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Materialien zum Übergreifenden Themenkomplex Wirtschaft

(Entwurfsfassung)

Herausgeber: Pädagogisches Landesinstitut Brandenburg (PLIB), 14974 Ludwigsfelde-Struveshof Tel.: 03378 821147, Fax: (03378)821-299 E-Mail: [email protected], Internet: http://www.plib.brandenburg.de Autorinnen und Autoren: Thomas Koenze (Fehrbelling), Harald Rau (Templin), Uwe Schimming (Frankfurt Oder), Hermann Zöllner (PLIB) Gesamtverantwortung und Redaktion: Hermann Zöllner (PLIB) Pädagogisches Landesinstitut Brandenburg; August 2002

Inhalt 1 2 3 Hinweise zur Nutzung des Materials Der übergreifende Themenkomplex Wirtschaft Jugend und Konsum (Harald Rau) 3.1 Sachanalyse 3.2 Übergreifende Ziele 3.3 Inhalte 3.4 Planungshilfen für die Schule 3.5 Exemplarische Vorhaben 3.6 Hinweise auf weitere Materialien 3.7 Anlagen zu den exemplarischen Vorhaben Innovation in Wirtschaft und Technik (Uwe Schimming) 4.1 Sachinformation 4.2 Ziele 4.3 Inhalte 4.4 Planungshilfen für die Schule 4.5 Exemplarische Vorhaben 4.6 Hinweise auf weitere Materialien Regionaler Wirtschaftsraum (Harald Rau) 5.1 Sachinformation 5.2 Ziele 5.3 Inhalte 5.4 Planungshilfen für Schulen 5.5 Exemplarische Vorhaben (Anlagen 1 ­ 3) 5.6 Hinweise auf weitere Materialien 5.7 Anlagen zu den exemplarischen Vorhaben Jugend und Arbeit: Berufswahlorientierung (Thomas Koenze) 6.1 Sachanalyse 6.2 Ziele 6.3 Schulische Gesamtkonzepte 6.4 Methoden der Zielfindung 6.5 Hinweise auf weitere Materialien Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft 7.1 Einführung 7.2 Beispiele und nützliche Informationen zu den einzelnen Handlungsfeldern 4 5 9 9 15 15 16 17 18 21 36 36 36 37 39 42 44 50 50 50 51 52 52 54 55 80 80 80 81 86 92 98 98 104

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Hinweise zur Nutzung des Materials

Dieses Material ist noch unfertig; wir machen es dennoch öffentlich zugänglich. Warum? Es enthält aus unserer Sicht gute Unterrichtsbeispiele und viele Hinweise auf Adressen und links, über die sich der Nutzer ganze Bereiche inhaltlich wie didaktisch-methodisch für den Unterricht erschließen kann. Das gilt sowohl für den Fachunterricht Wirtschaft-ArbeitTechnik, für fächerverbindende Vorhaben und auch für Fragen bei der Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft. Der Nutzer möge sich das raussuchen, was er gebrauchen kann. Wir haben zunächst versucht, den ÜTK Wirtschaft genauer vom Gegenstand des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik abzugrenzen. Aufgrund der inhaltlichen Überschneidung ist dies nicht ganz einfach. Dann werden vier Inhaltsbereiche dargestellt: Jugend und Konsum, Innovationen in Wirtschaft und Technik, regionaler Wirtschaftsraum und die Berufswahlorientierung. Bei allen einzelnen Themen wurde darauf geachtet, jeweils übergreifende Inhalte, die Anknüpfungsmöglichkeiten für verschiedene Fächer bieten, auszuwählen. Die vier Inhaltsbereiche werden in zwei Dimensionen dargestellt, die das Verständnis des Lesers erleichtern können: · Zum einen wird der Inhaltsbereich selbst dargestellt. Z.B. bei "Jugend und Konsum" gibt es Sachinformationen, Ziele, eine Inhaltsübersicht, exemplarische Unterrichtsbeispiele und (meist kommentierte) Materialien. · Zum anderen wird die Eignung für fächerverbindenden Unterricht dargestellt: Rahmenlehrplanbezüge in unterschiedlichen Fächern, inhaltliche Bezüge zu anderen übergreifenden Themenkomplexen, Anregungen für fächerverbindende Vorhaben. Das letzte Kapitel betrifft die Zusammenarbeit Schule-Wirtschaft. Dass dies kein von den Fächern eigenständiges Handlungsfeld in der Schule ist, wird im Einführungsartikel begründet. Zu den in einzelnen beschriebenen Handlungsfeldern und Organisationsfragen gibt es im zweiten Teil Hinweise auf Beispiele, Materialien und Projekte. Insgesamt fehlen noch einzelne Texte und Materialien sowie noch weitergehende didaktische Überlegungen zur Planung des fächerverbindenden Unterrichts in diesem Bereich. Allerdings kann dieses Material jetzt schon Ihnen eine gute Basis für Ihre Beispiele und Anregungen zum Umgang mit dem ÜTK Wirtschaft bilden. Auf Ihre Beiträge und Anmerkungen sind wir gespannt.

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Der übergreifende Themenkomplex Wirtschaft

Was sind Themenkomplexe? Schulgesetze aller Länder weisen neben den Unterrichtsfächern auch übergreifende Inhaltsbereiche als Gegenstand schulischen Lehrens und Lernens aus. Im alten brandenburgischen Schulgesetz hießen sie ,,Aufgabengebiete". Genannt wurden dort Gesundheitserziehung, Umwelterziehung, Sexualerziehung, Verkehrserziehung, Medienerziehung u.a. An dieser Begrifflichkeit wird deutlich, dass es sich hierbei um Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Schule handelt, die weit über die Fächer hinausgehen. Es handelt sich um Bereiche, in denen die Gesellschaft wichtige Anforderungen an die Heranwachsenden stellt; wie und mit welchem Ergebnis Kinder und Jugendliche diesen Anforderungen gerecht werden, prägt ihre Persönlichkeit ungemein. Aufgabe der Schule ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, diese auch biografisch wichtigen Anforderungen zu bewältigen. Die Liste solcher Aufgabengebiete ist grundsätzlich unvollständig, weil sich die Probleme und Bedingungen des Aufwachsens in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft kontinuierlich ändern und weil es (bisher) keine eindeutige theoretische Ordnung der Inhalte jenseits der Unterrichtsfächer in der allgemeinen Bildung gibt. Damit sind auch die Schwierigkeiten schon angesprochen. Wie ist die Vielzahl der Bereiche ­ das alte Brandenburgische Schulgesetz enthielt neun Aufgabengebiete ­ in das ,,Gesamtcurriculum" einer Stufe zu integrieren, ohne in Beliebigkeit zu verfallen? Wie können die Aufgabengebiete mit dem (Fach)unterricht verbunden werden? Was gehört ins Fach, was ist übergreifend? Wie soll die Schule ­ in allen drei Schulstufen ­ den Unterricht mit Aufgabengebieten organisieren? Mit dem Konzept der übergreifenden Themenkomplexe im neuen Brandenburgischen Schulgesetz sollen einige konzeptionelle Schwierigkeiten überwunden und die didaktische Planung an den einzelnen Schulen erleichtert werden. Übergreifende Themenkomplexe sind hoch interdisziplinär. Sie wurden abgeleitet aus Studien über die Interdisziplinarität zukünftig bedeutsamer Wissens- und Gesellschaftsentwicklungen. Damit geraten Grundfragen oder Kernprobleme der Gesellschaft in ihrem Wandel systematisch und nicht zufällig in den Blick der Schule; erstes Auswahlkriterium ist also die hohe Interdisziplinarität. Mit den Themenkomplexen werden somit die für Schule und Unterricht relevanten Grundprobleme neu geordnet. Die übergreifenden Themenkomplexe sind wie die Aufgabengebiete zweitens dadurch bestimmt, dass sie auch biografisch verankerte Entwicklungsprobleme der Kinder und Jugendlichen aufnehmen. Grundsätzlich bedeutet das für die didaktische Erschließung, von der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und nicht von einer fachlichen Struktur oder Systematik auszugehen. Drittens beziehen sich die Themenkomplexe auf die politische, soziale, ökonomische, kulturelle Situation im Land Brandenburg. Alle Grundprobleme gesellschaftlichen Wandelns sind prinzipiell global, aber sie dringen gebrochen durch die regionalen Räume in die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen ein und gewinnen so eine eigene Spezifik. Im Brandenburgischen Schulgesetz (BbSchulG) werden folgende übergreifende Themenkomplexe genannt: 1. Friedenssicherung, Globalisierung, Interkulturelles 2. Recht im Alltag 3. Wirtschaft 4. Ökologische Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit 5. Medien und Informationsgesellschaft 6. Gesundheit und jugendliche Lebenswelt 7. Geschlechterbeziehungen und Lebensformen

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Diese sieben können eben so wenig wie die alten Aufgabengebiete ein abgeschlossenes System bilden. Aktuelle politische, wirtschaftliche soziale Entwicklungen können zu neuen Grundfragen oder zu einer neuen Sicht auf die gegebenen Grundfragen und Kernprobleme führen. So ist es zu verstehen, dass das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport den übergreifenden Themenkomplex ,,Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Gewalt" den vorhandenen sieben hinzugefügt hat. Neben der (letztlich nicht leistbaren) Systematisierung bestand eine weitere Schwierigkeit darin, die Aufgabengebiete in die vorhandene Curricula der einzelnen Schulstufen zu integrieren. Das ist nicht ausschließlich eine theoretische Frage, sondern für den Unterricht bedeutsam: Organisiert man z.B. Projekttage für Umwelterziehung, Sexualerziehung, Gesundheitserziehung u.a., schlägt man sie dem Fachunterricht zu oder werden sie letztlich - mit schlechtem - Gewissen vergessen? Das BbSchulG setzt einen weiten Rahmen: Übergreifende Themenkomplexe sollen in allen Schulstufen sowohl im Unterricht als auch in sonstigen Schulveranstaltungen angemessen berücksichtigt werden. In der Rahmenplanentwicklung für die Sekundarstufe I wurden folgende Lösungen entwickelt. Die Integration erfolgt auf den Ebenen: · Allgemeine Grundbildung · Inhalte der einzelnen Fächer · Fächerverbindender Unterricht · Schuleigener Lehrplan · Leistungsermittlung und -bewertung. Im Stufenplan für die Sekundarstufe I werden die übergreifenden Themenkomplexe als Teil der Grundbildung beschrieben und in den Zusammenhang von fachlichem, fachübergreifendem und fächerverbindendem Lernen gestellt. In den Inhaltskapiteln der Fachrahmenlehrpläne werden die jeweils fachspezifischen inhaltlichen Beziehungen zu einzelnen übergreifenden Themenkomplexen ausgewiesen, denn nicht jedes Fach hat zu allen übergreifenden Themenkomplexen gleich starke Bezüge. Ihre Planung gehört zur Regelaufgabe schulinterner Kooperation in Fach- und Jahrgangskonferenzen bzw. in die Runde der Fachkonferenzleiter. Der übergreifende Themenkomplex Wirtschaft Wodurch ist der ÜTK Wirtschaft zu charakterisieren und was ist seine Funktion? Dazu ist es wichtig, sich die Konstruktion des Faches Wirtschaft-Arbeit-Technik zu vergegenwärtigen. Dieses Fach ist als Ankerfach für die ökonomische und technische Bildung konzipiert. Das bedeutet, dass es für die Systematik der fachlichen ökonomischen Bildung verantwortlich ist und eine verantwortliche Arbeitsteilung insbesondere mit dem Fach Politische Bildung vornimmt. In seiner Inhaltsstruktur sind deshalb die Inhalte eines fachbezogenen Wirtschaftscurriculums enthalten. Für eine anspruchsvolle ökonomische Bildung ist das Fach aber notwendig auf die Kooperation mit anderen Fächern und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern angewiesen. Der ÜTK übernimmt damit eine dreifache Brückenfunktion: · · Der ÜTK Wirtschaft bildet die Brücke zu den anderen Fächern und enthält deshalb solche ökonomischen Inhalte, an die andere Fächer gut anknüpfen können. Darüber hinaus bildet er die Brücke zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler sowie zu ihrer Region. Die Schülerinnen und Schüler wachsen in ökonomische Zusammenhänge und Handlungssysteme hinein, halten sie aufrecht bzw. verändern sie im alltäglichen Handeln (z.B. durch ihren Konsum). Ihr Horizont und ihre persönlichen und gesellschaft-

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lichen Perspektiven sind stark durch die Erfahrungen in ihrer Region bestimmt, die wiederum stark ökonomisch geprägt ist. Auch aktuelle wirtschaftliche Probleme werden regional und lebensweltlich vermittelt. · Der ÜTK Wirtschaft bildet schließlich eine Brücke für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Die Notwendigkeit einer solchen Zusammenarbeit wird im Material ausführlich begründet. Sie ist vom Gegenstand bestimmt, von der Anwendungsfähigkeit schulischen Wissens und Könnens sowie von der Aufgabe der Schule, die Schülerinnen und Schüler für den Übergang ins Ausbildungs- und Beschäftigungssystem zu befähigen. Die Zusammenarbeit ist natürlich für das Fach W-A-T gleichermaßen wichtig; deshalb sollte auch die praktische Koordination bei der Fachkonferenz W-A-T liegen. Aber andere Fächer haben eigene Zugänge, für die die Inhalte des ÜTK den Rahmen bilden können.

Auf der folgenden Seite steht die Planungsgrundlage, an der sich die Auswahl der Materialien orientiert.

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Wirtschaft

Ziele Schülerinnen und Schüler erkennen, dass ihr Alltagshandeln durch ökonomische Beziehungen beeinflusst ist und sie diese beeinflussen und können sich mit grundlegenden ökonomischen Zusammenhängen auseinander setzen Inhaltliche Schwerpunkte Jugend und Konsum Ansatzmöglichkeiten Kommerzialisierung des Sports - Sport als Wirtschaftsfaktor Werbung ­ Jugend als Konsumfaktor, Schuldenprävention Gründung von Schülerunternehmen/Schule als Dienstleister im Bereich Kultur, Sport, Technik, kommunale Begegnungen und Feste, Schulsponsoring Zusammenarbeit mit Unternehmen und privaten und öffentlichen Institutionen in der Region Einmischen in den regionalen Wirtschaftsraum: Projekte mit alten Bahnhöfen, Stadterneuerung, Tourismus, Freizeit Expertengespräch mit Vertretern der Wirtschaftsförderungsgesellschaften, IHK, Handwerkskammern, Kommunalpolitikern

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Jugend und berufliche Arbeit

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Sie erwerben die Fähigkeit zu selbstständigen Entscheidungen und eigenverantwortlichem Handeln als Konsument und Produzent, Erwerbstätige und Wirtschaftsbürger Sie erwerben die Fähigkeit, den Übergang von der Schule in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem orientiert am eigenen (beruflichen) Selbstkonzept zu gestalten

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Markt und Unternehmen

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Regionaler Wirtschaftsraum (Struktur, Einflussfaktoren, Handlungsmöglichkeiten)

Sie können ihren regionalen Wirtschaftsraum analysieren, Entwicklungsmöglichkeiten und ­grenzen einschätzen und mit anderen Wirtschaftsräumen vergleichen, sie erwerben die Bereitschaft zur Mitgestaltung ihrer Wirtschaftsregion Sie kennen Innovationsprozesse und -bereiche, wissen um ihre Bedeutung und können die Folgen abschätzen

Innovationen (Produkt, Prozess, Struktur) Untersuchung von Innovationen und Beteilung an Innovationsprozessen der Wirtschaft, im Unterricht und Schulleben

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Zukunftswerkstatt: Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung

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Sie können wirtschaftliches Handeln unter politischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten betrachten und im Ansatz beurteilen.

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Wirtschaftsethik

Fächerbezüge: z.B. Deu, Ma, PB, Geo, S, Ku, DG, Ch, Ph, Bio, WAT

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Jugend und Konsum (Harald Rau)

3.1 Sachanalyse

Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Referat von Dr. Elmar Lange, Universität Bielefeld, zum Thema: ,,Jugendkonsum - Demonstration und Kompensation?" anlässlich der Fachtagung ,,Überschuldungsprävention für Jugendliche als Herausforderung an die Fachkräfte der sozialen Arbeit"1. Der Verfasser bezieht sich in seinen Ausführungen auf die alten Bundesländer. Wir gehen davon aus, dass der Angleichungsprozess zwischen Ost und West beim Jugendkonsum schon weit fortgeschritten ist und deshalb die Probleme und Inhalte auch für Ihren Unterricht relevant sind. Außerdem vermittelt der Text einen guten Überblick über fachspezifische Begriffe. Jugendkonsum - Demonstration und Kompensation? Problemstellung Ein wichtiges Merkmal der die alten Länder der Bundesrepublik wie die übrigen westlichen Industriegesellschaften durchziehenden "sekundären" Individualisierung ist nach Beck (1986,122ff.) die enorme Steigerung des materiellen Lebensstandards seit Anfang der 50er Jahre. Die seither zu beobachtende Versechsfachung der realen Einkommen hat dazu geführt, dass den Haushalten gegenwärtig etwa die Hälfte ihrer Einkommen als diskretionäre Einkommen zur Verfügung steht, die nicht mehr zur Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Wohnung und Bildung benötigt wird. Das trifft auch für Jugendliche zu. Damit eröffnen sich sowohl für die Erwachsenen als auch für die Jugendlichen erhebliche neue Spielräume und Chancen der Individualisierung von Konsum- und Lebensstilen. Damit ergeben sich zugleich Möglichkeiten, beim Kauf und Konsum von Gütern und Dienstleistungen nicht nur auf ihre direkten Gebrauchswerte, sondern verstärkt auch auf ihre symbolischen Werte zu achten. Anders formuliert: Es ist zu vermuten, dass auch die Jugendlichen mit dem steigenden Anteil ihrer diskretionären Einkommensanteile beim Konsum von Gütern entweder verstärkt auf die Prestigeträchtigkeit der Güter achten oder aber auch Güter einfach nur kaufen, weil ihnen der Kauf bereits Befriedigung zu bieten verspricht. Damit aber treten zwei Konsumformen in den Möglichkeitsspielraum, die man als demonstrativen Konsum und als kompensatorischen Konsum bezeichnet, und die vom "rationalen", an Gebrauchswerten orientierten, marktkonformen Konsum unterschieden werden müssen. Das Phänomen des demonstrativen Konsums ist an sich nicht neu: Angehörige der gesellschaftlichen Oberschichten haben zu allen Zeiten den Konsum vor allem auch zur Demonstration des eigenen Status und zur individuellen Abgrenzung genutzt. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Phänomen ist nicht neu: Bereits 1899 wies Veblen auf dieses, inzwischen als Veblen-Effekt bezeichnete Phänomen hin (Veblen 1899). Leibenstein stellte bereits 1950 die verschiedenen atypischen Nachfrageverhaltensweisen wie MitläuferEffekte (bandwagon-effect), Snob-Effekte, Veblen-Effekte und ihre Bedingungen zusammen (vgl. Leibenstein 1950, Adlwarth 1983). Neu ist jedoch die Tatsache, dass mit der säkularen Ausweitung der diskretionären Einkommensanteile große Teile der Bevölkerung in den meisten westlichen Industrienationen, einschließlich der Jugendlichen, in die Lage versetzt erscheinen, diesen symbolischen Konsumaspekt in den Vordergrund zu rücken. Damit gilt auch für die Jugendlichen, was Dörge einmal so formuliert hat: "Man kauft schließlich, was man nicht braucht, mit dem Geld, das man nicht hat, um dem zu imponieren, den man nicht mag" (Dörge 1990, 20). In welchem Umfang die Jugendlichen in den alten Ländern der Bundesrepublik diesem demonstrativen Konsum nachgehen, und von welchen Bedingungen diese Konsumform abhängt, soll hier mit untersucht werden. Als kompensatorischer Kon1

Siehe Hinweise auf links und Materialien am Ende dieses Kapitels

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sum wird hier in Anlehnung an Scherhorn, Reisch und Raab(1992a) ein Konsumverhalten bezeichnet, das "nicht (vorrangig) den Zwecken dient, denen das gleiche Verhalten normalerweise gewidmet ist, sondern Defizite kompensieren soll, die aus dem Nicht-Lösen ganz anderer Probleme entstanden sind. Kompensatorisches Kaufen kann beispielsweise die Funktion haben, dem Käufer über beruflichen Stress oder private Enttäuschung hinwegzuhelfen. Das Gut wird dann nicht (oder nicht in erster Linie) um seines Gebrauchswertes willen gekauft, sondern um der Befriedigung willen, die der Kaufakt selbst dem Käufer verschafft, und zugleich in der Erwartung, dass diese Befriedigung einen Ausgleich für die Frustration bieten möge, die durch das unbewältigte Problem hervorgerufen wurde" (Scherhorn, Reisch, Raab 1992a, 4). Kompensatorisches Konsumverhalten kann zur Kaufsucht führen. Kaufsucht liegt dann vor, wenn das kompensatorische Konsumverhalten die für ein Suchtverhalten typischen Merkmale zeigt, nämlich die Verengung auf bestimmte Objekte, die Unwiderstehlichkeit und in vielen Fällen auch die Dosissteigerung und das Auftreten von Entzugserscheinungen. Kaufsucht kann ihrerseits krankhafte Züge annehmen, wenn die Verhinderung der Entzugserscheinung in den Mittelpunkt gerückt wird (vgl. Scherhorn, Reisch, Raab 1992a, 24 ff.). Da die Daten unserer Untersuchung nur Hinweise auf kompensatorisches Kaufverhalten, nicht aber auf Kaufsucht oder krankhaftes Kaufverhalten zulassen, sollen zum weiteren das Ausmaß und die Bedingungen des kompensatorischen Konsumverhaltens von Jugendlichen in den alten Bundesländern untersucht werden. Begreift man demonstrativen und kompensatorischen Konsum als atypische, nicht-marktkonforme Konsumverhaltensweisen, dann stellt sich natürlich auch die Frage, wie denn marktkonforme, rationale Konsumverhaltensweisen zu begreifen sind, und in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen sie bei den Jugendlichen auftreten. Damit sollen in der kommenden Analyse die folgenden Fragen beantwortet werden:

1. Wie ist Konsum, speziell auch Jugendkonsum, theoretisch zu begreifen und empirisch

zu ermitteln?

2. Welche Geldmittel stehen den Jugendlichen heute zur Verfügung? Wie groß ist der Anteil

der diskretionären Einkommen?

3. Für welche Güter und Dienstleistungen geben die Jugendlichen ihr Geld aus? Gibt es

typische Konsummuster?

4. An welchen Kriterien orientieren sich die Jugendlichen beim Kauf ihrer Güter; anders

formuliert: In welchem Umfang finden wir marktkonforme und nicht-konforme, d.h. hier demonstrative und kompensatorische Konsumverhaltensweisen? Theoretische Überlegungen zum Jugendkonsum Sieht man von paradiesischen Zuständen ab, hat der Mensch die Güter, die er zur Befriedigung vor allem seiner physiologischen Grundbedürfnisse benötigte, stets in Auseinandersetzung mit seiner natürlichen Umwelt produzieren müssen. Das gilt insbesondere für seine Nahrung, seine Kleidung, seine Wohnung, für alle weiteren Güter des täglichen Bedarfs, für alle Luxusgüter sowie nicht zuletzt auch für all die Güter, die von allen gemeinsam genutzt werden, wie z.B. die Kollektivgüter. Er musste diese Güter untereinander aufteilen, bevor er sie direkt konsumieren, für den späteren Gebrauch aufsparen oder aber als Produktivgüter zur Befriedigung weiterer Bedürfnisse investieren konnte. Das wird auch in absehbarer Zukunft nicht anders werden. Dabei sollte idealerweise gelten, was A. Smith bereits 1776 formulierte: "Der Verbrauch allein ist Ziel und Zweck einer jeden Produktion, daher sollte man die Interessen der Produzenten nur soweit beachten, wie es erforderlich sein mag, um das Wohl des Konsumenten zu fördern" (Smith 1978). Homo oeconomicus, der Mensch in der Wirtschaft, ist üblicherweise Produzent und Konsument zugleich, für beide Rollen muss er in der familiären, schulischen und beruflichen Sozialisation vorbereitet werden, wobei sein Verhalten als Konsument genauso wichtig ist wie sein Verhalten als Produzent in einem be-

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stimmten Beruf. Unter marktwirtschaftlichen Bedingungen bedeutet die Vorbereitung auf die Konsumentenrolle, dass der junge Mensch lernt, sich auf Konsumgütermärkten als Nachfrager gegenüber verschiedenen Anbietern marktkonform bzw. rational zu verhalten. Was heißt das im einzelnen? Konsum bezeichnet die Befriedigung von Bedürfnissen (Ansprüchen, Wünschen) anhand von Geldmitteln (Einkommen, Ersparnisse, Kredite) durch Güter oder Dienstleistungen (unterschiedlicher Formen, Qualität und Quantität), die bestimmte Kosten (in Form von zu zahlenden Preisen oder Gebühren) verursachen. Bedürfnisse und Geldmittel stehen auf der Nachfrageseite, Güter bzw. Dienstleistungen stehen mit ihren Preisen auf der Angebotsseite des Konsumgütermarktes. Damit ergibt sich ein Modell des Konsumverhaltens, das Dörge als "magisches Viereck" charakterisiert hat (vgl. Modell 1). Modell 1 "Magisches Viereck" des Konsumverhalten Mater. Ebene Bedürfnisse Ansprüche Wünsche Konsumgütermarkt Güter/Dienste Quantität Qualität Angebot

Nachfrage

Monet. Ebene

Mittel Geldmittel Arbeitskraft

Kosten Preise Gebühren

Quelle: In Anlehnung an Dörge (1990, 4)

Unter Bezug auf dieses Modell kann ein marktwirtschaftlich rationales bzw. ein marktkonformes Konsumverhalten jetzt wie folgt präzisiert werden: Das Konsumverhalten erscheint dann als rational bzw. marktkonform, wenn es diejenigen Güter und Dienstleistungen nach Quantität und Qualität auswählt, die materielle Bedürfnisse optimal zu befriedigen versprechen, wobei die Geldmittel so eingesetzt werden, dass die Kosten minimiert werden. Damit sind zugleich all die Konsumverhaltensweisen als sub-rational bzw. nichtmarktkonform zu kennzeichnen, bei denen bewusst oder unbewusst ein Element oder eine Beziehung zwischen den Elementen unberücksichtigt bleiben; einige seien hier genannt: · Der Kauf von Gütern, die keine materiellen Bedürfnisse befriedigen, ohne Rücksicht auf ihre Kosten und die eigenen Mittel, wäre diesem Zusammenhang als kompensatorischer Konsum bzw. als Kaufsucht (bei Vorliegen weiterer Suchtmerkmale) zu bezeichnen. Dieser Kauf zielt nicht auf die Nutzung der Güter zu ihrem Gebrauch, sondern auf die Befriedigung, die sich aus dem Kaufakt selbst ergibt. Der Kauf von Gütern, die immaterielle Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung befriedigen, unter Berücksichtigung der eigenen Mittel, aber unter Vernachlässigung ihrer relativen Kosten, wäre in diesem Zusammenhang als demonstrativer Konsum zu betrachten nach dem Motto: "Je teurer, desto angesehener". Der Kauf von Gütern, die weder materielle noch immaterielle Bedürfnisse befriedigen, unter Berücksichtigung ihrer Kosten und der eigenen Mittel, wird üblicherweise als Verschwendung bezeichnet. Der Kauf von Gütern zur Bedürfnisbefriedigung unter Berücksichtigung der Kosten, aber unter Vernachlässigung der eigenen Mittel ist "Konsum über die eigenen Verhältnisse".

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Als wichtiger Bezugspunkt des Konsumverhaltens erscheinen nach diesen Überlegungen die individuellen Bedürfnisse, die man über den Konsum zu befriedigen sucht. Ohne hier auf die psychologische Diskussion über Bedürfnisse näher einzugehen (vgl. z. B. Maslow 1957, McGregor 1960), erscheint für die empirische Analyse des Konsumverhaltens die folgende Taxonomie von Bedürfnissen brauchbar; so lassen sich unterscheiden:

1. physiologische Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung, Wohnung; 2. Wahlbedürfnisse, die auf Güter und Dienstleistungen zielen, die über die Befriedigung

von Grundbedürfnissen hinausgehen, z.B. besondere Nahrungsmittel, hochwertige Kleidung, Luxuswohnungen, Kaffee, Autos, Reisen usw. (früher als Luxusbedürfnisse bezeichnet);

3. soziale Bedürfnisse nach Liebe, Zuneigung und Freundschaft, Anerkennung und Ach-

tung; sie sind i.d.R. nicht direkt über ökonomische Güter zu befriedigen;

4. Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung und Entfaltung des eigenen Persönlichkeitspoten-

tials (EGO-Bedürfnisse); auch diese Bedürfnisse sind nicht direkt über ökonomische Güter zu befriedigen, sie können allenfalls unterstützend wirken. Nach früheren Vorstellungen (z.B. Maslow) wurden Bedürfnisse als hierarchisch angeordnet betrachtet: Erst sollten die Grundbedürfnisse befriedigt sein, bevor Bedürfnisse "höherer Art" befriedigt würden. Sieht man von den Grundbedürfnissen ab, deren "grundlegender" Charakter noch evident ist, scheint das Streben nach Befriedigung der übrigen Bedürfnisse gleichermaßen gegeben. Die Bedürfnisse lassen sich weiterhin noch wie folgt kennzeichnen: · Alle Bedürfnisse sind erlernt und variieren mit den materiellen Verhältnissen einer Gesellschaft bzw. ihrer für den Erziehungsprozess wichtigen Subgruppen, z.B. den Familien, sowie mit den dort geltenden kulturellen Wertvorstellungen. Veränderungen der materiellen Verhältnisse und der kulturellen Vorstellungen verändern auch die konkreten Bedürfnisse. Die relative Bedeutung der Bedürfnisse, d.h. die relative Stärke ihrer Antriebsmotive, variiert mit dem Grad ihrer Befriedigung; vor allem für die physiologischen Grundbedürfnisse gilt: je stärker ihre Befriedigung, desto eher wird eine Sättigung erreicht. Für die übrigen Bedürfnisse sind keine immanenten Sättigungsgrenzen erkennbar; sie wachsen mit den Möglichkeiten ihrer Befriedigung. Grenzen werden allenfalls durch die vorhandenen Güter und ihre Preise, die eigenen Mittel oder durch soziale Normen gezogen. Speziell für die sozialen Bedürfnisse und die Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung gilt: sie sind allenfalls mittelbar über ökonomische Güter und Dienstleistungen zu befriedigen: unmittelbar können sie nur über Kommunikation und Selbstreflexion befriedigt werden. Darüber hinaus ist bekannt: Viele primär materiellen Bedürfnisse und ganze Bedürfniskomplexe sind durch komplementäre Güter und Dienstleistungen zu befriedigen. Das hat u.a. zur Folge, dass auch versucht wird, Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung und nach Selbstverwirklichung unmittelbar und ausschließlich über ökonomische Güter zu befriedigen, womit wir bei den Formen des demonstrativen und des kompensatorischen Konsums wären.

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Bleibt an dieser Stelle auf die besondere Situation der Jugendlichen im Unterschied zu Kindern und Erwachsenen einzugehen, um ihr Konsumverhalten besser verstehen zu können. Unter sozialisationstheoretischem Aspekt kann Jugend als eine Lebensphase in der Entwicklung eines Menschen bezeichnet werden, die mit der Entwicklung der Geschlechtsreife in der Pubertät um das 13. Lebensjahr beginnt und mit der Übernahme der Erwachsenen12

rollen, vor allem der Berufsrolle und der (Ehe-)Partnerrolle etwa zwischen dem 21. und dem 25. Lebensjahr endet. In dieser Jugendphase erreicht die Persönlichkeitsentwicklung eine einzigartige Dichte und Differenziertheit, in der das Spannungsverhältnis zwischen der Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft über Rollen- und Normübernahmen und der Individuation als Aufbau einer selbstständigen Persönlichkeit über Distanzierung und kritische Reflexion besonders gut beobachtet werden kann. Im Unterschied zur Kindheit erfolgt die Bewältigung dieses Spannungsverhältnisses in der Jugend dadurch, "dass sich der Jugendliche von den zentralen Bezugspersonen Vater und Mutter innerlich ablöst und eine Autonomie seiner Persönlichkeitsorganisation aufbaut. Der Ablösungsprozess ist Ausgangspunkt und Voraussetzung dafür, dass sich der Jugendliche den außerfamiliären Bezugspersonen und Institutionen und den von ihnen definierten Anforderungen und Aufgaben zuwenden kann" (Hurrelmann, Rosewitz, Wolf 1989, 12). Zu den in dieser Phase zu lösenden Aufgaben gehören (vgl. hierzu ebenfalls Hurrelmann, Rosewitz, Wolf 1989, 12f.): · die Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um zunächst schulischen und später beruflichen Qualifikationsanforderungen nachkommen zu können, sodass eine Berufsrolle übernommen und damit die ökonomische Basis für das eigene Leben geschaffen werden kann; die Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle und des sozialen Verhaltens zu Gleichaltrigen des eigenen und des anderen Geschlechts, um später die Rolle des(Ehe-) Partners übernehmen und eigene Kinder erziehen zu können; die Entwicklung eines eigenen Bedürfnis-, Wert- und Normensystems und eines ethischen und politischen Bewusstseins, damit langfristig auch Rollen im öffentlichen Bereich übernommen werden können; die Entwicklung von Handlungsmustern für den Freizeit- und Konsumbereich mit dem Ziel, einen eigenen Lebensstil in diesen Bereichen entwickeln zu können und zu einem autonomen bedürfnisorientierten und marktkonformen Umgang mit den entsprechenden Angeboten zu kommen, d.h. zur Rolle des Konsumenten unter Marktbedingungen zu finden.

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Was die Einübung der Konsumentenrolle und des Konsumentenverhaltens angeht, stehen die Jugendlichen vor einer Reihe von Schwierigkeiten, die sich aus ihrem spezifischen Alterergeben: · Standen sie während ihrer Kindheit schwerpunktmäßig in den altersheterogenen, hierarchisch aufgebauten Systemen von Familie und Schule, in denen ihr Verhalten im wesentlichen durch Normvorgaben und positiven wie negativen Sanktionen auf der Basis von Liebe und Macht "von oben" gesteuert wurde, treten sie mit der Ablösung vom Elternhaus und der Zuwendung zu Peer-Gruppen und zu Märkten in soziale Systeme, in denen ihr Verhalten über den Austausch von Leistungen und Gegenleistungen von "Gleichberechtigten" gesteuert wird. Auch diesen Austausch unter Gleichen müssen die Jugendlichen erst lernen, das gilt besonders für die geldvermittelten Austauschprozesse auf Märkten, wie z.B. dem Konsumgütermarkt. Um einen gleichberechtigten Status in den Peer-Gruppen zu gewinnen, ist das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung besonders hoch. Um diese Anerkennung zu gewinnen, setzen Jugendliche häufig statt auf Leistung auf den Besitz von Konsumgütern, um ihren Status zu heben. Frei nach dem ihnen vielfach von ihren Eltern oder der Werbung vorgelebten Motto "Hast Du was, bist Du was" wird an die Stelle von "Tun und Leisten" auf das "Haben" gesetzt und demonstrativer Konsum praktiziert.

