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FACHSCHAFTSVERTRETUNG SOZIOLOGIE 2. STUDENTISCHER SOZIOLOGIEKONGRESS

Abstract

Lea Kröger & Hannes Neiss

Habitus, Feld und politische Partizipation Pierre Bourdieus Beitrag zur Erklärung ungleicher politischer Partizipation

Forschungsziel: Auf Grundlage der Habitus- und Feldtheorie Pierre Bourdieus soll der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Herkunft und politischer Partizipation empirisch überprüft werden. Viele Demokratietheorien fordern für ein gutes Funktionieren der Demokratie eine aktive Teilnahme und 1 Interesse der Bürgerinnen und Bürger am politischen Geschehen . In der Praxis zeigt sich aber, dass diese Partizipation nicht von allen Bevölkerungssteilen gleichermaßen ausgeübt wird. Dieses Problem wurde im wissenschaftlichen Diskurs bisher hauptsächlich in der Politikwissenschaft behandelt. Unser Beitrag zum studentischen Soziologiekongress will das Problem aus soziologischer Perspektive behandeln. Dazu nutzen wir Pierre Bourdieus Habitus- und das Feld-Konzept aus seiner ,,Theorie der Praxis", um eine soziologisch befriedigende Theorie für das Problem der ungleichen politischen Partizipation auf zwei unterschiedlichen Ebenen zu entwickeln. Bourdieus ,,Theorie der Praxis" erlaubt es, bezogen auf das Problem der politischen Partizipation, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen. Das bedeutet, dass die Theorie in ihrem Ziel immer auf die Erklärung des praktischen Handelns der Menschen gerichtet sein muss. Abstrakte Konstrukte sind jedoch in der Theorie zur Aufdeckung der Denk- und Wahrnehmungsschemata des ,,common sense" notwendig. Politische Partizipation und die soziale Lage Die erste Ebene der Ungleichheit betrifft die Ungleichheit zwischen Einzelpersonen innerhalb desselben Feldes, das hier als näherungsweise durch Staatsgrenzen abgegrenzt gesehen wird. Politische Partizipation wird als Teil des Lebensstils (und als ein mögliches Distinktionsmerkmal) dargestellt, der durch den Habitus geprägt wird. Über den Habitus ist die politische Partizipation an die soziale Herkunft, die soziale Laufbahn und die soziale Lage eines Individuums gebunden. Im Gegensatz zu Bourdieu wird den Klassenmerkmalen (Beruf, Einkommen, Bildung) keine Priorität gegenüber den anderen Merkmalen der sozialen Lage (z.B. Geschlecht, Migrationshintergrund, Region) gewährt. Aus diesen gleichberechtigt behandelten Indikatoren der sozialen Lage spannt sich der mehrdimensionale soziale Raum auf in dem die Relationen der Positionen von Akteuren betrachtet werden. Somit hat man eine gesellschaftstheoretische Erklärung für den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und politischer Partizipation. Politische Partizipation und die Genese des Feldes Die zweite Ebene der Ungleichheit in politischer Partizipation besteht zwischen den Feldern und zwischen Personen aus unterschiedlichen Feldern. Zur Erklärung dieser Dimension der Ungleichheit werden die Rolle des Feldes und dessen Regeln für die Bildung des Habitus diskutiert. Der Habitus und das daraus resultierende Verhalten im Feld der politischen Partizipation (als Subfeld der Politik) ist geprägt durch und abgestimmt auf das Feld. In verschiedenen Staaten sind die Regeln des Spiels in einem Feld unterschiedlich. Daraus ergibt sich eine Erklärung für Unterschiede des Niveaus der politischen Partizipation zwischen Staaten und in der Abhängigkeit der politischen Partizipation von verschiedenen Merkmalen der sozialen Herkunft, Laufbahn und Lage. Die Genese des Feldes, die unterschiedliche Spielregeln in den verschiedenen Feldern erlaubt, ist für die

Wohl am prominentesten und prägnantesten formuliert von Lijphart (1997): ,,Unequal Participation: Democracy's Unresolved Dilemma", American Political Science Review. Vol. 91(1), 1-14.

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Prägung des Habitus und für die Erklärung ungleicher politischer Partizipation zu berücksichtigen. Dies ist insbesondere wichtig (und kann beobachtet werden), wenn Akteure in ein neues Feld eintreten (z.B. Migration, Beitritt der DDR zur BRD). Empirische Überprüfung Beide Ebenen der theoretischen Überlegungen zur Ungleichheit der politischen Partizipation sollen empirisch veranschaulicht und überprüft werden. Hierzu werden quantitative Analysen der Daten zum sozioökonomischen Status und zur politischen Partizipation aus dem soziooekonomischen Panel (SOEP) und dem European Social Survey (ESS) herangezogen. Die Ausarbeitung der theoretischen Grundlage und die Auswertung der Daten werden bis zur Präsentation auf dem Kongress abgeschlossen sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Daten noch nicht ausgewertet.

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