeführt wird. Der Lernprozess der SchülerInnen leidet erheblich unter diesem Defizit. Deshalb zeigt sich in der Ist-Analyse, dass es gerechtfertigt ist, den Schwerpunkt des nächsten Weiterentwicklungsprojektes in die Pflegeplanung zu legen.

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Zielsetzung des Projektes Projektgrobziel

Jede BewohnerIn erhält bis zum Ende des Jahres 1998 eine ausführliche und individuelle Pflegeplanung. Der Pflegeplanungsprozess im Alten- und Pflegeheim wird damit nachvollziehbar und bedeutsam weiterentwickelt. 3.2 Projektfeinziele

"Bewohnerorientiertes Projektziel" Die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder der Bewohnergruppe werden verbindlich und gemäß den Strukturen einer auszuwählenden Pflegetheorie erfasst. Die davon abgeleitete Pflegeplanung bewirkt umgehend spürbare Verbesserungen in der Pflegepraxis und damit auch in der Pflegequalität. "Strukturorientiertes Projektziel" Die weiterentwickelte Pflegeplanung findet auf neu entwickelten, professionellen Pflegeplanungsformularen statt. "Mitarbeiter- und schülerorientiertes Projektziel" MitarbeiterInnen und Auszubildende werden in die Entwicklungsprozesse miteinbezogen. Die Anleitungsmethoden sind besonders ausführlich, um die Akzeptanz und damit auch die Motivation gegenüber der weiterentwickelten Pflegeplanung zu stärken.

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4 4.1

Umsetzung in die Pflegepraxis Auswahl der Pflegetheorie

Als theoretische Grundlage einer Weiterentwicklung wird das Strukturmodell der AEDL's = die 13 Erfahrungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens nach Monika Krohwinkel (1993) ausgewählt. Dieses, ebenfalls wie die Konzepte von Henderson, Roper und Juchli, bedürfnisorientierte Pflegemodell gewinnt besonders in der Altenpflege zunehmend an Bedeutung. Die spezielle pflegerische Situation dort soll von einem Modell profitieren, das neben den bekannten lebensbestimmenden Aktivitäten auch die Erfahrungen der Betroffenen berücksichtigt. Verhaltensänderungen bzw. ein tieferes Verständnis zwischen den am Pflegeprozess Beteiligten kann dann eher entstehen, wenn Markantes aus der Biografie der BewohnerIn identifiziert ist, also z.B. Erfahrungen mit der Angst, dem Sterben, mit Freude und mit Hoffnung sowie mit Glauben und mit Religion. Krohwinkel hat als besonderen Aktivitätenpunkt außerdem noch "die sozialen Bereiche des Lebens sichern" genannt. Unter diesen Punkt gehören die regen Außenaktivitäten, die im Altenheim sowohl in Richtung Bewohnergruppe, Angehörigenarbeit und sonstige Betreuungsgruppen erfasst und dann entsprechend koordiniert bzw. unterstützt werden. Nicht unwichtig für eine Entscheidung für das genannte Pflegemodell ist der Umstand, dass die sonstigen AEDL's im wesentlichen aus den der Pflegepraxis schon bekannten Modellen übernommen wurden und hier keine neue Einarbeitung fällig wird. 4.2 Erstellen der Pflegedokumentationsformulare

Die Pflegedokumentationsformulare sollen Raum lassen, um alle Teilschritte der Pflegeplanung schriftlich darstellen zu können. Der Schwerpunkt der Neuerstellung liegt in den Bereichen: · Pflegeprobleme/ -fähigkeiten · Pflegeziele · Pflegemaßnahmen · Durchführung der Pflege · Leistungstransparenz, wie den durch das SGB XI für den stationären Bereich geforderten Leistungsnachweis Formulare zur ersten Informationssammlung in der Pflege (= Stammblatt) und Wirkung der Pflege auf die BewohnerIn (= Berichtsblatt) werden nicht neu erstellt, da die bereits vorliegenden bei korrektem Gebrauch ihre Funktion erfüllen können. Für die neu zu erstellenden Formulare werden bei der Erarbeitung folgende Prinzipien angewandt: · Strukturierung gemäß den AEDL's · keine Dokumentationsdoppelungen · Gebrauchsfreundlichkeit sowohl inhaltlich als auch bezüglich des Lay-outs · Anregungen aus der Pflegepraxis werden konsequent aufgenommen und möglichst integriert