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Das im Zuge der Distanzierung von den Eltern sowie der Erwachsenengeneration schlechthin sich verstärkende Bedürfnis nach Selbstfindung und individueller Persönlichkeitsentfaltung wird ebenfalls häufig durch den Konsum von jugendspezifischen und den individuellen Lebensstil unterstreichenden Gütern zu befriedigen versucht, statt auf Reflexion und Diskussion mit den wichtigsten Bezugspersonen zu setzen. Auf den Konsumgütermärkten erfahren die Jugendlichen zum ersten Mal, dass sie unabhängig von ihrem Alter nur aufgrund ihrer finanziellen Mittel als gleichberechtigte Partner der Erwachsenen akzeptiert werden. Diese soziale Akzeptanz stellt für sie einen bedeutenden Anreizfaktor dar, diese Märkte auch dann aufzusuchen und zu konsumieren, wenn kein echter Bedarf vorliegt, womit wir wieder beim Phänomen des kompensatorischen Konsums wären.

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3.2 Übergreifende Ziele

· · · · Schülerinnen und Schüler erkennen, dass ihr Alltagshandeln von ökonomischen Bedingungen und ökonomischen Beziehungen beeinflusst wird. Sie erfassen die Bedeutung für eine Konsumentensouveränität und ihre Bedingungen und Grenzen. Schülerinnen und Schüler erkennen ihre materiellen und immateriellen Bedürfnisse und entwickeln Ansätze für ein bewusstes Kaufverhalten. Schülerinnen und Schüler werden befähigt, Waren und Dienstleistungen kritisch zu betrachten, wichtige Produktinformationen der Warenkennzeichnung zu entnehmen und an Hand dieser den Gebrauchswert einzuschätzen. Sie sollen das Preis-LeistungsVerhältnis abschätzen können und die Produkte danach bewerten. Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedliche Formen von Kaufverträgen und deren rechtliche Auswirkungen kennen.

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3.3 Inhalte

· · Konsumbereiche und -produkte Die verschiedenen Konsumbereiche (Ernährung, Sport, Freizeit...) und Produkte (CD, HiFi-Geräte, Sportausrüstung...) werden dem Alltag der Jugendlichen entnommen. Haushaltsplanung Sie umfasst: Bedarfsermittlung und Führung eines Haushaltsbuches; Durchführen von Preisvergleichen sowie Kontakt zu Verbraucherorganisationen; Lesen und Entschlüsseln von Verbraucherinformationen auf verschiedenen Produkten. Schuldenprävention Wie kann man einer Überschuldungssituation vorbeugen, wie kann man Schulden vermeiden oder vorhandene Schulden abbauen; Reflexion der Lebensstile, Durchführen von Schuldentest, Kontaktaufnahme zu Beratungsstellen. Marketingstrategien Preis-, Produkt-, Markt-, Vertriebspolitik bei Produkten für jugendliche Käufer. Konsummärkte Durchführung von Marktanalysen und Marktforschung sowie die Untersuchung von Marktmechanismen. Kaufverhalten Studien zum Marktverhalten von jugendlichen Konsumenten untersuchen bzw. durchführen. Verbraucherrechte und -politik Verbraucherrechte (Rücktrittsrecht, Produkthaftung, Garantie, Rückgaberecht, Gewährleistung, AGB) in verschiedenen Konsumformen (z.B. Onlinekauf, Versandgeschäft, herkömmliches Ladengeschäft) untersuchen und vergleichen. Konsum und Umwelt Ökonomische Strategien zum Umgang mit Umweltbelastungen, die durch Produkte verursacht werden (von der Herstellung bis zur Entsorgung) wie z.B. Aufnahme in Preiskalkulation, Pfand.

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3.4 Planungshilfen für die Schule

3.4.1 Rahmenlehrplanbezüge

· Deutsch Lesen/Umgang mit Texten unterschiedlich medial vermittelte Werbetexte untersuchen Werbung Früher und Heute Wirtschaft-Arbeit-Technik (Pflichtunterricht) Themenfeld 2: Haushalt und Konsum Wirtschaft-Arbeit-Technik (Wahlpflichtunterricht) Module: Konsum und Umwelt, Ernährung und Gesundheit, Produktgestaltung und Vermarktung, Teleshop Internetökonomie Politische Bildung Themenfeld Wirtschaft

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Kunst Medien (Jahrgangsstufen 7 und 8) Werbung und Plakatgestaltung Comic Strips, Layout, Verhältnis Text Bild

3.4.2 Möglichkeiten für fächerverbindende Vorhaben

· Schuldenprävention Eine Zukunftswerkstatt zu Wünschen und Bedürfnissen der Jugendlichen durchführen, Möglichkeiten der Finanzierung. Die Gefahr der Überschuldung in den Mittelpunkt stellen und dabei Strategien der Schuldenprävention entwickeln. Werbung Werbespots analysieren und gestalten (Videoclip, Werbespot für Hörfunk) Werbeplakate und Flyer für regionale Veranstaltungen entwerfen Werbung für schuleigene Schülerfirmen Werbung für regionale Unternehmen

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Bezüge zu anderen übergreifenden Themenkomplexen

Recht im Alltag: Kauf- Vertragsrecht Friedenssicherung, Globalisierung und Interkulturelles: Globalisierung kultureller Märkte; globale Wirtschafts- und Finanzmärkte ökologische Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit: Kleidung und Kosmetik-Werbung; Lebensstile; Konsummuster; Wertvorstellungen

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3.5 Exemplarische Vorhaben

In diesem Kapitel finden Sie eine kleine Zusammenstellung von Vorhaben, die zum Bereich Jugend und Konsum fächerverbindend durchgeführt werden können. Es sind komplett ausgearbeitete und erprobte Beispiele. Die didaktischen Begriffe sind zwar nicht immer präzise und eindeutig. Die Beispiele bieten aber gute Anregungen und müssen natürlich sorgfältig den eigenen Gegebenheiten angepasst werden.

3.5.1 Qual der Wahl

In diesem Vorhaben wird auf den Konsumbereich Sport eingegangen. Die Durchführung erscheint uns sowohl in der Sek. I als auch in der Sek. II sinnvoll. Im Mittelpunkt steht das Kaufverhalten der Jugendlichen sowie Verbraucherrechte, Analyse eines Produktes und deren Bewertung. Weiterhin geht es auch um die kritische Betrachtung des Images einiger Marken. Material: Siehe Anlage 1

3.5.2 MoxBox

Bei MoxBox handelt es sich um ein webbasiertes Projekt. Rund um das Thema Geld steht das Auskommen mit dem Einkommen im Vordergrund. Kommunikation als Konsumbereich steht hier im Mittelpunkt. Des Weiteren erhalten die Schülerinnen und Schüler vielfältige Beispiele um Geld zu ,,speichern". Zusätzlich kann man einen Bericht über ein durchgeführtes Projekt zu diesem Thema einsehen. Ein Einsatz in der Sek. I ist aus unserer Sicht möglich. Material: http://141.90.2.11/moxbox/default.htm

3.5.3 Ohne Moos nix los

In dem Planspiel ,,Ohne Moos nix los" steht das Thema Ausgaben und Einnahmen im Mittelpunkt. Es gibt keinen Hinweis auf die Jahrgangsstufe, ein Einsatz in der 7. oder 8. Jahrgangsstufe wäre jedoch denkbar. Die Schülerinnen und Schüler werden mit alltäglichen Krisensituationen konfrontiert und für die Gefahren des sorglosen Umgangs mit dem Geld sensibilisiert. Die Wirkung von Krediten auf das Haushaltsbudget wird anschaulich dargestellt. Beim Konsumieren geht es hauptsächlich um die Bereiche Freizeit, Ernährung, Kleidung und Sport. Ein selbstgebildetes Beratungsteam steht bereit und hilft bei einer eventuell drohenden Verschuldung. Material: Siehe Anlage 2

3.5.4 Einkaufsfallen im Supermarkt

Das Projekt dient der Untersuchung der Verkaufsstrategien in Supermärkten. Durch ein Onlinespiel kann man die Gestaltung eines Supermarktes simulieren und bei einer Befragung sich als Supermarktleiter testen lassen. Das Projekt wurde bereits von Schülern einer 8. Klasse durchgeführt und umfangreich dokumentiert. Material: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/einkaufsfallen/ Beispiel: http://www.wr-unterricht.de/falle

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3.6 Hinweise auf weitere Materialien

3.6.1 Links und Broschüren

· www.verbraucherbildung.de

Auf diesen Seiten der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. findet man Unterstützung, wenn Fragen zum Konsum im Kurs oder im Unterricht thematisiert werden. Das Angebot reicht von Fachinformationen zu verschiedenen Themen über nützliche Literaturangaben bis hin zu konkreten Unterrichtshilfen. In den meisten der vorgestellten Unterrichtsbausteine ist das Internet als Medium integriert. Die Entwicklung von Konsum- und Medienkompetenz geht daher Hand in Hand. Ein moderiertes Diskussionsforum rundet das Angebot ab. · www.vse-essen.de

Der Verein Schuldnerhilfe e.V. Essen (VSE) hat sich dem Thema Überschuldungsvorbeugung angenommen und es für Fachkräfte der Schule, der Jugendhilfe und der Schuldnerberatung aufgearbeitet. Seit 1992 hat der VSE Erfahrungen in der Präventionsarbeit mit jungen Menschen gesammelt. Die Ergebnisse seiner Arbeit stellt der VSE den Fachkräften aus Schule und sozialer Arbeit, die sich in ihrem Arbeitsfeld mit der Konsum- und Schuldenproblematik junger Menschen auseinandersetzen auf dieser Website in Form des ,,Schuldnerkoffers" zur Verfügung. Der ,,Schuldnerkoffer" enthält eine umfangreiche Sammlung an Projekten, Overheadfolien, Video- und Materialliste. · · www.sowi-online Die Website der Sozialwissenschaften bieten in der Rubrik "praxis" Unterrichtsmaterialien und -entwürfe zum Bereich Jugend und Konsum geordnet nach Unterrichtsmethoden an. Aufbereitet werden: Unterrichtsmaterialien, -skizzen und -entwürfe, Literaturhinweise und Online-Dokumente zu Lehr-Lern-Methoden im sozialwissenschaftlichen Unterricht, Links zu staatlichen Institutionen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden, Zeitschriften und Multiplikatoren in der politischen Bildung. Die Broschüre ,,Jugend & Konsum" der STIFTUNG WARENTEST enthält Tipps, Informationen und Unterrichtsvorschläge, wie Schülerinnen und Schüler mit den Methoden des Warentests Dinge des täglichen Lebens untersuchen können. Fünf Themenbereiche, die für Jugendliche von Bedeutung sind, werden in der Broschüre behandelt: Geld, Kleidung, Kosmetik, Sport und Ernährung. Schon mit einfachen Mitteln, die in der Broschüre ausführlich dargestellt werden, lassen sich zum Beispiel die Zusammensetzung von Kosmetika, die Haltbarkeit und Funktionalität von Sportkleidung, die Bedingungen von Jugendkonten oder die Qualität von Fastfood ermitteln und vergleichen. Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, Einstellungen und Verhaltensweisen eines kritischen Verbrauchers zu entwickeln. Lehrerinnen und Lehrer können die Broschüre und den Film per E-Mail ([email protected] stiftung-warentest.de) bei der STIFTUNG WARENTEST bestellen. Bitte geben Sie bei der Bestellung den Namen der Schule an. Schuldenprävention ­ Eine Zukunftswerkstatt In dieser Umfangreichen Broschüre wird ein Vorschlag für eine Zukunftswerkstatt zum Thema Schuldenprävention unterbreitet. Das Material kann man unter www.sowie-online.de ->praxis ->Lehr-Lern-Methoden ->Zukunftswerkstatt downloaden.

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Jugend Testet Hierbei handelt es sich um einen jährlich ausgeschriebenen Wettbewerb der Stiftung Warentest, der unter folgenden Link zu erreichen ist: http://www.warentest.de/pls/sw/jugend_testet.main?p_KNr=0 Fachtagung Überschuldungsprävention für Jugendliche als Herausforderung an die Fachkräfte der sozialen Arbeit Die Fachtagung wurde vom Verein Schuldnerhilfe e.V. Essen veranstaltet und fand am 31.05.1995 statt. Sie war Teil des 2-jährigen Modellprojekts "Überschuldungsprophylaxe für junge Menschen", das der VSE mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V., des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und des Jugendamtes der Stadt Essen durchgeführt hat. Das Material zeigt eine Reihe von Ansätzen zur Prävention und gibt einen umfangreichen Einblick in die Problematik Jugend und Konsum. Die entsprechende Datei ist als pdf-File herunterladbar [www.vseessen.de] >Vorbeugung >Schuldnerkoffer >Materialien >M03. Auf der Seite der Bauer-Media KG sind umfassende BRAVO-Studien zum Thema Konsum und Jugend veröffentlicht. Die Studien und Vorträge kann man kostenlos downloaden. http://www.bauermedia.com/studien/zielgruppen/jugend/bravofaktorjugend.php Institut für Jugendforschung, Taschengeldkalender 2002, http://www.wuv-studien.de Über wieviel Geld verfügen Kinder und Jugendlich? Was sind die Einnahmequellen? Wofür geben sie ihr Geld aus? Unter diesem Link sind auch andere interessante Studien zu Werbung, Kommunikation und Marketing einsehbar. Die Hompage gehört der Zeitschrift Werben & Verkaufen (www.wuv.de).

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3.6.2 Folien

Die Overheadfolien des ,,Schuldnerkoffers" sind von den Seiten des Vereins Schuldnerhilfe e.V. Essen (VSE) als pdf-File herunterladbar [www.vse-essen.de] >Vorbeugung >Schuldnerkoffer >Materialien.

3.6.3 Hörspiele

· Mit dem Einkaufswagen durch das Packeis Dieses Hörspiel beschäftigt sich mit dem Versandhandel. Hier kann sich Paul seine materiellen Wünsche erfüllen, alles auf Teilzahlung. Das Hörspiel spricht die Probleme Jugendlicher beim Schritt in die finanzielle Selbstständigkeit gut an und ist über das MPZ auszuleihen.

3.6.4 Videos

· Auf den Seiten des Vereins Schuldnerhilfe e.V. Essen (VSE) befindet sich eine sehr umfangreiche Zusammenstellung von Videos zum Thema [www.vse-essen.de] >Vorbeugung >Schuldnerkoffer >Materialien.

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Max-ein Film über Liebe, Lust und Warentest Der Film bietet einen unterhaltsamen Einstieg in das Thema ,,Konsum und Warentest" und ist Teil der Broschüre ,,Jugend & Konsum" der STIFTUNG WARENTEST: Moskito: Geld Magazin von der Redaktion Moskito BRD 1995, 44 Min., Farbe FSK: Ab 6 Jahren Schwungvoll und vielseitig greift das bewährte Moskito-Magazin das Thema Geld in Form von Berichten, Sketchen, Cartoons und Musikvideos auf. Vertrieb: http://www.matthias-film.de/ Lügen haben schöne Beine - vom märchenhaften Alltag der Werber Dokumentarfilm BRD 1997, 45 Min., Farbe FSK: Ab 12 Jahren Mitherausgeber: FWU Die "Wahrheit" kundenkompatibel zu verkaufen, beschäftigt einen großen Berufszweig. Wie das Geschäft mit der Verführung funktioniert, darüber berichtet der Filmautor anhand von vielseitigen, interessanten Beispielen. Vertrieb: http://www.matthias-film.de/ Der Neunhüter Animationsfilm von Jan Habarta BRD 1996, 25 Min., Farbe FSK: ohne Altersbeschränkung Kuriose Gestalten ringen in einer absurden Welt um Anerkennung, indem sie versuchen, alles richtig zu machen. So auch Herr Wenig. Als die Parole ausgegeben wird, möglichst viele Exemplare eines Gegenstands zu besitzen, entscheidet sich Herr Wenig für Hüte. Vertrieb: http://www.matthias-film.de/ Zum Kaufen geboren (Wirtschaftsfaktor Kind) FWU 1986 über MPZ auszuleihen In dem Film werden Kinder als Objekte von Werbe- und Marketingstrategien dargestellt. Auf eindrucksvolle Art und Weise wird die aggressive Werbestrategie einiger Firmen erläutert. Im Verlauf des Filmes werden Interviews mit Firmen zur Thematik geführt. Der Film ist als Einstieg und zur Sachinformation geeignet. Da die Länge 40 min beträgt, ist es günstig die Vorführung im Unterricht auf ausgewählte Sequenzen zu beschränken.

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3.7 Anlagen zu den exemplarischen Vorhaben

3.7.1 Die Qual der Wahl (Anlage 1)

Online-Kauf von Sport-Artikeln von Reinhard Bock und Frank Grellert Berlin, Februar 2001

Inhaltsverzeichnis 1. Sachanalyse 2. Allgemeine Zielsetzungen und Unterrichtsaufbau 3. Unterrichtsverlauf Arbeitsschritt 1: Die Kaufberatung (Materialien integriert) Arbeitsschritt 2: Verbraucherschutz beim Online-Kauf (Materialien integriert) Arbeitsschritt 3: Das Image der Ware (Materialien integriert)

1. Sachanalyse Auf den ersten Blick erscheint der Zusammenhang zwischen Sport und Konsum ungewohnt, ja konstruiert. Sportartikel sind jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Freizeitwirtschaft. Jährlich werden von den privaten Haushalten allein in Deutschland rund 14 Milliarden DM für Sportbekleidung und Sportartikel ausgegeben (vgl. http://www.uni-essen.de/fet&ww/veran /v1995/wf_06_05.htm; 27.01.01). Dieser Markt wird in erster Linie von Jugendlichen beherrscht, die bereit sind, viel Geld zu investieren. Sie verwenden dabei heutzutage die neuen Medien mit größter Selbstverständlichkeit, um sich für ihren Einkauf Rat zu holen oder diesen sogar online abzuwickeln. Das Internet mit seinen E-Commerce-Angeboten spielt auch auf diesem Markt eine große Rolle. Warum wird Online-Kauf auf der Konsumentenseite populär? Ist es reine Bequemlichkeit? Einer der Gründe dafür, dass der Einkauf per Mausklick angenommen wird, ist sicherlich die Anonymität des Einkaufs. Es gibt keine drängenden Verkäufer, die die Laienhaftigkeit des Kunden bloßstellen, statt ihn zu beraten. Online-Kauf findet vollständig im geschützten privaten Raum statt und ersetzt das Verkaufsgespräch durch den Mausklick. Einen weiteren Grund stellt die Polarität dar. Der Kaufinteressent kann zu jeder Zeit, von jedem Ort aus seinen Kaufgelüsten nachkommen. Der Kauf erfordert nicht, das der Kunde sich an einen anderen Ort begibt, um die Ware zu begutachten. Daneben zählen günstige Preise, kurze Lieferzeiten, kostenlose Lieferung und große Produktauswahl nach wie vor zu den maßgeblichen Kriterien für die Online-Shopper (http://www.golem.de/9911/4994.html). Mit dem Online-Kauf sind jedoch auch spezifische Probleme verbunden. So gestalten sich die Vertrauenswürdigkeit des Anbieters, Sicherheits- und Serviceaspekte, also Reklamationsmöglichkeiten, Nutzerfreundlichkeit und Kundenorientierung nicht immer im Sinne des Verbrauchers. Hier setzt diese Unterrichtseinheit an. Sie beschäftigt sich mit verschiedenen Sportartikeln, die online gekauft werden können. Anhand der Webseiten von Sportartikelherstellern und anderer Informationsquellen sollen verschiedene Facetten des Kaufens behandelt werden.

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Die Reihe versteht sich nicht als Anleitung zum Online-Kauf, sondern eher als Ratgeber dafür, Einkäufe nicht mehr unkritisch, sondern im Sinne einer informierten Verbraucherentscheidung zu machen. Für die Bildung eines entsprechenden Verbraucherwissens ist es unerlässlich, dass Schülerinnen und Schüler lernen, Informationen zur Produktqualität, zu Bezahlungsmodalitäten, zu Versand- und Rückgabebedingungen zu sammeln. Ein kritisches Bewusstsein ist insbesondere angesichts der Tatsache wichtig, dass Online-Shops immer wieder mit Mängelmeldungen in die Schlagzeilen kommen. Einige Beispiele sollen das verdeutlichen: Eine unter http://www.golem.de/9911/4994.html nachlesbare Untersuchung ergab, dass hinsichtlich des Datenschutzes über 90 Prozent der Anbieter im grauen Bereich operieren. Die Informationspflichten im Rahmen der Gesetze zum Fernabsatz, Datenschutz und den allgemeinen Geschäftsbedingungen werden von den meisten Unternehmen missachtet. Einkaufskomfort, Verbraucherschutz und Sicherheit werden in deutschen Online-Shops meist klein geschrieben. Auch beim Service stellen sich die Einkaufsläden im Internet kaum besser dar, als jeder xbeliebige Supermarkt. 75 Prozent der Online-Shops verweisen den Kunden auf den althergebrachten und wenig verbraucher-freundlichen Versand per Nachnahme. Bei den Versandkosten werden für die Auslieferung teilweise mehr als 10 Mark extra kassiert. Lediglich 17 Prozent der Online-Händler kommen auf die Idee, einen Bruchteil des eigenen Kostenvorteils, den die Internet-Präsenz gegenüber Ladengeschäften verursacht, durch kostenlosen Warenversand an den Verbraucher weiterzureichen. Auch bei den Rückgabebedingungen räumen nicht alle Online-Vertreiber dem Verbraucher ein Rückgaberecht ein. Die Mehrzahl der deutschen Online-Shops genügt demnach nicht einmal den Mindestanforderungen des Gesetzgebers zum Verbraucherschutz. Diese Unterrichtseinheit will demnach einen Beitrag leisten, den Schülerinnen und Schülern die Vor- und Nachteile des modernen Einkaufens näher zu bringen. Sieht man vom entscheidenden Mausklick ("Absenden") ab, kann Online-Shopping hierbei wirklichkeitsnah simuliert und dennoch in einem geschützten Raum reflektiert werden. Welche Rechte besitzt der Käufer? Vor welchen Risiken sollte er sich schützen? Wie wird bezahlt? Welche unbewussten Gesichtspunkte spielen bei der Kaufentscheidung eine Rolle? Neben diesen Aspekten, die vorwiegend das Kaufverhalten analysieren, soll aber auch die Wirkung und der Einsatz von Markennamen im Internet hinterfragt werden. Markennamen werden gezielt von den Firmen benutzt, um ein bestimmtes Image zu vermitteln. Die Lernenden werden sich demnach mit dem Image verschiedener Markenartikel auseinandersetzen und dabei erkennen, dass ein Nike-Schuh allein noch keinen Michael Jordan erzeugt. Neben den Produkten werden die Firmen und ihr Image selber in Frage gestellt: Die großen Sportschuhhersteller (Beispiel Nike und Adidas) sind in den vergangenen Jahren ins Gerede gekommen. Zwei- bis dreihundert Mark werden anstandslos für einen Sportschuh bezahlt ­ die Produktion erfolgt jedoch häufig in Billiglohnländern unter Bedingungen, die in Europa keine Gewerkschaft akzeptieren würde. Die Lernenden sollen sich auch mit diesem Gesichtspunkt auseinandersetzen und ihre Bereitschaft überprüfen, Umweltverträglichkeit der Produktion, Schadstofffreiheit und Respekt der Menschenwürde durch die Produzenten als Kriterien in ihre Kaufentscheidungen zu integrieren.

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2. Allgemeine Zielsetzungen und Unterrichtsaufbau In dieser Unterrichtsreihe wird ein Teilbereich des Internets, der E-Commerce, thematisiert. Dies geschieht beispielhaft anhand von Sportartikeln, weil diese Produkte stark von Jugendlichen nachgefragt und konsumiert werden. Gleichzeitig werden verschiedene Aspekte von Online-Kaufmöglichkeiten thematisiert, analysiert und diskutiert, sodass die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in diese neue Form der Kommerzialisierung bekommen können. Dabei dient das Internet zugleich als Veranschauungs- und Lernmedium, d.h. das WWW wird selber mit seinen Möglichkeiten in den Unterricht integriert, zum Thema gemacht und praktisch angewendet. Des Weiteren machen die Schülerinnen und Schüler differenzierte Erfahrungen in der Wahrnehmung von Verbraucherinteressen und Verbraucherschutzaspekten. Sie können realitätsnah viele Aspekte, die bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielen, im Unterricht untersuchen. Dabei lernen sie, wie man über das Internet mit Hilfe bereitgestellter Basisadressen Informationen über Sportartikel und Sportartikelhersteller einholen kann. Allgemeine Voraussetzungen für die Durchführung Um diese Unterrichtseinheit ideal umzusetzen, ist ein Computerraum mit mehreren leistungsfähigen Computern und Internet-Anschlüssen notwendig. Es ist dabei erforderlich, dass Gruppenarbeiten stattfinden können, bei denen max. 4 Schülerinnen und Schüler an einem Computer zusammen arbeiten. Zudem wäre eine Projektionsmöglichkeit (Beamer) von Vorteil, da Sie besonders im dritten Arbeitsschritt mit Bilddateien arbeiten werden. Sollten Sie an Ihrer Schule noch nicht über eine solche Ausstattung verfügen, können Sie die verwendeten Bilder auch auf eine Folie kopieren und per OH-Projektor präsentieren. Die benötigten Anwenderkenntnisse für den Computer und für die Nutzung des Internets in dieser Unterrichtsreihe sind qualitativ gering. Es ist aber erheblich einfacher, wenn die Schülerinnen und Schüler schon informationstechnische Grundkenntnisse besitzen, so wie eine Grundbedienungskompetenz im Internet (Navigation, Eingeben von URLs). Auch sollten Sie Erfahrungen in der Bedienung eines Textverarbeitungsprogramms haben. Generell gilt die Regel: Die praktische Durchführbarkeit steigt mit den informationstechnischen Fähig- und Fertigkeiten Ihrer Schülerinnen und Schüler. Je besser Ihre Lerngruppe mit den neuen Medien umgehen kann, desto mehr Variationsmöglichkeiten bestehen auf Ihrer Seite. Diese Einheit ist nicht lehrplanabhängig, obwohl hier Elemente und Inhalte des ITG/IKGUnterrichts (Informationstechnische Grundbildung), des Fremdsprachen-, des Sozialkundeund des Deutschunterrichts mit eingebracht werden können. Sie bietet sich aber aufgrund der fächerübergreifenden Themenbehandlung am besten für den Projekt-, den Wochenplanoder den Förderunterricht an. Methodisch-didaktische Überlegungen In dieser Unterrichtsreihe werden verbraucherkritische Fragestellungen des E-Commerce in den Mittelpunkt gerückt. Dazu gehören Bereiche wie Käuferkompetenz, Rechtssicherheit (Vorteile und Risiken des Online-Kaufs), Produktklischees und ethische Fragen (Produktionsbedingungen, Kinderarbeit, etc.). Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Möglichkeiten, sich im Vorfeld eines virtuellen Kaufes über Sportgeräte zu informieren und auf diese Weise den persönlichen Bedarf exakter zu bestimmen. Sie lernen weiterhin Besonderheiten des E-Commerce gegenüber herkömmlichen Einkaufsmöglichkeiten kennen, setzen sich mit verschiedenen Aspekten des Online-Rechts und der Daten- und Einkaufssicherheit auseinander und prüfen Online-Angebote von Sportartikelherstellern unter ethischen Gesichtspunkten. Sie erwerben dabei die grundlegende Fähigkeit, den Online-Kauf nicht nur als bequemere Form des Einkaufs zu verwenden, sondern sie reflektieren auch den Prestigegewinn der mit

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dem Erwerb von Markenartikeln einhergeht und lernen diese Form der Kommerzialisierung mit einer kritischen Brille zu betrachten. Vor- und Nachteile großer Markenartikel werden kritisch geprüft, gesundheitliche Aspekte und die Produktionsbedingungen des Artikels im allgemeinen hinterfragt. Die Schülerinnen und Schüler lernen, eine Kaufentscheidung als Ergebnis eines umfangreichen Prüfverfahrens zu verstehen. Für dieses Erkenntnisinteresse werden in drei einzelnen Arbeitsschritten jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Die Tabelle verdeutlicht dies.

Arbeits- Thema/Zielsetzung schritt Die Kaufberatung 1. relevante Informationen zu einem Sportartikel suchen und finden. Wie lässt sich am besten herausfinden, welcher Artikel zu den eigenen Bedürfnissen passt? Welche Qualitätsunterschiede/ bauliche Merkmale zeichnen einen Artikel aus?

Methode

Aktionsform

-

-

Recherchieren (Internet) Gespräch, bei dem relevante Fragen entwi- ckelt werden Materialsammlung in einem parallel laufenden Texteditor

Kleingruppenarbeit Unterrichtsgespräch - Rollenspiel

2.

Verbraucherschutz beim OnlineKauf Rechte und Sicherheiten des Verbrauchers beim Online- Kauf Verträge mit Minderjährigen Wie funktioniert OnlineKauf? Zehn wichtige Regeln Das Image der Ware Analyse des Webauftritts des Sportartikelherstellers Nike anlässlich des New York Marathon Leitbilder, Vorbilder Herstellung von Sportschuhen in der 3. Welt (Nike und Adidas) Die Verwendung von Giftstoffen bei der Herstellung von Sporttrikots

Recherchieren (Internet) Exzerpieren Lösung von Fallbei- spielen unter Anleitung

Unterrichtsgespräch arbeitsteilige Gruppenarbeit Kurzreferat

3.

Bildbetrachtung und Analyse

Unterrichtsgespräch

Materialbearbeitung Diskussion -

Gruppenarbeit Hearing Unterrichtsgespräch

Jeder Arbeitsschritt widmet sich einem inhaltlichen Schwerpunkt. Es liegt an Ihnen, auf welche Teile dieser Unterrichtsreihe Sie sich besonders konzentrieren wollen: Für eine erste Annäherung an die Problematik des Online-Kaufs eignen sich die ersten beiden Unterrichtsschritte. Falls Sie sich jedoch intensiver mit konsumkritischen Gesichtspunkten beschäftigen wollen, können Sie den letzten Arbeitsschritt erweitern. Diese Reihe ist so konzipiert, dass die einzelnen Arbeitsschritte, ähnlich einem Baukastensystem, umgestellt werden können, wobei die ersten beiden jedoch enger zusammen stehen. 24

In der Unterrichtspraxis entscheiden zu viele Faktoren, wie etwa die Schulform, das Unterrichtsfach oder die Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler über den Unterrichtsverlauf, sodass dieser Vorschlag als grober Rahmen anzusehen ist, den Sie beliebig füllen und kürzen können. Deshalb werden auch bewusst keine Vorgaben über den Zeitumfang gemacht und die Vorschläge für den Unterricht lassen Platz für die individuelle Erweiterung bzw. Reduzierung. 3. Unterrichtsverlauf Arbeitsschritt 1: Die Kaufberatung

Thematik und Ziele In diesem ersten Arbeitsschritt sollen die Lernenden anhand eines Rollenspiels thematisieren, auf welche Faktoren es generell beim Kauf von Produkten ankommt. Sie erkundigen sich, welche Eigenschaften bestimmte im Internet angebotene Sportartikel haben und entwickeln Kriterien, um diese zu prüfen. Anschließend bereiten sie die gewonnenen Informationen so auf, dass sie diese argumentativ in einem Rollenspiel verarbeiten können. Die Schülerinnen und Schüler entwerfen ein Gespräch zwischen Verkäufer und Käufer, stellen dieses dar und reflektieren das Gespielte. Unterrichtsvoraussetzung Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in diesem Arbeitsschritt mit dem Internet. Das beschränkt sich in erster Linie auf das Aufrufen verschiedener Webseiten. Sie und Ihre Lerngruppe sollte deshalb mit Grundkenntnissen im Umgang mit Webseiten, mit der spezifischen Navigation und der Eingabe von URLs vertraut sein. Wenn Sie die aus dem Internet gewonnenen Informationen nicht nur ausdrucken, sondern in einem Textfeld bearbeiten wollen, dann sollte die Lerngruppe auch über textrelevante Bearbeitungsfertigkeiten wie Kopieren, Abspeichern und Ausdrucken in einem Textverarbeitungsprogramm verfügen. Methodisch-didaktische Überlegungen Dieser Arbeitsschritt thematisiert verschiedene Aspekte, die für den Kauf eines Produkts relevant sind. Zu diesem Zweck wurde ein Sketch als Einstieg gewählt, der die Situation des sachunkundigen Käufers bis zur Absurdität steigert (M1). Die Schülerinnen und Schüler erkennen dadurch die wesentlichen Fehler eines Verkaufsgesprächs und können eventuell bereits an dieser Stelle deuten, worauf ein Konsument zu achten hat. Im weiteren Verlauf des Unterrichts führen die Schülerinnen und Schüler selbst ein simuliertes Verkaufsgespräch, welches sie durch Informationssuche im Internet vorbereiten. Dadurch werden zwangsläufig die Aspekte bedacht, die wesentlich für das Kaufverhalten sind: Man sollte wissen, was man kaufen will! Man sollte sich selber in seinen Bedürfnissen einschätzen können (Beispiel Snowboard: Anfänger oder Fortgeschrittener?) Man sollte wissen, wie viel Geld man ausgeben kann. Man sollte wissen, worauf man zu achten hat: Garantie, Qualität, Marke, Sicherheit, Komfort, Haltbarkeit etc. Diese Aspekte sollten auch die Schülerinnen und Schüler in der Erarbeitung erkennen und anwenden. Vielleicht ist es ratsam, diese Kriterien nach dem Sketch bereits an der Tafel oder auf OH-Folie festzuhalten, um sie im simulierten Verkaufsgesprächs forcieren zu können. Durch die Suche nach Kaufkriterien im Internet und in Internet-Shops erkennen die Schülerinnen und Schüler, welche Charakteristika bei einem solchen Gespräch wichtig sind. Gleichzeitig merken sie, dass diese Kriterien beim Internet-Kauf nicht unbedingt berücksich-

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tigt werden. Sie lernen also im handelnden Umgang mit dem Medium die Charakteristika desselben kennen. Für die Erarbeitungsphase teilen Sie Ihre Klasse in unterschiedliche Gruppen ein und lassen die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Sportartikel untersuchen. Wir machen folgenden Vorschlag: Konzentrieren Sie sich auf drei Sportprodukte. So haben Sie eine begrenzte Anzahl, die es ermöglicht, verschiedene Angebote zu einem Produkt einfach zu vergleichen. Gleichzeitig bieten drei Produkte aber auch genug Abwechslung, was sich positiv auf die Aufmerksamkeit auswirkt. Wir haben uns daher für die Sportartikel Online-Skates, Tennisschläger und Snowboards entschieden. Hier die URLs, die Sie Ihrer Klasse zur Information bereitstellen können (Überprüfen Sie die URLs nach der Aktualität!): Tipps zum Kauf von Online Skates http://www.sportworld.de/tips/inlinekauf.html http://rhein-zeitung.de/on/99/04/29/magazin/news/inskates.html Tipps zum Kauf von Snowboards http://www.snowboardguide.de/ Tipps zum Kauf von Tennisschlägern http://www.evita.de/artikel/0,3109,66201,00.html http://www.aues-tennis-bedarf.de/faq/hilfe_schlaegerwahl_babolat.htm Zu diesen Themen haben wir Arbeitsblätter mit den speziellen Aufgaben vorbereitet (M2). Während der Erarbeitungsphase achten Sie darauf, eine klare Zeitbegrenzung (etwa 15 bis 20 Minuten) vorzugeben und dafür zu sorgen, dass die Arbeitsergebnisse ausgedruckt werden. Eine weitere Möglichkeit stellt das Hineinkopieren der wichtigsten Informationen in eine Textdatei dar. Die Informationen können dann in den Textfeldern bearbeitet werden. Wichtig ist in jedem Fall, vor dem Beginn des Rollenspiels die Computer herunterfahren zu lassen, damit die erforderliche Aufmerksamkeit gegeben ist und die Schülerinnen und Schüler nicht durch die Bildschirme abgelenkt werden. Wenn die Schülerinnen und Schüler das von Ihnen entwickelte Verkaufsgespräch dem Plenum vorstellen, sollten Sie gezielt darauf achten, dass die Klasse die Bereitschaft entwickelt, über die Kaufsituation nachzudenken und ihre eigenen Erfahrungen mit Käufen und Fehlkäufen in die Auswertung des Rollenspiels einzubringen. Schon hier empfiehlt es sich, auf die Unterschiede zwischen dem Online-Kauf und der herkömmlichen Verkaufssituation einzugehen. Vorschläge für den Unterrichtsverlauf Einstieg: Als Einstieg benutzen Sie das Material M1 (Loriot, Bettenkauf) auf der nächsten Seite. Mögliche Impulse: Beschreibt die Gesprächssituation! Verkäufer: offensichtlich Experte, selbstverliebt in die Produkte, daran interessiert, Kompetenz zu demonstrieren, den Käufer mit Worten zu unterwerfen. Kunde: eingeschüchtert, ohne konkrete Vorstellungen von seinen Bedürfnissen, dem Verkäufer hilflos ausgeliefert, gedemütigt und durch das Verkaufsgespräch eher verwirrt als beraten. Lenken Sie die Aufmerksamkeit gezielt auf die Fehler, die bei dem Kaufgespräch gemacht wurden und erstellen Sie ein Tafelbild hierzu! Unser Vorschlag: Worauf muss beim Kauf eines Produktes geachtet werden? Man sollte wissen, was man kaufen will! Man sollte sich selber mit seinen Bedürfnissen einschätzen können!

