Read Sprachrohr_2011-11_final_klein.pdf text version

Eure Studierendenvertretung & euer Studentenwerk informieren Ehrlich

Kann man studieren und ehrenamtlich tätig sein?

November 2011

Ehrbar

Ein Student der alles unter einen Hut bekommt

Ehrenhaft

Freiwillig im Gefängnis

mehr auf Seite 4

mehr auf Seite 7

mehr auf Seite 21

Studieren oder

Engagieren?

Workload vs. Ehrenamt

Ehre ist ein starkes Wort. Wir verbinden es mit den Idealen der Vergangenheit. Und wir können ihr heute nur noch selten begegnen. Und wenn man so schön zitiert: ,,Ehre, wem Ehre gebührt", so meint man das zwar in respektvoller Weise, verwendet den Begriff jedoch anders als etwa die alten Römer oder die heldenhaften Ritter des Mittelalters. So bekommt natürlich auch der Begriff Ehrenamt eine eher abgeschwächte Bedeutung. Aber kann man den Heldentod auf dem Feld noch mit dem Frondienst an der Menschheit von heute vergleichen? Wenn man in der Gegenwart ein Ehrenamt übernimmt, dann macht man das aus den verschiedensten Gründen. Der eine möchte unbedingt etwas für sein seelisches Wohlbefinden tun, die andere hofft eines Tages auf die gleiche Art von Hilfe. Wieder ein anderer macht es vielleicht nur aus materiellen Gründen, wenn er ein solches Ehrenamt später positiv in seinem Lebenslauf hervorheben kann. In dieser Ausgabe wollen wir aber nicht den moralischen Verfänglichkeiten der falschen Einstellung zu Ehrenämtern nachgehen. Vielmehr interessiert uns, inwieweit bei den zeitintensivierten BA/ MA-Studiengängen überhaupt noch die Zeit dafür bleibt. Kann man mit 30-40 Semesterwochenstunden an Wochenenden noch ältere Menschen im Altenheim pflegen? Kann man mit 8-10 Prüfungsleistungen am Ende eines Semesters noch gewissenhaft jeden Freitagnachmittag die Jugendgruppe im Fußballverein trainieren? Und wie steht es mit den beliebten Auslandssemestern, in denen man vielleicht eine Schulklasse in Afrika unterrichtet? Fragen dieser Art soll und wird diese Ausgabe für uns beantworten. Dabei sind wir auch zu verschiedenen Verbänden und Vereinen gegangen und haben einmal nachgefragt, wie sie die Veränderungen der Hochschule wahrnehmen. Ob die Anzahl der Studierenden seit der Modularisierung zurückgegangen ist? Ob es überhaupt noch ehrenamtlich tätige Studierende an der Universität gibt? Lest es in dieser Ausgabe... Viel Spaß! Riccardo Altieri

Impressum

Sprachrohr November 2011

impressum

Herausgeber Studierendenvertretung der Universität Würzburg Kontakt Mensagebäude am Hubland, Zimmer 111 97074 Würzburg Telefon: +49 (0) 931 31-85819 Fax: +49 (0) 931 31-84612 E-Mail: [email protected] Internet: http://stuv.uni-wuerzburg.de Redaktionsleitung Riccardo Altieri Layout Alexander Axmann Druck Dresdner Verlagshaus Druck GmbH Meinholdstraße 2 01129 Dresden Redaktion Christian Steinberger Christin Czarnecki Dominik Schenk Galina Bauer Hannah Ziegler Janina Beckmann Katharina Haß Katharina Lichter Lena Bauer Lena Roder Lisa Dertmann Mathias Rickert Max Schmitt Raphael Schröter Samuel Jambrek Sarah Zimmermann Auflage 5.000 Stück

Studierendenvertretung

2.0

StuV-Wü auf Sendung

Du willst immer über die neuesten Aktivitäten deiner Studierendenvertretung informiert sein? Du willst eine direkte Möglichkeit mit dem Sprecher- und Sprecherinnenrat in Kontakt zu treten? Du willst alle unsere Termine mitbekommen? Oder uns nur schnell etwas mitteilen? Dann werde unser Freund im StudiVZ (SprecherInnenrat Uni Würzburg) oder auf Facebook (Sprecher- und Sprecherinnenrat) oder abonniere die SSR-Montagsmail auf www.stuv.uni-wuerzburg.de/montagsmail/

Corinna rogger

Was bedeutet eigentlich ,,Ehrenamt" für die Studierenden der Universität Würzburg?

riger, wenn man das ,,Ehrenamt" diagnostizieren will. Grundsätzlich beinhaltet es wohl immer eine freiwillige Tätigkeit zum Nutze des Allgemeinwohls und ohne (nennenswertes) materielles Entgelt. Warum sollte man es aber dann überhaupt ausführen? Der Grund liegt nahe: weil auch solche Ämter übernommen werden müssen! Es gibt schon zu viele Bereiche der Öffentlichkeit, in denen massiv an finanziellen Mitteln zum Erhalt des Selbstverständlichen gespart wird. Viele Ehrenämter müssen beispielsweise die Arbeiten der früheren Zivildienstleistenden ausgleichen. Und mit jeder Einschränkung auf Finanzebene steigen die Verantwortung und die Notwendigkeit auf Ehrenamtsebene. Wie kann man jedoch mit einem Stundenplan der Universität und den damit verbundenen Strapazen zwischen den Vorlesungen und Seminaren noch die Zeit finden, sich ehrenamtlich zu betätigen. Dass es dafür kein Schema F gibt und sich auch niemand das Recht herausnehmen wird, eine Musterlösung zu kreieren, ist von vornherein klar. Doch vielleicht können die einzelnen Studierenden, die in dieser Ausgabe von ihren Tätigkeiten berichten, das ein oder andere Zeitfenster erschließen. Denn diesmal berichten Vertreter aller Fakultäten davon, wie man mit ihrer Fächerkombination ein Ehrenamt unter Dach und Fach bringt. Und wenn wir alle ehrlich zu uns selbst sind, können wir für jede Ausrede eine Antwort finden: ,,Am Freitag fährt auch noch nach 18:00 Uhr ein Zug nachhause." ,,Samstags geh ich sowieso nur abends fort, tagsüber hätte ich Zeit." ,,Dienstagnachmittag und Mittwochfrüh hab ich eigentlich frei, da sollte doch eigentlich noch Platz zu finden sein." So und ähnlich würden unsere ehrlichen Aussagen lauten. Und was ein Ehrenamt alles bringen kann, darf ebenfalls jedeR Befragte in dieser Ausgabe selbst schildern. Es muss nicht immer alles Geld sein, was man am Ende mit sich führt... Riccardo Altieri

Der Begriff Ehrenamt hat wohl schon eine Vielzahl von Bedeutungswandeln vollzogen. Nimmt man nur folgenden Eintrag aus dem Jahre 1838: ,,Dies sind nämlich diejenigen (Ehrenämter), bei deren Errichtung sogleich die Absicht ist, daß sie darum, besonders von jungen Leuten, ambiert werden sollen, um sich darin die nöthigen Fertigkeiten für besoldete Staatsämter zu erwerben und so zu diesen zu gelangen. Wir meinen damit die Ämter der Asculatoren, Referendarien, Auditoren und unbesoldeten Assessoren bei Landeskollegien und anderen Landesstellen. Daß diese Ämter Ehrenstellen sind, läßt sich nicht bezweifeln (...)"

­ Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, S. 426

Hinlänglich bekannt sind wohl die Schwierigkeiten bei Definitionsversuchen. Das scheitert schon am Begriff ,,Ehre" und wird noch schwie-

Seite 2

Christoph sChmitt

November 2011 Sprachrohr

Editorial/Inhalt

Editorial | November 2011

In dieser Ausgabe bieten wir euch einen Einblick in den Alltag unserer neuen Erstis. Auch, wie wir etwas älteren Studierenden die Neulinge empfangen oder wahrnehmen, soll in leicht humoristischer Weise beleuchtet werden. Dann gibt es eine Reihe neuer Kolumnen für die nächsten Ausgaben: Katharina Haß schreibt uns in jeder Ausgabe, wie es ihr in den USA ergeht. Max Schmitt führt uns durch seinen unverwechselbaren Schreibstil in seine Welt der digitalen Sozialnetzwerke. Lena Roder gewährt uns ein weiteres UNIversal, in dem sie ihre Sicht der Dinge an der Universität schildert. Und unser alter Hase, Mathias Rickert, schreibt uns aus Frankreich... auf Englisch! Die politischen Hochschulgruppen haben wir in dieser Ausgabe passend zum Titelthema gefragt, wie sie generell zur Vergabe von

Riccardo Altieri

für das Sprachrohr und den Sprecher- und Sprecherinnenrat

ECTS für private Ehrenämter stünden. Lassen wir uns überraschen... Mittlerweile ist der Betrieb an der Uni ja wieder in vollem Gange. Doch gerade in den ersten Wochen des Semesters war schon so viel los, dass wir euch das hier unbedingt mitteilen wollten. Freut euch auf eine Vielzahl an spannenden Berichten und Interviews zu Filmen, Filmfestivals, Theaterstücken und anderen kulturellen Ereignissen. Das Angebot der Stadt war selten so groß wie in diesen Tagen und dennoch wollen auch wir noch ein Schlückchen hinzufügen. Am 24.11. findet bereits unsere 2. Weinprobe in diesem Wintersemester statt. Und wer sich langsam auf Weihnachten einstimmen möchte, der kann in den nächsten Wochen sicher die ein oder andere Nikofete seiner Fachschaft besuchen. Alle Termine findet ihr wie immer in unserem Veranstaltungskalender am Schluss.

Sprachrohr 04 November 2011

TITELTHEMA

4 5 "Und wozu das alles?" Ehrenamt im Studium Weltverbesserer oder Engagementfaulpelze? Der Ehrenamts-Check In der Freizeit Gutes tun Von Mensch zu Mensch - Die Freizeitclubs der KHG Mehr als nur Arbeit und Schlafmangel Alles unter einen Hut zu kriegen ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich!

Inhalt

08

MENSApLAN

13 Mensaplan vom 21. November bis zum 16. Dezember

(UNI-)LEBEN

12 Ein Tag mit... Christian Steinberger 18 Wir sitzen alle in einem Bus Und jährlich grüßt der Murmel-Ersti 19 Spezialisten der Spontanität Improfestival 2011 - "Win your Musical" 20 1 Tag, 3 Studis Die Uni aus 3 Perspektiven 21 Ehrenamt auf den zweiten Blick Ehrenamt inmitten von Bahnhof und Gefängnis Neuigkeiten aus Paris Englisch für Fortgeschrittene

12 19

23 Buchrezension Tauben fliegen auf

6

7

STUDIERENDENVE TRE TUNG

8 9 Was ist eigentlich Kultur? Wein, Theater, Sport und Musik? Die Studi(o)bühne geht in die nächste Runde Vielseitiges von Ende und Dürrenmatt Sagenhaftes Island Bücher von der Vulkaninsel

KULTUR

22 Von Eco bis Roche Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse Unnützes Uniwissen 23 Filmkritik Dreivertelmond

ANSICHTEN

24 Kolumnen 26 Fünf Fragen an Drei Stiftungen Wie sie antworten würden und für wen sie geeignet sind 27

NACHGEFRAGT

10 Heute: Ehrenamt

TERMINE

Seite 3

Titelthema

Sprachrohr November 2011

gewöhnlich schläft, abends die Füße hochlegt, Hausarbeiten schreibt, Referate vorbereitet, das besagte Glas Wein trinkt und und und. Es gibt eine Vielzahl an karikativen Einrichtungen, die gerade auf die Hilfe von jungen Erwachsenen angewiesen wären. Dabei sind bei weitem nicht alle Angebote unentgeltlich! Doch selbst wenn die Ambitionen seitens der Studierenden da sind, fehlt es nicht selten an der Zeit. Zeit, die falls vorhanden, gerne dem Jobben in der Kneipe, Regale auffüllen im Drogeriemarkt, oder Kassendienst im Supermarkt zum Opfer fällt. Denn die Miete muss gezahlt werden, der Kühlschrank ist auch schon wieder leer ­ und huch - es ist Winter, da könnte man die Chucks mal gegen festeres Schuhwerk tauschen... Im Ehrenamt ist nichts zu holen. Außer Spesen nix gewesen! Zudem ist eine Tätigkeit im Altenwohnheim, die regelmäßige Mitarbeit im Faschingsverein, als auchsowie die Mitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr, wesentlich zeitaufwendiger, als vier Stunden Kassendienst am Wochenende. Vielleicht wäre allen geholfen, würde man beispielsweise Studienbedingungen ändern. Wie wäre es, nicht nur bei Stipendien soziales Engagement vorauszusetzen? Es könnte doch jeder ehrenamtlich etwas leisten, der keine Lust hat Studiengebühren zu zahlen? Man könnte doch, statt dem Wehrdienst, ein soziales Jahr einführen ­ für Männlein und Weiblein. Ja es dürfte auch einen kleinen Pass geben, mit dem man sich für 400 eingetragene Arbeitsstunden einen schicken City-Gutschein über Betrag-X der jeweiligen Stadt abholen kann... Nur löst das leider auch nicht das Zeitproblem. Wann sollen all die hilfsbereiten Jünglinge, all die arbeitsgierigen Menschen, sämtliche tätigkeitsbegehrenden Massen denn ran an den Speck? Spielen wir Sarahs Beispiel doch einmal durch: Sie studiert Medienkommunikation in einer Stadt, rund 100 Km von zu Hause entfernt. Dort war sie im heimischen Sportverein, Messdienerin, betreute eine Jugendgruppe, in der sie früher als Kind schon mitwirkte und ist fleißige Klarinettistin im Musikverein. Nun lebt sie in einer anderen Stadt. Lebt nicht im Kinderzimmer ihres Elternhauses, in dem die Schmutzwäsche wie durch Zauberhand gewaschen und gebügelt wieder in den Schränken landet. Lebt in einer eigenen kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung, deren Kühlschrank sich nicht von selbst auffüllt. Und die größte Frechheit: Die 30qm kosten auch noch Miete! Nun ja. Über den Daumen, gepeilt springt unsere Protagonistin von 10-18 Uhr auf dem Campus umher. Da ein Kurs, da eine Vorlesung, hier ein Tutorium... Danach gibt es alle paar Tage eine kurze Schicht in der Bibliothek, im heimischen Ambiente finden Vor- und Nachbereitung des Unitages statt. Samstags wird fleißig in der städtischen Studentenkneipe gekellnert. Das peppt das Bafög BAföG auf und vermeidet Tütensuppe ab Monatsmitte. Alle vier bis sechs Wochen fährt sie heim ­ trifft Eltern, Freundeskreis, Verwandte. Als passives Mitglied, ist sie bei all ihren Vereinen und Initiativen gern gesehen. Doch mit anpacken kann Sarah nicht. Denn sie studiert. Und wozu das alles? Max Schmitt

,,Und wozu das alles?"