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Methoden der Anleitung Da die Mitarbeiter - und Schülergruppe bezüglich des Wissensstandes zur Pflegetheorie und - planung sehr inhomogen ist, wird als Schwerpunkt der Anleitungsmethode die Einzelanleitung gewählt. Ziel der Durchführung in diesem Bereich ist es, dass sowohl jede MitarbeiterIn/SchülerIn in der Pflege mindestens eine Pflegeplanung erarbeitet. (Um das Ziel "Für jede BewohnerIn eine ausführliche Pflegeplanung" zu erreichen, werden aber im Schnitt 2-3 Planungen durchgeführt.) Die Einzelanleitung wird mit einem Kurzprotokoll dokumentiert, um aktuell und abschließend wichtige Erkenntnisse aus der Pflegepraxis verwerten zu können. Vorbereitend und begleitend werden Fortbildungen, Mitarbeiter- und Kurzbesprechungen durchgeführt, in denen einerseits Basiswissen und aktuelle Informationen weitergegeben werden, andererseits aber auch jede Beteiligte zum Austausch bei der Handhabung der weiterentwickelten Pflegeplanung aufgerufen wird. 5 Verlauf des Projektes

Die Einzelaktivitäten des Projektes können an dieser Stelle der Projektbeschreibung wegen des Umfangs leider nicht detailliert aufgeführt werden. Hier ist die phasische Entwicklung beschrieben, die sich während der Einführungszeit in der Mitarbeiter- und Schülergruppe ergeben hat: Phase 1: MitarbeiterInnen/ SchülerInnen waren sehr neugierig und aufgeschlossen für das neue Projekt, auch wenn damit ein entsprechender Zeitaufwand verbunden sein würde. Phase 2: MitarbeiterInnen/ SchülerInnen realisierten den Umfang der -weiterentwickelten Pflegeplanung, indem jeder eine Pflegeplanung erstellt. Phase 3: Die Mitarbeiter-/Schülergruppe fühlte sich überfordert durch die zeitliche Inanspruchnahme des Projektes, aufgrund der Transparenz persönlicher Wissensdefizite und durch die Situation, dass die Verarbeitung von Bewohnerdaten sehr schnell und umfangreich anstieg. Phase 4: Die Mitarbeiter-/Schülergruppe reagierte mit umfangreicher Kritik an Details des Projektes (besonders Formular und Anleitungssituation). Es ergab sich eine kurze, krisenhafte Zeit, in der die Pflegeplanungserarbeitung nunmehr bewusst defensiv unterstützt wurde. Phase 5: Die Mitarbeiter-/Schülergruppe ließen sich in die Projektarbeit wiedereingliedern, indem ausdrücklich Vorschläge aus der Gruppe (Formular/ zeitlicher Rahmen) aufgenommen wurden. In dieser Zeit wuchs auch die persönliche Motivation einzelner MitarbeiterInnen und SchülerInnen, die durch das Erfolgserlebnis besonders gelungener Pflegeplanungen eine andere Art des Denkens erlebten. Phase 6: Das Projekt wurde akzeptiert, was sich vor allem an einer sachlichen Arbeitsatmosphäre ablesen ließ. Phase 7: Der Abschluss der Anleitungszeit ist gekennzeichnet durch Ermüdungserscheinungen der Gruppe, die tatsächlich Enormes geleistet hat: 65 BewohnerInnen wurden ausführlich diskutiert und erhielten neue, ausführliche Pflegeplanungen! Phase 8: Die neuen Pflegeplanungen sind installiert und von der Mitarbeiter- und Schülergruppe weitgehend akzeptiert.