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Man sollte wissen, wie viel Geld man ausgeben kann. Man sollte wissen, worauf man zu achten hat: Garantie, Qualität, Marke, Sicherheit, Komfort, Haltbarkeit etc.

Erarbeitung: Sie erläutern zunächst das Stundenvorhaben: Entwurf der Argumentationskette für ein Rollenspiel, in dem die Rollenverteilung des Verkaufsgesprächs umgekehrt wird: Ein sachkundiger Käufer trifft auf einen am Umsatz interessierten Verkäufer. Gegenstand des Verkaufsgesprächs sind Sportartikel (Tennisschläger, Inline-Skates, Snowboards). Das Internet dient dabei als Informationsquelle für den Kauf. Teilen Sie ihre Klasse in Gruppen auf und verteilen Sie die Arbeitsaufträge (M2) Sicherung: Zum Ende dieses Arbeitsschrittes werden die fiktiven Verkaufsgespräche vorgestellt. Achten Sie darauf, dass alle Gruppen genügend Zeit und Raum für die Darstellung bekommen. Ideal wäre, wenn sich an jedes simulierte Verkaufsgespräch eine kleine Gesprächsrunde anschließen würde. Hier könnten die wichtigsten Elemente noch einmal wiederholt und vertiefend dargestellt werden.

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M1 Loriot, Bettenkauf Ein älteres Ehepaar betritt ein Bettengeschäft, in dem drei Doppelbetten neben einander ausgestellt sind. VERKÄUFER: Womit kann ich dienen? GATTIN: Wir hätten gern ein Bett ... VERKÄUFER: Haben Sie da an eine Schlaf-Sitz-Garnitur gedacht mit versenkbaren Rückenpolstern, an eine Couch-Dreh-Kombination oder das klassische Horizontal-Ensemble? (Die Gatten sehen sich verblüfft an) GATTE: Wir schlafen im Liegen ... VERKÄUFER: Ahja ... da empfehle ich Ihnen die Kreationen aus dem Hause »Unisono« Sie ruhen nebeneinander oder rechtwinkelig? GATTE: Rechtwinkelig? GATTIN: Neinnein ... ganz normal ... GATTE: ... im Bett VERKÄUFER: Also nebeneinander ... parallel ... GATTE: Müssen wir das hier so genau ...? VERKÄUFER: (geht nach links zu Bett I) Da haben wir das Modell »Allegro« mit doppeltem Federkern und Palmfaserauflage ... Für das Bezugsmaterial der Matratze können Sie wählen zwischen einer imprägnierten Halbzwirnware oder gegrilltem Volon... GATTE: Ach... GATTIN: Und wie liegt es sich so? VERKÄUFER: Die Federmuffen sind einzeln aufgehängt und kreuzweise verspannt ... also hüftfreundlich in der Seit- und Bauchlage ... Sie dürfen gerne einmal probeliegen, ich bediene inzwischen die anderen Herrschaften ... GATTE: Richtig hinlegen? GATTIN: Auch in Rückenlage? VERKÄUFER: Ganz wie Sie wünschen ... GATTIN: Zieh doch die Schuhe aus! (Die Gatten legen sich auf das Modell »Allegro«) (...) aus: Loriot: Szenen einer Ehe in Wort und Bild, Zürich (Diogenes) 1983, S.53 f.)

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M2 1. Gruppe Tennisschläger Ihr wollt einen Tennisschläger kaufen. Informiert Euch über die wesentlichen Kaufaspekte über das Internet. Stellt das Verkaufsgespräch in einem Rollenspiel dar! Verwendet dazu Loriots Bettenverkauf als Vorlage, verändert jedoch die Rollenverteilung (z.B.: Kompetenter Käufer trifft auf einen Verkäufer, der lediglich am Umsatz interessiert ist.) Worauf muss man beim Kauf eines Tennisschlägers achten? Informiert Euch anhand der vorgegebenen Adressen! http://www.evita.de/artikel/0,3109,66201,00.html http://www.aues-tennis-bedarf.de/faq/hilfe_schlaegerwahl_babolat.htm Fertigt Notizen mit Hilfe eines Texteditors an, der parallel zum Browser gestartet wird! Übertragt wichtige Informationen mit der Funktion "Copy and Paste"! 2. Gruppe Snowboard Ihr wollt ein Snowboard kaufen. Informiert Euch über die wesentlichen Kaufaspekte über das Internet. Stellt das Verkaufsgespräch in einem Rollenspiel dar! Verwendet dazu Loriots Bettenverkauf als Vorlage, verändert jedoch die Rollenverteilung (z.B.: Kompetenter Käufer trifft auf einen Verkäufer, der lediglich am Umsatz interessiert ist.) Worauf muss man beim Kauf eines Snowboards achten? Informiert Euch anhand der vorgegebenen Adresse! http://www.snowboardguide.de/ Fertigt Notizen mit Hilfe eines Texteditors an, der parallel zum Browser gestartet wird! Übertragt wichtige Informationen mit der Funktion "Copy and Paste"! 3. Gruppe Inline-Skates Ihr wollt Inline-Skates kaufen. Informiert Euch über die wesentlichen Kaufaspekte über das Internet. Stellt das Verkaufsgespräch in einem Rollenspiel dar! Verwendet dazu Loriots Bettenverkauf als Vorlage, verändert jedoch die Rollenverteilung (z.B.: Kompetenter Käufer trifft auf einen Verkäufer, der lediglich am Umsatz interessiert ist.) Worauf muss man beim Kauf von Inline-Skates achten? Informiert Euch anhand der vorgegebenen Adressen! http://www.sportworld.de/tips/inlinekauf.html http://rhein-zeitung.de/on/99/04/29/magazin/news/inskates.html Fertigt Notizen mit Hilfe eines Texteditors an, der parallel zum Browser gestartet wird! Übertragt wichtige Informationen mit der Funktion "Copy and Paste"!

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Arbeitsschritt 2: Verbraucherschutz beim Online-Kauf Thematik und Ziele In diesem Arbeitsschritt werden verschiedene Verbraucheraspekte im Rahmen des E-Commerce thematisiert. Die Klasse erarbeitet selbstständig die wesentlichen Merkmale des Online-Kaufs, einschließlich der Rechte und der Gefahren für den Verbraucher. Das Erkenntnisinteresse zielt darauf ab, den Schülerinnen und Schülern diese neue Form der Kommerzialisierung näher zu bringen, einschließlich ihrer Vor- und Nachteile. Unterrichtsvoraussetzung Die Schülerinnen und Schüler benutzen in diesem Arbeitsschritt das Internet, um Informationen zu sichten. Sie sollten deshalb mit Webseiten, Navigation und der Eingabe von URLs vertraut sein. Idealerweise stehen ausreichend Computerarbeitsplätze mit Internetzugang zur Verfügung. Wenn Sie die aus dem Internet gewonnen Informationen nicht nur ausdrucken, sondern in einem Textfeld bearbeiten wollen, dann sollte die Lerngruppe auch textrelevante Bearbeitungsfertigkeiten wie Kopieren, Abspeichern und Ausdrucken in einem Textverarbeitungsprogramm beherrschen. Methodisch-didaktische Überlegungen Dieser Arbeitsschritt versteht sich nicht als Anleitung zum Online-Kauf, sondern trägt dazu bei, den Schülerinnen und Schülern aufzuzeigen, wie Einkäufe im Lichte einer kritischen Verbraucherentscheidung getätigt werden können. Wir haben drei wesentliche Aspekte ausgesucht, die die Schülerinnen und Schüler mittels bereitgestellter Materialien bearbeiten sollen: Verträge mit Minderjährigen beim Online-Kauf Merkmale des Online-Kaufs Rechte beim Online-Kauf Eventuell entscheiden Sie sich schon an dieser Stelle, eigene Fallbeispiele stärker zu akzentuieren, die sich näher am Alltag Ihrer Lerngruppe orientieren. Das ist kein Problem, weil dieser Arbeitsschritt methodisch einfach strukturiert ist. Achten Sie lediglich darauf, dass Ihre Materialien ungefähr die selbe Bearbeitungszeit beanspruchen, damit ein grober Gleichschritt in der Erarbeitungsphase gewährleistet ist. Die einzelnen Aspekte werden von den Schülerinnen und Schülern selbstständig in Kleingruppen bearbeitet. Da jeweils ein anderes Thema im Mittelpunkt steht, übernimmt jede Gruppe eine Expertenfunktion. Jede Gruppe erhält den Auftrag, zum Ende des Arbeitsschrittes den Mitschülerinnen und Mitschülern in Form eines Kurzvortrags über das spezielle Thema aufzuklären. Weil in diesen Kurzvorträgen Fakten dargestellt werden, die für die anderen Mitschülerinnen und Mitschüler eventuell thematisch neu sind, sollten Sie die Vortragsergebnisse auf besondere Art sichern. Unser Vorschlag: Lassen Sie, wenn Ihre Schülerinnen und Schüler die Textquellen im Internet bearbeitet haben, gleichzeitig eine Textdatei öffnen, in die alle wichtigen Informationen hineinkopiert werden. Die Ergebnisse können dann über den lokalen Drucker beliebig oft vervielfältigt und in Form eines Referatblattes verteilt werden. Vorschläge für den Unterrichtsverlauf Einstieg: Als Einstieg bietet sich die alarmierende Meldung der Computerzeitschrift c't M3 an. Danach verstößt die Mehrheit der untersuchten Versandhändler in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen gegen geltendes Recht. Vielleicht eignet sich der Artikel auch für Sie! Das Material können Sie als Arbeitsblatt verteilen oder per OH-Projektor darstellen. Die Schülerinnen und Schüler werten die dargestellten Fakten aus, etwa unter folgenden Fragestellungen: Welche Rolle spielen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen?

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Lest Ihr vor dem Kauf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Nennt Konfliktfälle, die beim Online-Kauf entstehen können!

Erarbeitung: Für diese Phase geben Sie konkrete Konfliktfälle bzw. Informationsaufträge zu Teilbereichen des E-Commerce vor, die anhand der Arbeitsblätter gruppenweise gelöst werden. Wir haben einige Beispiele als Arbeitsblätter beigefügt (siehe M4). Sicherung: In dieser letzten Phase stellen die Gruppen ihre Ergebnisse dem Plenum vor. Wichtig ist, dass jede Gruppe genügend Raum für die Darstellung ihrer Ergebnisse bekommt. Jede Gruppe hat ein eigenes Thema bearbeitet und sind somit ´Experten´. Die Mitschülerinnen und Mitschüler bekommen die wesentlichen Fakten in Form einer ausgedruckten Checkliste zum Lesen. Weiterhin bieten sich besonders an dieser Stelle viele Möglichkeiten für eine Vertiefung an: Inwieweit spielt E-Commerce schon eine Rolle für die Schülerinnen und Schüler? Welche Waren wurden bislang im Internet gekauft und welche Erfahrungen wurden gemacht? M3 Allgemeine Geschäftsbedingungen unter der Lupe In der Ausgabe 23/00 überprüften wir die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von elf Versandhändlern. Das Ergebnis war bisweilen alarmierend: In etlichen Bestimmungen wurde geltendes Recht ignoriert. (...) Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder kurz AGB von Versandhändlern nehmen die meisten Käufer in der Regel nur flüchtig zur Kenntnis. Erst wenn sie der Händler bei der Preisbestimmung oder im Reklamationsfall aus dem Hut zaubert, um etwa `Reklamationsgebühren´ zu kassieren, schauen die meisten Kunden zum ersten Mal in diese oft unübersichtlichen Regelwerke. Was man dort liest, lässt den Kunden manchmal beinahe rechtlos erscheinen. Verbraucherschutz scheint es kaum noch zu geben. (...) aus c't 24/2000 M4 Gruppe 1: Verträge mit Minderjährigen Timo, 16 Jahre alt, hat über das Internet bei einem Versandhaus für Sportartikel eine Skiausrüstung bestellt, Gesamtkosten 2500 DM. Als seine Eltern davon erfahren, fallen sie aus allen Wolken: Das war nicht abgesprochen! Was ist zu tun? Bearbeitet den Fall, indem Ihr euch unter der Adresse http://www.lvz-online.de/ ratgeber/58792.html (Leipziger Volkszeitung) rechtlichen Rat holt und einen Brief an das Versandhaus verfasst! Das Ziel eurer Beschäftigung besteht darin, eure Mitschülerinnen und -schüler anhand des Beispiels über Verträge mit Minderjährigen im Online-Kauf aufzuklären und die konkreten Handlungsmöglichkeiten anhand des Briefes zu erläutern! Gruppe 2: Wie funktioniert der Internet-Einkauf? Informiert euch unter der folgenden Internet-Adresse http://www.vz-nrw.de/SES25238738/ doc548A über den Internet-Einkauf und stellt mit Hilfe eines Texteditors (WordPad oder NotePad) einen kleinen Vortrag zusammen!

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Unter der Adresse http://www.vz-nrw.de/SES25238738/format73A.html findet man eine weitere gute Übersicht über E-Commerce. Das Ziel eurer Beschäftigung besteht darin, eure Mitschülerinnen und Mitschüler über die wesentlichen Merkmale des Online-Kaufs zu informieren und sie dabei auf Gefahren und Risiken aufmerksam zu machen. Gruppe 3: 10 Ratschläge für Online-Shopper Informiert euch unter der folgenden Internet-Adresse http://www.cybercourt.de/online/ www33.htm über die rechtlichen Seiten des Internet-Einkaufs und stellt mit Hilfe eines Texteditors (WordPad oder NotePad) die zehn wichtigsten Ratschläge für Online-Shopper zusammen! Das Ziel eurer Beschäftigung besteht darin, eure Mitschüler über die wichtigsten Rechte beim Online-Kauf zu informieren und ihnen eine leicht zu merkende Liste mit Ratschlägen zusammenzustellen. Unter der Adresse http://www.cybercourt.de/internet.htm findet man eine gute Übersicht über IT-Recht und E-Business, in der auch einzelne Fallbeispiele aufgeführt sind.

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Arbeitsschritt 3: Das Image der Ware Thematik und Ziele In diesem Arbeitsschritt wird ein kritischer Blick hinter die glitzernde Fassade der Sportartikel-Hersteller geworfen. Im Internet treten Firmen (hier Sportfirmen) nicht nur mit einem ECommerce-Angebot an die User heran, sondern es wird gleichzeitig ein bestimmtes Image verkauft, was zum Konsum animieren soll. Zunächst soll anhand des Webauftritts vom Sporthersteller Nike das intendierte Image verdeutlicht werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen dadurch die werbewirksame OnlineSeite unter dem Aspekt der vermittelten Leitbilder und Verheißungen zu analysieren und zu ihren eigenen Kaufinteressen in Bezug zu setzen. Im zweiten Schritt wird das dargestellte Image kritisch hinterfragt, indem verschiedene Gruppen Texte bearbeiten, die ethische und ökologische Gesichtspunkte bei der Produktion von Sportartikeln behandeln. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, dass Firmen, die nach außen mit sportlichen Attributen (wie Fairness) werben, selber diese Werte nur bedingt vertreten. Durch eine solche Herangehensweise wird angestrebt, die Wahrnehmung von Käuferinteressen und Verbraucherschutz nicht nur als eine Frage des Preises, sondern auch als Auseinandersetzung mit den Entstehungsbedingungen eines Artikels anzusehen. Problematik Der Webauftritt einer Firma dient immer der Eigenwerbung und der Imageprägung. In kaum einem anderen Bereich wie in der Sportwirtschaft wird besonderer Wert auf das Image gelegt. Gerade beim Sport, der für "richtiges", "glückliches" und "aktives" Leben steht, setzt der sog. Prestigekonsum an. Für weite Teile der Bevölkerung ist Sport zu einem sinnstiftenden und identitätsbildenden Moment geworden. Gerade Sportfirmen versuchen, durch Design die ästhetischen Bedürfnisse des Käufers zu befriedigen, um einen höheren Umsatz zu erzielen. Das Internet wird von Firmen genutzt, um für ihr Produkt zu werben und gleichzeitig eine Kaufmöglichkeit zu bieten. Die Werbung arbeitet an der Vermittlung desjenigen Images, welches den potentiellen Kunden zum Kauf animieren soll. Beim Sport zielen die Werbekampagnen größtenteils auf die Verknüpfung eines Produkts mit den Attributen Erfolg, Jugendlichkeit, Dynamik und Fairness. Dieses Image geht aber nicht immer mit der wahren Firmenphilosophie einher. Der Sportartikel-Hersteller Nike hat beispielsweise die Produktion von Sportschuhen und Sportkleidung zum größten Teil in Länder der 3. Welt verlagert. Dort werden Niedrigstlöhne gezahlt, von Kinderarbeit profitiert und gegen elementare gewerkschaftliche Rechte verstoßen. Auch die Firma Salomon Adidas ist im Zusammenhang mit der Fußballproduktion in ähnlich negative Schlagzeilen geraten. Die Firma Nike ist im Frühjahr 2000 aber noch in einem anderen Zusammenhang negativ bekannt geworden: Die von ihr produzierten Trikots enthielten das Hormongift Tripbutylzinn, das in das menschliche System eingreifen und die Ausbildung weiblicher Geschlechtshormone verhindern kann. Es zählt zu den gefährlichsten menschengemachten Umweltgiften. Methodisch-didaktische Überlegungen Anhand der beschriebenen Fälle lässt sich besonders deutlich aufzeigen, dass der Einkauf Resultat einer kritischen Verbraucherentscheidung sein sollte. Ein "günstiges und wohlfeiles" Kaufangebot lässt sich eben nicht nur in Mark und Pfennig messen, sondern sollte auch ethische und gesundheitliche Gesichtspunkte bei der Kaufentscheidung berücksichtigen. Zunächst sollen die Schülerinnen und Schüler erkennen, welches Image eine Sportfirma zu vermitteln versucht. Hierzu können sie beispielhaft den Webauftritt des Sportartikelherstellers Nike anlässlich des New York Marathon analysieren. Die URL ist: http://www.nike.com/. Auf der Seite dann den Link zu Nike Shox anklicken! Wir haben uns für das Beispiel entschieden, weil auf den Webseiten ein Ereignis in einer Umgebung dargestellt wird, was für den Betrachter hohen emotionalen Wert mit starker

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Identifikationskraft besitzt. Ein Marathonlauf, per se ein Wettkampf, der allgemein durch starken Willen, Training und Durchhaltevermögen geprägt ist, wird hier als kleine Geschichte erzählt. Dem Betrachter wird dabei suggeriert, dass der erfolgreiche Marathon-Lauf irgendwie mit den Laufschuhen von Nike in Verbindung steht. Für die Unterstützung der Botschaft werden multimediale Gestaltungselemente benutzt (Integration von Audio, Video, Grafik, Fotografie und Text). Die Attraktivität der Webseite spricht somit auch Internet-Surfer an, die eventuell gar nichts mit Sport zu tun haben. Durch diese Gestaltungsmerkmale werden hier ganz neue potentielle Käuferschichten angesprochen. Der Kauf des Nike-Sportschuhs wird somit nicht nur mit sportlichen Attributen verknüpft, sondern auch mit denjenigen Imagefaktoren, die die Gestaltung der Homepage suggeriert. Dass diese These nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Webauftritt der Firma Adidas (http://www.adidas.de/). Hier wird Produktberatung mit Beratung in Webdesign und sogar mit der Offerte eigener Fanzonen verbunden. Ein wichtigerer Schlüssel zum Verkaufserfolg als die Eigenschaften des Produkts, scheint hier die "Community" der AdidasAnhänger zu sein. Die einzelnen Bilder der Webseite können Sie Ihren Schülerinnen und Schülern auf unterschiedliche Weise präsentieren: Sie ziehen die Screenshots der einzelnen Webseiten auf OH-Folie und präsentieren Sie mit dem OH-Projektor. Sie präsentieren die Webseiten mit dem Beamer. Hinweis: Wegen der aufwändigen Gestaltung braucht der Rechner eine enorme Rechenleistung und sollte das Plugin Flash 5 installiert haben. Sie zeigen die einzelnen Webseiten mit Hilfe eines Bildbetrachtungsprogramms als Diashow. Das vermeidet die recht langen Ladezeiten der aufwändig gestalteten Seiten, kann das direkte Anschauen der Seite aber nicht vollständig ersetzen, da die Integration von bewegten Bildern und Audio fehlt. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie mit einem Bildbetrachtungsprogramm eine solche Show erzeugt werden kann, finden Sie im Computerraum von http://www.verbraucherbildung.de/ unter dem Stichwort ´Multimedia´. Im zweiten Schritt bekommen die Schülerinnen und Schüler Informationstexte, die die Produktionsweise von Sportartikelfirmen beschreiben. Das von uns bereitgestellte Material M5 legt den Schwerpunkt auf Arbeitsbedingungen bei Sportartikel-Herstellern in Niedriglohnländern und auf die Giftbelastungen in Sporttrikots. Die Lernenden sollen die Bereitschaft entwickeln, den Produktionsbedingungen von Sportartikeln und ihrer Gesundheits- und Umweltverträglichkeit bei der Kaufentscheidung einen hohen Stellenwert einzuräumen. Für die Bearbeitungsphase schlagen wir vor, dass Sie Kleingruppen bilden, die das vorgegebene Material unter bestimmten Arbeitsaufträgen bearbeiten. Die Ergebnisse können dann zum Abschluss im Plenum vorgestellt oder in einer Diskussionsrunde angesprochen werden. Vorschläge für den Unterrichtsverlauf Einstieg: Zu Beginn des Arbeitsschrittes zeigen Sie ihre Bildershow nach der gewählten Methode. Sie fordern die Schülerinnen und Schüler auf, spontan etwas zu ihren Eindrücken zu sagen. Mögliche Impulse: Welches Image wird mit dem Produkt verkauft? Wie stellt sich die Firma dar? Welche Werte werden mit dem Produkt in Verbindung gebracht? Welcher Menschentyp wird hier dargestellt? Welche Eigenschaften hat er? Wie ist sein soziales Umfeld zusammengesetzt? Am Ende dieses Einstiegs sollten die wesentlichen Faktoren deutlich geworden sein. Ein Merksatz sollte an der Tafel festgehalten werden.

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Beispiel: Die Firma Nike unterstützt mit ihren Produkten den wahren Sportler, der sportliche Attribute wie Ehrgeiz, Erfolg, Gesundheit und Fairness als oberste Prinzipien vertritt! Erarbeitung: Sie sollten zunächst eine Überleitung schaffen, indem Sie betonen, dass diese Prinzipien von den Firmen selber gar nicht immer eingehalten werden, wenn es um die Produktion der Sportartikel geht. Teilen Sie im Anschluss Kleingruppen ein, denen Sie die unterschiedlichen Arbeitsmaterialien aushändigen. Wir haben als M5 URLs mit interessanten Texten beigefügt. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Internet-Quellen, so dass Sie (falls Sie das Internet benutzen wollen) Ihren Schülerinnen und Schülern lediglich die URLs angeben können und sie selbstständig die Informationen aufsuchen lassen. Arbeitsauftrag: Informiert euch anhand des beiliegenden Materials über die Sportfirmen! Fasst die wesentlichen Informationen so zusammen, dass ihr anschließend den anderen Gruppen darüber berichten könnt! Diskussion: Die Gruppen stellen ihre Arbeitsergebnisse vor. Versuchen Sie, hierbei vertiefende Fragen zu stellen: Wie schätzt ihr die Entwarnung ein, die die Firma Nike dazu bewogen hat, ihre Trikots wieder auf den Markt zu bringen? Welche Konsequenzen ergeben sich aus eurer Sicht für den Konsumenten? Wie kann sich der Konsument informieren und schützen? M5 Zur Sportartikel-Herstellung in Niedriglohnländern http://195.170.124.152/archiv/1998/07/14/wi-ma-au-9397.html Zu der Giftbelastung in Fußballtrikots http://www.verbrauchernews.de/gesundheit/0000005050.html http://www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2000/0218/lokales/0162/

3.7.2 Ohne Moos nix los (Anlage 2)

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Innovation in Wirtschaft und Technik (Uwe Schimming)

4.1 Sachinformation

Unter ,,Innovation" (lat. innovatio: Erneuerung, Veränderung) versteht man Veränderungsprozesse, bei denen neue Ideen verwirklicht oder bestehende Probleme unter Verwendung bisher nicht eingesetzter Ideen und Werkzeuge gelöst werden. In der Wirtschaft steht die Einführung neuer Produkte und Verfahren im Vordergrund. Innovationskultur erfordert Handlungsspielräume, Kreativität, Eigenständigkeit und Risikobereitschaft von Einzelnen und Kollektiven. Innovation umfasst Planung, Erzeugung und Durchsetzung neuer Produkte, neue Produktqualitäten, neue Produktionsverfahren, neue Methoden für Organisation und Management sowie die Erschließung neuer Beschaffungs- und Arbeitsmärkte. Die Verbindung zwischen Innovation, Wachstum und Beschäftigung ist offensichtlich ein Merkmal moderner Volkswirtschaften; sie müssen im weltweiten Wettbewerb bestehen, und dafür ist die Beherrschung von Wissen und Know-how wesentlich. Der Innovationsprozess umfasst den gesamten Vorgang von der Entstehung einer Idee bis zu ihrer verbreiteten Anwendung in der Gesellschaft; der Prozess beginnt mit dem Erkennen eines Problems bzw. dem Finden einer Idee. Der Prozess erstreckt sich weiter über die Problemlösung und die Schaffung von Produktionskapazitäten bis hin zur Einführung des neuen Produkts auf dem Markt. Innovation ist ein kontinuierlicher Strom richtungsweisender Produkte und Dienstleistungen sowie die insgesamt schnelle Reaktion auf veränderte Marktverhältnisse oder sonstige Umweltveränderungen. In der neueren Literatur wird der Begriff Innovation eingeschränkter verwendet, um ihn von der Erfindung zu unterscheiden. Die Erfindung gilt als die Basis bzw. Grundlage jeder Innovation.

4.2 Ziele

· Die Schülerinnen und Schüler lernen die Phasen eines Innovationsprozesses kennen und anwenden: z.B.: sollen sie Ideen suchen/Probleme erkennen/Ideen bzw. Probleme auswählen; Lösungen suchen, bewerten und auswählen; Aufwand/Kosten abschätzen; sie sollen Lösung planen, ausprobieren, verbessern; Verbündete u. Abnehmer suchen, eine Produktlösung produzieren, Werbung planen u. durchführen, Erfolge prüfen. Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kenntnisse zu einem der folgenden Innovationsbereiche: Produktinnovation, Prozessinnovation, Strukturinnovation. Die Schülerinnen und Schüler schätzen an einem konkreten Beispiel die Folgen von Innovationen ab (z.B. zum Wohlstand, zur Umwelt, zu Arbeitsbedingungen und im privaten Lebensbereich).

· ·

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4.3

Inhalte

Öffentlichkeit

Methoden

Organisation

Unternehmen

Innovationen

Grundlagen

Sozial- ökonomische Hintergründe

Produkte Biografien Prozesse

Erläuterungen zu einzelnen Inhaltsbereichen: · Biografien: Im Unterricht werden sehr oft Prozesse, Produkte und Entwicklungen gelehrt. Hinter diesen Entwicklungen und Entdeckungen stehen interessante, kluge und kreative Persönlichkeiten. Die Thematisierung solcher Persönlichkeiten hat eine eigenständige Bedeutung für die Lernprozesse. Zum Beispiel: Stellen Sie den Erfinder der Glühlampe vor. Recherchieren Sie dazu im Internet und der Bibliothek und arbeiten Sie einen Kurzvortrag aus! · Innovative Unternehmen: Zum Beispiel ein Erkundungsauftrag. Während des Unterrichtes kann die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern eine Aufgabe stellen, die Erkundungscharakter trägt. "Untersuchen Sie in einer Woche, welche Betriebe oder Firmen sich am Heimatort angesiedelt haben bzw. schon lange im Ort tätig sind? Warum halten sie sich schon so lange am Markt, welche Produkte machen sie innovativ?" · Organisation: Um seine kreativen und innovativen Entdeckungen bzw. die eigenen geistigen Leistungen zu schützen, gibt es drei Möglichkeiten: 1. Patent 2. Gebrauchsmuster 3. Markenschutz

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·

Methoden: (Kreativitätstechniken in der Gruppe/Algorithmik)

Die Phasen des Innovationsprozesses - Der "Orientierungsbalken" als theoretisches Konzept

Idee/ Problem

Lösung

Probieren

Realisieren

Für die jüngeren Schülerinnen und Schüler: Was wollen wir geWie wollen wir das meinsam machen? machen? Für die älteren Schülerinnen und Schüler: Wir haben eine Idee, Wir suchen nach die wir realisieren denkbaren Lösungswollen. ansätzen

Wir probieren mal, ob Jubel - es geht. Jetzt es so geht. machen wir es richtig.

Wir planen, realisieren und testen einen Prototypen.

Wir sorgen dafür, dass unsere Idee realisiert wird bzw. dass das Problem gelöst wird.

Wir haben/sehen ein Problem, welches wir lösen wollen.

Wir bewerten diese und wählen einen aus.

Dazu müssen wir folgendes tun: Idee/Problem Lösung Probieren Realisieren

Ideen suchen Probleme erkennen Idee/Problem auswählen

Lösungen suchen Lösungen bewerten Lösung auswählen Aufwand/Kosten schätzen

Lösung planen Lösung ausprobieren Lösung verbessern

Verbündete und Abnehmer suchen Lösung produzieren Werbung machen Erfolg prüfen

· Grundlagen: Neue Produkte und Verfahren sind typische Ergebnisse unternehmerischer Tätigkeit und zugleich lebenswichtig für jedes Unternehmen. Anstöße zu Neuerungen können aus folgenden Bereichen herrühren: Aktive Innovationsimpulse = Wahrnehmung von Chancen ! Ein Erfinder bietet dem Unternehmen eine neue Idee an. ! Eigene Mitarbeiter haben etwas neues entwickelt. ! Das Unternehmen erkennt einen neuen Bedarf am Markt bzw. bei den Kunden. Reaktive Innovationsimpulse = Abwehr von Bedrohungen und Risiken ! Die bisherigen Produkte sind veraltet - Sie werden nicht mehr gekauft. ! Das Produktionsverfahren ist veraltet - Es gibt neue Materialien oder kostengünstigere Fertigungstechniken. ! Bisher eingesetzte Rohstoffe fallen weg oder werden zu teuer. ! Ein bisheriger Zulieferer macht Konkurs oder kann nicht mehr liefern.

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Es werden neue Sicherheitsbestimmungen und behördliche Vorschriften erlassen. Die Kunden wünschen Produktveränderungen. Ein Wettbewerber bringt ein günstigeres/besseres Produkt auf den Markt. Import/Export- Bestimmungen erschweren international Einkauf und Verkauf. Wechselkurse entwickeln sich so, dass ein Einkauf zu teuer und der Verkauf zu billig wird.

Nur solche Unternehmen, die ständig die obigen Chancen wahrnehmen und Risiken abwehren, sind erfolgreich und bieten eine größere Sicherheit für die Arbeitsplätze.