E

Ehrenamt im Studium

DIe Welt verbessern? Ehrenamtlich Engagierte des Asyl-AK der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG)

in ehrenvolles und freiwilliges öffent- Engagement fehlt es hinten und vorne. Denn liches Amt, das nicht auf Entgelt aus- es dauert nicht lange, bis bei vielen die Frage gerichtet ist." ­ so lautet ein Definiti- kommt: ,,Und wozu das alles?" Etwas Gutes tun, onsversuch des Begriffs ,Ehrenamt'. hin oder her. Am Ende des Geldes ist oft sehr An und für sich dürfte der Terminus wohl so viel Monat übrig ­ und trauriger Weise geht es schwer zu definieren sein, wie das Wort ,Arbeit' letzten Endes immer irgendwann um Scheine selbst. Ob Kirche, Sportvereine, Feuerwehr, und Münzen. Gerade bei den Studierenden Caritas oder sonst eine Initiative. Kaum eine kommt es immer häufiger vor, dass sie, im VerOrganisation, wohltätiger Natur oder nicht, gleich zu ihrer Schulzeit, Ehrenämter vernachkann heuer ohne das Ehrenamt überleben. lässigen oder gar aufgeben (müssen). GemeTierschutzprojekte, Telefonseelsorge, DrK sChwanheim-golDstein | fliCKr.Com Jugendorganisationen, Umweltschutz, Betreuung von Kranken und vieles mehr, wird zu einem großen Teil von ehrenamtlichen Arbeitskräften bewältigt. Und wozu das alles? Nicht selten sind es vollwertige Halbtagskräfte, oder gar Vollzeitjobs, die durch das sogenannte ,Ehrenamt' getragen werden. Vorstände von Sportvereinen, deren Platz- und Kassenwart, sehen keine müde Mark ­ natürlich auch keinen euphorischen Euro. Am Monatsende wartet kein Lohn auf die nette alte Dame, die im Pfarramt sonntags Kaffee und Kuchen verteilt. Kein Teenager, der nachmittags im Jugendzentrum ein paar Kids betreut, kann sich so sein Taschengeld aufbessern. Keiner, der rund 23 Mil- Ehrenamtlich engagieren: Zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz lionen Deutschen (über 14 Jahre), macht diese Tätigkeit des Geldes wegen. Es geht den ckert wurde über die zeitliche Auslastung der Menschen um viele Beweggründe ­ doch Geld Studentenschaft Studierendenschaft seit Bologspielt keine Rolle. Nun könnte man damit das na schon zu genüge. Doch auch wenn Bildung Thema abschließen, sich freuen, dass alle so viel kostenlos, aber nicht umsonst ist, mag die liebe helfen und mit anpacken. Doch was nach einer Sarah (Studentin, 1. Semester) auch eine WohÜberversorgung an Freiwilligen Arbeitskräften nung, regelmäßig Essen, ein paar fetzige Klaaussieht, ist mehr als nötig. Nicht nur Vereinen motten und vielleicht abends ein Glas Wein mit und Kommunen fehlt es an finanziellen Mit- ihren KommilitonInnen trinken gehen. Schaut teln, um genügend Festangestellte für all die man sich den Alltag nicht weniger StudentInTätigkeiten zu beschäftigen. Weder Vater Staat, nen an, fällt schnell auf, dass zwischen Zeit an noch Mami MerkelRegierung, scheint scheinen der Universität und Zeit an der Universität am die Mittel zu haben, um diese Ämter wenigsten nächsten Tag, oft nicht mehr als 10-12 Stunein bisschen zu entlohnen. Ja selbst mit all dem den liegen. 10-12 Stunden, in denen man für

Seite 4

November 2011 Sprachrohr

Titelthema

Weltverbesserer oder Engagementfaulpelze?

Der Ehrenamts-Check

D

ie Engagierten sind doch leider immer die Blöden", rutscht es einer Studentin in diesen Tagen im Philosophischen Institut auf die Frage nach dem Ehrenamt hinaus. Während die Bologna-Reform seit einigen Jahren ein Karussell aus zahlreichen Modulverwirrungen und dichtgedrängten Stundenplanexplosionen antreibt, sind die Engagierten inmitten der zunehmenden Uni-Vorbereitungen zusätzlich belastet. Weltverbessern ohne ECTS-Punkte heißt die Devise und am Ende winkt kein Geld, sondern weniger Zeit. Ein wenig erstrebenswerter Zustand ­ somit doch lieber Engagementfaulpelz sein? Erfahrungsgemäß läuft das studentische Hamsterrad der Verpflichtungen nach ein paar Wochen ohne Zutun heiß. Rasch schleicht sich da nach dem Motto ,,Eigentlich wollte ich doch noch das und das tun, ABER..." der Teufelskreis aus Müssen und (anderes lieber) Wollen in die Studierendenköpfe ein. In einem Anflug von stetig wachsender Bewunderung schielt man dann auf besagte, motivierte Kommilitonen, die das Studieren dem Augenschein nach vermeintlich viel lockerer meistern als das eigene von PowerPoints, Papers und Proseminaren rauchende Hirn. Fernab des wetteifernden Jagdfiebers nach ECTS-Punkten finden sie bewusst und ausreichend Zeitfenster, sich zu engagieren: In den uniinternen Arbeitskreisen der StuV, beim Roten Kreuz oder dem Jugendhaus von nebenan. Getreu dem Titelthema ,,Workload vs. Ehrenamt" bleibt an dieser Stelle, herauszufinden, ob jene Engagierte die berühmt berüchtigte Ausnahme in Würzburg sind. Widmet sich der Würzburger Ot-to-Normalstudent, die Würzburger Ottonormalstudentin inmitten von Bachelor-Master-Systemen überhaupt noch einem Ehrenamt und wenn ja, wo? Mit dem Versuch, gerade nicht die üblichen Verdächtigen anzusprechen, trat Sprachrohr im Zufallsprinzip an die Studierenden der Uni Würzburg mit nachfolgender Frage heran: Findest du neben deinem Bachelor-Studium/deinem modularisierten Studium noch Zeit, dich ehrenamtlich zu engagieren? ,,Wegen meines Studiums würde es einfach nicht klappen. Die Anforderungen der einzelnen Veranstaltungen lassen mir da kaum einen Spielraum." (BA Anglistik/Französisch) ,,Ich habe nicht mal Zeit, mir einen bezahlten Nebenjob zu suchen, deswegen kommt Ehrenamt für mich leider nicht in Frage." (BA Spanisch/Wirtschaft, 3. Sem.)