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6.3

Auswertung des Projektes

Die Auswertung des Projektes ist noch nicht abgeschlossen. Für die vorliegende Arbeit soll vorderhand auf folgende Aspekte eingegangen werden: Verbesserungen der Pflegequalität und dauerhafte Veränderungen der Ausbildungspraxis 6.1 Verbesserungen der Pflegequalität

Die Weiterentwicklung der Pflegeplanung beeinflusste die Arbeit in der Pflegepraxis auf folgenden Ebenen: · Wahrnehmung der BewohnerInnen · Zielorientiertes, strukturiertes Arbeiten · Reflexion der Pflege · Dokumentation nach außen · Professionelle sprachliche Kompetenzen · Anschub für das Wirken in den psychosozialen Bereichen der Pflege · Auseinandersetzung mit dem AEDL- Konzept · Grundlagenarbeit für die neuen Projekte in der Pflege Wahrnehmung der BewohnerInnen Mit der Erstellung der Pflegeplanungen hatte sich als erstes die Wahrnehmung der BewohnerInnen von Seiten der Pflege verändert. Dies hatte sicherlich mit den zeitlichen Möglichkeiten zu tun, indem jede BewohnerIn ausführlich diskutiert wurde. Es war aber auch der Anschub durch das AED-Modell, das dazu aufrief bei der Formulierung des Pflegeproblems/Pflegefähigkeitenbereiches so umfassend die BewohnerIn zu beleuchten, dass es in den Pflegeplanungen mindestens je ein "Aha-Erlebnis" gab, was als ein Hinweis interpretiert wurde, dass dieser Punkt entweder überhaupt noch nicht bedacht bzw. eine neue Einsicht in die Pflegezusammenhänge ermöglicht wurde.

Zielorientiertes, strukturiertes Arbeiten In allen Schritten der Pflegeplanung wird sorgfältiger, umfassend und zielgerichtet gearbeitet. Der Aufbau der Formulare bedingt nahezu unumgänglich, dass diese ausführlich geführt werden. Chronologisch entwickelt sich ein Pflegeplan folgendermaßen: Für die erste Erstellung werden die vorhandenen schriftlichen Informationen gesichtet und im neuen ausführlichen Pflegeplan verarbeitet. Ergänzt wird in dieser Phase der Pflegeplan durch die Kenntnisse der MitarbeiterIn (zumeist wird eine sehr gut gekannte BewohnerIn ausgewählt). Dies ist dann zwar oft der Moment der "neuen Wahrnehmung" (s.o.), aber auch der Schreckensmoment der MitarbeiterIn, die feststellt, dass über bestimmte AED-Bereiche der BewohnerIn keine Informationen bestehen. An diesen Punkten wurde in den Anleitungen intensiv gearbeitet: · Wie man Informationen über die BewohnerIn sammelt (versteckte Infos in der Pflegeplanung, sich Informieren bei der BewohnerIn, den MitarbeiterInnen, in der Übergabe, bei Angehörigen, ÄrztInnen und sonstigen speziellen Diensten)

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Wie man Prioritäten setzen kann (z.B. beim Formulieren, z.B. indem bei sehr pflegeabhängigen BewohnerInnen der Schwerpunkt auf die Fähigkeiten gelegt wird, z.B. indem nur ein Pflegeziel anvisiert wird, dieses aber intensiv verfolgt wird). Wie man Differenzen des Pflegeverständnisses, die in der Gruppe der PflegemitarbeiterInnen anzutreffen sind, bearbeitet und einen einheitlichen Pflegeplan entwickelt, z.B. indem Unstimmigkeiten in der Übergabe diskutiert werden, indem aufwendige Pflegeplanungen in der Kleingruppe erarbeitet werden, oder indem Konflikte mit dem "Pflege-Gegenüber" klar, professionell und in der Sprache der Pflegeplanung ausgetragen werden.