4.4 Planungshilfen für die Schule

4.4.1 Rahmenlehrplanbezüge

Im Folgenden werden Themenfelder und Themen der Fächer genannt, die das Thema Innovation zum Gegenstand haben oder die zum themenbezogenen fächerverbindenden Unterricht beitragen können. WAT (Pflichtunterricht) Jahrgangsstufen 7 und 8: TF Haushalt und Konsum: Technik im Alltag und Haushaltsmanagement

TF Produktion und Unternehmen: Arbeit und Betrieb Jahrgangsstufen 9 und 10: TF Arbeit, Ausbildung, Beruf: TF Haushalt und Konsum: Strukturwandel und Zukunft der Arbeit Konsum und Markt

TF Produktion und Unternehmen: Der Betrieb als technisch-organisatorisches System Das Unternehmen als ökonomisches System Das Unternehmen als ökologisches und soziales System TF Infrastrukturen: Information und Kommunikation, Transport und Verkehr, Energie

WAT (Wahlpflichtunterricht) Geeignete Wahlpflichtmodule in den Jahrgangsstufen 7 und 8: TF Haushalt und Konsum: Testwerkstatt; Entwerfen, Entwickeln, Erproben Konsum und Umwelt Ernährung und Gesundheit, Teleshop

TF Produktion und Unternehmen: Produktgestaltung und Vermarktung, Schülerfirma

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Jahrgangsstufen 9 und 10: TF Produktion und Unternehmen: Konstruieren und Entwickeln, Ökologisches Bauen Schülerfirma, Existenzgründung , Mobilität Zukunftstechnologien, Innovationen, Internetökonomie Internationale Arbeitsteilung TF Infrastrukturen: Information und Kommunikation, Transport und Verkehr, Energie

Biologie Jahrgangsstufe 7 und 8: Themenfeld ,,Wechselbeziehungen in der Natur" ,,Der Mensch- seine körperliche Leistungsfähigkeit und seine Gesunderhaltung" ­ Thema 3 Jahrgangsstufe 10: Themenfeld ,,Genetik" Chemie Jahrgangsstufe 8: Themenfeld ,,Chemie ist überall" Jahrgangsstufen 9 und 10: Themenfeld ,,Kohlenstoff und Kohlenstoffverbindungen" Physik Jahrgangsstufe 7: Themenfeld ,,Energien gestalten unsere Umwelt- Wärme" Jahrgangsstufe 8: Themenfeld ,,Leben mit Elektrizität" Jahrgangsstufe 10: Themenfeld ,,Leben mit Radioaktivität" Geografie Jahrgangsstufe 7 und 8: Themenfeld ,,Japan- Wirtschaftsmacht im Osten" Jahrgangsstufe 9 und 10: Themenfeld ,,Handlungsansätze der Landschaftsplanung- die Umwelt gestalten heißt zuerst die Umwelt begreifen" Englisch Jahrgangsstufe 7 und 8: Themenfeld ,,The role of the media" Astronomie Jahrgangsstufe 9: Themenfeld ,,Raumfahrt- ein gemeinsames Haus vieler Wissenschaften", ,,Raumfahrt- Forschung für die Zukunft"

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Jahrgangsstufe 10: Themenfeld ,,Sciencefiction- Zukunftsträume, Phantasien, Visionen" Geschichte Jahrgangsstufe 8: Themenfeld ,,Das 19. Jahrhundert- das bürgerliche Zeitalter?" Jahrgangsstufe 9 und 10: Themenfeld ,,Das 20. Jahrhundert- Zeitgeschichte und Lebensgeschichte" Darstellen und Gestalten Jahrgangsstufe 7 oder 9 Themenfeld (Arbeitsfeld 2) ,,Körper, Rolle, Szene" ­ Veröffentlichung von Erfahrungen Themenfeld (Arbeitsfeld 3) ,,Körper und Objekt" ­ Verarbeitung eigener und fremder Erfahrungen Deutsch Jahrgangsstufe 7 und 8: Themenfeld ,,Lesen und Umgang mit Texten" ­ Informationen suchen Jahrgangsstufe 9 und 10: Themenfeld ,,Entwürfe von Zukunft" ­ Internet und Kommunikationstechniken; Hypertext

4.4.2 Anregung für fach-, fächerverbindenden-, fächerübergreifenden Unterricht

1. Im Schülerbetriebspraktikum Während des Schülerbetriebspraktikums kann die Lehrkraft einzelnen Schülerinnen und Schülern einen Auftrag, der Erkundungscharakter trägt, geben. Dieser könnte wie folgt lauten: "Untersuche, warum dein Praktikumsbetrieb sich schon so lange am Markt hält? Was macht den Betrieb so wettbewerbsfähig und innovativ?" Um diese Aufgabe ranken sich die anderen Untersuchungsaufgaben herum. Die Ergebnisse können in einer ExcelTabelle dokumentiert werden. Des Weiteren können geografische Aufgaben damit verbunden werden. 2. Das WP- Modul Innovation Dieses Projekt kann zusammen mit Physik und dem Fach Deutsch durchgeführt werden. Beispiel: Untersuchung des regionalen Wirtschaftsraum`s, zu dem der eigene Wohnort gehört. Untersuchung von z. B. innovativen Produkten, Arbeitszeitmodellen und innovativen Energiesparmethoden in einzelnen Firmen der Region. Präsentation als Referat und auf der städtischen Homepage. Oder: Man kann mit dem Modul als organisatorischen Kern einen Erfinderclub eröffnen. Hier können die Schülerinnen und Schüler eigene Ideen sammeln, diskutieren bzw. verteidigen oder an konkreten Beispielen umsetzen. 3. W-A-T - AG In einer AG können viele Beispiele auftreten, die sich mit Innovationen verbinden lassen. Zum Beispiel: Schülerinnen und Schüler können sich innerhalb eines Zukunftsszenario ausmalen, welchen Beruf sie am Ende ihrer geplanten Ausbildung erreichen wollen und wie lange dieser Weg sein wird.

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Am Ende kann ein akademischer Beruf, vielleicht Maschinenbau-Ingenieur stehen. Es kommt darauf an, diesen Beruf sehr kreativ und innovativ darzustellen. So können sie einerseits die Verdienstmöglichkeiten aufzeigen und andererseits die internationale, spannende Forschung auf neuen Entwicklungsgebieten präsentieren. 4. Jugend forscht Schülerinnen und Schüler können innerhalb und außerhalb des Unterrichtes sich ein innovatives Thema herausgreifen, fächerverbindend arbeiten und die Ergebnisse im Wettbewerb präsentieren und verteidigen. Dies kann im Unterricht des WP-Moduls Innovation stattfinden. 5. Innovation des Unterrichts und des Schullebens Schülerinnen und Schüler sollen an ihrer eigenen Schule kreativ und innovativ auf Organisation und Durchführung des Unterrichts und des Schullebens einwirken. Sie sollen dazu Ideen oder Vorschläge entwickeln, und sei es ob z. B. der Mathematikunterricht immer Freitags in der 7. Stunde stattfinden muss. Oder: Wie die Arbeit mit Computer & Internet besser in den Fachunterricht integriert werden kann oder ob es nicht möglich ist, den Energieverbrauch im Sommer und Winter zu senken.

4.5 Exemplarische Vorhaben

Als exemplarisches Vorhaben soll die INSTI-Schulaktion- ,,Tour d` Innovation" hier vorgestellt werden. Diese Aktion läuft das dritte Jahr, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmb+f) gefördert und findet im gesamten Bundesgebiet statt. Im ersten Jahr waren es acht Schulen (Testphase), im zweiten Jahr waren es schon 48 Schulen so wie im dritten Jahr auch. Es können sich an der Tour d` Innovation vorwiegend Klassen in der Sekundarstufe II beteiligen. Aber es haben auch schon Teams aus der Sekundarstufe I daran teilgenommen. Diese Tour ist für Gymnasien; Berufsschulen; private Schulen, Oberstufenzentren, Gesamtschulen mit GOST und Realschulen angelegt. Aus der "Tour d' Innovation" werden nun einige ausgewählte Praxisbeispiele mit der Adresse genannt, sodass sie selbstständig recherchiert werden können. Die Adresse der INSTI- Schulaktion "Tour d' Innovation" ist: http://www.instischulaktion.de Ist man dort angekommen sieht man als erstes die Startseite der Tour. Links auf der Seite befindet sich eine "Link-Liste". Dort klickt man auf Tour d'Innovation Modul A die PROJEKTE an. Als nächstes öffnet sich eine weitere Seite mit dem Titel "Übersicht über die Projekte" und man geht auf dieser Seite auf den Link "Übersicht über die Projektteilnehmer 2000/2001" " Dokumentation. Dort findet man alle Abschlussberichte der Tourteilnehmer mit einem detailliertem Bericht über den Verlauf der einzelnen Wirtschafts- und Innovationstouren. Diese haben jeweils ganz unterschiedliche Themen als Zielsetzung, wobei das Oberziel "Innovation und Wirtschaft in der Region" immer das Gleiche ist! Da diese Tour von Gesamtschulen, Gymnasien, Berufsschulen und Privatschulen durchgeführt wurde, sind die anschaulichen Berichte sehr vielfältig und anregend für Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern aller Schulformen.

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Im Folgenden werden einige ausgewählte Abschlussberichte über die Tour des letzten Jahres in gekürzter Fassung wiedergegeben. ·

Berufliche Schule Neusäß: Thema: Die Begleitung einer Erfindung

In Zusammenarbeit mit Schule und Wirtschaft begleiteten die Schülerinnen und Schüler dieser Tour eine kreative Idee bis hin zu einem innovativen marktreifen Produkt. Die Tourteilnehmer hatten die Gelegenheit, ganz nah an den Innovationsprozessen teilzuhaben. Im Verlauf der Tour wurde die Idee bis zur Patentierung exemplarisch von den Schülern dokumentiert. Integraler Bestandteil war die Auseinandersetzung mit den beteiligten Mitarbeitern im Unternehmen selbst. ·

Ernst-Abbe-Gymnasium Eisenach: Thema: Innovation- Fortschritt um jeden Preis-Produktentwicklungen

Die Projektgruppe hatte sich als Ziel gestellt, auf dem Gebiet der Produktentwicklung Untersuchungen durchzuführen, wobei als Ergebnis ein von den Schülerinnen und Schülern selbst entwickeltes Produkt stehen sollte. Die Produktinnovation bestand darin, dass die Schülerinnen und Schüler eine Plakette herstellten, die aus flüssigem Holz gefertigt wurde. Diese wurde im nächsten Schritt mit Motiven Eisenacher Persönlichkeiten und des ErnstAbbe-Gymnasiums gestaltet und für die Herstellung und den Vertrieb vorbereitet. ·

Gymnasium Bad Bergzabern: Thema: Tour d' Innovation im Hinblick auf das Energiesparen in Gebäuden und den Einsatz von Sonnenenergie

Im Rahmen dieser Tour widmeten sich die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums den Zukunftstechnologien. Sie beschäftigten sich mit innovativen Produkten zur Energieeinsparung in Gebäuden durch den intelligenten Einsatz der Sonnenenergie. Dabei lernten sie den Umgang mit modernen Messmethoden und innovativen Werkzeugen. Auf dieser Tour entstand ein direkter Kontakt zu innovativen Betrieben der Region. Des Weiteren beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Datenerfassung, Datenübermittlung und Auswertung, sowie mit der Netzwerktechnik und neuartiger Software. ·

Heinrich-Hertz-Gymnasium Berlin: Thema: Kreativität und Innovation

Zwei Schülergruppen entwickelten, bauten und präsentierten jeweils ein konkretes innovatives Exponat. Dieses wurde dann durch das Schulteam analysiert und diskutiert, in Hinsicht auf Kreativität und Innovation. Weiterhin gab es zwei Schülergruppen, die ein ernsthaftes Interesse an der Gründung eines eigenen Unternehmens hatten. Im Rahmen der Tour d' Innovation sollten die entsprechenden Ideen bzw. Geschäftspläne vorgestellt und mit Hilfe unseres INSTI- Partners diskutiert sowie auf ihr innovatives Potenzial hin bewertet werden.

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4.6 Hinweise auf weitere Materialien

4.6.1 Grundlagenmaterialien (Broschüren und Links; Hefter bzw. Arbeitsblätter-/folien)

INSTI- Schulaktion- Tour d' Innovation URL: www.instischulaktion.de 1. Auf der Link-Liste den Punkt Schulungsangebote anklicken! 2. Dann Modul B anklicken! 3. Auf dieser Seite Materialien anklicken! Berlin: IFUS Innovationskolleg Das Innovationskolleg will Innovationen aus verschiedenen Technologiebereichen der Region Berlin-Brandenburg fördern und bekanntmachen. URL: www.innovationskolleg.de Competence Center für Innovationsmanagement Expertenplattform mit Competence Center für Innovationsmanagement bietet Wissen von Top-Experten zu Wissensmanagement, Produktinnovation sowie Innovationsstrategie und informiert über Knowledge-Management bzw. Change management und lernende Organisation URL: www.innovation-competence-center.de Bewag Innovationspark Brennstoffzelle Informationen zu den Themen Energie, Wasserstoff und Brennstoffzellen. Die Website des Bewag Innovationspark-Brennstoffzelle. URL: www.innovation-brennstoffzelle.de/ Innovation-aktuell Innovation-aktuell berichtet 14tägig über Managementthemen wie Patentrecherche, Innovationsfinanzierung, Wissensmanagement, Produktionssteuerung und andere Themen. URL: www.innovation-aktuell.de FBInnovation.de Erhebung von Kunden -und Mitarbeiterbefragungen URL: www.fbinnovation.de TIG - The Innovation Group Das Leistungsspektrum umfasst aufwendig nachbearbeitete High-End-Fotos wie auch Serienproduktionen für Kataloge. URL: www.theinnovationgroup.de Solvent Innovation GmbH Entwicklung, Synthese und Vertrieb von innovativen Lösungsmitteln wie z.B. "Ionic Liquids" und Serviceleistungen im Bereich der Katalyse und organischen Synthese URL: www.solvent-innovation.de Innovation Congress GmbH Veranstalter von praxisbezogenen und branchenübergreifenden Konferenzen und Seminaren zu unternehmens- und wettbewerbsstrategischen Fragen, schwerpunktmäßig in den Bereichen Neue Medien, Telekommunikation und Energiewirtschaft URL: www.innovation-congress.de

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Innovationsbörse der Hannover Messe Aktuelle Technologieangebote und innovative Dienstleistungen der Hannover Messe 1999 URL: innovation.hannovermesse.de/ Heidelberg Innovation Unterstützung von Wissenschaftlern bei der Vermarktung von Projekten im Bereich der Biotechnologie und Life Sciences. Unser Leistungsspektrum reicht von der Identifikation marktfähiger Ideen über die Erarbeitung von Patentierungsstrategien bis hin zur K URL: www.hd-innovation.de Office-Hobby-Innovation Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Kunststoffartikeln für Industrie, Büro, Schule und Hobby URL: www.Ahrens-Innovations.de/start.php Innovation Gate GmbH Innovation Gate GmbH URL: www.innovationgate.de/ Willkommen bei Innovation Center GmbH Ihr kompetenter Partner für die Bereiche Anwendungsentwicklung, Internetrepräsentanz, Netzwerkaufbau und -wartung und Organisationsberatung im Großraum Frankfurt/Main URL: www.innovation-center.de/ Bremen: Power Innovation Stromversorgungstechnik GmbH Produktion und Entwicklung von kundenspezifischen und Standard-Stromversorgungen, insbesondere Wechselrichter, für den Industrie-,Telekom- und Offshorebereich URL: www.powerinnovation.com/ IfT Innovationcenter für Telekommunikation Telekommunikationsberatung, Projektierung, Beschaffung, Kostensenkung im Bereich TKAnlagen. Herstellerunabhängige Beratung URL: www.tk-innovation.de Garching Innovation GmbH Technologie Transfer für die Max-Planck-Gesellschaft URL: www.garching-innovation.mpg.de Villingendorf: Weber GmbH Villingendorf Leiterplatten, Frontplatten, Skalen, Zifferblätter, Displayleiterplatten, Nutzleiterplatten und Multilayer von höchster Qualität URL: www.weber-innovation.de Studiengesellschaft für Sparkassen-Innovation Innovation im Bankbetrieb, Neue Bankvertriebswege, Entwicklungsbeobachtung, Videobanking, Branchenfremde, Bankenplanspiel, strategische Bankensimualtion, Kundenraumgestaltung, Kundenraumplanung, Kundenstromanalyse URL: www.stusa.co.at/stusa/ tci-tangram consultants international gmbh Service Qualität TQM Benchmarking Innovation Kommunikation Management Beratung Banken Versicherungen Sparkassen Finanzdienstleister URL: www.tci-tangram.de

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INATE Innovationsschau alternativer Technologien für Europa, vom 22.9.- 27.9.1999 in 34582 Borken/Hessen bei Kassel URL: www.solicion.de/inate Raunheim: New-Future, Internetwarenhandel Umwelt Innovation aus dem Bereich Kunststoff Rückgewinnung URL: www.new-future.de/ BAIKA Online eine Initiative der Automobilzulieferindustrie BAIKA ist eine Innovations- und Kooperationsinitiative für die Automobilzulieferindustrie in Bayern und wurde von der Bayern Innovativ GmbH initiiert. URL: www.baika.de Stade: Wirtschaftsförderung im Landkreis Stade GmbH Tel.:04141/8006 Mit der Wirtschaft die Zukunft gestalten: Auf diesen Seiten finden Sie Informationen zu den Themen Gewerbeflächen, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge, Innovation, Förderprogramme bzw. Finanzierungshilfen und Daten zur Region. URL: www.wf-stade.de Deutschland - Innovativ Deutschland innovativ! Der Informationsdienst des Instituts der Deutschen Wirtschaft bietet Ihnen einen umfassenden Service rund um das Thema Innovation mit über 1000 Links zu innovativen Servern! URL: www.dein.de Steinbeis-Europa-Zentrum, Stuttgart Homepage des Steinbeis-Europa-Zentrums - Innovation Relay Center- EU Verbindungsbüro für Forschung und Technologie - Informationen zu Förderprogrammen der EU - Beratung von Antragstellern, Technologietransfer, Partnersuche, Datenbankrecherchen, Leiter: P URL: www.steinbeis-europa.de PRODIS-INNOVATIV Diese Literaturdatenbank versorgt Sie mit dem Neuesten aus den Bereichen Produkt- und Prozessinnovation sowie innovative Arbeitsgestaltung. Themenschwerpunkte sind u. a.: · Organisationsentwicklung/Organisatorische Gestaltung (Arbeitsstrukturierung, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Telearbeit, Gruppenarbeit u. a.) · Personalentwicklung/Personalwesen · Technische/technologische Gestaltung (Automatisierung, EDV, Informationstechnik u. a.) · Ergonomische Gestaltung (Arbeitsplatz, -mittel, -umgebung u. a.) · Führung · Arbeitsrecht · Arbeitssicherheit/Arbeitsschutz ,Produkte

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Schulbezogene Links: Kokosnuss Interaktive Datenbank für Schulinnovationen und Projekte im Internet Kommunikation und Kooperation, Schaffen für neue Unternehmungen in Sachen Schulkultur URL: www.kokos.ac.at/ INSTI Schulaktion Modul B - Aus- und Fortbildung für Lehrer Hier finden Sie Kurse und Materialien zu den Themen Innovation, Information, Kreativität, Schutzrechte und Schulprojekte. URL: modulb.instischulaktion.de/ Schule und Gesellschaftliches Lernen Schule und gesellschaftliches Lernen Ziele und Aufgaben Forschungs- und Entwicklungsfelder Forschungsbericht 1991-1994 Institutsbericht 1997 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Angebote zur Lehrerfortbildung und Schulentwicklung Universitätslehrgänge (PFL, OEB, ProF) URL: www.uni-klu.ac.at/groups/iff/schule Schule, Zukunft, Innovation Hans-Olaf Henkel: Festansprache zur Verleihung des Preises 'Schule macht Zukunft' URL: www.dein.de/seiten/news/schulpreis.htm Bios-Innovationsoffensive BIOS Bayerische Innovations-Offensive für Schulen Link Lotus Notes/Domino Server in der Schulentwicklung Startseite Aktuelles Chat Download Fachbereiche Forum Historie Lehrplan Lexikon Partnerschaften Projektbeteiligung BIOS Lehren f. d. Zuk. S URL: schule.a-city.de/augsburg/berufsschule_vii/partner/lotus.htm paed.com - Reformpaedagogik und Innovation Internetservice fuer Schulen zu reformpaedagogischen Themen und Innovationen in Schulen, Literatur, Homepages, Links, Adressen, Foren, Mailinglisten, Chats, Webspace fuer paed. Pro... http://www.paed.com/ph/uebers.htm http://www.zeitzuleben.de/inhalte/index.html Zahlreiche vertiefende Artikel zu Kreativität, Lernen, Selbstmanagement & Persönlichkeitsentwicklung. Innovatives und interessantes OnlineMagazin, alle Artikel fertig zum downloaden vorbereitet. Ministerium für Schule,Wisenschaft und Forschung - Bestellservice Nachfolgend finden Sie eine Reihe von Drucksachen, die Sie beim Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen kostenlos bestel... http://www.mswwf.nrw.de/miak/service/bestellungen/bestell.php3 Schule, Aus- und Weiterbildung Eine Initiative vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wirtschaftsmagazin WISO und dem Verein [email protected] e.V http://www.iid.de/schule/http://www.iid.de/schule/http://www.iid.de/schule Neue Wege zur Produktentwicklung Grabowski, H.; Geiger, K. Raabe Verlag, Bonn, 1997, 219 S., ISBN: 3-88649-347-4.

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Innovations-Strategien Potentiale ausschöpfen, Ideen umsetzen, Marktchancen nutzen Higgins, J.; Wiese, G. Schäffer-Poeschel, Stuttgart, 1998, 216 S., ISBN: 3-7910-1267-3. Praktisches Innovationsmanagement für junge Unternehmen Wuppertaler Kreis e.V. (Hrsg.) Deutscher Wirtschaftsdienst, Köln, 1998, 133 S., ISBN: 3-87156-213-0. INNODAT - Die Literaturdatenbank zum Thema Innovation Diese Literaturdatenbank versorgt Sie mit dem Neuesten aus den Bereichen Produkt- und Prozessinnovation sowie innovative Arbeitsgestaltung. INTRA, das INSTI-Innovationstraining INTRA, das INSTI-Innovationstraining, ist ein umfassendes Seminarangebot, dessen Module den gesamten Innovationsprozess und die wichtigsten Einflussfaktoren für eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur berücksichtigen. Dabei werden die notwendigen Kenntnisse darüber vermittelt, wie Innovationen in Gang gesetzt, verstärkt und immer wieder von neuem angestoßen werden können. Hier finden Sie Seminarbeschreibungen, Termine und Trainerprofile.

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4.6.2 Literatur

Goleman, Daniel ; Kaufman, Paul ; Ray, Michael: Kreativität entdecken. Übers. v. Hainer Kober. München : dtv (Deutscher Taschenbuchverl.), 1999. 224 S. (dtv. Modernes Leben ; 36136) (ISBN 3-423-36136-0) Goleman, Daniel: Emotionale Intelligenz. Aus d. Amerik. v. Friedrich Griese. - München : Hanser, 1996. 416 S. (ISBN 3-446-18526-7) 108350 51000081 Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. Aus d. Amerik. v. Maren Klostermann. 5. Aufl. Stuttgart : Klett-Cotta, 2001. 646 S. (ISBN 3-608-91774-8) Gardner, Howard: Kreative Intelligenz : was wir mit Mozart, Freud, Woolf und Ghandi gemeinsam haben / Howard Gardner. Andreas Simon [Übers.]. - Frankfurt/Main : Campus Verl., 1999. - 208 S. ISBN 3-593-36180-9 King, Serge K: Der Stadt-Schamane. Aus d. Amerik. v. Friedrich K. Hörner - Freiburg : Lüchow, Alf, 1992. 264 S. (ISBN 3-925898-15-8) Michalko, Michael: Cracking Creativity : The Secrets of Creative Genius. Berkeley : Ten Speed Press, 2001 (aktuelle Ausgabe) Murphy, Michael: Der QuantenMensch. Ein Blick in die Entfaltung desmenschlichen Potentials im 21. Jahrhundert. Bearb. v. Angela Küpper. hrsg. v. Manfred Miethe. - 'München : Ludwig, 1996. 820 S. (Integral ) (ISBN 3-7787-9038-2) Oech, Roger von: Der kreative Kick. Paderborn : Junfermann, 1994. 164 S. ­ (ISBN 387387-098-3) Sheldrake, Rupert /McKenna, Terence /Abraham, Ralph: Denken am Rande des Undenkbaren. Über Ordnung und Chaos, Physik und Metaphysik, Ego und Weltseele. Aus d. Engl. v. Hans U. Möhring. 5. Aufl. München : Piper, 2000. 260 S. (Serie Piper ; 2004) (ISBN 3-49222004-5) Ostrander, Sheila ; Schroeder, Lynn: SuperMemory : Der Weg zum optimalen Gedächtnis. Wie man seine Gedächtniskapazität vergrössert und sein Erinnerungsvermögen steigert. München : Goldmann, 1996. 416 S.. (Goldmann Ratgeber ; 13746) (ISBN 3-442-13746-2) = einzige, z.Zt. lieferbare Ausgabe Voigtmann, Martin: Genies wie du und ich. Kreativ sein hat System. Heidelberg: Sauer, 1997. 223 S. (ISBN 3-7938-7185-1) Der erste Schritt : Tipps für Existenzgründer und Jungunternehmer / Brandenburg / Ministerium für Wirtschaft. - Potsdam,[2000]

4.6.3 Videos

Brandenburg. Der erste Schritt - Tipps für Existenzgründer und Jungunternehmer.

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5

Regionaler Wirtschaftsraum (Harald Rau)

5.1 Sachinformation

Die Wirtschaft jeder Region ist ein wesentlicher Faktor, der das individuelle Leben prägt. Viele persönliche Entscheidungen werden davon beeinflusst, zum Beispiel die Berufswahl oder die Wohnortwahl. Am regionalen Wirtschaftsraum werden auch einzelne wirtschaftliche Zusammenhänge konkret erfassbar. Aus all dem ergibt sich der Sinn, sich mit dem regionalen Wirtschaftsraum zu beschäftigen und die persönlichen Einflussmöglichkeiten auf seine Entwicklung zu kennen und zu nutzen. Die Merkmale des Wirtschaftsraumes sollen durch folgende MindMap dargestellt werden. Für die Erkundung des regionalen Wirtschaftsraumes benötigen die Schülerinnen und Schüler eine klare und einfache Vorstellung (kognitives Modell). Folgende vereinfachte Merkmalstruktur des regionalen Wirtschaftsraums soll dabei helfen. Bevölkerung > Bevölkerungsdichte > Ab- und Zuwanderung > > > > > > > > > > > > Arbeitsstätten Produzierenden Gewerbe Handel und Verkehr Sonstige Dienstleistungen Arbeitsmarkt Arbeitslosenzahl Freie Arbeitsplätze Beschäftigungsstruktur Einkommensstruktur Infrastruktur Wohnen Kultur Freizeit Bildung Verkehr

5.2 Ziele

· · · · · · Schülerinnen und Schüler erkunden und analysieren den regionalen Wirtschaftsraum. Sie können Möglichkeiten und Grenzen seiner Entwicklung einschätzen. Sie vergleichen den eigenen mit anderen Wirtschaftsräumen. Sie berücksichtigen ihre Einschätzungen bei ihrer Arbeits- und Lebensplanung. Sie erkennen Einflüsse der Wirtschaftspolitik und der Globalisierung auf den regionalen Wirtschaftsraum. Sie erkennen Handlungsmöglichkeiten und entwickeln die Bereitschaft, an der Gestaltung mitzuwirken.

50

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5.3 Inhalte

· · · · Erkundung des regionalen Wirtschaftsraumes Merkmale des regionalen Wirtschaftsraumes, Potentiale und Grenzen Unternehmen und öffentliche Institutionen im regionalen Wirtschaftsraum und ihre Standortfaktoren Handlungsmöglichkeiten zur Weiterentwicklung des regionalen Wirtschaftsraumes (Beteiligung an politischen Entscheidungen, Bürgerinitiativen, Propagierung von Vorschlägen)

5.4

Planungshilfen für Schulen

5.4.1 RLP-Bezüge

Wirtschaft-Arbeit-Technik (Pflichtunterricht) Themenfeld 1: Arbeit-Ausbildung-Beruf Schülerbetriebspraktikum Themenfeld 3: Produktion und Unternehmen Wirtschaft-Arbeit-Technik (Wahlpflichtunterricht) Modul Teleshop, Modul Schülerfirma Politische Bildung Themenfeld Wirtschaft

5.4.2 Möglichkeiten für fächerverbindende Vorhaben

· ,,Einmischen" in den regionalen Wirtschaftsraum Was kann man verändern? Tourismusentwicklung (Routenvorschläge für Radwanderungen) Aufbau eines Schulmuseum (Entwicklung der Computertechnik) Untersuchungen, Befragungen und Analysen zur Verkehrentwicklung Vor- und Nachteile einer Umgehungsstraße Fußgängerzonen Verkehrsberuhigung Freizeitangebot der Region Zusammenstellen der Angebote Vernetzen der Anbieter Angebote ins Leben rufen oder bereitstellen

·

·

5.5 Exemplarische Vorhaben (Anlagen 1 ­ 3)

Dieses Kapitel enthält Vorhaben, die fächerverbindend durchgeführt werden können. Es sind komplett ausgearbeitete und erprobte Beispiele. Sie müssen natürlich sorgfältig den spezifischen schulischen Gegebenheiten angepasst werden müssen. · Rollenspiel "Industrieansiedlung in Schöndorf?"

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In diesem Rollenspiel dient ein exemplarischer Fall der regionalen Wirtschaftspolitik als Vorlage, ,,Industrieansiedelung in Schöndorf". Die Autoren haben einen Modell-Fall konstruiert. Dieses Modell kann jeder Zeit mit regionalen Gegebenheiten abgeglichen werden. Gibt es im direkten Umfeld einen authentischen Fall, würde sich dieser als Vorlage natürlich besser eignen. In dem vorgestellten Beispiel bildet ein Angebot an den Bürgermeister, in Schöndorf eine Chemiefabrik zu errichten, den Einstieg. Die Konfliktlösung wird in einer einberufenen Bürgerversammlung geführt. Die Autoren haben das Spiel für Berufsschulen entwickelt, weisen aber darauf hin, dass es auch in anderen Schulformen eingesetzt werden kann. Material: Anlage 1

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· Planspiel ,,Tourismus - aber wie?!" Als Vorlage für dieses Planspiel dient ein kleines Dorf abseits vom ,,rasenden Fortschritt". Als der Bürgermeister ein Angebot erhält, an dem nahegelegenen See ein Feriendorf nach amerikanischen Vorbild zu errichten, entsteht der Konflikt ­ sanfter Tourismus ­ aber wie? Der Bürgermeister informiert alle Betroffenen und diskutiert mit ihnen dieses Problem. Den Autoren erscheint der Einsatz in den Sekundarstufen I und II möglich. Material: Anlage 2 · Projekt Umwelt und Verkehr Das Projekt wurde an einer Hauptschule in Hamburg durchgeführt und dokumentiert. Die Schülerinnen und Schüler mussten sich kritisch mit den Problemen des Straßenverkehrs auseinander setzen, z.B. der Belastung durch Lärm und Abgase, den Flächenverbrauch, den besonderen Gefährdungen im Wohngebiet und den daraus entstehenden Einschränkungen der Lebensqualität und der Entwicklungschancen für Kinder. Am Ende des Projektes wurden alternative Verkehrskonzepte erarbeitet und eigene Vorstellungen zur Verbesserung der Verkehrssituation im Stadtteil entwickelt. Material: Anlage 3

5.6 Hinweise auf weitere Materialien

· Regionale Materialien Da der Bereich regionaler Wirtschaftsraum stark durch die Gegebenheiten vor Ort beeinflusst wird, ist hier besonders nützlich, sich Material und Statistiken aus der Region zu besorgen. Zum Beispiel: Raumordnungs- und Flächennutzungspläne der Städte und Gemeinden Landkarten und Statistiken der Region Modelle von geplanten Projekten bzw. Bauvorhaben Regionale Strukturberichte · Wirtschaftslexikon Das Woll Wirtschaftslexikon ist als Onlineversion mit 1300 Einträgen unter www.woll.de zu erreichen. Der Oldenbourg Verlag stellt dieses Standardwerk auch in elektronischer Form als CD bereit. · Wirtschaftsraum Havelland WFG ,,Havelland" GbR Tel.:03321/34995 In dem Video wird der Wirtschaftsraum am Beispiel Havelland anschaulich erklärt. Die wichtigsten Faktoren wie Verkehrsanbindung, Wirtschaftsstruktur, Arbeitskräftemarkt, Siedlung, Naturraum, Tourismus werden aufgegriffen. Das Video ist zur Einführung in die Thematik geeignet und über das MPZ zu bestellen. · www.sowi-online Die Website der Sozialwissenschaften bieten in der Rubrik "praxis" Unterrichtsmaterialien und -entwürfe geordnet nach Unterrichtsmethoden an. Aufbereitet werden: Unterrichtsmaterialien, -skizzen und -entwürfe, Literaturhinweise und Online-Dokumente zu Lehr-LernMethoden im sozialwissenschaftlichen Unterricht, Links zu staatlichen Institutionen, Parteien, Gewerkschaften und Verbänden, Zeitschriften und Multiplikatoren in der politischen Bildung.

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5.7 Anlagen zu den exemplarischen Vorhaben

5.7.1 Rollenspiel "Industrieansiedlung in Schöndorf?" (Anlage 1)

Leiterin und Teilnehmer des Fachseminars Volkswirtschaftslehre 3, Kurs R 94, am Staatlichen Seminar für Schulpädagogik Stuttgart (BS)

Das Original ist unter dem gleichen Titel erschienen in: Winklers Flügelstift 1/1996, S. 34-41. (c) 1996 Winklers Verlag, Darmstadt Um den Text zitierfähig zu machen, sind die Seitenwechsel des Originals in eckigen Klammern angegeben, z. B. [/S. 53:]. sowi-online dankt dem Winklers Verlag und den Verfassern für die freundliche Genehmigung zum "Nachdruck" dieses Textes im Internet. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Copyright-Inhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, auch im Internet.