Kurz nachgehakt: Christine

Kurz nachgehakt: Anja

Christine, 23, Lehramt HS, engagiert sich u.a. beim Kreisjugendfeuerwehrverband im Landkreis Bad Kissingen.

Anja, 20, Lehramt Gym, ist einmal pro Woche ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission anzutreffen. Mitmachen auf www.bm-wuerzburg.de !

Sprachrohr: Beschreibe kurz dein Ehrenamt! Christine: Bei meiner FFW im Ort bin ich Jugendwartin und engagiere mich zusätzlich auf Kreisebene. Wir wollen die Jugend ins Ehrenamt holen und vernetzen die Ausbildung, nehmen Prüfungen ab und organisieren Infoveranstaltungen und ­kampagnen oder kreisweite Wettkämpfe. Sprachrohr: Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch? Christine: Manchmal ist es mehr, manchmal weniger, zwischen sechs bis zehn Stunden in der Woche. Das A und O ist eine gute, zeitliche Strukturierung. Sprachrohr: Fasse zum Abschluss deine Intention dabei in Worte! Christine: Irgendwann braucht jeder Hilfe und ganz wichtig ist, sich bewusst zu machen, wie viel in der Gesellschaft vom Ehrenamt getragen wird. Engagement muss nicht zeitaufwändig sein, d.h. man muss nicht gleich so viel machen wie ich. Es lässt sich mit dem Bachelor vereinbaren, denn auch die kleinen Aufgaben tragen dazu bei, dass Gemeinschaftsleben funktioniert.

Sprachrohr: Wie sieht deine ehrenamtliche Tätigkeit aus? Anja: An einem Nachmittag helfe ich vier Stunden bei der Würzburger Bahnhofsmission. Wir sind soziale Anlaufstelle für Bedürftige, geben Essen oder Tee aus, bieten Umsteighilfen für Senioren und Menschen mit Behinderung an oder einfach ein Gespräch. Sprachrohr: Merkst du die zeitliche Mehrbelastung? Anja: Manchmal merke ich schon, dass mir die Stunden fehlen, doch das ist es mir wert. Dafür lege ich dann eben eine Nachtschicht ein. Sprachrohr: Was treibt dich zu deinem Ehrenamt an? Anja: Mein Kopf wird gerade auch dadurch vom belastenden Studium frei. Ich merke, was wirklich wichtig im Leben ist - eben nicht die ECTS-Punkte, sondern besonders das Zwischenmenschliche, die gegenseitige Hilfe. Das kommt im Studium oft zu kurz!

Fazit

haben. Vielmehr steht er exemplarisch für die zahlreichen Ehrenämter und die Beweggründe, die selbiges fördern oder verhindern. Alle Personen entdeckte SPRACHROHR zufällig, ohne sie vorher zu kennen. Am Ende bleibt es dem Einzelnen selbst überlassen, den Versuch zu wagen, sich einmal pro Woche zeitlich freizuschaufeln und ehrenamtlich tätig zu werden ­ die Währung dafür sei nicht Geld, sondern Nächstenliebe! Katharina Lichter

Das Meiste geschieht unbemerkt! Eine Ten,,Ich habe mich noch nie engagiert und hatte bis denz zeigte sich dennoch: Workload geht als jetzt auch keinen Anreiz dazu." trauriger Sieger aus dem Zweikampf hervor (BA Mathematik, 3. Sem.) und die vermeintlichen Engagementfaulpelze ,,Die wenige Zeit neben dem Studium nutzen wir wären oft gerne Weltverbesserer, wenn nicht lieber für Freunde, Familie und Hobbies. Natür- der allgemeine Leistungsdruck im Studium lich finden wir es gut, wenn sich Leute enga- dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gieren. Oft haben die unibedingt eh schon ein machen würde. Der Ehrenamts-Check deckt volles Tagespensum und hetzen dann regelrecht in seinem kleinen Umfang sicher nicht die von Termin zu Termin." Bandbreite der Ehrenamtsvielfalt ab, die die (Lehramt Gym D/Geo, 5. Sem.) Studierenden an der Uni Würzburg zu bieten

Seite 5

Titelthema

Sprachrohr November 2011

wechslungsreiches Programm. So hat man mit den Kindern schon das Polizeipräsidium, die Feuerwache, das Mainfranken-Theater und den Tierpark in Sommerhausen besucht. Doch auch ein Bootsausflug mit anschließendem Eisessen sowie ein Besuch des Weihnachtsmarktes gehören zu den regelmäßigen Aktivitäten. Ab und an mietet man sich dann sogar eine Hütte im Wald ­ zuletzt in Grammschatz ­, um etwas mehr Zeit zu haben. Dann werden auch schon mal gemeinsam Plätzchen gebacken oder Freya, eine der Studentinnen, berichtet mit einer Bildpräsentation von ihrem Besuch in Peru. Aber warum macht man so einen Job überhaupt? Simon Theisen (9. Semester, Medizin) ist schon seit vier Jahren im FC und weiß, was er davon hatte. Die Dankbarkeit der Teilnehmer und ihre Freude im FC sind schon die größte Belohnung. Und wenn man sich schon vor der Universität ehrenamtlich betätigt hat, dann hört man nicht einfach auf. Nach der Schule hat Simon sogar ein FSJ in Frankreich gemacht und dort Menschen mit Behinderung betreut. Als es nach Würzburg kam, gefielen ihm alle AKs der KHG, aber nach ein paar Treffen des FC war er sich sicher: ,,Hier möchte ich bleiben!" Dabei ist jede Arbeit immer freiwillig. Niemand kann gezwungen werden und gelegentliche Abwesenheit ist kein Problem. Auch Agnes Keber, die ebenfalls Medizin studiert und sogar schon fast fertig ist, war insgesamt vier Jahre aktiv im FC und, bei seiner Gründung vor zwei Jahren, auch im TeenieFC. Damals brachte sie ihre Schwester in den AK und als sie eines Tages ihr Studium beendet hatte, war Agnes an ihre Stelle nachgerückt. Auch sie war schon vor der Universität sozial aktiv. So hat sie ein Jahr als Aupair-Mädchen in Neuseeland ein Kind mit Behinderung gepflegt. Aber das soll nicht abschrecken: ,,Nicht jeder hier studiert Medizin oder Sonderpädagogik!" Ganz im Gegenteil, einige studieren sogar Politikwissenschaften, wie z. B. Anne-Sophie Oehrlein. Ebenso wenig sollte das Ehrenamt an sich abschrecken: ,,Man muss sich eben die Zeit nehmen. Und freitags alle zwei Wochen zwei bis drei Stunden herzugeben, kann wirklich jeder Studi leisten, egal was er studiert.", sagt die angehende Medizinerin. Und es macht sogar Spaß: ,,Die Leute, die hier arbeiten, sind alle auf einer Wellenlänge. Wenn man dann noch sieht, wie sich die Teenies und die Eltern über die Arbeit freuen, dann hat man seinen ideellen Lohn schon erhalten." Im Schnitt sind die Studierenden etwa zwei bis drei Jahre aktiv im Amt. Da viele gleichzeitig angefangen haben, wird demnächst ein ganzer Schwung an Studis weggehen. Da muss also unbedingt Nachwuchs her. Es gibt keine Verpflichtungen, keinen Druck. Eine Teilnahme ist jederzeit erwünscht. Wer Lust hat, meldet sich einfach bei Gabi Denner von der KHG. Riccardo Altieri