Dass das Wesen der Pflegeplanung Prozesshaftigkeit bedingt (s.o.), wurde somit internalisiert. Es wurde aber ebensoviel Wert darauf gelegt, dass diese Offenheit der "geplanten Pflege" trotzdem einen Rahmen hat, der täglich kontinuierlich erarbeitet werden muss.

Reflexion der Pflege Die Diskussion pflegerischer Themen wurde durch die weiterentwickelte Pflegeplanung in jedem Falle vertieft, wenn nicht sogar neu angeregt. Besonders zur Diskussion standen die Pflegemaßnahmen, die im Zusammenhang mit den Pflegeproblemen/ fähigkeiten und den Pflegezielen folgendermaßen diskutiert wurden: · Warum noch keine, bzw. warum so umfangreiche Pflegemaßnahmen? · Wie wird die Pflegemaßnahme ausgestaltet (Pflegeutensilien, Ablauf, aktuelles Pflegewissen)? · Wie oft soll die Pflegemaßnahme im Plan vorgesehen sein, zu welcher Tageszeit? · Wie ist die Wirksamkeit der Pflegemaßnahme, wie wird sie von der BewohnerIn angenommen? Diese Diskussionen, die in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen geführt wurden, bedingen eine rege Reflexion der Pflege. Dies kann der Akzeptanz von neuen Pflegekonzepten auf dieser Ebene zuträglich sein.

Dokumentation nach außen Die neue Pflegeplanung hat ihre "Feuertaufe" bestanden, indem sie bereits dem medizinischen Dienst präsentiert werden musste und dort gut aufgenommen wurde. Auch wird sie regelmäßig für die Einstufungen gemäß SGB XI herangezogen und erfüllt auch hier ihren Zweck der Dokumentation der Pflegeleistungen. Intern erfüllt die Pflegedokumentation immer wieder den Zweck, dass PflegemitarbeiterInnen ihre Tätigkeiten nachweisen können, bzw. im Negativfall auf mangelnde Dokumentation hingewiesen werden können.

Professionelle sprachliche Kompetenzen Durch die Zunahme an Pflegethemen in der mündlichen Kommunikation (s. Reflexion) sowie die ständige schriftliche Übung in der Pflegeplanung, die übrigens auch zu einer einheitlichen, fachsprachlich richtigen Formulierung führt, sind in der Mitarbeitergruppe spürbar professionelle sprachliche Kompetenzen entwickelt worden. Dies wirkt positiv nach innen (Kommunikation mit der BewohnerIn, mit der MitarbeiterIn/Anzuleitenden, Vorgesetzten), aber auch nach außen ( Angehörige, med. Bezugsgruppen).

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Anschub für das Wirken in den psychosozialen Bereichen der Pflege Die Pflegegruppe konnte es natürlich nicht leisten, parallel zu der zeitlich aufwendigen Weiterentwicklung der Pflegeplanung eine ebenbürtige Anstrengung bei der Erarbeitung der psychosozialen Bereiche zu leisten. Dennoch wird hier (in der Pflegeplanung) bereits der Bogen von bereits institutionalisierten Beschäftigungsprogrammen bis hin zu den "versteckten Einzelinitiativen" hin präsentiert und entsprechend auch nachentwickelt (vgl. zielorientiertes Arbeiten). Positiv festzuhalten ist in jedem Fall, dass diese Bereiche erst einmal ihren Platz erhalten haben; so sind sie im Vergleich mit ähnlichen Pflegeplänen in diesen AEDL- Bereichen viel ausführlicher angelegt und dokumentieren schon rein optisch ihre Bedeutsamkeit.