Christa Schmieg, Thomas Barnert, Andreas Hamberger, Christof Hölzl, Dieter Nietmann Inhalt

1. Informationen für den Lehrer/Spielleiter 1. Methodische und inhaltliche Zielsetzung des Rollenspiels 2. Einsatzmöglichkeiten 3. Legitimation des Modell-Falls 4. Methodische Hinweise 2. Anlagen (zu den Spielleiter-Informationen) 1. Anlage 1 1. Konfliktsituation 2. Vertiefende inhaltliche Argumente 2. Anlage 2 3. Anlage 3 3. Informationen für alle Teilnehmer 1. Beschreibung der Gemeinde: 2. Geographische Lage der Gemeinde/des Gewerbegebietes: 3. Finanzielle Situation der Gemeinde: 4. Infrastruktur/Situation der Bevölkerung: 5. Aktuelle Konfliktsituation: 6. Arbeitsanweisung an alle Gruppen

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Abbildung 1: Methodische Hinweise Abbildung 2: Allgemeine Hinweise zur Methode des Rollenspiels Abbildung 3: Ablaufschema zum vorliegenden Rollenspiel Abbildung 4: Lageplan der Gemeinde Schöndorf und Umgebung

1. Informationen für den Lehrer/Spielleiter

1.1 Methodische und inhaltliche Zielsetzung des Rollenspiels Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der beruflichen Schulen stellt den Lehrern vielfältige Aufgaben. Diese haben insbesondere die Vermittlung der für die berufliche Bewährung erforderlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse zu bewältigen. Welche fachlichen Inhalte den Schülern zu vermitteln sind, schreibt der jeweilige Lehrplan den Lehrern vor. Freiheit hat jeder Lehrer de jure allerdings hinsichtlich der von ihm zu wählenden Unterrichtsmethode. Aus dieser Wahlfreiheit kann jedoch nicht eine Beliebigkeit der Unterrichtsmethode gefolgert werden. Der Erziehungs- und Bildungsauftrag schreibt den Lehrern an beruflichen Schulen ferner vor, die Schüler durch zielbewusste Führung und partnerschaftliches Unterstützen zur Selbstständigkeit und zum eigenverantwortlichen Handeln zu erziehen. Damit das Ziel der Selbstständigkeit und des eigenverantwortlichen Handelns in der Schule erreicht werden kann, bedarf es unterrichtlicher Lernarrangements, die eben diese Ziele einlösen können. Das hier aufgezeigte Rollenspiel stellt einen Versuch zu einer derartigen Unterrichtsgestaltung dar. Der Fall soll exemplarisch einen der vielen denkbaren Zielkonflikte im Rahmen des magischen Sechsecks der Wirtschaftspolitik des Staates (hier der Gemeinde) aufzeigen. Durch das Rollenspiel kann den Schülern verdeutlicht werden, dass z.B. Wirtschaftswachstum nicht eine ferne, abstrakte Größe ist, sondern dass wir alle von den Vor- und Nachteilen der Erarbeitung des Bruttoinlandsproduktes betroffen sind. 1.2 Einsatzmöglichkeiten

Das Rollenspiel wurde für Schüler des WG, des BK II und der KBS (z.B. Bank, Industrie und Großhandel) konzipiert. Vor dem Einsatz des Rollenspiels in anderen Schularten (z.B. BFW Wirtschaftsschule) sind evtl. die vorliegenden Materialien zu überarbeiten: Zeitbedarf: 2 - 3 Unterrichtsstunden Lehrplanbezug: VWL-AWL-Lehrplan (Ziele der Wirtschaftspolitik, Zielbeziehungen, Probleme des Wirtschaftswachstums u. a.) 1.3 Legitimation des Modell-Falls Die Autorengruppe entschied sich bei der vorliegenden Unterrichtsvorlage bewusst gegen die Aufarbeitung eines konkreten Falles aus der Realität. Folgende Aspekte waren hierfür entscheidend:

1. Der Modell-Fall ist "zeitlos". Sowohl das Problem selbst wie auch die vorliegenden Materialien bleiben wohl über einige Zeit aktuell. 2. Der Modell-Fall ist nicht an eine bestimmte Region gebunden. Die Spiel-Gemeinde kann in die Region jeder Schule verlegt werden. 3. Der Modell-Fall ist inhaltlich flexibel. Durch Veränderungen einzelner Bedingungsgrößen kann das Rollenspiel variiert werden. [/S. 35:]

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1.4 Methodische Hinweise Abbildung 1:

Phase Hinweise · · · Einführung in die Konfliktsituation der Gemeinde Schöndorf durch den Lehrer (ggf.) Vorstellung der Methode des Rollenspiels und Anlage 1 (2.1.1) + Lageplan Anlage 2

Konfrontation/ Planung

Erläuterung des Ablaufs zum vorliegenden Rollenspiel Anlage 3 Rollenkarten; Info für alle Einteilung der Klasse in 7 Gruppen; ArbeitsanweisunTeilnehmer gen für die Gruppenarbeit

Vertiefende inhaltliche Argumente Anlage 1 (2.1.2) Alternative Gruppeneinteilungen: · · Durchführung · Die Rolle des Bürgermeisters (Diskussionsleitung kann/muss evtl. vom Lehrer übernommen werden. Es kann auch nur eine Gruppe der ortsansässigen Gewerbetreibenden gebildet werden. Es ist möglich, eine zusätzliche Pressegruppe zu bilden. Die Pressevertreter (evtl. je ein Vertreter von politisch verschieden motivierten Blättern) sollen dann einen Kurzbericht über die Bürgerversammlung für die Zeitung schreiben. Die Diskussion über diese "tendenziösen" Zeitungsberichte kann zur inhaltlich-kritischen Reflexion beitragen. · · Reflexion · · · Inhaltlich (ggf. Zusammenfassung der Pro-und-Contra-Argumente auf Grund der Diskussion und der Protokollblätter, evtl. zur Ergebnissicherung) methodisch und organisatorisch (Zeit, Material, evtl. Modellkritik u.a.) die Gruppendynamik betreffend (Arbeitsteilung innerhalb der Gruppe, Identifikation u.a.) die Interaktion betreffend (Art der Argumentation, Einhaltung der Gesprächsregeln u.a.) Einarbeitung des Konflikts in das "mag. Sechseck der Wirtschaftspolitik". Generalisierung der im Rollenspiel angesprochenen Zielbeziehungen, z.B. Zielharmonie (Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum), Zielkonflikt (Wirtschaftswachstum und lebenswerte Umwelt). Verdeutlichung, dass hier nur einer von vielen denkbaren Konfliktfällen aufgezeigt wurde. Inhaltliche Weiterführung · · · Die Dilemmasituation der Gemeinde kann auch unter wirtschaftsethischer Zielsetzung weiter bearbeitet werden. Werteanalyse: Welche Werte/Einstellungen liegen den jeweiligen Pro-und-ContraArgumenten zu Grunde? Entscheidung: Jeder Schüler trifft seine eigene begründete Entscheidung zum Konfliktfall (als fiktiver Gemeinderat). Diskussion über die Entscheidungsmotive.

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2. Anlagen

2.1 Anlage 1 (zu den Spielleiter-Informationen): 2.1.1 Konfliktsituation Der Bürgermeister von Schöndorf erhielt einen Brief von der Chemie AG. Diese Unternehmung will weiter expandieren und sucht einen geeigneten Standort (für eine Produktionsund Forschungsabteilung). Die Chemie AG bittet um die Ausweisung entsprechender gewerblicher Flächen. Es wird in Aussicht gestellt, dass bis zu 400 neue Arbeitsplätze in dieser Niederlassung geschaffen werden. Auch die Nachbargemeinde (3 km entfernt) erhielt diese Anfrage der Chemie AG und ist sehr bemüht, die Unternehmung an ihren Ort zu binden. Zwei weitere Gemeinden in anderen Regionen wurden wegen einer Standort-Anfrage von der Chemie AG angeschrieben. In der Gemeinde wird heftig diskutiert über die Vor- und Nachteile durch eine Ansiedlung der Chemie AG. Presse, Bürgerinitiativen, Vereine, die ganze Bevölkerung ist in Aufruhr. Der Ge[/S. 36:]meinderat beschließt deshalb, eine Bürgerversammlung mit Podiumsdiskussion zu diesem Problem zu veranstalten. 2.1.2 Vertiefende inhaltliche Argumente Damit der Spielleiter bei Schülerfragen weiterführende Impulse geben kann, sollen die folgenden inhaltlichen Aspekte angeführt sein.

· Es gibt nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Gesichtspunkte, die gegen diese Industrieansiedlung sprechen, z.B. Abhängigkeit der Gemeinde von diesem Großbetrieb/dieser Branche, heimische Betriebe können evtl. nicht mehr wachsen, Arbeitskräfte werden abgeworben (durch hohe Entlohnung, die nur ein Großbetrieb zahlen kann). · · Es soll ein Zweigwerk der Chemie AG gebaut werden (nicht das Hauptwerk). Bei Zweigwerken besteht eher die Gefahr, dass sie wieder aufgelöst werden. Die Gemeinde steht an einem Scheideweg: entweder ein erhofftes (!) umweltverträgliches, langsames Wachstum im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte (Fremdenverkehr) oder schnelle Steigerung des Lebensstandards durch die Gewerbeansiedlung. · Zu beachten ist die Gefahr, dass die Industrieansiedlung im Nachbarort Durna realisiert werden könnte. Hier zeigt sich das echte Dilemma für unsere Gemeinde: Wenn sie selbst die Gewerbeansiedlung nicht forciert betreibt, hat sie evtl. durch die Nachbargemeinde die Probleme der Umweltemissionen, aber ohne Gewerbesteuereinnahmen. Zudem verliert die Landschaft auch für unsere Gemeinde den Reiz, sodass die Alternative des Fremdenverkehrausbaus in Gefahr wäre. · Die Sozialstruktur der Gemeinde wird sich durch die Gewerbeansiedlung stark verändern (Pendler fahren in die Gemeinde; qualifizierte Arbeitskräfte werden "importiert"; Neubaugebiete müssen ausgewiesen werden; hohe Nachfrage in der Gemeinde kann zu Preissteigerungen führen usw.).

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2.2 Anlage 2 (zu den Spielleiter-Informationen)

Abbildung 2: Allgemeine Hinweise zur Methode des Rollenspiels Allgemeine Hinweise zur Methode des Rollenspiels Rollenspiel ist abzugrenzen von

bloßem Imitationsspiel reinem Theaterspiel (feststehende Dialoge, (Nachahmen) Bedeutung der schauspielerischen Leistung) ist zu verstehen als ein Lernspiel, in dem unter fiktiven umständen Realität simuliert wird will erreichen

spontanem Kinderoder Laienspiel

Verbesserung der Fähigkeit, sich treffend verständlich zu machen (Kommunikationsfähigkeit)

vgl. Bönsch, Manfred: Zolk, Josef J.:

Fähigkeit, übernommene Rollen hinterfragen zu können (Rollendistanz)

Einfühlungsvermögen, um sich in übernommene Rollen versetzen zu können (Emphatie)

Förderung der Fähigkeit, mehrdeutige Situationen ertragen zu können (Ambiguitätstoleranz)

Variable Lernwege - Ein Lehrbuch der Unterrichtsmethoden, Paderborn 1991, S. 155 ff. Grundkurs Politik - Eine Einführung für Dozentinnen und Dozenten, hrsg. v. d. Landeszentrale für politische Bildung Baden Württemberg, Seite 10 f.

[/S. 37:]

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2.3 Anlage 3 ( zu den Spielleiter-Informationen) Ablaufschema zum vorliegenden Rollenspiel 1. Motivationsphase - Hinführung Die Lehrkraft führt die Schülerinnen und Schüler in das Problem und die Materialien ein (Anlage 1-3 des Lehrermaterials) 2. Gruppenarbeitsphase Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich auf die Bürgeranhörung / Podiumsdiskussion vor (Material: Rollenkarten und Informationen für alle Teilnehmer, incl. Lageplan) 3. Diskussionsrunde Die Schülergruppen führen die Bürgeranhörung/Podiumsdiskussion durch. (Material: Erarbeitete Protokollblätter der Gruppen) 4. Reflexionsphase Die Gruppen diskutieren mit einzelnen bzw. mit allen anderen Gruppen das Ergebnis und das Vorgehen. 5. Inhaltliche Weiterführung im Klassenverband

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Abbildung 4: Lageplan der Gemeinde Schöndorf und Umgebung

3. Informationen für alle Teilnehmer

3.1 Beschreibung der Gemeinde:

· · · · Name der Gemeinde: Schöndorf Größe: 4 000 Einwohner Bürgermeister/in. Herr/Frau ...... ist parteilos. Bei der nächsten Bürgermeisterwahl in einem Jahr will er/sie nochmals kandidieren. Im Gemeinderat sind Anhänger der verschiedenen politischen Richtungen vertreten ("Öko-Partei" und "Wirtschafts-Partei").

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3.2 Geographische Lage der Gemeinde/des Gewerbegebietes

· Die Gemeinde liegt am Rande eines landschaftlich reizvollen Gebietes. Obwohl sich in Schöndorf keine touristische Attraktion befindet, wäre die Lage der Gemeinde dazu geeignet, den Fremdenverkehr erfolgreich zu fördern (z.B. Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes, Ausbau des Radwegenetzes usw.). Diese Chance wäre aller[/S. 39:]dings durch die Gewerbeansiedlung weitgehend vergeben. · Die Lage des Gewerbegebietes ist aus dem Lageplan ersichtlich.

3.3 Finanzielle Situation der Gemeinde

· · · Der Gemeindehaushalt ist relativ solide finanziert. Man hielt sich seither in dem finanziell engen Rahmen, der durch die mageren Einnahmen der Gemeinde vorgegeben war. Neue Situation: Die Feuerwehrabgabe als eine der wenigen Gemeindeeinnahmequellen fällt wegen Verfassungswidrigkeit ab 1995 weg. Es besteht ein Nachholbedarf an wichtigen Gemeindeinvestitionen.

3.4 Infrastruktur/Situation der Bevölkerung

· · · · · Die Verkehrsanbindung an die Ballungsräume ist schlecht. Die Gemeinde selbst hat nur wenig Arbeitsplätze. Der Großteil der berufstätigen Bevölkerung muss zu den Arbeitsplätzen in den Nachbarstädten pendeln. Die Arbeitslosenquote der Gemeinde entspricht dem Landesdurchschnitt. In der Gemeinde wird seit langem ein modernes Freibad vermisst (man nutzt seither das kleine Freibad des Nachbarortes mit); eine Gemeindehalle wäre notwendig; gefordert werden auch mehr öffentliche Mittel für die Belange der Jugendlichen und der Schulen. · Eine Verbesserung der Infrastruktur durch die Gewerbeansiedlung wird erhofft (bessere Verkehrsanbindung mit Landeszuschüssen; erhoffte zusätzliche Steuereinnahmen).

3.5 Aktuelle Konfliktsituation

In der Gemeinde wird heftig diskutiert über die Vor- und Nachteile durch eine Ansiedlung der Chemie AG. Presse, Bürgerinitiative, Vereine, die ganze Bevölkerung ist in Aufruhr. Der Gemeinderat beschließt deshalb, eine Bürgerversammlung zu diesem Problem zu veranstalten. Folgende Interessengruppen der Bevölkerung sind in der Bürgerversammlung auf dem Podium vertreten: 1 Bürgermeister 1 Vertreter der Gewerbetreibenden (Handel und Handwerk) 1 Vertreter der Gewerbetreibenden (ortsansässige Kleinindustrie) 1 Gemeinderatsmitglied - "Öko-Partei" 1 Gemeinderatsmitglied - "Wirtschafts-Partei" 1 Vertreter der neu gegründeten Bürgerinitiative "Pro"-Industrieansiedlung 1 Vertreter der neu gegründeten Bürgerinitiative "Contra"-Industrieansiedlung

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3.6 Arbeitsanweisung an alle Gruppen

· · · Sammeln Sie innerhalb Ihrer Gruppe Argumente, damit Sie in der Podiumsdiskussion Ihren Standpunkt vertreten können. Bereiten Sie sich auf evtl. Gegenargumente vor. Formulieren Sie Ihre Argumente schriftlich auf einem Protokollblatt. Wählen Sie einen Sprecher, der Ihre Gruppe bei der Diskussion vertritt.

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Rollenkarte: "Öko-Partei" Sie sind Mitglied der "Öko-Partei" und vertreten die Interessen Ihrer Partei im Gemeinderat. Von Seiten Ihrer Wähler besteht ein besonders hoher Erwartungsdruck an Sie und Ihre Partei, da Ihre Partei vor drei Jahren zum ersten Mal in den Gemeinderat gewählt wurde. Auf Grund von Wähleranalysen wissen Sie, dass ein hoher Prozentsatz Ihrer Wähler noch relativ jung ist. Junge Mütter sind dabei eine besonders bedeutsame Wählergruppe. Der Unmut Ihrer Wähler über das geplante Gewerbegebiet kommt in einer Vielzahl von Briefen an Ihre Partei zum Ausdruck. Sie und Ihre Parteifreunde treffen sich heute in der Gaststätte "Zur blauen Ente" zur Vorbereitung auf die Bürgerversammlung, um dort mit schlagkräftigen Argumenten die Interessen Ihrer Wähler vertreten zu können. [/S. 40:] Rollenkarte: "Wirtschafts-Partei" Sie sind Mitglied der "Wirtschafts-Partei" und seit vielen Jahren im Gemeinderat. Auf Grund von Gesprächen mit Parteifreunden und Bürgern Ihrer Stadt wissen Sie, dass der Großteil Ihrer Wähler für die Ausweisung des Gewerbegebietes ist. Eine Reihe namhafter Geschäftsleute der Stadt hat Sie nachdrücklich um eine Durchsetzung der Ausweisung des Gewerbegebietes gebeten. Allerdings wurden auch Einzelne kritische Stimmen von potenziellen Wählern Ihrer Partei bezüglich des Gewerbegebietes laut. Sie und Ihre Parteifreunde treffen sich heute in der Gaststätte "Zum goldenen Hirschen" zur Vorbereitung auf die Bürgerversammlung, um dort mit schlagkräftigen Argumenten die Interessen Ihrer Wähler vertreten zu können. Rollenkarte: Bürgerinitiative "Contra" Sie sind Mitglied der neu gegründeten Bürgerinitiative "Contra"-Industrieansiedlung. Als entschiedener Gegner der Industrieansiedlung durch die Chemie AG und der Ausweisung entsprechend notwendiger Gewerbeflächen haben Sie sich mit gleich gesinnten Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Gemeinde Schöndorf zusammengeschlossen. Ihrer Ansicht nach bestand hierzu dringender Handlungsbedarf, da Sie vielfältige Beeinträchtigungen durch das Gewerbeansiedlungsvorhaben befürchten, Ihre Interessen von den zuständigen Gemeinderepräsentanten diesbezüglich jedoch nur unzureichend gewahrt sehen. Zu den Mitgliedern der BI "CONTRA" gehören neben zahlreichen besorgten Eltern insbesondere auch die Vereinsmitglieder des örtlichen Heimatvereins und des Schwäbischen Albvereins, Sektion Schöndorf, sowie Vertreter der Aktionsgruppe Landschaftsschutzgebiet Schöndorf. Die Mitglieder der BI "CONTRA" treffen sich heute im Vereinslokal des Heimatvereines zur Vorbereitung der Bürgerversammlung. Es sollten stichhaltige Argumente gegen die Industrieansiedlung gesammelt werden. Rollenkarte: Bürgerinitiative "Pro" Sie sind Mitglied der neu gegründeten Bürgerinitiative "PRO"-Industrieansiedlung. Als Befürworter der Industrieansiedlung durch die Chemie AG und der Ausweisung entsprechend notwendiger Gewerbeflächen haben Sie sich mit gleich gesinnten Mitbürgerinnen und Mitbürgern der Gemeinde Schöndorf zusammengeschlossen. Ihrer Ansicht nach wird das dringend erforderliche Gewerbeansiedlungsvorhaben von den zuständigen Gemeinderepräsentanten nicht energisch genug vertreten. Eine Unterstützung von der "Basis" erscheint daher nötig, zumal ansonsten die Gefahr besteht, dass das Vorhaben durch mögliche Argumente der IndustrieansiedlungsGegner vereitelt werden könnte. Zu den Mitgliedern der BI "PRO" gehören neben engagierten Bürgern insbesondere auch Sprecher verschiedener örtlicher Sportvereine (Fußball-, Kegel- und Tennisverein).

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Um stichhaltige Argumente für die bevorstehende Bürgerversammlung zu finden, treffen sich die Mitglieder der BI "PRO" heute im Fußballvereinslokal des "FC Schöndorf". Rollenkarte: Vertreter der Gewerbetreibenden (Handel und Handwerk) Sie sind Mitglieder der Werbegemeinschaft der Gemeinde Schöndorf. In der Werbegemeinschaft sind die örtlichen Geschäftsinhaber von Handels- und Handwerksbetrieben vertreten. Alle Mitglieder dieser Werbegemeinschaft sind als Geschäftsleute sehr angesehene Bürger in Schöndorf. In dieser Interessengemeinschaft versuchen sie gemeinsame Aktivitäten zu koordinieren (z.B. den verkaufsoffenen Sonntag, gemeinsame Werbeveranstaltungen usw.). Außerdem hat man sich zum Ziel gesetzt, in allen die Werbegemeinschaft betreffenden Angelegenheiten gemeinsame Aufklärungsarbeit zu leisten. [/S. 41:] Nun soll in der Gemeinde ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Dieses Thema beschäftigt die Mitglieder der Werbegemeinschaft sehr. Sie treffen sich heute im Gasthaus "Mittelpunkt". Auf der Tagesordnung steht als einziger Tagesordnungspunkt "Vorbereitung auf die Bürgerversammlung". Rollenkarte: Vertreter der Gewerbetreibenden (ortsansässige Kleinindustrie) In der Gemeinde Schöndorf gibt es einen Küchenhersteller und einen Betrieb, der die industrielle Abfüllung von chemischen Produkten übernommen hat. Die Inhaber dieser Betriebe sind die größten Steuerzahler in der Gemeinde und somit sehr angesehene Bürger. Die Vertreter dieser Betriebe haben sich im Verein "Initiative Kleinindustrie" zusammengeschlossen, um gemeinsame Aktivitäten zu koordinieren und Informationsarbeit hinsichtlich aller die Kleinbetriebe betreffenden Angelegenheiten zu leisten. Nun soll in der Gemeinde Schöndorf ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Zur Vorbereitung auf die bevorstehende Bürgerversammlung treffen sich die Mitglieder der "Initiative Kleinindustrie" im Gasthof "Zum Bären" zur gemeinsamen Besprechung. Rollenkarte: Bürgermeister Sie sind Bürgermeister der Gemeinde Schöndorf. Bezüglich der anstehenden Entscheidung, ob ein Gewerbegebiet für die Chemie AG ausgewiesen werden soll, sind Sie (im Moment) noch neutral. Dies eröffnet Ihnen die Möglichkeit, sich alle Pro-und-Contra-Argumente genau anzuhören, um letztlich zu einer sachlich fundierten Meinung zu kommen. Ihre Hauptaufgabe bei der stattfindenden Bürgerversammlung ist jedoch die Diskussionsleitung, d.h., Sie müssen

· · · ·

die Bürgerversammlung mit einer kurzen, einführenden Rede eröffnen; geeignete Diskussionsregeln aufstellen und diese dem Publikum entsprechend erläutern; dafür sorgen, dass diese Regeln auch eingehalten werden; die Versammlung nach Ablauf der zur Verfügung stehenden Zeit beenden.

Tipp: Wenn Sie es für sinnvoll erachten, können Sie einen Helfer bestimmen, der Sie bei den Vorbereitungsarbeiten (Namenschilder mit Funktionsbezeichnung, Bestuhlung usw.) und während der Diskussionsrunde unterstützt. Hinweis: Sie und die Gemeinderäte haben folgende internen Informationen:

·

Die Entsorgung der anfallenden Schadstoffe erfolgt im technisch machbaren Rahmen durch die Chemie AG.

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·

Die für das Gewerbegebiet in Frage kommenden Grundstücke gehören der Gemeinde.

(c) 2001 sowi-online e. V., Bielefeld Verantwortlich für diese Seite: Reinhold Hedtke; WWW-Präsentation: Norbert Jacke, Bearbeitung: Martin Freisen

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5.7.2 Ökologisches Handeln im Planspiel: Tourismus - aber wie?! (Anlage 2)

Das Original ist unter dem gleichen Titel erschienen in: arbeiten+lernen/Wirtschaft 3. Jg. (1993) Nr. 10, S. 23-26. © 2001 Frank Lönne, Carmen Szkolaja, Jürgen Wünneker. Um den Text zitierfähig zu machen, sind die Seitenwechsel des Originals in eckigen Klammern angegeben, z. B. [/S. 53:]. sowi-online dankt den Verfassern für die freundliche Genehmigung zum "Nachdruck" dieses Textes im Internet. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Copyrightinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, auch im Internet.

Frank Lönne, Carmen Szkolaja, Jürgen Wünneker

Inhalt 1. Lernziele 2. Spielmaterialien, Informationen zur Vorbereitung 2.1 Ausgangslage 2.2 Spielanweisung: Rollenträger und Rollenbeschreibung der Handelnden 2.3 Spielregeln 2.4 Rolle der Spielleitung 3. Durchführung 3.1 Materialien 3.2 Vorbereitungen im Klassenraum 3.3 Verlauf 4. Auswertung 5. Erfahrungen bei der Erprobung Anmerkungen Literaturhinweise Autorinnen und Autoren Materialien: Informationen für die Spielleitung: Allgemeine Erläuterungen zum Spiel Materialien für die Spieler: Mat. 1: Wie wertvoll ist unsere Natur ?!? - Ein Planspiel Mat. 2: Rollenbeschreibungen (Rollenkarten) Mat. 3: Spielregeln für die Gruppen Mat. 4: Zeitungsartikel "Darbsener Tagesanzeiger" Mat. 5: Spielformulare Mat. 6: Interaktionstabelle

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,,Unüberlegtes und forciertes Vorantreiben des Fremdenverkehrs, weil man glaubt, hier sei noch mehr rauszuholen, wird der Natur als dem Grundkapital des Fremdenverkehrs nur schaden."1 Im Zeitalter des Massentourismus verschärfen sich die ökologischen Probleme, wie z.B. Algenpest, Robbensterben, verteerte Strände und unübersehbare Müllberge in Ferienorten. Seit Beginn der Achtzigerjahre gewinnt der sanfte Tourismus zunehmend an Bedeutung. Die Verantwortung eines jeden Einzelnen gegenüber der Natur und den Mitmenschen rückt dabei in den Vordergrund. Im Rahmen eines Seminars zu Lehr- und Lernmethoden in der beruflichen Aus- und Weiterbildung an der Universität Hamburg haben wir ein Planspiel entwickelt, das sich mit ebendieser Problematik befasst. Es ist zweimal von uns erprobt worden: im Seminar an der Universität und in einer Berufsschulklasse, jeweils mit einer Spielzeit von 90 Minuten. Das Planspiel ist auf Grund der ökologischen Problematik und des gewählten konzeptionellen Rahmens, universell einsetzbar und somit weitgehend unabhängig von Schulform und Unterrichtsfach. Ein Einsatz scheint uns in den Sekundarstufen I und II möglich.

1.

Lernziele

Das Planspiel soll die Spielteilnehmer dazu befähigen,

· · · · · · · · · · · sich offener und kritischer mit Aspekten der Ökologie auseinander zu setzen dem Umweltschutz im Zusammenhang mit Tourismus einen höheren Stellenwert einzuräumen; die eigene Interessenlage zu erkennen, Situationen zu analysieren und Probleme zu definieren; Fremdinteressen zu untersuchen und die Durchsetzungschancen der Kontrahenten abzuschätzen; Bündnispartner zu suchen; mit Medien und Informationsmaterial zielbewusst umzugehen; die persönliche Meinung zu vertreten, sie jedoch der Gruppenmeinung unterzuordnen (-> Konsensfindung); während des Austragens von Konflikten in der Gruppe miteinander zu agieren und zu kooperieren; eigenständig Entscheidungen zu treffen und diese mit den daraus resultierenden Konsequenzen als Gruppe zu verantworten; Einsicht in die Problematik von Entscheidungsfindungsprozessen zu erlangen; die Umsetzung von Gelerntem und Erfahrenem für den Alltag vorzubereiten.

2. Spielmaterialien, Informationen zur Vorbereitung

2.1 Ausgangslage [vgl. Mat. 1: Wie wertvoll ist unsere Natur ?!? - Ein Planspiel; Anm. d. Red.] Dithmarschen 1993, am Rande des wunderschönen Wattlöper-Sees liegt das malerische kleine Dorf Darbsen. Umgeben von Marschland, Wald und unberührter Natur leben die Bewohner ziemlich glücklich und zufrieden - ein wenig abseits vom ,,rasenden Fortschritt" unse-

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rer Zeit. Der Förster Knut Achternbusch verwaltet und pflegt das riesige Waldgebiet im Umkreis des Sees. Hier steht auch sein Häuschen, von wo aus er seine Erkundungen in das ausgedehnte Waldland unternimmt, bei denen er sich immer wieder von neuem an der unberührten, belebten Natur erfreut. Der Bürgermeister Carsten Carstensen ist der Leiter der Bürgerschaft. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass das Dorf unter finanziellen Problemen leidet. Kaum ein Tourist besucht Darbsen, es gibt weder eine Gästepension, noch führt eine Straße hinunter an den See. Der Bäcker Klaus Klöben repräsentiert die Ladenbesitzer des Dorfes. Sie sind nicht reich, aber die Umsätze reichen gerade so zum Leben, und sie sind einigermaßen zufrieden. [/S. 24:] Leiterin der Bürgerinitiative ,,Das Strandbad" ist Elli Carstensen, die Frau des Bürgermeisters. Die Bürgerinitiative nutzt einen kleinen Teil des Seeufers als selbst organisiertes Freibad. Daneben betreibt sie ein Zeltlager für internationale Jugendgruppen. Elli Carstensen ist eine engagierte und umweltbewusste Frau. Die Arbeit ihrer Bürgerinitiative ist bisher sehr erfolgreich gewesen. Der Bauer Peter Petersen besitzt das ganze Land am See und in der näheren Umgebung, also auch das des Zeltlagers und des Freibades. Er ist 65 Jahre alt und würde gern ,,auf seine alten Tage" ein bisschen weniger arbeiten. Der Waldwanderverein ,,Blau-Weiß München", dessen Sprecherin Rosi Oberhuber ist, würde liebend gerne Urlaubsreisen an den Darbsener Wattlöper-See organisieren und durchführen, bedauert jedoch die schlechten Unterbringungsmöglichkeiten im Dorf. Seit letzter Woche liegt dem Bürgermeister ein Angebot vor. Ein großes amerikanisches Reiseunternehmen, die ,,SunFun-Corporation" aus Florida, plant den Bau eines großen Hotel-, Badesport- und Einkaufszentrums. Der ,,Club HolidayFun" soll am See, direkt neben dem Dorf, entstehen. Der Konzern würde eine neue Straße bauen, die nötigen Mittel zum Bau des neuen Gemeindehauses beisteuern, das Ufer begradigen, den Sandstrand verbreitern ... Der Manager McMoney ist seit zwei Tagen vor Ort, um die Verhandlungen zu führen. Darbsen würde eine große Touristenattraktion werden! Der Bürgermeister hat bereits alle Betroffenen informiert und fragt sie nach Vorschlägen und Meinungen zu diesem Problem. 2.2 Spielanweisung: Rollenträger und Rollenbeschreibung der Handelnden Personen bzw. Rollen im Spiel (genaue Rollenbeschreibung): [vgl. Mat. 2: Rollenbeschreibungen (Rollenkarten); Anm. d. Red.] Der Förster Du bist sehr zufrieden mit deiner Tätigkeit, denn du liebst deinen Beruf. Die Arbeit in und mit der Natur erfüllt dich voll und ganz. Deine gesamte Energie setzt du in den Erhalt des Waldes und bist deshalb gegen den Bau des Ferienzentrums. Der Bürgermeister Du fühlst dich sehr verantwortlich für die Interessen des Dorfes, aber selbst für die dringendsten Bedürfnisse der Gemeinde fehlt das nötige Geld. Auch mit deiner Frau wird eine Diskussion um das aktuelle Problem immer schwieriger. Die Steuereinnahmen eines Ferienzentrums dieser Größe würden alle finanziellen Probleme sofort lösen, deshalb bist du von dem Plan McMoneys sehr begeistert.

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Der Bäcker Mit deinen Umsätzen kannst du gerade eben dein Geschäft betreiben und einigermaßen davon leben. Viel mehr Touristen als bisher würden dein Geschäft und das der anderen Ladenbesitzer wahrscheinlich beleben. Oder könnte ein Supermarkt mit Backwaren aus einer Brotfabrik eine starke Konkurrenz darstellen? Die Leiterin der Bürgerinitiative ,,Das Strandbad" Du fühlst dich verantwortlich für die Interessen der Bürgerinitiative und erst recht für den Strand sowie für den Wald. Freibad und Zeltlager arbeiten kostendeckend und ermöglichen Jugendlichen aus aller Welt, ihre Ferien preiswert in der relativ unberührten Natur zu verbringen. Insofern bist du gegen das geplante Projekt, wobei dein Mann allerdings anderer Meinung zu sein scheint als du. [/S. 25:] Der Bauer Das ganze Land am See gehört dir. Du bist nicht mehr der Jüngste, aber du musst noch immer hart für deinen Lebensunterhalt arbeiten. Der Verkauf des entsprechenden Grundstückes an die SunFun Corp. würde für dich einiges vereinfachen, aber das Grundstück ist wiederum seit vielen Generationen im Besitz der Familie Petersen. Das macht dir deine Entscheidung nicht gerade leicht! Die Vorsitzende des Waldwanderverein ,,Blau-Weiß München" Dein Verein würde gerne jedes Jahr nach Darbsen kommen, aber immer stellt sich die Frage nach Unterkunft und Verpflegung in dem verträumten kleinen Dorf. Du kennst die Menschen am Wattlöper-See und versuchst, ,,positiven" Einfluss auf die Situation zu nehmen. Letztendlich hätten du und dein Verein schließlich die Möglichkeit, viele Urlaubsreisen an Interessenten aus München und Süddeutschland zu vermitteln. Aber muss es denn gleich ein Ferienzentrum sein? Mr. MacMoney Deine Managerkollegen in Florida wollen ,,Erfolge" sehen und erwarten von dir einen positiven Verlauf der Verhandlungen. Du glaubst an das große Geld in Darbsen und hoffst, dass der ,,Club Holiday-Fun" der Einstieg in ein ganz großes Urlaubsgeschäft in Dithmarschen wird. Du bist ein Mann, der nichts dem Zufall überlässt, deshalb kümmerst du dich persönlich um einen zügigen Vertragsabschluss. 2.3 Spielregeln 5 [vgl. Mat. 3: Spielregeln für die Gruppen; Anm. d. Red.] Vorab soll jede Spielgruppe sich für ihre Person bzw. Rolle eine Strategie überlegen und schriftlich festhalten.

· · · · · · Alle Gruppen dürfen ausschließlich durch Briefkontakt über die Spielleitung miteinander kommunizieren. Die Postboten stellt die Spielleitung. Die Gruppe wählt eine/n Schreiber/in. Der gesamte Briefverkehr läuft über die Spielleitung. Jeder Brief muss in dreifacher Ausfertigung vorliegen - je ein Exemplar für die jeweilige Gruppe, für den Adressaten und die Spielleitung. Auf jedem Brief muss die Erstellungszeit (Uhrzeit), die Adresse und der Absender festgehalten werden. Medien und Informationsmaterial sollten vom Spielleitungstisch aus eingespielt werden.

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· ·

Spielregeln können nur von der Spielleitung verändert werden. Unterbrechungen und Pausen werden auf Anfrage der Teilnehmer durch die Spielleitung bekannt gegeben.