In der Freizeit Gutes tun

Von Mensch zu Mensch ­ Die Freizeitclubs der KHG

F

Der Teenie-FC der KHG auf Ausfahrt nach Grammschatz

reizeitclub, kurz FC, ist die Bezeichnung für einen Arbeitskreis junger Studierender, die sich in Kleingruppen an vier verschiedenen Terminen in der Woche für Menschen mit und ohne Behinderung einsetzen. Die Treffen dauern von 12:15 bis ca. 15:00 Uhr und sind gekennzeichnet vom amüsanten Miteinander und vom Hinter-sich-lassen des Alltags. Alle Mitglieder des FC arbeiten in den Mainfränkischen Werkstätten und werden jeden Freitag nach der Arbeit von einem Bus abgeholt und in die KHG gefahren. Dort werden sie von den Mitarbeitern des FC begrüßt. Früher haben das mal zwei Zivis gemacht, aber seit der Aussetzung der Wehrpflicht müssen sich dafür zusätzlich junge Leute finden. In einer Gruppe von fünf bis sechs Studierenden und etwa 20 TeilnehmerInnen beginnt das Treffen mit einem Sitzkreis und ein paar ausgefallenen Anfangsritualen. Danach müssen die Geburtstagskinder der vergangenen Woche in die Mitte treten und bekommen ein Ständchen gesungen. Zum Schluss folgt der Leitspruch: ,,FC ­ olé!" und alle stürmen zu Kaffeeund Kuchen. Die Großgruppe wird im Anschluss in mehrere Kleingruppen un-

terteilt, um sich Themen wie Disco, Spaziergang, basteln oder ­ wohl oder übel ­ Spühldienst zu widmen. Im Anschluss an den Nachmittag werden alle von Bussen des Arbeiter-Samariter-Bundes abgeholt und heimgebracht. Doch das ist nicht die einzige Aktivität, die man unter der Woche hat. Jeden zweiten Dienstag- und Donnerstagabend treffen sich alle noch einmal, um in guter Tradition über die Ereignisse der Woche zu sprechen und sich gesellig auszutauschen. Ein Stammtisch, wie es früher hieß, könnte man meinen. Zusätzlich trifft sich jeden zweiten Freitagnachmittag der Teenie-FC und gestaltet von 16:30 bis ca. 18:15 Uhr die Nachmittage der Jugendlichen. Die Idee dazu kam dem Vater eines der Kinder, der damit einen Gedanken verband: Die Kinder und Jugendlichen sollen einmal alle zwei Wochen einen Ort haben, an dem sie nicht kontrolliert, korrigiert oder erzogen werden. Sie sollen einfach nur Spaß haben und ihren Alltag für gute zwei Stunden vergessen. Das gelingt den Studierenden nur durch ein ausgefallenes und ab-

Popgesang: Singstar spielen

Seite 6

November 2011 Sprachrohr

Titelthema

IntErvIEW

Mehr als nur Arbeit und Schlafmangel

Alles unter einen Hut zu kriegen, ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich!

inen Vollzeitstudent wie er im Bilderbuche steht, den gibt es wirklich und wir haben ihn gefunden! Lukas Gehrig [Name von der Redaktion geändert] heißt er und studiert seit neustem Lehramt an der Uni Würzburg. Er ist einer von diesen Exemplaren, welche, wie es scheint, vom Aussterben bedroht sind. Ein engagierter junger Mann, der begleitend zum Studium auch weiterhin versucht, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Sprachrohr: Was bedeutet deiner Meinung nach Engagement? Lukas: Für mich bedeutet Engagement vor allem soziales Engagement, dass ich mich freiwillig und ehrenamtlich in Veranstaltungen und Organisationen einbringe, die meinen Idealen und Überzeugungen entsprechen. Sprachrohr: Wie sah dein Tagesablauf noch vor dem Beginn des Lehramtsstudiums aus? Lukas: Vor meinem Studium habe ich mich vormittags darum gekümmert, am Ende mit dem Abitur aus der Schule zu gehen. Die Nachmittage, bzw. Wochenenden waren oftmals sehr verplant. Neben täglichem Schwimmtraining, was mein Ausgleich ist bzw. war, kamen in teils regelmäßigen und teils unregelmäßigen zeitlichen Intervallen Termine wie Zeltlagervorbereitungen, Dienste als Rettungsschwimmer, Band- und Chorproben oder organisatorische Aufgaben für die Jugendarbeit zusammen. Sprachrohr: Jugendarbeit? Chorproben? Wo genau bist du da tätig? Lukas: Ich bin Jugendleiter bei meinem KjGOrtsverband (Katholische junge Gemeinde). Ich schwimme aktiv bei der Wasserwacht (Bayerisches Rotes Kreuz) und leiste in regelmäßigen Abständen Dienste als Rettungsschwimmer im Schwimmbad ab. Zusätzlich singe ich

E

tetyana pryymaK | fliCKr.Com

in zwei Chören und bin Sänger bzw. Keyboarder in 2 Rockbands. Sprachrohr: Wie ließ sich das mit der Schule und den Hobbys überhaupt vereinbaren? Lukas: Da sowohl Schwimmen als auch die Musik meine beiden großen Hobbys sind, gibt mir die Arbeit mit entsprechenden Gruppen und Organisationen natürlich enorm viel. Mein Wunsch, Lehrer zu werden, entspringt nicht zuletzt auch aus meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Vereinigung von Schule und sozialem Engagement gestaltete sich oftmals schwieriger. In Zeiten vieler Klassenarbeiten und Klausuren ging das nicht selten zu Lasten von ausreichend Schlaf. Für die Abiturprüfungen habe ich mich dann aber selbstverständlich aus den meisten Dingen für zwei bis drei Monate ausgeklinkt. Sprachrohr: Nun gehört Schule zur Vergangenheit und du bist Student an der Uni Würzburg. Würdest du sagen es gibt noch Platz für ehrenamtliche Tätigkeiten oder musst du bereits am Anfang deines Studiums Abstriche machen? Lukas: Die KjG ist ein auf Diözesanebene organisierter Verband. Auch hier in Würzburg ist die KjG vertreten. Genauso, wie meine sportlichen und musikalischen Betätigungen, wird sich auch die Jugendarbeit in Würzburg fortsetzten lassen. Neue Pläne und Projekte? Mir schwirrt da schon einiges im Kopf herum, allerdings sollte mein Studium natürlich im Vordergrund stehen. Wenn ich mich in das Studentenleben richtig eingefunden habe, bleibt immer noch genug Zeit und Möglichkeit, sich sozial zu entwickeln. Sprachrohr: Du scheinst alles wunderbar unter einen Hut zu kriegen und ohne Probleme zu meistern. Gibt es vielleicht nicht doch ein paar Schattenseiten?