Auseinandersetzung mit dem AEDL- Konzept Die Einführung der besonderen AEDL-Bereiche "soziale Bereiche des Lebens sichern", sowie "mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen", erwies sich als recht unterschiedlich. Während der zuerst genannte Punkt absolut problemlos in die Pflegeplanung integriert wurde, regte der zweite Bereich viele Diskussionen an. Als sehr hilfreich in diesem Zusammenhang erwies sich, dass von allen BewohnerInnen vorab bereits eine Biografie erstellt wurde. So konnten für viele BewohnerInnen die herausragenden Erlebnisse ihrer Biografie identifiziert werden. Bei den Pflegemaßnahmen wurden vor allem die aus dem Bereich der Kommunikation ausgewählt, um überhaupt auf die Problembereiche reagieren zu können. Zum Schluss der Anleitungsserie kristallisierte sich oft die Frage heraus "Wie reagiert die BewohnerIn auf die Pflege, wie hat sie in ihrem Leben gelernt mit fremder Hilfe umzugehen?" Mit der Antwort auf diese Frage konnte eine dem Entwicklungsstand der Pflegeplanung angepasste Pflegemaßnahme formuliert werden. So greift das Konzept von Krohwinkel hier an der richtigen und wichtigen Stelle. Sollte dieser Bereich aber von der Pflege selbst mit Konzepten zur Unterstützung der BewohnerInnen erarbeitet werden müssen, sind hier noch viele Fragen zu klären.

Grundlagenarbeit für die neuen Projekte in der Pflege Das erste neue Projekt (Einführung der Pflegestandards) wurde im Mai begonnen und es liegen somit bereits Erkenntnisse vor, ob die neuen Pflegeplanungen hier unterstützend wirken. Auf Wunsch der Mitarbeitergruppe wurde mit der Obstipationsprophylaxe begonnen, die von vielen MitarbeiterInnen als unbefriedigend gesehen wurde. Hier einige wichtige Punkte aus dem Erarbeitungsverlauf: · Die Ist-Analyse wurde von allen MitarbeiterInnen engagiert, schnell und zügig geleistet. · In der Ist-Analyse festgestellte Mängel wurden umgehend behoben (ohne auf den offiziellen Standard zu warten). · In der den Standard vorbereitenden Fortbildung wurde in kurzer Zeit aufgrund der vorliegenden Pflegeplanungen eine Statistik erstellt, die den Fortlauf der Diskussion auf eine ganz andere "objektive" Basis brachte. · Die Inhalte des Pflegestandards können problemlos in die Pflegedokumentation übertragen werden.