2.4 Rolle der Spielleitung Die Spielleitung soll aus Schülerinnen und Schülern bestehen, die Lehrkraft kann unterstützend mitwirken. Alle Mitglieder der Spielleitung sollten auch an der Vorbereitung und Auswertung, nicht nur an der Durchführung des Planspiels beteiligt sein. Die Aufgaben setzen sich wie folgt zusammen:

· Abholung, Weiterleitung und Ablage der Briefe. Es empfiehlt sich, im Voraus jeweils einen ,Briefträger' bestimmten Spielgruppen zuzuordnen, die er bei Bedarf auch inhaltlich betreut. · Lesen der abgelegten Briefe, um den Spielverlauf und die jeweilige Spielsituation jederzeit überblicken zu können. · Einspielung der Zeitung [vgl. Mat. 4: Zeitungsartikel "Darbsener Tagesanzeiger"; Anm. d. Red.] · Einspielung zusätzlicher Informationen, wenn.... o o o o der Spielverlauf neue Impulse benötigt; einzelne Gruppen besser ins Spiel gebracht werden sollen; [/S. 26:] sich Gruppen im Interesse des Spielverlaufs destruktiv verhalten; eine abbruchreife Situation herbeigeführt werden soll (-> z.B. Vorschlag eines Gästehauses). ->,,Einspielungen" werden wie ein normaler Spielzug abgelegt!

3. Durchführung

3.1 Materialien

· · Ausgangslage (vgl. 2.1 und Mat. 1) des Spiels (mindestens acht Exemplare) Arbeitsblatt mit - genauer Spielanweisung und Rollenbeschreibung für die jeweilige Gruppe (vgl. 2.2 und Mat. 2); - einer Liste aller Rollen im Spiel (vgl. Mat. 2); - den Spielregeln (vgl. 2.3 und Mat. 3). · · · · Darbsener Tagesanzeiger (mindestens acht Exemplare pro Ausgabe; vgl. Mat. 4) Briefpapier (DIN A5-Bögen; vgl. Mat. 5) Durchschreibepapier Tischkarten mit Rolle und Namen

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· · ·

ausreichend Schreibmaterial (Kugelschreiber, dicke Filzstifte) Ablagekörbe o. ä. für die Briefe am Spielleitungstisch Büroklammern, Kreppband, ...

3.2 Vorbereitungen im Klassenraum

· · Aufbau des Spielleitungstisches - ausreichend groß und möglichst in der Mitte des Raumes. Vorbereitung der Ablageflächen für die Briefe der Gruppen. Die Briefe sollten nach dem Empfänger abgelegt werden (bei vierfacher Anfertigung der Briefe auch doppelte Ablage nach Sender und Empfänger möglich). · Aufbau der sieben Spielgruppentische rund um den Spielleitungstisch. Die Tische werden bestückt mit: - dem Namensschild - Briefpapier und Musterbrief (mit geeignetem Briefkopf) - Durchschreibepapier und Schreibmaterial - dem jeweiligen Arbeitsblatt (s.o.).

3.3 Verlauf Gemäß der Spielregeln ist der Spielverlauf festgelegt. Eine Pausenregelung erwies sich als schwierig, da der Sprechkontakt der Schüler und Schülerinnen untereinander der Spielidee entgegenstand.

4. Auswertung

Phase 1: Alle Gruppen sollten mit einem Bericht über ihre Arbeit beginnen, unterstützt und ergänzt durch die Spielleitung, ergibt sich der Gesamtlagebericht (Spielverlauf und Abbruchsituation). Ein Tipp: Suchen Sie die originellsten Briefe heraus und lesen Sie sie vor! Phase 2: Die Berichte aus den einzelnen Gruppen werden von den anderen kommentiert. Es kommt zu einer Diskussion über den Spielverlauf und das Ergebnis. Phase 3: Es können Handlungsalternativen erörtert werden, die die jeweiligen Gruppen in verschiedenen Phasen des Spiels hatten. Phase 4: Der Spielverlauf und das Ergebnis werden auf Realitätsnähe geprüft. Phase 5: Umstrittene Entscheidungen einzelner Gruppen oder der Spielleitung werden gesondert erörtert. Die Teilnehmer sollten im Verlauf der Diskussion die Identifikation mit ihrer Rolle im Spiel aufgeben, um den Simulationsprozess erfassen und die Analyse der erspielten Probleme und deren Lösungsansätze leisten zu können.

5. Erfahrungen bei der Erprobung

Als äußerst sinnvoll hat es sich erwiesen, den Teilnehmern und Teilnehmerinnen vor der eigentlichen Spielphase genügend Zeit zur Verfügung zu stellen, um eine Strategie für ihre Rolle zu erstellen. Somit ist von vornherein ein hoher Grad an Identifikation mit der Rolle gewährleistet. Wir konnten beobachten, dass sich im Prozess eine erstaunlich hohe Motivation der Teilnehmer und Teilnehmerinnen entwickelte.

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Eine Auswertung des Spiels kann aufzeigen, inwieweit der vorab festgelegten Strategie gefolgt werden konnte und an welchen Punkten spontan eine Korrektur des Kurses notwendig wurde. Gerade diese Flexibilität konnten wir sowohl während des Spiels (Kommentare innerhalb der Gruppen) als auch bei der anschließenden Analyse der Briefe feststellen. Die Vorstrukturierung der Interessenlage seitens der Spielmacher, nämlich die Festlegung auf zwei Pro-Rollen (der Manager McMoney, der Bürgermeister), zwei Contra-Rollen (der Förster, die Leiterin der Bürgerinitiative und Frau Carstensen) und drei variable Rollen (der Bäcker, der Bauer, die Sprecherin des Waldwandervereins) bezüglich des Konfliktes im Spiel, wirkt nicht einschränkend - vielmehr ermöglicht diese Einteilung einerseits eine Orientierung an Bündnispartnern oder Kontrahenten und bietet andererseits genügend Spielraum für Überzeugungsarbeit, vor allem gegenüber den nicht eindeutig festgelegten Positionen. Des Weiteren sind uns folgende Aspekte während der Erprobungen aufgefallen:

· Die Rolle des Waldwandervereins musste nachträglich durch zusätzliche Einspielungen interessanter gestaltet werden. · Die Spieldauer betrug jeweils 90 Minuten - die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hätten jedoch gerne länger gespielt. · Im Auswertungsgespräch kamen Vorschläge für weitere Rollen im Spiel, nämlich ein Polizist mit Einfluss auf die öffentliche Meinung oder ein Vertreter der Umwelt- oder Baubehörde. · Es kam über das Spiel hinaus zu einer Auseinandersetzung mit der behandelten Problematik. Anschließend war sogar eine Diskussion unabhängig von der Rollenidentifikation möglich. · Dies wäre z.B. für das Fach Wirtschaftslehre bzw. den Politikunterricht zu ökologischen Fragestellungen eine geeignete Basis für weiterführenden Unterricht.

Anmerkungen PROGNOS AG, Studie zur Förderung des Tourismus für den rheinland-pfälzischen Kreis Bernkastel-Wittlich, Basel, 1988. in: Die Tageszeitung, Edith Kresta: Bei uns wird nicht diskutiert", Hamburg, 02.10.1992.

1

vgl. Bernd Loppow: Öko logisch, in: Die Zeit, Hamburg, 20.03.1992. vgl. Hamburger Abendblatt: Im Urlaubsgebiet im Müllberg stochern, Hamburg, 15.02.1992.

2 3

Prof. Dr. Heinrich Meyer, Sommersemester 1992, Institut 6 für Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Die Entwicklung der Textfassung wurde vom Seminarleiter betreut. Klippert, Heinz: Wirtschaft und Politik erleben, Planspiele für Schule und Lehrerbildung, Beltz Verlag, Weinheim und Basel, 1984. vgl. Reimann, Hans Leo:

4

Das Planspiel im pädagogischen Arbeitsbereich, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 95, Bonn, 1972.

5 6

Reimann, Das Planspiel im pädagogischen Arbeitsbereich.

Stiegeler, Eckhardt: Das Planspiel in der politischen Bildung, didaktische und methodische Hin-weise für den Unterricht, Diesterweg, Frankfurt am Main, Berlin, München, 1973.

73

Literaturhinweise Stiegeler, Eckhardt (1973): Das Planspiel in der politischen Bildung, didaktische und methodische Hinweise für den Unterricht. Frankfurt a. M., Berlin, München. Grimm, Wolfgang (1977): Simulationsgebundene Unterrichtsformen, in: Lehmann, Simulations- und Planspiele. Klippert, Heinz (1984): Wirtschaft und Politik erleben, Planspiele für Schule und Lehrerbildung. Weinheim, Basel. Lehmann, Jürgen (1977): Simulations- und Planspiele in der Schule. Bad Heilbrunn/Obb. Reimann, Hans Leo (1972): Das Planspiel im pädagogischen Arbeitsbereich, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Heft 95. Bonn. Reinisch Holger (1980): Planspiel und wissenschaftspropädeutisches Lernen. Hamburg (Hochschuldidaktische Forschungsberichte, Bd. 14, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik). ( in: Meyer, Hilbert (1989): UnterrichtsMethoden II, Praxisband. Frankfurt a. M., 2. Aufl., S. 366 ff. Silkenbäumer, Rainer (1975): Rollenspiel und Planspiel, Schriftenreihe der niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Tiemann, Klaus (1969): Planspiele für die Schule, Methode und Praxis des Planspiels mit einer Beispielsammlung. Frankfurt a. M. Vagt, Rainer (1978): Planspiel - Konfliktsimulation und soziales Lernen, Eine Einführung in die Planspielmethode. Rheinstetten-Neu. Autorinnen und Autoren Frank Lönne (E-Mail: [email protected]), Carmen Szkolaja und Jürgen Wünneker (E-Mail: [email protected]) sind Berufsschullehrer an verschiedenen Hamburger Berufsschulen.

(c) 2001 sowi-online e. V., Bielefeld Verantwortlich für diese Seite: Reinhold Hedtke; WWW-Präsentation: Norbert Jacke, Bearbeitung: Lea Holtmann

URL des Dokuments: http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/planspiel-loenne-ua.htm Veröffentlichungsdatum: 24.10.2001

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5.7.3 ,,Verkehr und Umwelt" (Anlage 3)

ein Projekt der Klasse HR 9 a der Schule Hegholt durchgeführt von September 1995 bis Mai 1996 Offene Ganztagsschule Integrative Grundschule Integrierte Haupt- und Realschule Hegholt 44 22179 Hamburg

Bereich:

Erdkunde/Politik/Arbeitslehre Deutsch/Informatik Schülerinnen und Schüler der Klasse H/R 9a Polizeirevierwache Amt für Schule Bramfeld HVV-Schulberatung

Teilnehmerinnen: Kooperationspartner:

Ort: # # # Zeit:

Klassen und Fachräume der Schule Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrsbeobachtungen an verschiedenen Straßen und Ampelkreuzungen im Stadtteil Verkehrsübungsplatz Volksdorf (Solar-Mofa) Es stand der wöchentliche Projekttag mit mindestens 4 Unterrichtsstunden zur Verfügung (ca. 15 Projekttage und zusätzliche Fachstunden für die Vorbereitung und Auswertung der Gruppenaufträge).

Kurzbeschreibung Durch handlungsorientierte Projekte im Umfeld der Schule sollte die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler gefördert werden, sich aktiv für den Schutz ihres Lebensraumes einzusetzen. Das Projekt ,,Umwelt und Verkehr" ist unserer Meinung nach eng mit der Lebenswirklichkeit unserer Schülerinnen und Schüler verknüpft und für die Gestaltung ihres zukünftigen Lebens bedeutsam. Die Schülerinnen und Schüler mussten sich hier kritisch mit den Problemen des Straßenverkehrs auseinander setzen, z.B. der Belastung durch Lärm und Abgase, den Flächenverbrauch, den besonderen Gefährdungen im Wohngebiet und den daraus entstehenden Einschränkungen der Lebensqualität und der Entwicklungschancen von Kindern. Am Ende des Projektes sollten alternative Verkehrskonzepte erarbeitet und möglichst kreativ eigene Vorstellungen zur Verbesserung der Verkehrssituation im Stadtteil entwickelt werden. Das Projekt gliederte sich in folgende Bereiche auf: Der Schüler als Mofafahrer, als Radfahrer, als Mitfahrer im PKW, als Benutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs, als politisch Handelnder und als zukünftiger Verkehrsteilnehmer.

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Ergebnis/Produkt Die Schülerinnen und Schüler erkannten, dass das Fahrrad aus verkehrstechnischen, umweltschonenden, ökonomischen und gesundheitlichen Gründen im Großstadtverkehr wieder zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aus den Beobachtungen und Protokollen der Verkehrsmessungen erwies sich die Straße ,,Barmwisch" als besonders unfallträchtig für Radfahrer. Es folgten eine Unterschriftenaktion bei den Nutzern der Straße und eine Befragung mitbetroffener Kleingärtner. Alle Ergebnisse wurden als Grundlage für einen Antrag zur Veränderung der Verkehrsführung zusammengefasst. Im Rahmen einer öffentlichen Anhörung konnte eine Schülerdelegation dem Umweltausschuss diesen Antrag schriftlich und mündlich vortragen. Am Umwelttag stellten einzelne Schülergruppen ihre Vorstellungen von alternativen Verkehrskonzepten auf dem Marktplatz vor. Voraussetzungen Die Schule Hegholt ist eine voll ausgebaute Grund-, Haupt- und Realschule, seit vier Jahren mit einem Angebot als offene Ganztagsschule. Der Einzugsbereich unserer Sekundarstufe I erstreckt sich über die Stadtteile Bramfeld, Steilshoop, Wandsbek-Gartenstadt mit Randbereichen von Farmsen. Die Klasse HR 9a war eine integrierte Haupt- und Realschulklasse mit 14 Jungen und 14 Mädchen und wurde damals als Projektklasse mit zwei Lehrern geführt. Es gab einen wöchentlichen Projekttag mit mindestens vier Unterrichtsstunden; bei Bedarf konnten zusätzliche Fachstunden, z.B. aus dem Bereich Deutsch, einbezogen werden. In den beiden Schuljahren vorher führten wir fächerübergreifende Projekte aus den Bereichen Arbeitslehre, Erdkunde, Biologie und Chemie durch. Im Zuge dieser Projektarbeit haben die Schülerinnen und Schüler gelernt, in Gruppen weitgehend selbstständig zu arbeiten. Zielsetzung Für Klasse 9 suchten wir - auch im Hinblick auf die besondere Zusammensetzung der Klasse - nach einem Projekt, das fächerübergreifende, methodisch möglichst vielfältige und handlungsorientierte Arbeitsweisen bot. Das Thema ,,Verkehr" schien uns diese Voraussetzungen in idealer Weise zu erfüllen, wobei der Aspekt ,,Umwelt" schon in den vergangenen Schuljahren eine wichtige Rolle im Unterricht gespielt hatte. Weiterhin eröffnete sich hier eine Möglichkeit, auf kommunaler Ebene mit den gewonnenen Ergebnissen politisches Handeln einzuüben. Kaum ein anderes Thema ist nach unserer Auffassung so eng mit der Lebenswirklichkeit unserer Schülerinnen und Schüler verknüpft und für die Gestaltung ihres künftigen Lebens bedeutsam. Sie sollten sich kritisch mit den Problemen des heutigen Straßenverkehrs auseinandersetzen, z.B. der Belastung durch Lärm und Abgase, dem Flächenverbrauch, den besonderen Gefährdungen in Wohngebieten und den daraus entstehenden Einschränkungen der Lebensqualität und der Entwicklungschancen von Kindern. Sie sollten sich selbst im Spannungsfeld zwischen Anspruch auf individuelle Mobilität und Verantwortung für gesellschaftliche Interessen sehen. Am Ende des Projektes sollten vor diesem Hintergrund alternative Verkehrskonzepte bearbeitet und möglichst kreativ eigene Vorstellungen zur Verbesserung der Verkehrssituation im Stadtteil entwickelt werden. Fachliche Begleitung Soweit uns bekannt war, lagen keine fertigen Modelle vor, und auch wir selbst hatten keine Vorerfahrungen mit diesem Thema. Daher haben wir nach fachlicher Begleitung durch Experten gesucht. So nahm Gunter Bleyer, Referent für Ökologische Verkehrserziehung im Amt für Schule, an der Planung und im Einzelfall auch an der Durchführung des Projektes unterstützend teil. Ferner beanspruchten wir die Hilfe des Polizeiverkehrslehrers Bartels und seiner Kollegen der örtlichen Polizeirevierwache Bramfeld.

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Durchführung des Projekts Ausgehend von der Mobilität der Jugendlichen gliederten wir das Projekt in folgende Bereiche

-

der Schüler als Mofafahrer der Schüler als Radfahrer der Schüler als Benutzer des Öffentlichen Personennahverkehrs der Schüler als Mitfahrer im privaten Kraftfahrzeug der Schüler als politisch Handelnder der Schüler als zukünftiger Verkehrsteilnehmer.

Die Projektzeit erstreckte sich von September 1995 bis Mai 1996. Es stand der wöchentliche Projekttag mit mindestens vier Unterrichtsstunden zur Verfügung, wobei wir an den Praxistagen z.T. erheblich vom Stundenplan abweichende zeitliche Regelungen treffen mussten. Zusätzlich benötigten wir mindestens zwei Wochenstunden für die Vorbereitung und Auswertung der Gruppenaufträge. Der Schüler als Mofafahrer Bekanntlich ist das Mofa für Jugendliche ein attraktiver Ersatz für das Fahrrad, obwohl zahlreiche ökologische Gründe und Sicherheitsaspekte gegen dieses Fahrzeug sprechen. Wenn wir also dennoch als Einstieg in unser Thema eine Mofakurs - Projektwoche durchführten, so mit der erklärten Absicht, nicht nur die Fahrerlaubnis zu erwerben, sondern in erster Linie die Nachteile des Fahrzeugs von den Schülern selbst erfahren zu lassen. Die Benutzung von Elektro-Mofas führte einerseits nicht zu zusätzlichen Umweltbelastungen, schärfte andererseits den Blick für sparsamen Umgang mit Energie und verwies auf künftige alternative Verkehrskonzepte. Parallel zur täglichen Fahrpraxis auf dem Verkehrsübungsplatz ,,Volksdorfer Markt" haben die Schülerinnen und Schüler das z.T. erheblich defizitäre Verkehrsregelwissen aufgefrischt und können jetzt auch beim Radfahren davon profitieren. Die Motivation war so hoch, dass statt der üblichen 40% im Landesdurchschnitt in dieser Klasse 80% der Schüler die amtliche Prüfung für die Mofa-Fahrerlaubnis im ersten Anlauf bestanden hatten. Dennoch nutzt erfreulicherweise nur ein ganz geringer Prozentsatz unserer Schüler das Mofa als Verkehrsmittel. Einen zweiten Zugang zum Thema boten Erkundungsaufträge zu Haftpflichtversicherungen für Mofas und ,,Markterhebungen" bei Zweiradhändlern, mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler als potentielle Käufer qualitäts- und preisbewusster zu machen. Der Schüler als Radfahrer In diesem Abschnitt stand die praktische Erkundung im Mittelpunkt. Der Prozentsatz unserer Schülerinnen und Schüler, die das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel benutzen, ist erheblich. So wurden alle Schüler an einer Untersuchung der Radwege im Einzugsbereich der Schule beteiligt. Sie überprüften vor Ort den baulichen Zustand, Behinderungen und besondere Gefahrenmomente und notierten dies in Radwegeprotokollen. Gemeinsam wurden Bewertungskriterien und Darstellungsformen für den Zustand der Radwege erarbeitet, bevor die Ergebnisse in einer Stadtteilkarte zusammengetragen wurden. Darüber hinaus wurden Befragungen von Radfahrern durchgeführt, das Verhalten von Radfahrern beobachtet, das Fahrradangebot in Fachgeschäften erkundet und die Geschichte des Fahrrades dokumentiert und referiert. Der Schüler als Mitfahrer im PKW Auch in diesem Bereich war der Praxisanteil hoch: es wurden Geschwindigkeitsmessungen von Kraftfahrzeugen an verschiedenen Straßen des Stadtteils durchgeführt, einerseits von den Schülern mit einfachen Hilfsmitteln (Stoppuhr, Maßband), andererseits mit Unterstützung der Revierwache mit der Laserpistole und anschließender Befragung der gestoppten Kraftfahrer. An weiteren Projekttagen wurden sowohl das Verhalten von Autofahrern an Am-

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pelkreuzungen beobachtet, sowie Befragungen von Autofahrern vorgenommen. Im Hinblick auf die besonderen Gefährdungen haben die Schülerinnen und Schüler mit großer Aufmerksamkeit das Verkehrsverhalten von Autofahrern vor der Schule beobachtet und protokolliert. Um zu erkennen, auf welche Produkteigenschaften und Käuferwünsche die Autowerbung in erster Linie abzielt, ließen wir Verkaufsprospekte der großen Automobilunternehmen von den Schülern beschaffen und analysieren. Die besondere Rolle des Kraftfahrzeugs als umweltbelastender Faktor hätte sich ergänzend am besten in naturwissenschaftlichen Experimenten nachweisen lassen, z.B. Abgas-, Staubemissions- und Lärmpegelmessungen. Aus verschiedenen Gründen mussten wir darauf leider verzichten. Der Schüler als Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln Unser Schwerpunkt für diesen Bereich war der Vergleich von öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln, die den Schülern zur Verfügung stehen. An zwei Projekttagen führten wir zu zwei verschiedenen Tageszeiten Vergleichsfahrten zu vier unterschiedlich weit entfernten Zielen durch, die auch sonst von den Schülern angefahren werden: das örtliche Kaufhaus (1 km), das nächstgelegene Einkaufszentrum (3 km), ein weiteres attraktives EKZ in mittlerer Entfernung (5 km) und schließlich die Innenstadt (10 km). Als Verkehrsmittel wählten wir das Fahrrad, verschiedene Kombinationen aus Bussen und Schnellbahnen sowie den privaten PKW. Die Planung für diese Vergleichsfahrten konnte von den Schülern nahezu selbständig vollzogen werden. Die nicht immer eindeutigen Ergebnisse boten Anlass zu ausführlicher Erörterung einer sinnvollen Verkehrsmittelwahl. Eine Umfrage zur Bewegungsstruktur der Schülerinnen und Schüler sollte einen Einblick in die Verkehrsströme zu unserer Schule schaffen. Dazu wurden viele Interviews durchgeführt. Auch die Familien wurden in die Fragen der Verkehrsmittelwahl einbezogen, indem die täglichen Wege der Familienmitglieder dokumentiert und die jeweiligen Kosten verglichen wurden. Später betreuten unsere Schüler als ,,Experten" während einer HVV-Rallye die Teams eines 4. Grundschuljahres. Um einen Einblick in die Betriebsstruktur und Logistik eines Verkehrsunternehmens zu gewinnen, wurde eine Betriebsbesichtigung im Busdepot der Verkehrsbetriebe HamburgHolstein (VHH) unternommen. Der Schüler als politisch Handelnder Im Sinne des fächerübergreifenden Ansatzes war es uns wichtig, den Schülern zu zeigen, wie ein erkanntes Problem auch in der scheinbar so anonymen Großstadt durch Einflussnahme auf unterster politischer Ebene angegangen werden kann. So haben wir bei unseren Untersuchungen im Stadtteil die Straße ,,Barmwisch" als besonders unfallträchtig erkannt. Während eines ganzen Tages haben die Schülerinnen und Schüler in Gruppen das Verkehrsaufkommen dieser Straße protokolliert, parallel dazu Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt und den Anteil der Schülerinnen und Schüler unserer Schule ermittelt, die diesen Straßenzug als Schulweg nutzen müssen. Mit den Fähigkeiten, die zuvor in der Informationstechnischen Grundbildung erworben wurden, haben anschließend einige Schülerinnen und Schüler die gewonnenen Zahlen graphisch anschaulich in Diagrammen aufbereitet. Aus den Beobachtungen und den ermittelten Zahlen ergab sich unsere Forderung nach einer Verbreiterung des gefährlichen Fuß- und Radweges in einem Teilabschnitt der Straße. Es folgten eine Unterschriftenaktion bei den Nutzern der Straße und eine Befragung mitbetroffener Kleingärtner. Alle Ergebnisse wurden als Grundlage für einen Antrag zur Veränderung der Verkehrsführung zusammengefasst. Im Rahmen der öffentlichen Fragestunde hat eine Schülerdelegation dem Ortsausschuss Bramfeld diesen Antrag schriftlich und mündlich vorgetragen.

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Der Schüler als zukünftiger Verkehrsteilnehmer Im bisherigen Projektverlauf hatten die Schülerinnen und Schüler die vielfältigen Probleme des heutigen Straßenverkehrs erfahren. Daher war es uns wichtig, mit ihnen einen Blick in die Zukunft zu werfen und gemeinsam nach alternativen Verkehrskonzepten zu suchen. Es liegt nahe, dass in dieser Phase der Praxisanteil zurücktreten musste. Einzelne Schülergruppen haben sich mit den Umweltentlastungen durch alternative Antriebskonzepte befasst, z.B. Solar- und Hybridantieb. Andere Bereiche waren neuartige Nah- und Fernverkehrsysteme, z.B. Transrapid, und deren Verbund. Wir versuchten aber auch, den Blick der Schülerinnen und Schüler auf die verkehrsentlastende Wirkung fantasievoller gesellschaftlicher Lösungen zu lenken, z.B. Car-sharing oder autofreie Wohnprojekte. Zusammenfassung Die Beschreibung des Projektverlaufs zeigt, dass wir alle sechs Bereiche des Projekts bearbeitet haben, die sich aus der unterschiedlichen Mobilität der Jugendlichen ergeben. Weil sich dadurch ständig neue Fragestellungen mit andersartigen Arbeitsaufträgen ergaben, waren unsere Schülerinnen und Schüler auch am Ende des langen Projektzeitraumes noch gut motiviert. Die durch praktisches Arbeiten erworbenen Erfahrungen und Erkenntnisse waren Grundlage der theoretischen Erörterungen von Verkehrsproblemen. Deshalb erscheint uns diese Art des Projektlernens für integrierte Haupt- und Realschulklassen besonders geeignet, um den unterschiedlichen Schülerbegabungen gerecht zu werden. Wir haben zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass die Schülerinnen und Schüler für viele Fragen des Verkehrs sensibler geworden sind und eine kritische Sichtweise gewonnen haben. Wir glauben, dass vielleicht auch Verhaltensänderungen im Hinblick auf die geeignete Verkehrsmittelwahl erfolgen. Da auch die Eltern bei diesem Projekt einbezogen waren, könnte möglicherweise auch ihr Verhalten mit beeinflusst werden. Ob die erfahrenen Möglichkeiten politischer Einflussnahme im Stadtteil künftig von einzelnen genutzt werden, können wir nur hoffen.

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Jugend und Arbeit: Berufswahlorientierung (Thomas Koenze)

6.1 Sachanalyse

Berufswahl kann definiert werden als eine in lebenslange berufliche Entwicklung eingebundene, unter gesellschaftlichen Bedingungen und Einflüssen stehende sowie in der Regel sich wiederholende Lern- und Entscheidungsphase. Berufsinformation bezeichnet die Vermittlung und Aneignung des Wissens über Berufe, in ihrem Kontext zur Arbeitswelt, über Arbeitsbedingungen, Ausbildungswege, über die Arbeitsmarkt- und Stellensituation, Berufsbezeichnungen, Entlohnung, Qualifikationsanforderungen, Branchenentwicklung und vieles mehr. Berufsorientierung im weiteren Sinn bedeutet, dass grundlegende Kenntnisse, Einsichten und kritische Reflexionen über die Bereiche Gesellschaft, Technik und Wirtschaft im Unterricht vermittelt und angeregt werden. Berufsorientierung im engeren Sinn bedeutet Berufswahlvorbereitung, dass heißt Hinführung der Schülerinnen und Schüler zur Fähigkeit, sich selbstständig, eigenverantwortlich, persönlichkeitsbezogen und sachkundig im Prozess der Berufswahl entscheiden zu können. Auf die Berufsorientierung folgt die Berufswahl, sie ist in Artikel 12 des Grundgesetzes als ,,freie Berufswahl" festgeschrieben. Berufswahl und Lebensplanung stehen in einem engen Zusammenhang. Für die schulische Berufswahlorientierung ist ein ganzheitliches Unterrichtskonzept erforderlich, das auch fächerverbindend angelegt werden muss. Neben dem Unterricht in den Fächern, in dem Wissen, mögliche Handlungskonzepte und Einstellungen erarbeitet und erworben werden, sollte das Schulleben einbezogen und die verschiedenen Aktivitäten miteinander verknüpft werden. Ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Effektivität der Berufswahlvorbereitung kann durch die Einbeziehung außerschulischer Partner erreicht werden. Dieses Vorgehen verlangt die Öffnung von Schule und vermittelt Lebensnähe, Praxisbezug und professionelle Außensicht.

6.2 Ziele

Berufsorientierung findet viele Ansatzpunkte in den anderen Unterrichtsgegenständen, verfolgt jedoch darüber hinausgehende, eigenständige Ziele. Der Unterricht zur Berufsorientierung strebt die Entscheidungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler an und soll zwei Hauptkomponenten integrieren: Ichstärke (Personalkompetenz) und Wissen um bzw. die Auseinandersetzung mit der Berufswelt (Sach- und Methodenkompetenz). Sozialkompetenz gewinnt steigende Bedeutung: Sie soll sowohl Gegenstand der Erkenntnisarbeit als auch der Handlungsförderung sein. Somit soll ein wesentlicher Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Berufsorientierung geleistet werden. Die Entwicklung und Stärkung von Hoffnung, Wille, Entscheidungsfähigkeit, Zielstrebigkeit, Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Beziehungsfähigkeit soll dabei im Mittelpunkt stehen. Beruforientierung bietet auch Gelegenheit, traditionelle Einstellungen und Vorurteile im Hinblick aus Berufs- und Bildungswege zu überprüfen, und zielt darauf ab, den Raum möglicher Berufs- und Bildungsentscheidungen, insbesondere für Schülerinnen, zu erweitern. Im Städtischen Gymnasium Löhne wurde dazu ein Stufenmodell (Abbildung 1) der Lernziele zur Berufwahlorientierung aufgestellt.

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Abbildung 1:

Stufenmodell der Lernziele zur Berufswahlorientierung

Entscheidungsfähigkeit Entscheidungen über Studiengang bzw. Berufsausbildung treffen Orientierungsfähigkeit Informationen über Studienbzw. Berufsbedingungen sammeln Reflexion von Erfahrung Praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt machen Umgang mit Information Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten einholen Medienkompetenz Nutzung traditioneller und neuer Medien erlernen Methodenkompetenz Grundlegende Lernmethoden kennen und anwenden Lernen in fach- und fächerübergreifendem Unterricht, Projekten, außerschulischen Lernbereichen

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6.3 Schulische Gesamtkonzepte

Da wir die fächerverbindende Perspektive im Blick haben und wie oben ausgeführt die Berufswahlorientierung eine "ganzheitliche" Aufgabe ist, sollen an dieser Stelle als Anregung einige schulische Gesamtkonzepte dargestellt werden. Solche Gesamtkonzepte entwickeln sich über viele Jahre. Sie stellen vor allem eine Verknüpfungsleistung dar, indem erkannt wird, welche unterschiedlichen Aktivitäten der Schule der Berufswahlorientierung im weiteren Sinne dienen können. Die Übertragung auf die eigene Schule mit ihren spezifischen Bedingungen ist eine schöpferische, keine schematische Aufgabe.