Lukas: Die einzige Schattenseite, die es bei mir gibt, ist der zeitweise Schlafmangel, da ich mir des Studenten liebste Beschäftigung - Party - nicht nehmen lasse und auch Freundschaft einen hohen Stellenwert für mich hat. Das geht von Zeit zu Zeit dann natürlich auf Kosten des Schlafs. Sprachrohr: Was veranlasst dich überhaupt dazu, solch ein Engagement an den Tag zu legen? Lukas: Diese Frage ist meiner Meinung nach falsch gestellt. Eigentlich sollte man alle Menschen, die sich sozial nicht in die Gesellschaft einbringen, nach dem Warum fragen. Mir gibt soziales Engagement sehr viel. Es ist so vielseitig und für jeden Menschen befriedigend, wenn er oder sie sich in einer Organisation seines Interessenbereiches einbringt. Aber um die Frage jetzt nicht komplett unbeantwortet stehen zu lassen: bei der Organisation und Durchführung eines Zeltlagers steht für mich immer im Mittelpunkt, dass ich als Kind auch in ein tolles Zeltlager fahren konnte. Das soll den nachfolgenden Generationen an Kindern nicht anders geschehen. Sprachrohr: Was würdest du unseren Lesern zu dem Thema noch mit auf den Weg geben? Lukas: Da kenne ich ein schönes Zitat von Christian Morgenstern, der einmal sagte: "Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas. Ich sage, findet etwas!" Sprachrohr: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für dein Studium! Link zum KjG Würzburg www.kjg-wuerzburg.de/seiten/index.html Link zum Bayrischen Roten Kreuz www.kvwuerzburg.brk.de/ Galina Bauer

Seite 7

Studierendenvertretung

Sprachrohr November 2011

Was ist eigentlich Kultur?

Wein, Theater, Sport und Musik?

Sehr anschaulich beschreibt es der niederländische Wissenschaftler Fons Trompenaars: ,,Ein Fisch spürt erst dann, dass er Wasser zum Leben braucht, wenn er nicht mehr darin schwimmt. Unsere Kultur ist für uns wie das Wasser für den Fisch. Wir leben und atmen durch sie." Damit uns allen an der JMU nicht bald die Luft zum Leben außerhalb der Seminar- und Vorlesungsräume fehlt, macht sich der Arbeitskreis Kultur daran, dass kulturelle Angebot an unserer Universität aufzupeppen. Neben den Angeboten der einzelnen Fakultäten und der Zentralbibliothek möchte der AK ein fakultätsübergreifendes Veranstaltungsprogramm von Studierenden für Studierende schaffen.

WEInprobEn

Los ging es bereits Anfang des Monates mit der ersten Weinprobe im festlich illuminierten Gewölbekeller der Residenz. Der Abend begann mit einer kurzen Führung durch die weitläufigen und labyrinthisch verschlungenen Kellergänge des ehemaligen "Fürstbischöflichen Hofkellers". Zum Beispiel erfährt man allerlei Nützliches über Pilzkulturen, die sich an den historischen Gewölbewänden tummeln. Im Anschluss daran ließen sich mehr als hundert Studierende an zwei langen Tafeln zwischen riesigen Holzfässern zu Schinken, Brot, Käse und sechs Weinen nieder und lauschten, gemütlich zusammengekuschelt, Anekdoten, die rund um den Wein existieren. Am 24.11. findet die zweite Weinprobe statt, für welche es bereits nach wenigen Tagen keine Karten mehr gab.

Nicht weltbekannt: Der Künstler Raphael Schröter studiert an der Uni Würzburg

LÄnDErWoCHEn

Ein längerfristiges Projekt des AKs sind die Länderwochen. In einer sogenannten Länderwoche wird versucht, die Kultur einer anderen

Nation in Ausschnitten über mehrere Abende hinweg vorzustellen. Ziel der Länderwochen ist es, das Interesse für verschiedene Kulturen zu wecken. Die Veranstaltung will weniger einen Grobüberblick über Literatur- oder Kunstgeschichte geben, sondern exemplarisch einzelne Werke und deren Urheber vorstellen. Es wird unterhaltsam und informativ werden. Nachdem im November die indische Kultur bereits mit großem Interesse von den Studierenden angenommen wurde, werden vom 13.12.2011 - 16.12.2011 Matroschkas, Wodka und Polka in der ,,russische Woche" Einzug erhalten. Das "Theater Bolschoj", die studentische Theatergruppe der Slavistik, wird ein russisches Märchen von Evgenij Schwarz inszenieren. Im Mai 2011 hatten sie in den Räumlichkeiten des ,,Kunstkellers", der Bühne in der Kroatengasse 20, Gogols "Aufbruch aus dem Theater" aufgeführt. Weiterhin ist Mitte Januar eine Länderwoche über China geplant.

SCIENCE SLAM

Bei einem Science Slam treten Forscher vor Publikum auf und versuchen, in zehn Minuten auf möglichst geschickte Weise ihr Arbeitsgebiet vorzustellen. Am Ende stimmt das Publikum durch Applaus ab, wer seine Sache am besten gemacht hat. Über ein Jahr ist es jetzt fast her, dass der erste Science Slam im Audimax der Uni am Sanderring vielen Zuschauer begeistern konnte. Und so hat sich der AK Kultur dafür entschieden in diesem Wintersemester wieder SlammerInnen einzuladen, die den Saal mit ihrer Arbeit zum Kochen bringen.

EUROPAMEISTERSCHAFT 2012

Schon zur Fußball WM 2006 und zur Fußball EM 2008 gab es Liveübertragungen der Spiele in der Stadtmensa am Studentenhaus. Auf Großleinwänden wurden alle Deutschlandspiele und alle wichtigen Begegnungen übertragen. Der AK wird versuchen, ein Public Viewing in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk und der Studierendenvertretung zu organisieren.

OPEN AIR FILMABENDE

Was gibt es schöneres als an einem lauen Sommerabend mit Freunden, einer Flasche gutem Wein und Popcorn auf einer Wiese zu sitzen und mit vielen anderen einen Film zu schauen. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt von den Veranstaltungen, die wir im kommenden Jahr umsetzten möchten. Hast auch du kreative Ideen, wie dem kulturellen Leben an der Uni neuer Schwung gegeben werden kann, dann schau bei einem unserer nächsten Treffen im Café Klug vorbei oder besuche uns im Web unter www.stuv.uni-wuerzburg.de/arbeitskreise/ak_ kultur/ Wir freuen uns auf Dich! Christin Czarnecki

Geheimtipp Käse: Zu den Weinproben des Ak Kultur im Residenzkeller unbedingt mitnehmen!

