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Tipps vom Experten

Mario Gonsierowski

Schaftlängenbestimmung: Sport- & Supermatchgewehr

Einer der ganz großen Vorteile der ,,freien" Gewehre besteht unbestritten in den Variationsmöglichkeiten der Gewehrschaftlänge. Der Schütze ist somit in der Lage, die ideale Schaftlänge für die jeweilige Anschlagsstellung zu bestimmen. Dies ist wiederum eine Grundvoraussetzung für die Ausbildung der Anschlagsstabilität. Doch wie bestimme ich die ideale Schaftlänge? Diese Fragestellung hat durchaus ihre Berechtigung. Denn viele Schützen demonstrieren besonders bei jener Einstellung an ihren Sport- und Supermatchgewehren eine sehr große Experimentierfreude oder auch -wut. In meinem Beitrag geht es mir vor allem darum, grundlegende Wirkungen zu beschreiben, die sich bei zu lang oder kurz eingestellten Gewehrschäften einstellen. Kennt der Schütze diese Auswirkungen, so ist er schnell in der Lage, seine ideale Schaftlängeneinstellung ,,auszuloten". Natürlich propagiere ich auch ein systematisches Vorgehen, was in der Gliederung dieses Beitrages seinen Ausdruck finden soll.

Drei wesentliche Faktoren bestimmen die Einstellung ...

Herauszuheben ist dabei vor allem die Schulterstellung und weiterführend die des Abzugsarmes und der Abzugshand (in Bezug Griffhaltung und Handgelenkstellung). Dieser wohl bedeutsamste Aspekt der Abstimmung des Gewehrs zum Anschlag beeinflusst darüber hinaus auch den Schaftkappendruck auf die Schulter. Und schließlich bestimmt die Schaftlänge auch die Kopfauflage auf der Schaftbacke, also das optimale Nutzen dieses Bereiches für den Kontakt Wange-Gewehrschaft. Erfahrungsgemäß ist die Schaftlänge im Liegendanschlag am längsten gestellt. Im Stehend- und Kniendanschlag kann aufgrund der großen Bandbreite individueller Lösungen keine Regel abgeleitet werden.

Basislängenbestimmung

Nehme dein Luft- oder Standardgewehr und lege es neben das ,,freie" Gewehr. Achte auf die gleiche Höhe beider Pistolengriffe. Stelle an der ,,freien" Waffe die Schaftlänge ein, bis beide Kappen sich auf der gleichen Höhe befinden. Jetzt hast du die Basiseinstellung für den Stehendanschlag! Notiere dir gleich die möglichen Handstopstellungen auf der ,,freien" Waffe im Vergleich zur Höhe auf dem Luft- oder Standardgewehr. Das sind deine Ausgangsmaße, die in Verbindung mit den gewohnten Schießriemeneinstellungen eine Anpassung des ,,freien" Gewehrs an den Liegend- und Kniendanschlag erleichtern. Optimiere jetzt die Schaftlänge im Liegend- und Kniendanschlag.

Wirkungen und deren Ursachen im Stehendanschlag...

Bei idealer Schaftlänge spürt der Schütze den kompakten Sitz der Schaftkappe, wenn er den Griffdruck seiner Abzugshand auf das individuelle Maß erhöht. Die Schulterachse ist fixiert und vollständig spannungsfrei. Und das Gewehr bildet eine kompakte Einheit mit dem Anschlag ­ der Schaft ,,kommt" zum Kopf des Schützen. Ein zu langer Gewehrschaft bewirkt in der Regel eine der folgenden Fehlentwicklungen: Die rechte Schulter ,,hängt" und wird nach vorn in Zielrichtung aufgedreht. Die negative Wirkung ist ein instabiler Anschlag mit entsprechend dramatischen Mündungsreaktionen bei der Schussabgabe.

Ist der Schaft nur unwesentlich zu lang, nimmt der Schütze meist einen permanenten Linksdrift der Mündung wahr. Ist die Stützhand nah zum Abzugsschutz gesetzt und der Kopf auf dem hinteren Teil der Schaftbacke aufgelegt, so ist dies in der Regel ein sicheres Zeugnis eines zu lang eingestellten Schaftes. Als negative Wirkung muss vor allem die hohe Kopflastigkeit des Gewehrs aufgeführt werden! Bei zu kurzem Schaft erreicht der Schütze selten eine Fixierung im Schulterbereich. Dies drückt sich in größeren seitlichen Mündungsbewegungen aus. Der ungenügende Kontakt der Schaftkappe auf die rechte Schulter bewirkt beim KK-Schießen in der Regel eine instabile Reaktion bei der Schussabgabe ­ die Mündung ,,springt" aus dem Ziel.