1. Otto- Hahn- Schule Herford (Beispiel kann aus technischen Gründen noch nicht gezeigt werden)

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2. GHS Finnentrop (http://www.oe.nw.schule.de/ghs-fin)

Zusammenarbeit mit... Betrieben und Institutionen Jahrgangsstufen 5/6 (Einstiegsphase) Alte Berufe kennen lernen Besuch von historisch eingerichteten Werkstätten Betriebserkundungen in Handwerks-, Landund Forstwirtschaftsbetrieben Erkundung eines Geldinstituts Jahrgangsstufen 7/8 (Informationsphase) Jungenberufe ­ Mädchenberufe. Vorurteile entdecken und aufweichen Erkundung eines Wochenmarktes Jahrgangsstufen 9/10 (Entscheidungsphase) Schülerbetriebspraktikum in den Klassen 9 und 10 Typ A Ausbildungsleiter heimischer Betriebe informieren in der Schule

InformationsveranstalPraktikum für Schüler, tung durch die IHK die vor Erreichen der Klasse 9 entlassen werden Kennen lernen von Berufen in sozialen Ein"Infomobil" der Metallrichtungen, bei der Bunund Elektroindustrie deswehr, Polizei u.a. Bewerbungstraining Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und Eignungstests

Arbeitsamt und Berufsberater

Auftaktveranstaltung mit dem Berufsberater für Schüler und Eltern "MACH`S RICHTIG"

Besuch des BIZ in Siegen Präsenzzeiten des Berufsberaters auf Elternsprechtagen Vermittlung von Ausbildungsstellen

Eltern

Eltern informieren in der Schule über ihre Berufe Erkundungen der Arbeitsplätze der Eltern (je nach Möglichkeiten)

Eltern als Expertinnen und Experten gewinnen Teilnahme und Mitarbeit an Elternabenden

"Ehemalige" berichten über ihre Ausbildung Nutzung der elterlichen Kompetenz für die Berufswahl ihrer Kinder

Dem Berufskolleg

Besuch von Fachwerkstätten an den beruflichen Schulen

Präsenzzeiten des Beratungslehrers der beruflichen Schulen auf Elternsprechtag Informationen über die Einrichtungen der SEK II "Schnuppertag" an den Einrichtungen des Berufskollegs "Tag der offenen Tür" am Berufskolleg

Berufswahlorientierung an der GHS Finnentrop (Übersicht)

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3. Lise Meitner Gymnasium (http://www.lise-meitner-schule.de/) Berufsorientierung Die Berufswahlvorbereitung wird an der Lise-Meitner-Schule v. a. im Rahmen zweier großer Zeitblöcke in der Mittelstufe (Jahrgangsstufe 8 - 9) und in der Oberstufe (Jahrgangsstufe 12 bis 13) organisiert. Das zweiwöchige Betriebspraktikum (BP) in der Jahrgangsstufe 9 findet seit 1990 an unserer Schule statt, während die zwei Berufsorientierungswochen (BOW) der Jahrgangsstufe 12 bereits 1979 "in Serie gingen" und damit das erste Praktikum dieser Art eines Leverkusener Gymnasiums darstellte. Das Betriebspraktikum gibt den Schülerinnen und Schülern noch während ihrer Schulzeit die Möglichkeit, die ihnen fremde und weitgehend verschlossene Arbeits- und Wirtschaftswelt an einer konkreten Stelle kennen zu lernen und zu erkunden. Über die in verschiedenen Lernbereichen vermittelten Kenntnisse hinaus können Schülerinnen und Schüler im Praktikum durch Beobachtung, Information und Ausübung elementarer Formen berufstypischer Tätigkeiten mit Ernst- und Bewährungscharakter konkrete Erfahrungen mit realitätsnahen Arbeitsund Sozialsituationen gewinnen. So werden sie zu kritisch-produktiver Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen Bereichen angeregt. Das Betriebspraktikum wird in mehreren Unterrichtsreihen und im Rahmen von drei stufenbezogenen Trainingstagen zur Pädagogischen Schulentwicklung (PSE) in den Stufen 8 und 9 vorbereitet und in Form eines umfangreicheren Praktikumberichts, der die Schülerinnen und Schüler zur Systematisierung und Reflexion der gewonnenen Erfahrungen anregt, ausgewertet. Das Betriebspraktikum ist nicht Teil einer vorweggenommenen Lehre oder produktive Arbeit zum Null-Tarif, sondern ein zweiwöchiger Aufenthalt in handwerklichen, industriellen, kaufmännischen oder Dienstleistungs-Betrieben, der vor allem das Kennenlernen betrieblicher Strukturen und verschiedener Berufsfelder in Verbindung mit einfachen Arbeiten unter Anleitung erfasst. In jedem Betrieb steht den Schülerinnen und Schülern ein Betreuer zur Seite. In Konfliktfällen vermitteln verantwortliche Lehrerinnen und Lehrer. Auch in den Berufsorientierungswochen (BOW) "schnuppern" die Schülerinnen und Schüler der Stufe 12 in den von ihnen gewünschten Berufen. In den beiden Wochen sollen die Schülerinnen und Schüler anstelle des Unterrichts Gelegenheit haben, einen ihrem Studienund Berufswunsch entsprechenden Arbeitsplatz soweit wie möglich kennen zulernen. Die Selbsterkundung in der Praxis soll als Impuls dazu beitragen, den angehenden Abiturienten und Abiturientinnen die zukünftigen Entscheidungsprozesse über Studium und Beruf zu erleichtern. Die BOW wird von vorbereitenden und nachbereitenden Maßnahmen im Kursunterricht und im Rahmen von drei stufenbezogenen Trainingstagen zur Pädagogischen Schulentwicklung (PSE) flankiert, die in die Hochschultage der Jahrgangsstufe 13 münden, an denen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit erhalten, die Universität Köln und andere Hochschulen zu besuchen, um sich vor Ort über Studienfächer und Studiengänge, Prüfungsanforderungen und Berufsaussichten zu informieren. Die Öffnung zur Berufs- und Arbeitswelt, die an unserer Schule nunmehr seit 1979 praktiziert wird, erfährt durch diverse Betriebsbesichtigungen und auf den Unterricht bezogene Kooperationen mit Unternehmen vor Ort eine konkret-anschauliche Ergänzung, die sicher in der Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

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Berufswahlvorbereitung

Ziele: Qualifikation zu kritisch-produktiver Auseinandersetzung mit der Berufs- und Arbeitswelt Hilfen zur Studien- und Berufswahl Stufenübergreifende (ST . 8 - 13) Organisationsstrukturen der Öffnung zur Berufs- und Arbeitswelt Beratung Info-Tafeln "Betriebspraktikum" Bedarfsorientierte persönli- Studien- und Berufs"Studium und Beruf" che Informations- und Bera- infothek in der Schüler"Berufsprofile / Termine tungsgespräche /Lehrer- Arbeitsbücherei etc" Schule U-Reihen in Pol und Ek zur Berufs- und Arbeitswelt mit berufskundlichen Inhalten (Quartal) Arbeitsamt Arbeitswelt Bibliothek

8.2

9.1

U-Reihe in Deutsch zur Berufsorientierung und zum Besuch im BIZ BerufsBetriebspraktikum (Quartal) informationszentrum in Kommunikationstraining nach Bergisch-Gladbach mit Berufsüberblicken Klippert (Bewerbungsgespräch) (ganztägig) Anfertigung eines Praktikumberichts zur Systematisierung und Reflexion der gewonnenen Erfahrungen (1 Monat)

Betriebspraktikum (BP) 2 Wochen Praktikum in heimischen Betrieben aller Wirtschaftssektoren

9.2

Besuch im BIZ BerufsProjektorientierte Unterrichtsinformationszentrum in Bausteine in den Fächern 11.2 Bergisch-Gladbach mit des gesellschaftswissenBerufsfeldüberblicken schaftlichen Aufgabenfelds (ganztägig) zu aktuellen wirtschaftspolitiAbiturientenberatung: 3 schen Problemfeldern sowie Gruppenveranstaltungen 12.1 zur Gestaltung des technischin der LMS (3 ganztägige sozialen Wandels Veranstaltungen) Berufsorientierungswochen (BOW) 2 Wochen Nachbereitung und Auswer- Sprechstunde: Studium Berufspraxis in heimi12.2 tung der Berufsorientieund Berufswahl Individuschen Betrieben aller rungswochen (BOW) alberatung (nachmittags) Wirtschaftssektoren Studienberatung und Planung der Hochschultage; 13.1 Kommunikationstraining nach Klippert (Bewerbung) Info-Veranstaltungen der UNI Köln und Besuch anderer Hochschulen (2 Tage)

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6.4 Methoden der Zielfindung

Bei den Unterrichtsbeispielen wollen wir uns auf den Bereich der persönlichen Entscheidung beschränken. Zum einen wird dieser Bereich in der Schule häufig vernachlässigt, zum anderen ist es ein Inhaltsbereich, der fast allen Fächern zugeordnet werden könnte. Zwar wird geklagt, die Jugendlichen könnten sich nicht entscheiden, andererseits erlernen sie keine Methoden der Ziel- und Entscheidungsfindung. Tatsächlich fällt die Auswahl schwer. Denn solche Methoden müssen für den Unterricht und nicht für eine außerschulische Beratungssituation geeignet sein; sie müssen zur Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler wie auch der jeweiligen Lehrkräfte "passen". Die folgenden Beispiele werden durch weitere Methoden ergänzt. · Meinungsspiele Meinungsspiele dienen in erster Linie dazu, in Themen einzusteigen und/oder einzelne Fragestellungen kontrovers zu diskutieren. Es bedarf lediglich kurzer prägnanter und zum Teil zugespitzter Aussagen, die zur Auseinandersetzung und Diskussion führen. Die Gruppe sollte nicht größer als 20 Personen sein. Die einzelnen Äußerungen werden zu Kartenstapel zusammen gefasst. Dieser wird einer Person gegeben, die von dem Stapel die oberste Karte nimmt und sich überlegt, ob sie etwas zu dem Inhalt der zuerst aufgedeckten Karte sagen oder ob sie eine zweite Karte nimmt. Zum Inhalt der zweiten Karte muss sie sich dann auf jeden Fall äußern. Andere Mitspieler können sich dann ebenfalls zu dieser Karte äußern. Dies ist aber keine Pflicht. Danach wandert der Stapel weiter. Die geäußerten Meinungen werden nicht negativ bewertet. Sie bleiben als persönliche Meinungen im Raum stehen. Es können vorbreitete Karten verwendet werden. Das Erstellen der Meinungskarten kann aber auch in kollegialer Zusammenarbeit erfolgen. Eine Aufgabe, die nicht nur sinnvoll ist, sondern auch Spaß bereiten kann. - Kommunikations- und Entscheidungsspiel ,,Traum Berufe Und Mehr" Ein Kommunikationsspiel für Jugendliche Bezugsadresse: Niedersächsisches Landesinstitut für Fort- und Weiterbildung im Schulwesen und Medienpädagogik (NLI) Dezernat 4, Stiftstraße 13-15, 30159 Hannover

-

Meinungskarten zum Thema Berufs- und Lebensplanung

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Zu 1. Eigene Ziele finden http//www.job-future.de/ Topsetie

Meinungsspiele

,,Frauen- und Männerwelten" ­ Materialien zur Vor- und Nachbereitung der betrieblichen Praktika Mir sind die Freunde, die Partnerschaft und die Freizeit ganz wichtig. Darum möchte ich später auf jeden Fall nur Teilzeit arbeiten. Bevor ich heirate, will ich mit meiner Freundin möglichst einige Jahre ohne Trauschein zusammenleben. Ich würde niemals eine Frau heiraten, die von mir verlangt, dass ich genau so viel wie im Haushalt arbeite. In meiner späteren Partnerschaft Wenn ich Kinder habe, möchte sollen Mann und Frau berufstätig ich auf keinen Fall, das meine Partnerin berufstätig ist. Ein Kind sind. braucht die Muter den ganzen Tag. Wenn ich Kinder habe, will ich auch mal ein paar Jahre in meinem Beruf aussetzen und als Hausmann arbeiten Am liebsten möchte ich in einem Betrieb arbeiten, in dem vor allem Frauen arbeiten. Da herrscht auf jeden Fall ein besseres Betriebsklima. Auch, wenn es nur wenige männliche Kindergärtner gibt: Ich möchte diesen Beruf ergreifen. Ich möchte auf jeden Fall einen Beruf haben, bei dem ich morgens ausschlafen kann. Schon um 7 Uhr bei der Arbeit zu sein, kann ich mir nicht vorstellen. Mir ist der konkrete Beruf egal. Hauptsache, die Kollegen sind nett Mir ist der konkrete Beruf egal, Hauptsache, ich mach Karriere und kann den Leuten sagen, wo es "langgeht". Heiraten werde ich erst, wenn ich einen ordentlichen Beruf habe und viel Geld verdiene. Schließlich muss ich meine Familie ernähren können. Für mich ist in erster Linie mein zukünftiger Beruf wichtig. Andere Dinge, wie Freunde, Partnerschaft oder Kinder kommen erst an zweiter oder dritter Stelle. Mit 30 Jahren will ich auf jeden Fall eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus haben. Spätestens mit 20 Jahren will ich Kinder bekommen.

In einem Betrieb, in dem nur Männer arbeiten, würde es mir besser gefallen, weil sich Männer so gut verstehen.

Mir würde es am besten gefallen, wenn sowohl ich als auch meine Partnerin später nur halbe Tage erwerbstätig sein würden.

In meinem späteren Beruf will ich vor allem viel Geld verdienen, sodass meine Partnerin sich um den Haushalt und die Kinder kümmern kann. Ich möchte keinen Beruf haben, bei dem ich den ganzen Tag lächeln muss.

Das Wichtigste an meiner zukünftigen Partnerin sind ihr beruflicher Erfolg und ihre berufliche Karriere. Andere Männer sollen auf mich neidisch sein.

Hauptsache, ich habe später eine leitende Position im Betrieb. Was der Betrieb macht und wie die Kolleginnen sind, das ist mir egal.

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·

Meinungsbogen zur Ableitung von Entwicklungstrends

Beruf oder Haushalt? Oder vielleicht doch beides? - Eine Unterrichtseinheit für das Fach Arbeitslehre oder LER Die folgenden Meinungsbogen sind inhaltlich für die Mädchen und Jungen ziemlich identisch. Es bietet sich an, die Jugendlichen die Bogen zu Hause bearbeiten zu lassen. In der Auswertungsphase muss es nicht darum gehen, die einzelnen Aussagen der einzelnen Schülerinnen und Schüler genau kennen zu lernen und zu besprechen. Sinnvoller scheint es zu sein, für die jeweilige Mädchen- oder Jungengruppe ,,Trends" abzuleiten und diese dann zu besprechen. Vorstellbar ist auch, dass die Auswertung der Bogen zuerst in der geschlechtshomogenen Gruppe erfolgt. In diesen Gruppen kann sicherlich auch leichter und intensiver über Einzelaussagen einzelner Schülerinnen und Schüler gesprochen werden.

MÄDCHEN; BERUF; FAMILIE UND GLÜCK Stimmt Aussage 1. Eine gute und befriedigende Berufsausbildung ist für Mädchen wichtig, damit sie selbstständig und unabhängig leben können. 2. Für Mädchen ist es gut, einen technischen Beruf zu erlernen. So haben sie neben der Hausarbeit und Kindererziehung einen Ausgleich. 3. Für Mädchen ist ein Beruf nicht so wichtig. Wichtiger ist der Beruf des zukünftigen Ehemannes 4. Mädchen sollen das Prinzip befolgen: "Heirate nie einen Mann, d er sich nicht an der Hausarbeit und Kinderbetreuung beteiligt." 5. Moderne Mädchen träumen nicht mehr davon die Frau des Herrn Doktor zu sein. Sie wollen selbst Frau Doktorin werden. 6. Mädchen sollen einen Beruf erlernen, der Teilzeit zulässt. 7. Mädchen sollen einen guten Beruf erlernen. Dann sind sie auch in der Lage, ihre Familie zu ernähren. Denn wer weiß, was im Leben alles passiert. 8. Mädchen sollen stets ihr eigenes Geld verdienen. Von jemandem abhängig zu sein, macht auf die Dauer keinen Spaß. 9. Sind tatsächlich nur die Frauen für die Hausarbeit und Kinderziehung zuständig? Immer mehr Mädchen sind unzufrieden, wenn sie daran denken. 10. Der Beruf ist für Mädchen lediglich eine Übergangslösung bis zur Heirat. Stimmt nicht

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Meinungsbogen

Unterrichtsmodelle und Praxisbeispiele

JUNGEN; BERUF; FAMILIE UND GLÜCK Stimmt Aussage 1. Moderne Jungen wollen einen interessanten Beruf ausüben. Sie möchten aber nicht alles und jedes dem Berufsleben opfern. 2. Jungen sollten mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet. 3. Ein Beruf ist für Jungen sehr wichtig, weil sie damit ihre Heiratschancen verbessern können. 4. Der Mann macht die Wäsche, putzt die Wohnung und wäscht das Geschirr. Seine Partnerin bügelt alles, kauft ein und kocht. Eine solche Arbeitsteilung sollten alle Paare haben. 5. Es ist nicht nötig, dass sich Jungen mit Hausarbeit und Kindererziehung auseinander setzen. Sie werden sowieso einmal eine Frau haben, die diese Aufgaben erledigt. 6. Auch Jungen sollen Kartoffeln kochen, Windeln wechseln oder Knöpfe annähen können. So sind sie fähig, ihre Familie zu umsorgen. Denn wer weiß, was im Leben alles passiert. 7. Immer mehr Jungen sind unzufrieden, dass in ihrem Leben nur die berufliche Leistung zählt. Sie würden lieber auch einen Teil der Familienarbeit übernehmen. Dann hätten sie wenigstens etwas von ihren Kindern. 8. Wenn Männer verstärkt Teilzeit arbeiten wollten, dann gäbe es auch mehr Teilzeitstellen. 9. Es gibt schon Jungen, die sich vorstellen könnten, Hausmann zu werden. Sie haben aber Angst davor, zu ihrer Meinung zu stehen. 10. Jungen sollten später auf Kinder verzichten, wenn ihre Partnerin ebenfalls Karriere machen und sie nicht selbst die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen sollen. Stimmt nicht

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-,,Persona" Persona ist eine Art Kartenspiel, auf dem verschiedene Charaktere in Form von Porträts dargestellt sind und zu verschiedenen Möglichkeiten frei genutzt werden können. Im Rahmen dieser Methode sucht sich jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eine Karte aus und wird beauftragt, der dargestellten Person ein Abschlusszeugnis zu schreiben. Zusätzlich soll sie sich eine Lebensgeschichte vom Zeitpunkt des Schulabschusses bis zum dargestellten Alter überlegen und der Gruppe vorstellen. "Persona" dient als Einstieg in die Thematik "Berufsorientierung und Lebensweg", fördert die Kommunikation und die Gruppendynamik. Es kann ab 14 Jahren in Gruppen mit maximal 10 Teilnehmerinnen gespielt werden und dauert 40 Minuten. Materialien: Zeugnisvorlage, Stifte, Papier, Flip-Chart mit vorbereiteten Anhaltspunkten Als Einstieg bekommt jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer eine Zeugnisvorlage, die sie später ausfüllen soll. Die Personakarten werden für jede gut sichtbar ausgelegt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden aufgefordert, sich eine dieser Personen auszusuchen, jedem einen Namen (somit Persönlichkeit) zu geben und ein Abschlusszeugnis zu erstellen. Durchführung Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aufgefordert, die jetzige Situation der Person zu beschreiben und den Zeitraum zwischen dem Erhalt des Abschlusszeugnis und der heutigen Situation mit wichtigen Ereignissen zu füllen. Von Seiten der Moderation ist es sinnvoll, Anhaltspunkte an dem Flip-Chart zu notieren und vorzugeben, an denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Beschreibung orientieren können (z.B.: Alter; Lebenssituation; Wohnort; Familie; Berufstätigkeit; Wichtige Ereignisse seit dem Schulabschluss), hierfür können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Stichpunkte machen. Als Abschluss stellt jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer ihre Person der Gruppe vor. Nachbereitung Die Vorstellung der einzeln beschriebenen Personen dient als Anregung, um in ein Gespräch zu kommen und herauszufinden, wie unterschiedlich und individuell verschiedene Lebenswege sich gestalten können. Erfahrungen Den Teilnehmern macht es sehr viel Spaß, ein Abschlusszeugnis für eine fiktive Person zu erstellen. Die Moderatorin/der Moderator sollte darauf achten, dass die Zeugnisvorlage einem Originalzeugnis sehr ähnelt. Die verschiedenen Anhaltspunkte, die den Teilnehmern als Orientierung dienen, können vorher in der Gruppe zusammengestellt werden. · Vernissage Diese Methode ermöglicht in erster Linie die Problematisierung von Sachverhalten auf der Grundlage der in den Köpfen der teilnehmenden Schüler vorherrschenden Meinungen zum Thema ,,Berufs und Lebensplanung". Die Lehrerinnen und Lehrer bereiten die Vernissage vor, in dem sie das benötigte Bildmaterial sammeln. Dieses wird zu Bildern auf Din A4 Blättern aufgeklebt. Für 15 Personen reicht es 40 bis 50 prägnante Bilder zusammen gestellt zu haben. Dieses Bildmaterial wird im Verlauf der Vernissage zu einzelnen Kunstwerken deklariert. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Aufgabe, sich vorzustellen, dass sie alle zu einem zu bestimmten Thema ein Kunstwerk produziert haben. Die ,,Kunstwerke" werden dabei auf der Grundlage einer Leitfrage ausgesucht, die die Lehrerinnen und Lehrer vorgeben. Wichtig ist ,dass die einleitende Frage knapp, präzise und als offene Frage formuliert ist. Im Anschluss daran erfolgt die Präsentation aller Werke nacheinander. Nachfragen anderer Vernissagebesucher sind erlaubt und erwünscht; ebenso wie die gemeinsame Betrachtung (Auswertung) aller Kunstwerke. Die Auswahl der Bilder, die Wahl

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der Titel und die kurze Erklärung des ,,Kunstwerkes" verdeutlichen auf jeden Fall die unterschiedlichen Meinungen und Assoziationen, die zu einem Thema in den Köpfen der Teilnehmenden existieren und ermöglicht so den Einstieg in das Thema. Für die Präsentation soll der Raum so gestaltet werden, dass die teilnehmenden Personen wirklich das Gefühl haben, sich in einer Vernissage zu befinden (Stühle im Halbkreis, Präsentationsfläche vorbereitet). · Collage Was ist mir in meinem Beruf wichtig?" Anhand einer Vorlage der wichtigsten Aspekte, welche die Berufstätigkeit ausmachen, wird ein "Lebenshaus" in Form einer Collage erstellt und den übrigen Teilnehmern vorgestellt. Ziele Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen durch die Darstellung ihrer persönlichen Prioritäten im späteren Berufsleben eine Verknüpfung von persönlicher Lebensgestaltung und Lebensqualität in Bezug zum Berufsleben herstellen. Alter: ab 14 Jahren Gruppengröße: bis zu 10 Teilnehmer Zeit:40 Minuten Material: Vorlage der Prioritäten (siehe Anlage), Schere, Kleber, Buntstifte, DIN A2 Plakate Einleitung/Einstieg Der/die Moderator(in) teilt jeder Teilnehmerin/ jedem Teilnehmer die vorbereitete Vorlage der Prioritäten aus, die gemeinsam durchgeschaut wird. Sinnvoll ist es, weitere Prioritäten der Berufstätigkeit in der Gruppe zu sammeln und mit aufzunehmen. Durchführung Jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin erstellt nun auf dem DIN A2 Plakat ein Lebenshaus in Form einer Collage oder Zeichnung. Anschließend werden die Bausteine, auf denen verschiedene berufliche Prioritäten notiert sind, in das Haus eingeklebt. Vom Fundament bis zum Dach sollen die Wertigkeiten erkennbar sein. Aussagen der Vorlage, die unwichtig sind, finden zum Beispiel auf dem "Misthaufen" vor dem Haus Platz. Die leeren Bausteine können selber beschriftet werden. Anschließend stellt jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer ihre/seine Collage vor. Erfahrungen Oft sind die Wunschvorstellungen, die hier aufgeführt werden, unrealistisch und bieten einen Anstoß zur Diskussion. Verknüpfungen Das oben beschriebene Angebot eignet sich sehr gut in Verbindung mit der Methode "Welche Tätigkeit ist mir im Berufsleben wichtig, und welche Berufsbilder passen dazu?"

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AK Mädchenarbeit "Was ist mir in meinem Beruf wichtig?

Weiterhin zu Hause wohnen können Interessante/ abwechslungsreiche Tätigkeit Sicherer Arbeitsplatz Bei anderen gut angesehen sein Nette Kolleginnen haben Im Freien arbeiten

Viel Geld verdienen

Mit Leuten aus meinem Freundeskreis in einem Betrieb arbeiten zu können Berufliches Vorankommen/ Karriere machen Hochschuldiplom Mit Menschen zu tun haben Eigene Ideen verwirklichen können Ich kann mir vorstellen, meine FreundInnen und Familie nur am Wochenende zu sehen

Geregelte Arbeitszeit Gute Ausbildung Viel herumkommen Selbstständig arbeiten Viel Zeit für meine Familie haben

6.5 Hinweise auf weitere Materialien

6.5.1 CD ROM und Links

,,Life styler Tipps für den Bewerbungsmarathon" Herausgeber Sparkassen Verband die Autoren sind Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader Die Inhalte des LifeStylers teilen sich in vier große Bereiche auf. 1. Test`s: Prüfe Dich selbst! Die Orientierungstests (Meine Begabung, Fachschule, Studium oder Lehre? Flexibilitätstest, Selbstständigkeitstest) Die Eignungstests (Intelligenztest, Merkfähigkeitstest, Konzentrationstest, AssesmantCenter) 2. Bewerbungen: Wie bewerbe ich mich richtig? Marketing in eigener Sache. Recherche- Strategien mit zahlreichen Adressen und Links Stellengesuche: nützliche Tipps und Bespielgesuche. Welche unterschiedlichen Bewerbungsmöglichkeiten gibt es und was ist dabei zu beachten? Neben Tipps zur Emailbewerbung und Links zu Internet-Jobbörsen gibt es Musterdialoge für ein erfolgreiches Telefongespräch und für die herkömmliche schriftliche Bewerbung eines eigenen Editor.

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3. Berufsstart: endlich geschafft! Bestandteile des Ausbildungsvertrages Effektive Strukturierung des Arbeitsalltages Tipps zum ersten Arbeitstag und den Spielregeln im Betrieb Wissenswertes zum Berichtsheft Konflikterkennung und -bewältigung 4. Service: Was will man mehr? Literaturempfehlungen zu den Themen Bewerbung und Beruf Lexikon des Berufserfolges Sparkassenservice Mit Internetanschluss haben Sie die Möglichkeit, sich über die hinterlegten Links zu bestimmten Themen im www führen zu lassen und so zu noch detaillierteren Informationen zu gelangen. ,,Berufsstart optimal" Herausgeber LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG ähnlicher Inhalt wie obige CD ROM, aber der Bewerbungseditor ist besser zu bedienen ,,Miss [email protected]'s JOB_NAVIGATOR" Herausgeber BARMER Ersatzkrankenkassen, Wuppertal www.barmer.de Wichtige Adressen rund um den Berufsstart Porträts angesagter Ausbildungsberufe praktische Tipps rund ums Thema Bewerbung mit nützliche Gesundheitsinfos Workshop, Zukunft Ein internetbasiertes Projekt zu verschiedenen Fragen der Berufsorientierung und Lebensplanung im Rahmen der Arbeits- und Wirtschaftswelt. Zu bestellen unter www.workshopzukunft.de. Einzelhefte auch als Printmaterialien. ,,Berufsorientierung & Medienkompetenz" Herausgeber Ralf Bales

auf der Homepage von Ralf Bales http://ralf-bales.de/gesamt.htm finden sich eine Examensarbeit zum Thema Berufsorientierung & Medienkompetenz sowie über 600 Links zu Internetseiten, die sich mit dem Thema Berufsorientierung befassen. Dort können Sie sich auch die offline CD ROM bestellen mit folgendem Inhalt bestellen: Der Examensarbeit ist eine Offline-CD ROM beigefügt, mit der die Startseiten der Internetangebote und diverse Webseiten besucht werden können. Nur wenige Angebote sind komplett vorhanden, da die technische Übertragung sich schwierig gestaltet und meistens aufgrund von CGI und Java nicht möglich ist. Auf der CD befindet sich auch die Examensarbeit samt benutzter Quellen in digitaler Form, die produzierten Schülerarbeiten sowie die Linklisten. Ebenfalls sind zahlreiche, weiterführende Dokumente zu den Themen: Berufsorientierung, Internet, Medienkompetenz sowie Einsatz des Internet in der Schule und Arbeitsblätter wie auch Arbeitsmaterialien zum Ein-

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satz im Unterricht vorhanden. Darüber hinaus sind alle erforderlichen Plugins und Programme, zur Darstellung der Multimediaeffekte, in aktuellen Versionen bereitgestellt.

Auf der CD sind folgende Verzeichnisse enthalten: Arbeit Dokumente Grafik Internet Die Examensarbeit im PDF Format. Zahlreiche weitere Dokumente zu den Themen Berufsorientierung, Medienkompetenz und Internet. Zeichnungen, Bilder, Cover der Arbeit usw. 150 Startseiten der analysierten Internetangebote, diverse weitere Internetseiten, das Online Angebot, diverse Angebote als komplette Offline-Version. Enthält Plugins und Programme, die für die Angebote benötigt werden. Enthält die Schülerarbeiten und das von Schülern gesicherte Material. Diverse Digital- und Online-Quellen. Programmbestandteile des Offline Browsers.

Programme Projekt Quellen Root

Das auf der CD integrierte Menüsystem und der Offline Browser sind nur unter Windows 95 / 98 und Windows NT 4 / 2000 funktionsfähig. Der Einsatz der CD ist nur für private Zwecke sowie Lehre und Forschung gestattet. Alle auf der CD vorhandenen Programme und Plugins sind im Internet frei verfügbar.

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Auswahl aus der Linkliste Diese Liste enthält 640 recherchierte Links zum Thema Berufsorientierung im Internet (für Schüler der Sekundarstufe I) Stand: 07.05.2000 Bewerbung || Firmen || allgemeine Information || Lehrer || Schulen || Stellenmärkte || qualitativ hochwertige Angebote || Allgemeine Recherche ||

Bereich: qualitativ hochwertige Angebote www.machs-richtig.de www.effekt.de www.berufskunde.com Willkommen beim Einsteiger Tipps des Arbeitsamtes STUB - Studien- und Berufswahl MEIN WUNSCHBERUF Landesarbeitsamt NRW - Berufsberatung - Dieses Angebot hilft Schuelerinnen und Schuelern bei der Berufswahl, stellt Berufsfelde KBS JOBSTART Job & Future Job & Future - Das junge Wirtschaftsmagazin Arbeitsamt Köln - Homepage Arbeitsamt Köln Arbeitsamt online Arbeitsamt Arbeitsblätter Berufsorientierung 9. Klasse Arbeitsmarkt Expiditon B Ausbildungs-Stellen-Informations-Service ASIS wichtig Ausbildungs-Stellen-Informations-Service ASIS AZUBI - ONLINE - DAS AUSBILDUNGSFORUM Sehr gut geignet AZUBI - ONLINE - DAS AUSBILDUNGSFORUM BERUFSBILDER-PROFESSIONS-PROFESSIONI Berufsfeld-Test Berufsneigungstest Berufsorientierung Berufswahl 2000 - Arbeitsheft für Schulabgänger Bildung NRW sehr gut Bildung NRW BIZ BLiK-Berufe Live im Klassenzimmer BOGY Online BOGY Neu BOGY Neu2 BOGY Online+ BOGY Projekt1 BOGY Projekt DGB Workshop Zukunft Deutscher Bildungsserver Berufs- und Ausbildungsinformationen Berufs- und Ausbildungsinformationen vom Arbeitsamt

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6.5.2 Literatur

· Berufseignungstest

Stellvertretend für viele Tests zum Finden geeigneter Berufe (Berufseignungstest), die den Fragen nach gehen: Wer bin ich? Was will ich? Wie kann ich es verwirklichen? Welche Eigenschaften habe ich? Welche Fähigkeiten habe ich? Welche Interessen habe ich? sind zu empfehlen: Hesse/Schrader, Schule was dann ­ Der eigene Weg zum richtigen Beruf, Frankfurt, Eichborn, 2000, S.16 bis 36 ,,Methoden der Berufsorientierung in der Mädchenarbeit" (Hrsgb:AK Mädchenarbeit im Verbundsystem Arbeitsmarktintegration Benachteiligter in der Region Trier) E-Mail [email protected] als pdf- Datei downloadbar unter http://home.t-online.de/ home/jua-trier/dload/hwkma.pdf

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Methoden zur Berufsentscheidung Boldt, Ulli: Jungen stärken: zur Modernisierung der Lebensentwürfe von Jungen; Lese- und Arbeitsbuch zur arbeitsorientierten und geschlechterbewussten Bildung / Uli Boldt; ,,Werkstatthefte Heft Nr. 51", Wissenschaft & Technik Verlag ISBN 3-89685721-5 Die Broschüre ist so aufgebaut, dass nach einer kurzen Einführung in die theoretischen Grundlagen von Berufsorientierung und Lebensplanung Methoden ausführlich dargestellt werden. Die meisten Methoden sind für Jungen ab dem Alter von 14 Jahren konzipiert. Für die Arbeit mit Jüngeren können sie zum Teil modifiziert werden. Im Mittelpunkt aller ausgewählten Methoden steht die Verknüpfung von Berufsorientierung und Lebensplanung, da sie aus Sicht der Autoren die zentrale Größe für einen erfolgreichen Start in die Arbeitswelt ist. ,,WIR werden was WIR wollen" schulische Beruforientierung (nicht nur) für Mädchen Herausgeber: Ministerium für die Gleichstellung von Frau und Mann des Landes Nordrhein-Westfalen Aus einem Projekt heraus wurden mehrere Themenhefte herausgegeben. In diesen Themeneinheiten werden die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, beruflicher Wiedereinstieg nach der Familienphase, die Versorgung der Kinder neben der Erwerbsarbeit ebenso zum Thema gemacht wie die geschlechterspezifische Zuordnung und der Wandel von Berufe. Im Themenheft ,,Traumberufe, Berufswunsch, Berufe" werden nach einer kurzen Einführung in die theoretischen Grundlagen von Berufsorientierung und Lebensplanung Methoden zur Berufsfindung ausführlich dargestellt.

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Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft2

7.1 Einführung

Unübersehbar ist in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion der Bedeutungsgewinn ökonomischer Bildung. Vielfältige Initiativen deuten darauf hin, dass damit verbunden auch eine verstärkte Zusammenarbeit der Schule mit Partnern aus der Wirtschaft sich zu entwickeln beginnt. Zwei traditionell fremde Kulturen beginnen sich aufeinander zu zu bewegen. Was sind die Gründe für diese Entwicklung? Kann die Schule durch die Zusammenarbeit die Qualität der Bildungsprozesse erhöhen? Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit gibt es? Und: Wie fängt man als Schule an? Dieser Artikel soll nicht die bildungstheoretische Diskussion zur ökonomischen Bildung analysieren und bewerten, vielmehr soll die Unterrichtsperspektive den Schwerpunkt bilden. Im ersten Abschnitt werden aus der Vielzahl zwei Argumente für die Bedeutung ökonomischer Bildung in der Schule dargestellt und daraus im zweiten Abschnitt die Chancen der Zusammenarbeit von Schule mit Partnern der Wirtschaft abgeleitet. Dem liegt die These zugrunde, dass ökonomische Bildung in der Schule aus inhaltlichen Gründen notwendig auf Kooperation angewiesen ist. Im dritten Abschnitt werden einige teilweise schon bewährte Felder der Zusammenarbeit dargestellt. Im vierten Abschnitt geht es um einige wichtige Aspekte, die eine Schule beachten sollte, wenn sie eine konkrete Zusammenarbeit planen will.

7.1.1 Bedeutung ökonomischer Grundbildung in der Schule

Moderne Gesellschaften sind auch dadurch gekennzeichnet, dass sie zunehmend von Wirtschaft und Technik geprägt sind. Wirtschaft und Technik tragen zur Ablösung von der Naturabhängigkeit bei, zur Auflösung traditionaler Strukturen, die auch die Lebensläufe der Menschen beeinflussten und eine Orientierung boten. Die andere Seite dieses Prozesses ist, dass auch die Art und Weise, wie die Gesellschaft und ihre Entwicklung gesteuert werden kann, von Wirtschaft und Technik geprägt wird. Wirtschafts- und Technikwissenschaften tragen zur Erklärung moderner Gesellschaften bei und erschließen Möglichkeiten der Beeinflussung und Steuerung, über die Schülerinnen und Schüler in Grundzügen informiert sein müssen. Ökonomische Bildung gehört deshalb zum Kern einer modernen Allgemeinbildung. Grundlegende Ziele der allgemeinbildenden Schule, wie Mitbestimmungs- und Teilhabefähigkeit, Ausbildungsfähigkeit sowie Anschlussfähigkeit und lebenslanges Lernen sind ohne ökonomische Bildung nur unvollkommen erreichbar. Der technische und wirtschaftlich beeinflusste Wandel verändert die Arbeitsgesellschaft und die Lebenswelt. Es ist inzwischen zum Gemeinplatz geworden, auf die statistisch belegte langfristig zunehmende Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses hinzuweisen, die zunehmenden Phasen der Unterbrechungen zwischen einzelnen Beschäftigungsverhältnissen, auf die Veränderung der Raum- und Zeitstrukturen der Erwerbsarbeit und der Gewichte zwischen Erwerbsarbeit und anderen Arbeitsformen. Damit verbinden sich neue Anforderungen an den einzelnen, die auch für die Bildungsarbeit in der Schule bedeutsam sind. Die Metapher für diese neue soziale Situation des einzelnen heißt Arbeitskraftunternehmer: Angesichts der Auflösung traditioneller Arbeitsverhältnisse wird ,,unternehmerisches" Handeln zunehmend zur permanenten Anforderung an jeden einzelnen Erwerbstätigen. Der einzelne ist für die marktorientierte Verwertung, Erhaltung und Verbesserung seines eigenen Humankapitals verantwortlich, als auch für die Vereinbarung unterschiedlicher Ansprüche an Alltag, Familie und Beruf. Die Schule steht damit auch in der Pflicht, die Persönlichkeit der Schüle2

Der Abschnitt 7.1 ist eine leicht gekürzte Fassung des gleichnamigen Artikels in: SchulVerwaltung, Ausgabe Brandenburg..., 12(2002) Nr.7, www.carllink.de

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rinnen und Schüler, insbesondere ihre Selbständigkeit zu fördern. Welche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Zusammenarbeit der Schule mit der Wirtschaft zu?