Seite 8

November 2011 Sprachrohr

Studierendenvertretung

Die studi(o)bühne geht in die nächste runde

Vielseitiges von Ende und Dürrenmatt

Nach den Aufführungen der Stücke ,,Das Gespenst von Canterville", ,,Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner" und ,,Bernarda Albas Haus" im letzten Jahr hat in der studi(o)bühne auch dieses Wintersemester eine neue Theatersaison begonnen. Das Unitheater, das die Stücke in der Stadtmensa am Studentenhaus und zukünftig auch in der Kellerperle unterhalb der Burse präsentiert, hat einen großen personellen Zuwachs bekommen und probt nun fünf Stücke, die im kommenden Jahr aufgeführt werden. Von Michael Ende steht ,,Das Gauklermärchen" und ,,Die Spielverderber oder Das Erbe der Narren" auf dem Programm. ,,Das Gauklermärchen" handelt von einem kleinen Zirkus, der kurz vor dem Ruin steht und sich nur durch eine Werbekampagne für einen Chemiekonzern retten könnte. Bedingung ist jedoch, dass sich die Gruppe von dem behinderten Mädchen Eli trennt, weil es durch einen Chemieunfall geschädigt wurde. In ,,Die Spielverderber oder Das Erbe der Narren" treffen sich die Erben im Haus eines mysteriösen Wohltäters. Niemand kennt den anderen und doch erhalten sie nur ihr Erbe, wenn sie zusammenarbeiten. Als die Schicksalsgemeinschaft nun aber anfängt zu streiten, fällt zuerst

STUDI (o) BÜHNE

Unitheater Würzburg

an einer Aufführung aktiv zu beteiligen. Jeder, der gerne Regie führen, Bühnenbild entwerfen und bauen, beleuchten (u.v.m.) möchte, kann sich hier engagieren. Alle Stücke schlagen die Mitglieder beim ersten Treffen selbst vor und es wird gemeinsam entschieden, welche Stücke aufgeführt werden. Die Bühne überlässt die Interpretation der Stücke der Regieführung. Das heißt, jede Gruppe kann autonom über die Interpretation entscheiden, egal ob modern, traditionell, tragisch oder komisch. Das Unitheater ist eine unkommerzielle Bühne. Daher wird der Eintritt weiterhin bei allen Aufführungen frei bleiben. Bei Interesse und der Motivation sich im Bereich der Technik, des Bühnenbildes, der Regie oder als Schauspieler einzubringen, findest du den Kontakt im Internet: www.stuv.uni-wuerzburg.de/arbeitskreise/unitheater_studiobuehne/ Raphael Schröter

niemandem auf, wie das Haus sich zu verdüstern scheint. Von Dürrenmatt wird das ,,Portrait eines Planeten" und ,,Play Strindberg" aufgeführt. ,,Portrait eines Planeten" von Dürrenmatt zeigt eine Hand voll Götter, welche aus dem All einen Planeten betrachten und dessen Untergang lakonisch kommentieren. In ,,Play Strindberg" von Dürrenmatt decken ein Ehepaar und der Vetter der Ehefrau ihre persönliche Verwicklung in eine Geldbetrugsaffäre gegenseitig auf. Beide Autoren der vier Stücke lebten im 20. Jahrhundert. Doch sind ihre Werke ganz unterschiedlich: während der eine in Fantasiewelten entführen kann, schreibt der andere sehr realitätsnah. Beide Autoren vermögen aber, zum Nachdenken anzuregen. In Kooperation mit dem AK Kultur wurde ein Kurzfilmprojekt initiiert, dessen Ergebnis auch öffentlich vorgeführt werden. Als Arbeitskreis der Studierendenvertretung möchte die Bühne in erster Linie allen Interessierten die Möglichkeit bieten, sich

Sagenhaftes Island

Bücher von der Vulkaninsel

Island. Eine Märchenlandschaft umgeben von Vulkanen, Fjorden und eisiger Kälte. Ein Traum, umrahmt von steilen Hängen, von Basalt und Schlacke. Gedanken über eine Insel, deren Landschaft nicht nur eine Vielfalt unglaublicher Erscheinungen bietet, sondern dessen Literatur auch dazu einlädt, in den träumerischen Gedanken kunstvoll geschriebener Märchen, Sagen und Mythen einzutauchen. Eine Insel, auf der es an manchen Tagen zu hell und an anderen zu dunkel ist. Und doch ist es so viel mehr. Island - das Paradies, in dem die kleinsten Pferde der Welt Zuhause sind und alkoholfreies Bier den Namen ,,Pilsner" trägt. Regiert von einem politischen System, das die künstlerische Innovation dieses jungen Landes nicht nur durch seine Ministerpräsidentin reflektiert. Schaut man über die Rauheit und Kälte der Landschaft hinweg, so lässt sich leicht der ein oder andere wärmeschenkende Geschichtenschreiber entdecken. Deshalb und aus noch so manch anderem Grund kam es, dass diese zauberhaft verzaubernde Insel nun als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse der Literaturwelt vorgestellt wurde. Und das wiederum brachte die Köpfe der Franken zum Dampfen, denn eines ist sehr wohl klar: ,,Was Frankfurt kann, das kann Franken schon längst!" und so kam es, dass ein Stück Island nach Würzburg gebracht wurde. Eine von der Buchhandlung Knodt speziell organi-

© projeKtbüro sagenhaftes islanD

schildert die Autorin hier sierte ,,Buchmesse" SAGENHAFTE die Beschaulichkeit des öffnete interessierten Besuchern am BÜCHER AUS ISLAND Heranwachsens der zwölfjährigen Agga in einem 27. Oktober 2011 kleinen Fischerdorf, bis die Türen zum Thedieses durch das Erscheiater am Neunerplatz nen ihrer Tante Freya mit und noch viel mehr den ,,eisblauen Augen" - die Pforten in ein plötzlich herumgewirbelt sagenhaftes Island. wird. Aber nicht allein der Nach der mühLiteratur, sondern auch samen Suche eines der isländischen Esskulnoch freien Plattur wurde ein gefüllter zes, wurden die Topf Aufmerksamkeit geZuschauer in einer schenkt. So gab es in der gemütlichen UmgePause kleine Köstlichkeibung kurzer Hand ten von der Insel, die sich gesanglich in die nicht nur knapp südlich Traditionen des jundes nördlichen Polarkreigen und dennoch Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse: Island ses genießen lassen. Die traditionsbewussten Landes eingeführt. Eine kleine Wegbeschrei- Pause war lang und kaum einer konnte es abbung durch das Land selbst diente als Einlei- warten, dass der Abend seinen Anschluss an tung für die Kurzvorstellung allerlei literari- den Berichterstattungen des Würzburger Vulscher Werke. Hierbei wurde eine interessante kanologen finden durfte. Und wenn ihr nun das nächste Mal, auf der und abwechslungsreiche Textauswahl getroffen. Neben der Vorstellung des 1954 mit dem Suche nach wärmendem Schutz vor der winNobelpreis ausgezeichneten Autors Halldór terlichen Tristheit, in eine der umliegenden Laxness und dessen ,,Fischkonzert" gab es un- Buchhandlung tretet, dann wagt doch einfach ter anderem auch die zauberhafte Geschich- einen Blick in die dunklen Ecken der dortigen te ,,Möwengelächter" der Autorin Kristin M. Regale und hinein in die verzaubernde Wärme Baldursdóttir als ein Vorgeschmack des islän- eines sagenhaften Islands. Hannah Ziegler dischen Literaturlebens. Auf charmante Art

