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Merkblatt

Amt für Umwelt

Betriebsentwässerung in der Landwirtschaft

Hinweise für Bau und Unterhalt

Dieses Merkblatt richtet sich an Landwirte, Berater und Gemeindebehörden und soll helfen, bei Sanierungen und/oder Erweiterungen die Entwässerungssituation auf einem Landwirtschaftsbetrieb zu beurteilen und landwirtschaftliche Liegenschaften sachgerecht zu entwässern.

Worum geht es?

Die ober- und unterirdischen Gewässer dienen als Lebensgrundlage für Mensch und Tier und müssen vor Verunreinigungen geschützt werden. Der Landwirt kann dazu beitragen, indem er sowohl bei der Bewirtschaftung seines Betriebs wie auch beim Bau von Abwasser- und Hofdüngeranlagen auf die Belange des Gewässerschutzes Rücksicht nimmt. In der Umwelt- und Gewässerschutzgesetzgebung wird dem Landwirt ein hohes Mass an Eigenverantwortung eingeräumt. Er ist verpflichtet, die zum Schutze der Gewässer, des Bodens und der übrigen Umwelt erforderliche Sorgfalt anzuwenden. Dieses Merkblatt gibt Hinweise darauf, wie Hofdünger und anfallendes Abwasser auf einem Landwirtschaftsbetrieb behandelt werden müssen.

Vorgehen

Muss ein Landwirtschaftsbetrieb gewässerschützerisch saniert werden oder sind Bauvorhaben geplant, die den Gewässerschutz direkt oder indirekt betreffen, muss die Entwässerungssituation auf dem Landwirtschaftsbetrieb überprüft und wenn notwendig angepasst werden. Dazu sind die bestehenden und die neuen Entwässerungswege für sämtliche Abwässer, flüssige Hofdünger, Brunnen-, Dach- und Platzwasser auf einem Plan analog zur Beilage 1 einzuzeichnen und zusammen mit dem Formular 1 «Entwässerung» den Baugesuchen bzw. Sanierungsplänen beizulegen. Die Tabelle «Beurteilung der Entwässerungssituation auf einem Landwirtschaftsbetrieb» (Beilage 2) gibt einen Überblick darüber, wie die auf einem Betrieb anfallenden Abwässer und flüssigen Hofdünger zu behandeln sind und dient als Hilfe für die Planung der Entwässerung auf einem Landwirtschaftsbetrieb.

Was ist bei Abwasser zu berücksichtigen?

Hausentwässerung Liegenschaften in der Bauzone und in der Weilerzone Sämtliche häuslichen Abwässer müssen in die Gemeindekanalisation abgeleitet werden. Liegenschaften in der Landwirtschaftszone Wohnhäuser von Landwirtschaftsbetrieben mit einem Rindvieh- und /oder Schweinebestand von mind. 8 DGVE können ihr häusliches Abwasser in die Güllegrube leiten, wenn: · genügend Lagerkapazität für die Gülle und das häusliche Abwasser vorhanden ist; · die Verwertung auf der eigenen und gepachteten düngbaren Fläche sichergestellt ist. Betriebe innerhalb der generellen Entwässerungsplanung (GEP) der Gemeinde, jedoch ausserhalb der Bauzone, können auf Antrag, mit Zustimmung der Gemeinde, vom Amt für Umwelt von der Anschlusspflicht befreit werden.

Amt für Umwelt · Werkhofstrasse 5 · 4509 Solothurn · Tel. 032 627 24 47 · Fax 032 627 76 93 · E-Mail [email protected]

April 2002

Recyclingpapier

Dachwasser Unverschmutztes Dachwasser kann direkt in ein Gewässer abgeleitet oder in den Untergrund versickert werden. Versickerungsanlagen und Einleitungen in ein Gewässer sind bewilligungspflichtig und nach speziellen Weisungen des Amtes für Umwelt zu gestalten. Für die Verdünnung der Gülle im Sommer kann das Dachwasser mit einer Umstellvorrichtung in die Güllegrube geleitet werden. Umstellvorrichtungen müssen über dem Niveau der Grubendecke angebracht werden. Geeignet sind Umstellklappen im Fallrohr für Dachwasser. Feste Dachwasserleitungen in die Güllegrube ohne Umstellmöglichkeit sind nicht zulässig.