7.1.2 Bedeutung der Zusammenarbeit Schule - Wirtschaft für die Bildungsprozesse

Gegenstand der ökonomischen Bildung sind Zusammenhänge des ökonomischen Handlungssystems, in dem wir uns alle bewegen. Wir erhalten und verändern es durch unser alltägliches Handeln. Der Unterricht steht nun vor einer Schwierigkeit: Sein Gegenstand befindet sich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit und wird dort tagtäglich erhalten und verändert. Um es abstrakt auszudrücken: Der Vorteil institutionellen Lernens in der Schule, Lernen unabhängig von anderen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen, wirkt hier auch als Nachteil, weil der Unterrichtsgegenstand institutionell bedingt hinter der gesellschaftlichen Realität des Gegenstandes zurück bleibt. Fachunterricht im Bereich der ökonomischen Bildung ist also auf Brücken zur ökonomischen Realität zwingend angewiesen. Dies ist keine Frage, die ins Belieben von organisatorischen Möglichkeiten gestellt werden kann. Ein zweites Argument bezieht sich auf die Qualität des in der Schule angeeigneten Wissens überhaupt. In der gegenwärtigen Bildungsdiskussion besteht weitgehend Übereinstimmung darin, dass das in der Schule erworbene Wissen anschlussfähig sein soll. Damit ist gemeint, dass in einer sich wandelnden Welt Schülerinnen und Schüler kontinuierlich mit heute noch nicht vorhersehbarem Wissen konfrontiert sein werden. Ihr in der Schule erworbenes Wissen soll es ermöglichen, neue Entwicklungen und wissenschaftliche Ergebnisse und ihre Anwendungen, die für die Gestaltung ihres Lebens relevant sind, zu verstehen. Dazu ist - so die Lernforschung - ein Wissen von Strukturen und Systemen, eine Vernetzung mit unterschiedlichen Zusammenhängen geeigneter als die ausschließliche Verfügbarkeit von Fakten und Daten. Durch Anwendung in fremden Zusammenhängen wird eine solche Vernetzung und Flexibilität des Wissens in der Schule erleichtert. Dafür steht ein Lernen in außerschulischen Zusammenhängen, also auch in der Wirtschaft. Ein drittes Argument bezieht sich auf die Aufgabe der Schule, die Schülerinnen und Schülern zu befähigen, am Ende der Sekundarstufe I den Übergang in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem bzw. die weiterführenden Bildungswege nach eigenen Interessen und persönlichen Zielen zu gestalten. Der Übergang wird den Schülerinnen und Schülern erleichtert, wenn sie diese andere Kultur (und neben der Wirtschaft andere) auch kennen lernen. Dafür sind vielfältige Formen notwendig, die eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erfordern. Schließlich ist eine Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern auch aus anderen Gründen sinnvoll: Schülerinnen und Schüler lernen vieles von Lehrkräften, lernen manchmal aber auch gerne von anderen Experten wie Handwerksmeistern, Künstlern u.a. Diese Argumente verweisen auf die Bedeutung der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern zur Erfüllung der Kernaufgaben der Schule hin. In der Konsequenz heißt dies, dass Möglichkeiten und Formen der Zusammenarbeit in den Rahmenplänen verankert werden müssen. Für die ökonomische Bildung ist dies im Land Brandenburg im neuen Rahmenlehrplan Wirtschaft-Arbeit-Technik geschehen. 7.1.3 Felder der Zusammenarbeit Aus der Vielzahl der Beispiele und schon institutionalisierten Formen der Zusammenarbeit werden im Folgenden fünf Felder gebildet, die den Schulen einen Überblick ermöglichen sollen. Diese Ordnung ist pragmatisch, Lernorte und Aufgaben bilden ihre Kriterien. Sie erhebt nicht den Anspruch, auch für alle in Zukunft denkbaren Initiativen eine allgemeingültige Ordnung bilden zu können.

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· Kooperation bei schulischen Aufgaben und Unterrichtsprojekten In diesem Handlungsfeld geht es um die Zusammenarbeit im Unterricht selbst. Ökonomische und technische Inhalte aus der Praxis sollen in den alltäglichen Unterricht aufgenommen und damit gleichzeitig der Unterricht (und die Schule) weiter entwickelt werden. Die negativen Folgen institutionellen Lernens wie z.B. der Simulationscharakter bezogen auf die außerschulische Realität und die unzureichenden Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen können so gemindert werden. Als Beispiel für diesen Ansatz sollen hier die Projektaufgabe aus der betrieblichen Praxis und die Schülerfirma stehen. Viele Institutionen haben Förderprogramme aufgelegt, die sich auf diese beiden Unterrichtsvorhaben konzentrieren. Wesentliches Kriterium einer Schülerfirma ist, dass reale Geschäftsbeziehungen zu gruppenexternen Kunden aufgebaut, die Produkte gegen ein Zahlungsmittel verkauft und Geschäftsbeziehungen bilanziert werden. Diese Kriterien kennzeichnen den Realitätsgrad, den der Unterricht erreichen kann. Die Zusammenarbeit mit einem Partnerbetrieb oder den Förderinstitutionen kann sich auf die Unterstützung der Schülerfirma richten. Projektaufgaben aus der betrieblichen Praxis enthalten Probleme geringere Priorität (Schubladenthemen), die Unternehmer aus ihrem Betrieb an Schüler- oder Studentengruppen vergeben. Die Schülergruppen werden von professionellen Projektmanagern betreut. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass viele Lösungen praktisch verwendet und auch Patente angemeldet werden konnten. Beide Seiten ziehen einen großen Nutzen aus dieser Zusammenarbeit: Betriebe können solche Themen kostengünstig und ohne großes Risiko bearbeiten lassen und haben Chancen auf Verbesserung, der Unterricht wird praxisnäher und der Realitätsgehalt der Aufgabe kann die Lernmotivation anregen. In dieses Handlungsfeld gehört auch die Expertenbefragung als bewährte Methode im Unterricht zu Arbeit, Wirtschaft und Technik. Experten sind aber nicht nur die Erwachsenen, die einen Betrieb vertreten, sondern auch z.B. die Auszubildenden bei Fragen der Ausbildungsqualität. · Lernen in Betrieben/ Fachunterricht in Betrieben Traditionell wird dieses Feld durch das Schülerbetriebspraktikum besetzt. In der Praxis wird die herkömmliche Form ausdifferenziert; durch Aktivitäten unterschiedlicher Unterrichtsfächer kommen weitere Möglichkeiten des Lernens in Betrieben hinzu. Die Ausdifferenzierungen der Schülerbetriebspraktika in der Sekundarstufe I lassen sich drei gleichwertigen und nicht substituierbaren Grundformen zuordnen: "Betriebspraktika", die der grundlegenden Orientierung in der Arbeitswelt dienen. Schülerinnen und Schüler sind als teilnehmende Beobachter im Betrieb praktisch tätig, führen in dieser Zeit kleinere Untersuchungsaufgaben durch und dokumentieren ihre Erfahrungen und Ergebnisse. "Berufspraktika", in denen Schülerinnen und Schüler spezifischen Interessen an fachtheoretischen und fachpraktischen Inhalten einzelner Berufe nachgehen können. Diese Inhalte ergänzen oder vertiefen die Inhalte des Fachunterrichts. Auch bei dieser Form verfassen die Schülerinnen und Schüler einen Fachbericht oder andere Dokumentation. "Förderpraktika", mit denen eher lernschwache Schülerinnen und Schüler Einstiegschancen in bestimmte Branchen verbessern können.

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In der gymnasialen Oberstufe kann das Betriebs- bzw. Berufspraktikum als ein wissenschaftlich-forschendes Praktikum weitergeführt werden. Die Ergebnisse werden dokumentiert. Zur Zusammenarbeit bei allen Formen der Praktika gehört, dass Schülerinnen und Schüler zum Abschluss ihre Erfahrungen und Arbeitsergebnisse gemeinsam mit ihren betrieblichen und schulischen Betreuern auswerten.

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Daneben haben sich in verschiedenen Kooperationsprojekten andere Formen des Lernens im Betrieb herausgebildet, die unter dem Begriff "Praxistage" zusammenfasst werden können. Unabhängig von der Organisationsform gibt es zwei unterschiedliche inhaltliche Ansätze: - Es werden fachbezogene Inhalte an Themen aus der Arbeitswelt erarbeitet bzw. erweitert. Hier ein Beispiel für Geografie und Wirtschaft-Arbeit-Technik: Standortanalyse am Beispiel des Partnerbetriebs. Die Vor- und Nachteile des Standorts werden von den Schülerinnen und Schülern zusammen mit Mitarbeitern des Partnerbetriebs erkundet und dann in beiden Fächern wieder aufgenommen und weitergeführt.

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Schulische und fachliche Ziele werden durch Arbeitslernen angestrebt. Es wird also an anderen Inhalten und mit anderen Mitteln gelernt. Der Unterricht findet gleichzeitig in der Schule und im Betrieb statt, was voraussetzt, dass die Lernaufgaben der Schule mit den Arbeitsaufgaben im Betrieb kontinuierlich abgestimmt werden. Die Ergebnisse werden in der Schule laufend und zusammen mit den betrieblichen Betreuern in größeren Abständen ausgewertet.

Der Lernort Betrieb kann die schulische Berufsorientierung um Anschaulichkeit, Konkretheit und Lebensweltbezug ergänzen. Eine Grenze der Berufsorientierung in der Schule liegt darin, dass alle Informationen zu Berufen und Berufsfeldern weitgehend medial vermittelt sind oder aus zweiter Hand stammen. Betrieben ist es möglich, den Schülerinnen und Schülern anschaulich einzelne Berufe darzustellen, die betriebliche Ausbildung und ihre Anforderungen erlebbar zu machen oder auch den Interessenhorizont der Schülerinnen und Schüler zu erweitern. Z.B. können Schnupperpraktika oder intensive Berufspraktika durchgeführt werden, Auszubildende und Ausbilder können über die Attraktivität und die Anforderungen der Ausbildung in bestimmten Betrieben berichten u.a. mehr. · Beratung und Fremdbewertung Beratung bedeutet in diesem Zusammenhang die gemeinsame Arbeit von Angehörigen der Schule und des Betriebs an Problemen, vor denen beide Partner gemeinsam stehen. Berichten ist z.B. zu entnehmen, dass Lehrkräfte und betriebliche Ausbilder gemeinsame Arbeitsgruppen zur Erprobung und zum Erfahrungsaustausch über neue Unterrichtsmethoden oder auch zur Erarbeitung von Projekten zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus gebildet haben. Fremdbewertung bezieht sich aus Sicht der Schule auf die einzelne Person, auf die innerschulische Organisation, die Leistungen der Schule und die Schule als Ganzes. An zwei Beispielen sollen die Möglichkeiten verdeutlicht werden. · Die Rückmeldung der Institutionen weiterführender Bildungswege bzw. der betrieblichen Ausbildungen zur Ausbildungsfähigkeit ihrer Absolventen bieten den allgemeinbildenden Schulen wertvolle Hinweise zum Realisierungsgrad der angestrebten fachlichen und übergreifenden Bildungsziele am Ende der Sekundarstufe I und damit zum Weiterschreiben der schulinternen Pläne. Rückmeldungen von Ausbildern zu Probebewerbungen und Auswahlgesprächen zur Probe geben dem einzelnen Schüler wertvolle Hinweise für seine tatsächliche Bewerbung und fördern seine Selbsteinschätzung.

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· Lehrerpraktika Lehrerpraktika, die von den Kooperationspartnern selbst organisiert werden, haben grundsätzlich zwei Aufgaben: Die Lehrkräfte sollen lernen, sich in der für sie häufig fremden Kultur von Unternehmen zu orientieren und sie sollen sich mit ökonomischen Schwerpunktthemen auseinander setzen. Dazu gehören:

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Bedeutung des Betriebs im regionalen Wirtschaftsraum Berufsausbildung Arbeitsbeziehungen: Mitbestimmung, Betriebsrat u.ä. Lohnfindung, Arbeitszeitregelung Arbeitsplatzanalyse Betrieb als technisch/organisatorisches System Betrieb als ökonomisches System (betriebliches Rechnungswesen, Controlling u.ä.)

Nach diesen Aufgaben sollten die Partner und Teilnehmer ihre Interessen überprüfen. Folgendes Vorgehen scheint nach vorliegenden Erfahrungen sinnvoll zu sein: Die Partner stimmen die inhaltlichen Schwerpunkte ab. Jede beteiligte Lehrkraft führt zu einem Thema eine Untersuchung durch und schreibt dazu einen Bericht. Nach Beendigung des mindestens 14tägigen Praktikums werden die Berichte gemeinsam mit Vertretern des Praktikumbetriebs ausgewertet. · Bedingung der Zusammenarbeit: Gegenseitige Unterstützung und Hilfe Erfolgreiche Kooperation bedarf der sicheren Erwartung eines gegenseitigen Vorteils. Kein Partner wird über einen längeren Zeitraum zusätzliche Arbeit in eine solche Zusammenarbeit investieren, wenn er nicht einen Nutzen daraus ziehen kann. Die Unternehmen in den neuen Bundesländern dürften mittelfristig einen gemeinsamen Vorteil aus der Zusammenarbeit ziehen können: Sie stehen alle vor dem Problem, qualifizierten Nachwuchs zu erhalten. Über einzelne der hier dargestellten Formen können Betriebe mögliche Bewerber besser kennen lernen und umgekehrt können Schülerinnen und Schüler die attraktiven Seiten der Arbeit in einzelnen Unternehmen erfahren, was ihre konkrete Berufswahlentscheidung beeinflussen könnte. Wenn qualifizierte Schulabgänger in der Region bleiben, entspricht dies auch dem öffentlichen Interesse. Das allgemeine Interesse der Schulen wurde oben in der Begründung der Zusammenarbeit dargestellt. Darüber hinaus gibt es auch eine Reihe von unmittelbaren und konkreten Vorteilen. Hier sollen einige für Betriebe interessante Maßnahmen der Schulen beispielhaft genannt werden: - Hilfe für Kleinbetriebe bei der Erstellung einer Homepage - Nachhilfe für Auszubildende in allgemeinbildenden Fächern - Unterstützung bei Firmenveranstaltungen, z.B. Sportfest - Kunst- und Musikangebote in Firmen - Nutzung von schulischen Räumen für die betriebliche Weiterbildung - Beratung von Firmenangehörigen in Schulfragen.

7.1.4 Vorgehen

Eine Kooperation, die den Unterricht bereichern und seine Qualität erhöhen soll, muss in der unterrichtsbezogenen Planung fest verankert sein und benötigt einen stabilen Rahmen. Dazu scheinen folgende Schritte und Maßnahmen sinnvoll zu sein: Abschluss einer individuellen Kooperationsvereinbarung zwischen einer Schule und einem oder mehreren Betrieben Eine individuelle Kooperationsvereinbarung ermöglicht es, Inhalte und Ziele der Partnerschaft auf die Bedürfnisse der Partner zuzuschneiden. Ein solche Kooperationsvereinbarung sollte enthalten: - das Profil und Leitvorstellungen der Schule und des Betriebs - die Ziele der jeweiligen Partner - die Angebote der Partner - eine Regelung zur Konkretisierung der Angebote - eine Regelung zur regelmäßigen Bilanz und zur Vertragsdauer. 102 ·

· Personelle Zuständigkeit Erfahrungen zeigen, dass es in den Schulen und Betrieben feste Ansprechpartner geben muss, die die Realisierung der vereinbarten Vorhaben organisatorisch managen, Bilanzen ziehen und die Kooperation vorantreiben. · Verankerung in den schuleigenen Lehrplänen Die Fachkonferenzen schlagen Unterrichtsthemen vor, die sich aus Sicht der fachlichen, fachübergreifenden und fächerverbindenden Aufgaben, Ziele und Inhalte besser in der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Betrieben oder öffentlichen Einrichtungen erarbeiten lassen. Für die Zusammenführung und Koordination ist die Fachkonferenz Wirtschaft-ArbeitTechnik verantwortlich, da dieses Fach in besonderer Weise auf die Zusammenarbeit mit Partnern der Wirtschaft angewiesen ist. · Verankerung im Schulprogramm Trotz der hier vorgeschlagenen personellen und fachlichen Zuständigkeit ist die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaftsunternehmen keine Angelegenheit einzelner Personen oder eines einzelnen Faches. Deshalb ist es notwendig, dass die Ziele der Kooperationsvereinbarung und die konkreten Vorhaben in das Schulprogramm aufgenommen werden.

7.1.5 Unterstützung

Die Schulen brauchen für die Entwicklung dieser Zusammenarbeit externe Unterstützung. Es müssen Institutionen gefunden, Kontakte angebahnt und Personen gefunden werden, die bereit sind, Arbeitszeit in die Entwicklung der Zusammenarbeit zu investieren. Organisatorisch können die regionalen Gesprächskreise Schule - Wirtschaft bzw. die Geschäftsstellen in den Ländern oder die Bundesarbeitsgemeinschaft helfen. Im Land Brandenburg ist dies eine Kernaufgabe der Geschäftsstelle Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft in Brandenburg. So sehr die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft auch propagiert und gefördert werden soll, in den Entwicklungen sind auch Gefahren zu beobachten: Die eine besteht in der Verselbständigung der Aktivitäten. Zusammenarbeitsprojekte sind attraktiv und öffentlichkeitswirksam, bringen möglicherweise den Schulen auch etwas Geld. Sie erhalten ein eigenes Gewicht und ihre dienende Funktion für den Unterricht gerät aus dem Blick. Die zweite Gefahr besteht darin, dass im Verständnis von Lehrkräften, Schülern und ihren Eltern, aber auch in dem der Bildungsverwaltungen, Kooperationsprojekte die eigenständige Leistung der Schule zur ökonomischen Bildung ersetzen. Wenn die Partner schon die Experten sind, dann kann man die ökonomische Bildung (gedanklich oder real) an sie abgegeben. Das würde zu einer inhaltlichen Verflachung des Fachunterrichts führen, weil - wie oben dargestellt - Kooperationspartner nur wichtige Ergänzungen einbringen können.

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7.2

Beispiele und nützliche Informationen zu den einzelnen Handlungsfeldern

Die folgenden Ausführungen sollen keinen Überblick über die gegenwärtige Praxis vermitteln. Sie haben vielmehr die Funktion, durch praktische Informationen die Ideenfindung und Realisierungsüberlegungen in den Schulen anzuregen und zu erleichtern.

7.2.1 Kooperation bei schulischen Aufgaben und Projekten

· Erarbeitung von betrieblichen Projektaufgaben im Unterricht: Das Beispiel THEOPRAX Der Kern des vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie (Pfinztal) entwickelten und praktizierten Modells besteht darin, dass im Fachunterricht, also integriert in die Lehrpläne, an praxisbezogenen Aufgabenstellungen gearbeitet wird. "Durch lehrplanintegrierte ... Projektarbeit in Gruppen an realen industriellen Themenstellungen erlernen Schülerinnen und Schüler... Grundlagenwissen und gleichzeitig üben sie die für das Berufsleben relevanten Fähigkeiten, wie z.B. Teamfähigkeit, Kommunikation, Problemlösungsverhalten, Kreativität, systemisches Denken". Die Aufgabenstellungen stammen aus Unternehmen, Verwaltungen u.a. und werden von den THOEPRAX-Beratern didaktisch aufgearbeitet und an Schulen (und Hochschulen) weiter gegeben. Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler werden bei der Bearbeitung von den Beratern vielfältig unterstützt. Auch im Land Brandenburg gibt es eine Kontaktstelle. Weitere Informationen unter: www.theo-prax.de · Beispiele für Unterrichtsthemen und Kooperationsformen Die folgenden Beispiele stammen aus dem Projekt KURS Herford, einem Kooperationsnetz von Unternehmen der Region und Schulen im Kreis Herford. Dies ist eine regionale Initiative, die mit dem Projekt Schule & Co in NRW kooperiert. Die Beispiele sind völlig unspektakulär; daran wird deutlich, wie einfach sie zu realisieren sind. Allen folgenden Beispielen ist gemeinsam, dass die Phasen der Zusammenarbeit in eine gründliche Unterrichtsplanung integriert sind und Lernziele verfolgt werden, die dieses Lernarrangement erfordern. Fach Thema WirtDer Betrieb schaftslehre (Sek. I) Naturwissenschaften (Sek. I) Sozialwissenschaften (GOST) Politik/ Technik (Sek. I) Umwelt/Energie Zusammenarbeit mit jeweiligen Partnerbetrieb Untersuchung des Modells der MitarbeiterInitiativgruppen(MIG); Überlassung von Materialien aus dem Betrieb; betriebl. Experte stellt die Thematik am Beispiel im Unterricht dar Erkundung des firmeneigenen Blockheizkraftwerks Untersuchung des Wasserrückhaltebeckens der Firma... Internationalisierung, Globalisierung am Beispiel der Firma...; Materialien, gemeinsamer Workshop

Wirtschaftspolitik/ Marktwirtschaft Aufbau- und Ablauforganisation

Betriebserkundung unter dem Gesichtspunkt der Organisation von Team- und Gruppenarbeit im Betrieb ...unter dem Gesichtspunkt "von der Auftragsannahme zum fertigen Produkt" Expertenbefragung im Unterricht Englisch Geschäftsbriefe Erläuterung einfacher, beispielhafter Geschäftsbriefe (Sek. I) in Englisch (authentisches Material) durch betrieblichen Experten Weitere Informationen: e-mail:[email protected]

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· Beratung von Schülerfirmen durch Unternehmen In Schülerfirmen werden von den Mitarbeitern lehrplanbezogene fachliche-inhaltliche und methodische Kompetenzen erworben( vgl. RLP W-A-T). Deshalb sind Schülerfirmen sowohl Inhalt als auch Unterrichtsform des wirtschaftsbezogenen Unterrichts. Der Beratungsbedarf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist in jedem Fall groß. Eine naheliegende Form der Zusammenarbeit ist, wenn Partnerunternehmen die Mitarbeiter der Schülerfirma beraten. (wird um Beispiele ergänzt) Interessante Links: Schülerfirma VITA EcoGym GbR- Gymnasium Wandlitz www.gymnasium-wandlitz.wtal.de PENG! SAG - Espengrund-Gymnasium Potsdam www.peng-sag.de www.iw-junior.de

7.2.2 Lernen in Betrieben / Fachunterricht in Betrieben

Hier werden unterschiedliche Formen des Lernens in Betrieben dargestellt. Dieser Abschnitt wird um praktische Beispiele ergänzt. · Schülerbetriebspraktikum

Weitere Hinweise unter dem Stichwort Schülerbetriebspraktikum auf der Eingangsseite

· Berufspraktika Diese Form wird gegenwärtig im Rahmen des MV "Lernende Regionen" im Landkreis ElbeElster entwickelt und erprobt (vgl. RLP Wirtschaft ­ Arbeit ­ Technik).

Weitere Hinweise unter dem Stichwort Schülerbetriebspraktikum auf der Eingangsseite

· Förderpraktika Informationen zu diesen Praktika gibt die Förderschule Finsterwalde (vgl. RLP)

Weitere Hinweise unter dem Stichwort Schülerbetriebspraktikum auf der Eingangsseite

· Wissenschaftlich-forschendes Praktikum Solche Praktika in der GOST werden an mehreren Schulen des Landes Brandenburg seit Jahren durchgeführt. Ausführlicher Text mit Kontaktadressen folgt.

Weitere Hinweise unter dem Stichwort Schülerbetriebspraktikum auf der Eingangsseite

· Praxistage Vgl. dazu die Beschreibung im RLP · Arbeitslernen (vgl. Projekte des praktischen Lernens)

Interessante Links: www.blink.de www.schule-wirtschaft.de www.focus.de www.mentonet.de www.verdi-jugend.de www.sdw.org

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7.2.3 Beratung und Fremdbewertung

· Bewerbungsschreiben / Einstellungsgespräche Schülerinnen und Schüler bewerben sich auf reale oder fiktive Stellenausschreibungen eines Partnerbetriebs; Betrieb führt das Verfahren durch Austausch zwischen Lehrkräften und betrieblichen Experten zu fachlichen Inhalten und fachlichen Methoden des schuleigenen Lehrplans Beispiel aus einem Kooperationsvertrag im Rahmen von KURS Herford: Die Schule wünscht sich einen intensiven Austausch zwischen Lehrern und Experten der Firma... über fachliche Inhalte der angeführten Fächer. Ziel dieser Kooperationsform soll es sein, dass bestimmte Qualitätsstandards, die von zukünftigen Auszubildenden erwartet werden, erreicht werden. Es soll ermöglicht werden, dass Ausbilder des Unternehmens ... die Möglichkeit erhalten, an Fachkonferenzen der Schule teilzunehmen ... Beratung der Schulen Ein interessantes Projekt ist MINT. Es hat zum Ziel, das Interesse von Schülerinnen und Schülern für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu fördern und eine gezielte praxisorientierte Berufsorientierung zu vermitteln. Dazu werden regionale Kooperationsverbünde gebildet und gemeinsame Projekte entwickelt. Kontakte und LINKS: KURS Herford www.mint-ec.de www.netzwerkzukunft.de www.netzworkshop.de

·

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7.2.4 Vorgehen und Mustervertrag, Unterstützung und Hilfe

· Schritte (Beispiel KURS)

Schritte 1. 2. 3. 4.

Betrieb Kennenlernen der Schule Erarbeitung von Zielen und Handlungsfeldern

Schule Betriebserkundung durch Schule Erarbeitung von Zielen und Handlungsfeldern

5. 6. 7.

Konkretisierungsgespräch: Festlegung der Inhalte und Formen der Kooperation (Vereinbarung) Konkrete Umsetzung, z.B.: Betriebliche Wirklichkeit im Unterricht, Betriebserkundungen, Lehrerbetriebspraktikum Quantitative Fragestellungen Quantitative Fragestellungen Überwachung des verabredeten Überwachung des verabredeten Fahrplans Fahrplans Qualitätskontrolle und Evaluation Qualitätskontrolle und Evaluation

· Organisation Schule und Betrieb benennen Verantwortliche, die die Vereinbarung konkretisieren, die konkrete Kooperation begleiten und überwachen sowie die Qualitätskontrolle und Evaluation initiieren.

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Die konkrete Kooperation findet aber statt zwischen den Abteilungen des Betriebs bzw. seinem Ausbildungsbereich und den Fachbereichen und Klassen/Kursen der Schule. · Vereinbarungen/Kooperationsverträge Es gibt unterschiedliche Vertragsformen, deshalb sollen hier zwei Beispiele dargestellt werden: den Vorschlag aus KURS Herford und den der IHK Berlin. - Vorschlag KURS Herford Der Kooperationsvertrag besteht aus einer Rahmenvereinbarung und einer Anlage. In der Rahmenvereinbarung werden die Ziele, Rechte und Pflichten der Kooperationspartner festgelegt. In der Anlage werden die einzelnen Aktivitäten (Inhalte und Formen), die Beteiligten, der Zeithorizont, weitere Ideen sowie Absprachen zur Auswertung aufgelistet. Der Kooperationsvertrag gilt über ein Jahr und dem Unternehmen entstehen aus der Vereinbarung keine Kosten. · Mustervertrag IHK Berlin

Entwurf Zur Vorlage bei der Schulkonferenz Kooperationsvertrag zwischen der ...............Oberschule und der Firma..............AG Die ... Oberschule und die Firma Firma .. .AG streben im Rahmen des IHK-Projektes Partnerschaft Schule - Betrieb eine Zusammenarbeit an, die die Schule in ihrer pädagogischen Arbeit durch stärkere Realitätsbezüge unterstützen, für die Schülerinnen und Schüler die Berufsvorbereitung verbessern soll und dem Betrieb einen größeren Einblick in die Möglichkeiten und Leistungen der Schule verschaffen soll. Beide Beteiligten gehen davon aus, dass eine bessere Kenntnis voneinander, von den gegenseitigen Erwartungen und Anforderungen, den Jugendlichen bei dem Erwerb von Kompetenzen zur Bewältigung ihres Lebens und der Vorbereitung auf ihre Zukunft zugute kommt. Die...Oberschule Hier folgt das Schulprofil. Das Unternehmen ....... Hier folgt das Profil des Unternehmens Zielsetzung der Kooperation Beide Partnerwollen gemeinsam dazu beitragen, dass die Schule ihr Schülerinnen und Schüler realitätsnäher ausbilden kann und der Betrieb die Bedingungen einer Schulegenauer kennen lernt. Beide wollen dadurch auch zu einer besseren gegenseitigen Kenntnis und Wertschätzung beitragen. Sie werden dazu gemeinsame Projekte durchführen über Veränderungen der Arbeitswelt, Firmenvertreter werden in der Schule berichten, wie sich Anforderungen an Arbeitskräfte und Auszubildende verändern sowie Bewerbungstrainings anbieten.

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Kooperationsprojekte Die ....Oberschule möchte die Möglichkeit nutzen, Vertreter des Betriebes Zuinformationen über die Veränderung der Arbeitswelt einzuladen. In vielen Unterrichtsfächern und Jahrgängen spielen Fragen der Wirtschaftsordnung und der Standortentwicklung in und um die neue Hauptstadt Berlin eine wesentliche Rolle. Hier bieten sich viele Anknüpfungspunkte für Unterrichtsprojekte - bei denen die Firma Firma....AG die ...Oberschule unterstützen, bei denen diese aber auch zum Unterrichtsgegenstand werden kann. Die ....Oberschule wird sich in ihrem Unterricht um eine stärkere Praxisorientierung durch Zusammenarbeit mit der Firma....AG bemühen. Dazu können Besuche in Betrieben und Werkstätten durchgeführt werden. In der unmittelbaren berufsvorbereitenden und -orientierenden Arbeit möchte die...Oberschule engere Kontakte zur betrieblichen Wirklichkeit herstellen und ihren Jugendlichen mit ihren Lehrern genauere Einblicke ermöglichen. Dabei geht es um die Anforderungen, die an künftige Auszubildende zu stellen sind, um Unterstützung beim Bewerbungstraining und um die Vermittlung von unmittelbarer Erfahrungen von Jugendlichen, die sich z. Z. in der Ausbildung befinden. Auch bei der Vermittlung von Plätzen für das jährliche Betriebspraktikum wird eine Kooperation angestrebt. Im Rahmender Lehrerfortbildung werden gemeinsame Seminare mit Vertretern der Firma durchgeführt, um im gesamten Bildungs- und Erziehungsprozess Schwerpunkte immer wieder konkreter bestimmen und überprüfen zu können. Die Fa Firma....AG wird für die Unterrichtsprojekte, z.B. für Bewerbungstraining Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verfügung stellen, soweit es die vorhandene Mitarbeiterkapazität erlaubt. Sie wird mehr als bisher Praktikumsplätze für die Schule zur Verfügung stellen. Sie wird sich bemühen, die Zahl ihrer Ausbildungsplätze auch für Schulabgänger der ... Oberschule zu erhöhen, sofern deren Bewerber die für die von Schering angebotenen Berufe erforderlichen Qualifikationen mitbringen und die von Schering durchgeführten Auswahltests entsprechend bestehen. Im einzelnen wird vereinbart: Angebote der Firma ...AG: in der Ausbildung der ... könnten Schülerpraktikanten an bestimmten Teilen teilnehmen; vorbereitete Betriebserkundungen; Vertreter der Firma....AG und Auszubildende können im Rahmen des Unterrichts der Schule über Anforderungen in der Ausbildung referieren und Bewerbungstraining anbieten; Auszubildende können als Ansprechpartner zur Verfügung stehen; Betriebspraktikanten können ihre Bewerbung im Betrieb erproben; weibliche Ausbilder können vor allem mit Schülerinnen über die Ausbildung sprechen und zu Berufen in ... ermuntern; es können Seminare für Lehrkräfte angeboten werden zu Veränderungen der Arbeitswelt, fachlichen und persönlichen Anforderungen; es können gemeinsame Seminare von Ausbildern und Lehrkräften über Unterrichtsmethoden geplant werden, z.B. über Multimedia-Einsatz im Unterricht; Methoden für selbstgesteuertes Lernen; die Firma ....AG wird prüfen, wie weit Lehrkräfte im Betrieb hospitieren können (Kurzpraktikum), im Ausbildungsbereich kann das zugesagt werden, in anderen Fachabteilungen muss dies geprüft werden; die Firma...AG kann Materialien zur Berufsvorbereitung, Infos über Berufsbilder und Ausbildung zur Verfügung stellen.

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Angebote der ... Oberschule: Fortbildung mit Ausbildern über neue Lehr- und Lernmethoden, z.B. produktorientierter Gruppenunterricht; Nachhilfe für Auszubildende in allgemeinbildenden Fächern; Sprachunterricht für Firmenangehörige; Nutzung der Schulräume durch die Firma ... AG; Ansprechpartner für Drogenberatung, Mediationstraining (Konfliktlotsenausbildung), Gewaltprävention können zur Verfügung gestellt werden.

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Sponsorenleistung: Die Firma Firma ... AG wird die Schule auch durch Sponsoring unterstützen. Sachmittel Die Fa. .... AG wird Mitglied des Fördervereins der ... Oberschule und beteiligt sich mit einem Mitgliedsbeitrag von ... DM jährlich. Dauer und Verfahren des Vertrages Die Kooperationsvereinbarung wird von allen Partnern gemeinsam getragen und gilt für unbestimmte Zeit. Die Vertragspartner werden mindestens halbjährlich ihre Erfahrungen mit den gemeinsamen Projekten austauschen, sie dabei konkretisieren und weiter entwickeln und gegebenenfalls ändern. Wenn ein Partner mit der Leistung des anderen nicht zufrieden ist, kann die Zusammenarbeit jederzeit verändert werden oder auch beendet werden. Es sollte vorher in jedem Falle ein Vermittlungsgespräch versucht werden. Ansprechperson für die Partner sind: ... Oberschule: Firma ... AG:

Berlin, den Für die ... Oberschule

Für die Firma Firma ... AG

Links: www.berlin.ihk.de/bildung/schule www.netzwerkzukunft.de www.netzworkshop.de Regionales Bildungsbüro Herford (mail-Adresse oben)

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