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6.2

Dauerhafte Veränderungen in der Ausbildungspraxis

Die Reaktion der AltenpflegeschülerInnen auf das Weiterentwicklungsprojekt war erwartungsgemäß individuell unterschiedlich. Aussagen waren: · " Endlich einmal eine vollständige Einführung in die Pflegeplanung!" · "So ausführlich machen wir das aber in der Schule nicht." · "Die AEDL's sind uns ganz unbekannt - wir brauchen sie nicht für unsere Ausbildung" · "Die Formulare finden wir überhaupt nicht gut- in anderen Einrichtungen gibt es viel bessere." · "Nimmt sich wirklich jemand Zeit, mit uns eine vollständige Pflegeplanung zu erstellen ?" In den Einzelanleitungen bis zu 120 Minuten Dauer zeigte sich, dass die Weiterentwicklung der Pflegeplanung die SchülerInnen zu einem intensiven Lernen anregte. Im ausführlichen Gespräch war es möglich, · auf den jeweiligen Kenntnisstand der SchülerIn einzugehen, · Vorurteile und Fehlinformationen zu korrigieren, · Verständnis für Theorien in der Pflege zu entwickeln, · das vorhandene ausführliche Wissen der SchülerInnen hinsichtlich ihrer "BezugsbewohnerInnen" mündlich und schriftlich zu formulieren, · mit besonders gut erarbeiteten Pflegeplanungen, die vorgestellt wurden, konnte der Status der SchülerInnen in der Mitarbeitergruppe gestärkt werden, · der Pflegeprozess zwischen SchülerInnen und BewohnerInnen erlangt eine andere Ebene, da mit der Planung ein tieferes Verständnis zum Tragen kommt. Im weiteren Verlauf des Projektes hat sich zudem gezeigt, dass nicht nur die Haltung der SchülerInnen und der Mitarbeitergruppe sich verändert hatte, sondern dass sich auch die Wirkung der allgemeinen Vorteile der ausführlichen Pflegeplanung zeigte. Die Checklistennatur der Formulare entlang des AEDL-Modelles erbringt für die SchülerInnen folgende Vorteile: · Die Übergaben nach den langen Pausen sind einfacher, weil die Pflegepläne ausführliche Informationen bieten. · SchülerInnen, die noch nicht soviel Erfahrung in der Pflege besitzen, können sich in ihrer Pflegemaßnahmenliste immer wieder versichern, "was noch aussteht". · "Schwarz- auf- Weiß" - Dokumentationen ergeben eine viel sachlichere Diskussionsgrundlage, deshalb können sich auch die SchülerInnen besser beteiligen. Ein weiteres Feld, in dem sich rasch Auswirkungen des neuen Konzeptes zeigte, war die Pflege in den psychosozialen Feldern. Da diese in der neuen Dokumentation ausführlich aufgezeigt sind, bekommen sie in der Pflegepraxis einen anderen Stellenwert: · SchülerInnen, die oft genug in den psychosozialen Bereichen Vorreiterarbeit leisten, erfahren, dass diese Arbeit tatsächlich wertvoll ist und ausführlich hervorgehoben wird. · SchülerInnen können problemlos neue Konzepte, die sie zu Unterrichts- bzw. Prüfungszwecken ausprobieren, dokumentieren.

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Schlussbetrachtung

Das vorgestellte Projekt hat insofern seine Zielsetzung erreicht, als für die BewohnerInnen des Alten- und Pflegeheimes tatsächlich ausführliche, strukturierte und an einem ganzheitlich orientierten Pflegeverständnis ausgerichtete Pflegeplanungen entstanden sind. Die Bewertungen des Praxisverlaufes zeigen auf, dass sich wie gewollt Veränderungen auf verschiedenen Ebenen anbahnen. Die AltenpflegeschülerInnen profitieren für ihre Ausbildung, indem sie nachvollziehbare Strukturen in ihrem Lernfeld "Praxis" finden, die sich den in der Theorie vermittelten Inhalten immer mehr annähern und damit den Theorie- Praxis- Konflikt entschärfen. Bedeutsam erscheint auch, dass sie eine Rolle als "Transformatoren" des neuen Wissens finden und einnehmen, somit ihren bis dato niederrangigen Status in der Mitarbeitergruppe aufwerten können. Ein letztes Argument dafür, dass die Weiterentwicklung einer Pflegeplanung sich positiv auf die Ausbildung der AltenpflegeschülerInnen auswirkt ist, dass die Motivation, sich mit dem alten Menschen ausführlich und engagiert zu beschäftigen, eben auch auf der Erstellung dieser Pflegeplanungen gründet. Zum Abschluss sei darauf verwiesen, dass wir zwar den ersten Projektschritt abgeschlossen haben, aber in der der Materie eigenen Prozesshaftigkeit noch lange nicht am Ende angekommen sind. Die Liste mit den in der Praxis gefundenen Mängeln ist genau so lang wie die der Ideen mit - auf der jetzt erreichten Ebene- realisierbar gewordenen neuen Projekten. Der allernächste Schritt wird die Wiederholung der intensiven Pflegeplanungswochen sein, um neu zu evaluieren bzw. zu korrigieren. Der Lernanschub für alle am Projekt Beteiligten ist dabei vorhersehbar.

Kontaktadresse: Renate Neu Im Akazienhain 4/1 71116 Gärtingen 2

Literatur Krohwinkel, M. (1993). Der Pflegeprozeß am Beispiel von Apoplexiekranken. Band 16. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit.

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