Brunnenwasser Überläufe von laufenden Brunnen sind in Gewässer abzuleiten oder oberflächlich zu versickern. In Ausnahmefällen kann die Einleitung in die Gemeindekanalisation bewilligt werden. Wasser von Brunnenvorplätzen ist in die Güllegrube zu leiten oder oberflächlich zu versickern.

Hof- und Vorplätze Die Hof- und Vorplätze müssen so gestaltet werden, dass das Platzwasser möglichst gleichmässig verteilt, oberflächlich auf die Wiese abfliessen kann. Im Baugebiet, wenn keine andere Möglichkeit besteht, können diese Plätze ausnahmsweise auch in die Gemeindekanalisation entwässert werden.

Waschplatz Zum Waschen von eigenen Motorfahrzeugen, Maschinen und Geräten ist ein betonierter oder asphaltierter Waschplatz zu errichten. Das anfallende Abwasser muss in die Güllegrube oder in die Schmutzwasserkanalisation geleitet werden. Um Schmutzstoffe (Schmiermittel, Farbresten, etc.), die nicht in die Güllegrube gehören, abzuscheiden, wird der Einbau eines Schlammsammlers empfohlen.

Auf was muss bei Laufhöfen geachtet werden?

Laufhöfe mit befestigtem Boden Das Platzwasser von Laufhöfen mit befestigtem Boden (Beton, Asphalt, etc.) muss direkt in die Güllegrube geleitet werden. Die Entwässerung von anderen Vorplätzen oder vom Hofareal sowie der Dächer darf nicht über den Laufhof erfolgen. Eine Entwässerung in angrenzendes Wiesland kann in begründeten Ausnahmefällen durch das Amt für Umwelt bewilligt werden (Sonderbewilligung).

Laufhöfe mit unbefestigtem Boden Bei Laufhöfen mit unbefestigtem Boden (Schnitzelauflage, Pflastersteine, etc.) kann in der Regel auf eine Entwässerung über eine Sickerleitung verzichtet werden. Werden jedoch Sickerleitungen eingelegt, muss das anfallende Sickerwasser immer in die Güllegrube geleitet werden. Eine Entwässerung in nahes Wiesland kann in begründeten Ausnahmefällen durch das Amt für Umwelt bewilligt werden (Sonderbewilligung). Durch das natürliche Versickern dürfen jedoch Grundwasser, Flüsse oder Seen keinesfalls gefährdet werden.

Wie sind Gülle und Abwasser aus Ställen und Rauhfuttersilos zu behandeln?

Gülle und Abwasser aus Ställen Gülle und sämtliches Abwasser, das in Ställen bei der Reinigung und bei der Tierpflege anfällt, müssen in die Güllegrube abgeleitet und landwirtschaftlich verwertet werden. Eine Einleitung in die Gemeindekanalisation ist keinesfalls zulässig.

Mistplätze Wasser von Mistplätzen muss in die Güllegrube oder in eine separate Mistgüllegrube geleitet werden. Um ein Abfliessen über den Rand der Mistplatte zu vermeiden, ist die Mistplatte auf drei Seiten mit einem mindestens 25 cm hohen Rand zu versehen. Zufahrtsseitig anfallendes Mistwasser muss mit einer Schlitzrinne, einer Aufbordung oder einer entsprechenden Neigung direkt in die Grube geleitet werden.

Hochsilos Anfallendes Silowasser und das Wasser der Silovorplätze müssen direkt in die Güllegrube abgeleitet werden; für die Ableitung sind säurefeste Rohrmaterialien zu verwenden. Wo eine direkte Ableitung in die Güllegrube nicht möglich ist, muss eine separate, dichte Grube aus Ortbeton oder anderen geeigneten Materialien erstellt werden.

Flachsilos Flachsilos sind so zu gestalten, dass weder Silosaft noch verunreinigtes Wasser in den Untergrund versickern oder in ein Gewässer gelangen kann. Der Silo-Innenraum ist in die Güllegrube oder in einen abflusslosen Schöpfschacht zu entwässern. Für solche Anlagen sind entsprechende Detailpläne erforderlich. Wasser aus nicht benutzten und sauberen Fahrsilos (besensauber) kann in das angrenzende Wiesland versickert werden. In der Grundwasserschutzzone S3 und im Grundwasserschutzareal muss das auf der Siloplatzfläche anfallende Regenwasser in die Güllegrube oder einen abflusslosen Schöpfschacht abgeleitet werden.