Wirkungen und Vorgehensweisen im Liegendanschlag...

Wie bereits im Technikmodell beschrieben, drückt sich die Qualität des Liegendanschlages insbesondere durch die stabile Stellung des Stützarmes aus. Erreicht wird dies durch die Verbindung des Schießriemens mit dem Gewehr, das fest ,,eingespannt" im Anschlag ein Höchstmaß an Stabilität ermöglicht. Dieses feste ,,Einspannen" drückt sich aber in einer annähernd gleichen Druckverteilung auf Stützhand und rechter Schulter aus. Trotz des enormen Drucks kann der Schütze

Quelle: DSZ

Training

seine Muskulatur vollständig entspannen ­ die Mündung ,,klebt" dabei im optimal eingerichteten Anschlag ,,auf der Zehn"! Der Anschlag zeichnet sich von Schuss zu Schuss durch eine hohe Wiederholungsgenauigkeit aus ­ der Schütze kann schnell und exakt den Ellenbogen seines Abzugarmes platzieren. Bei zu langen Schäften stellt sich ein permanenter Linksdrift der Mündung ein. Ist der Schaft zu kurz, erschwert dies das sichere Setzen des Abzugsarm-Ellenbogens. Darüber hinaus ist bei kurzen Schäften meist der Kappendruck auf der rechten Schulter zu niedrig. Ich möchte eine Methode vorstellen, die sich in der Praxis bei der Bestimmung der Schaftlänge im Liegendanschlag bewährt hat: Nehme deinen Anschlag ein und richte dich ,,sauber" auf das Ziel ein (Nullstellung). Dein Trainer oder Schützenkamerad dreht millimeterweise den Ausleger aus dem Schaft heraus (Schaft wird länger), bis du einen Linksdrift der Gewehrmündung wahrnimmst ­ diese Einstellung ist der Grenzbereich, stelle daher den Ausleger wieder ein wenig zurück.

große seitliche Mündungsbewegungen. Meist sind grundsätzliche seitliche Instabilitäten (Mündungsund Anschlagsdrift) auf eine zu lange Schaftlänge zurückzuführen. Die wohl gefährlichste Wirkung, die sich bei zu kurzen Schäften einstellt, ist eine Spannung im mittleren Anschlagsbereich. Der Schütze hat das Gefühl, als müsste er ganz bewusst diesen Bereich stabilisieren. Die daraus resultierenden Spannungen sind Ursache für große Mündungsbewegungen und dramatischen Reaktionen bei der Schussabgabe. Letzteres wird häufig in dieser Form vom Schützen nicht wahrgenommen. Er registriert nur fassungslos das Ergebnis ­ den

überraschend schlechten Schusswert...

Resümee...

Mit der richtigen Schaftlängenbestimmung schafft der Schütze eine bedeutsame Voraussetzung für die Anschlagsstabilität und damit für eine hohe Wiederholungsgenauigkeit! Bei der Erarbeitung der optimalen Einstellung kann sich der Schütze auf konkrete Bereiche konzentrieren. Anhand wahrgenommener Wirkungen gelingen wirksame Korrekturen und eine individuelle Feinabstimmung. Die Schaftlänge ist immer als Kombination von Handstopstellung und Handstütze (stehend) sowie Auslegerlänge zu begreifen! Im nächsten Heft erfährt der Leser grundsätzliche Einstellmöglichkeiten der Gewehrschaftkappe. Auch hierbei versuche ich, Allgemeingültiges herauszustellen.

Wirkungen und deren Ursachen im Kniendanschlag...

Wohl am diffizilsten ist die Schaftlängenbestimmung im Kniendanschlag. Eine optimale Schaftlänge bewirkt eine Schulterstellung, die einerseits den mittleren Anschlag im Bauch-, Lendenbereich fixiert und darüberhinaus die rechte Schulter dennoch ,,hinter" das Gewehr ,,bringt". Der Kappendruck auf die rechte Schulter unterscheidet sich vergleichsweise zum Liegendanschlag, dass er deutlich geringer ist ­ der Kontakt ist lediglich ,,rutschsicher". Letzteres lässt sich auch durch die Riemenstellung auf dem Stützoberarm beeinflussen. Bei zu langem Schaft lässt sich die rechte Schulter nicht hinter das Gewehr positionieren (siehe Bild). Dieses Manko bewirkt in der Regel

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