Gülleentnahmestellen Die Gülleentnahmestelle muss in die Güllegrube entwässert werden. Sie ist so zu erstellen, dass keine Gülle in das umliegende Gelände oder in Gewässer abfliessen kann. Die Rohr-Kupplungsvorgänge sind auf diesem Platz auszuführen. Der Platz muss ein Mindestmass von 2.5x2.5 m aufweisen, mit einer allseitigen Aufbordung versehen und mit Gefälle zum Ablauf angelegt werden. Kann die Entnahmestelle nicht direkt in die Güllegrube entwässert werden, ist ein separater Sammler mit mindestens 0.5 m3 Sammelraum pro m2 Platzfläche zu erstellen.

Wer kann weiterhelfen?

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre «Richtlinie Gewässerschutz in der Landwirtschaft» vom Februar 1999

Amt für Umwelt Fachstelle Gewässerschutz

36055 4/02 2000

Werkhofstrasse 5 4509 Solothurn Telefon 032 627 24 47 Telefax 032 627 76 93 E-Mail [email protected]

Beilage 1

alte JG 100 m3

Entwässerungsplan (Beispiel)

alte Jauchegrube 100 m3

Betriebsentwässerung in der Landwirtschaft

Flachsilo

Schweinestall

Amt für Umwelt · Werkhofstrasse 5 · 4509 Solothurn · Tel. 032 627 24 47 · Fax 032 627 76 93 · E-Mail [email protected]

April 2002

Überlauf KS DW Brunnen Bach KS WC, Kü, Bd, Wa Wohnhaus DW Hofplatz Milchraum Grossviehstall DW DW Mab Werkstatt Garagen DW befestigter Platz 50 m2 KS KS DW Grünfuttersilos DW DW ES Weg KS DW DW KS Drainage Scheune DW befestigter Entnahmeplatz 60 m2 Remise DW Legende: DW KS Es Mab Dachwasser Kontrollschacht mit geschl. Deckel Einlaufschacht Mineralölabschneider Hofdünger und verschmutztes Abwasser nicht verschmutztes Abwasser WC Kü Bd Wa Toilette Küche Bad Waschmaschine

DW

Laufhof mit befestigtem Boden 80 m2

Grossviehstall

ES

Mistplatz 25 m2

Waschplatz 20 m2

DW

ES

ES

GülleEntnahmestelle 10 m2

ES

neue Jauchegrube 300 m3

Amt für Umwelt

Recyclingpapier

Beilage 2

Amt für Umwelt

Betriebsentwässerung in der Landwirtschaft

Beurteilung der Entwässerungssituation auf einem Landwirtschaftsbetrieb

separate Grube/ Schacht Gewässer oberflächDrainage (See, Fluss, lich auf Bach) Wiesland in in SickerGemeindeschacht kanalisation Güllegrube

Ökonomiegebäude

Ställe Milchkammer/Spültrog Aborte (ohne Wasserspülung) Dusche WC Grünfuttersilos Mistplatz Gülleabfüllplatz Laufhof Garage Werkstatt Waschplatz für Maschinen Hof- und Vorplätze Dachwasser Sickerleitungen laufender Brunnen (Überlauf) Brunnenentleerung Brunnenvorplatz alle Innenräume

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Wohnhaus

Aborte (ohne Wasserspülung) WC Badewanne Dusche Lavabo/Handwaschbecken Küche Waschküche Waschmaschine Keller (Bodenabläufe) Heizungsraum (Bodenablauf) Zentralheizung (Entleerung) Garage (Innenraum) Garagevorplatz Hausplätze Dachwasser Sickerleitungen alle Innenräume

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q Ableitung erlaubt (spezielle Vorschriften bleiben vorbehalten!) Ableitung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt

Amt für Umwelt · Werkhofstrasse 5 · 4509 Solothurn · Tel. 032 627 24 47 · Fax 032 627 76 93 · E-Mail [email protected]

April 2002

Recyclingpapier

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6 pages

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