Seite 9

Nachgefragt

Sprachrohr November 2011

Eine Möglichkeit, etwas Zeit zu gewinnen, kann sich aus Ehrenämtern ergeben. Wenn Studierende neben ihrem Studium einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen, kann man das in einigen Fällen als Praktikum o. ä. anrechnen lassen. Damit hätte man sich ein bisschen Zeit frei geschaufelt und könnte diese wiederum für den Besuch eines interessanten Seminars nutzen, das man vielleicht gar nicht anrechnen braucht. Man besucht es dann quasi rein aus Interesse. Aber gibt es so etwas noch? Interesse an Seminaren und Vorlesungen? Und wie soll man dazu stehen, dass Betriebspraktika beispielsweise mit sozialen Arbeiten für Jugendliche gleich gesetzt werden? Was genau Ehrenamt bedeuten kann und wie man die Verbuchung an einer Hochschule damit verbinden soll, vermögen die politischen Hochschulgruppen zu erläutern:

nina paley

Nachgefragt.

Heute:

Ehrenamt

Im Jahr 2007 wurde für Bayern das modularisierte Studium eingeführt. Damit begann für viele der Alptraum des ECTS-Punktesammelns. Viele Dozierende beklagen sich seitdem, dass Studierende sehr viel lethargischer und desinteressierter an den Seminaren teilnehmen. Fra-

gen zu Beginn und am Ende eines Semesters betreffen viel häufiger das Verbuchungssystem und die Anrechnungsfälligkeit als die thematischen Inhalte eines Seminars. Das steigert die Frustration auf beiden Seiten. Denn auch die Dozierenden müssen viel mehr ihrer Arbeitszeit mit der Verbuchung von Credit-Points verbringen und können im Rückschluss weniger Zeit für Forschung oder Verbesserung der Lehre verwenden.

LHG

Liberale Hochschulgruppe

Ehrenamt ­letztendlich ist das der Oberbegriff für eine Tätigkeit, die man freiwillig und unentgeltlich macht, weil man an der Sache Freude hat. Dabei kann einer Vielzahl Einzelner etwas Gutes getan werden, es kann aber auch ein reiner Selbstzweck sein, wie die Tätigkeit in einem Verein Gleichgesinnter für ein Hobby, mit gleichen oder ähnlichen Ansichten oder mit einem gemeinsamen Ziel. Am Ende jedoch geht es immer um einen selbst: Wenn ich einen persönlichen Nutzen ­ und wenn das eben nur der Spaßfaktor ist ­ habe, dann werde ich ehrenamtlich aktiv. Die Möglichkeiten sind groß, sie spiegeln die Vereinswelt in ihrer ganzen Vielfältigkeit wider. Wir sehen aber eine Anrechnung von ECTSPunkten für ehrenamtliche Tätigkeiten als kritisch an, weil es ,,das" Ehrenamt eben nicht gibt. Soll denn nur solches Engagement belohnt werden, dass in eingetragenen Vereinen, Parteien oder ähnlichem stattfindet? Zählt denn nicht die Pflege der Nachbarin genauso dazu? Wie sieht das mit Aktivität in einem Chor oder in einer Studentenverbindung aus? Will man mehrmaliges Demonstrieren auch hinzunehmen? Gehört ein festes Amt als Schatzmeister, Vorsitzender oder Schriftführer dazu? Der Uni, die so etwas bewerten müsste, steht die Beurteilung solcher Fälle aus unserer Sicht nicht zu, weshalb es auch keine ECTS-Punkte geben darf. Das ist keine Geringschätzung ehrenamtlicher Tätigkeit, denn wir finden freiwilliges Engagement großartig! Nur: eine Entlohnung ehrenamtlicher Tätigkeit höhlt diese aus. Nicht mehr die Sache und der Spaß stehen im Vordergrund, sondern man macht es des Geldes ­ oder eben der ECTS-Punkte wegen. Im Zweifelsfalle schadet eine solche Motivation der Tätigkeit, ja im schlimmsten Fall dem gesamten Verein oder der gesamten Institution. Das Ehrenamt muss ehrenhaft bleiben. Â

JUSO

Juso Hochschulgruppe

ECTS-Punkte für Ehrenamt? Aus Sicht der Juso Hochschulgruppe ist ehrenamtliches Engagement ein freiwilliges Engagement. Die Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren, kommt nicht aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen, sondern aus einer inneren Überzeugung sich sozial, gesellschaftlich, politisch oder sonst in irgendeiner Art und Weise zu betätigen. Das Engagement ist somit altruistischer Natur und keine Leistung, die Studierende für die Erfüllung ihrer Studienanforderungen erbringen müssen sollten. Ehrenamtliches Engagement, das aus ,,falschen" Gründen erbracht wird, nützt unserer Ansicht nämlich weder denjenigen, die dieses Ehrenamt ausführen, weil sie sich womöglich nicht mit der von ihnen getanen Arbeit identifizieren können, noch denen, die von der ehrenamtlichen Arbeit profitieren, wenn sie merken, dass das Engagement nicht ihnen, sondern den Studienleistungen gilt. Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Es ist wünschenswert, dass gerade junge Menschen sich für ihre Überzeugungen einsetzen und ihr Umfeld aktiv mitgestalten. Natürlich sehen wir die Schwierigkeiten für Studierende, die eben genau beides versuchen, ihre Studienleistungen im Blick zu behalten, sowie sich ehrenamtlich zu engagieren. Gerade durch die Bachelor/Master-Umstellung bleibt vielen Studierenden oft keine Zeit sich neben dem Studium ehrenamtlich zu engagieren. Deshalb erachten wir es als wünschenswert, das Studium so zu gestalten, dass es mit ehrenamtlichemn Engagement vereinbar ist. Dazu müssten Studiengänge flexibler gestaltbar sein undoder das von uns geforderte Teilzeitstudium ermöglicht werden. Einen Leistungsgedanken im Ehrenamt lehnen wir ab. Das widerspricht auch der Definition von Ehrenamt. Wer sich die Frage stellt: ,,wo Wo gibt's die meisten ECTS-Punkte im Bereich Ehrenamt?", hat nicht verstanden, worum es im Ehrenamt geht. Freiwilliges Engagement soll und muss gewürdigt werden, jedoch nicht in Form von ECTS-Punkten an der Uni.

Â

Seite 10

November 2011 Sprachrohr

Nachgefragt

rcdS

Ring christlich-demokratischer Studenten

Workload ,,vs." (also ,,gegen") Ehrenamt ­ diese Art der Formulierung, den Arbeitsaufwand gegen das Ehrenamt ,,antreten" zu lassen impliziert, dass sich die beiden grundsätzlich nicht vertragen. Schlendert man jedoch auf der Erstsemester-Infomesse der Uni durch die zahlreichen Stände, blickt man in viele zufriedene Gesichter, für die das eine wohl eher das andere bedingt. Oft engagieren sich Studenten in ihrer Freizeit in einem studienfachnahen Bereich, z.B. sportlich, musikalisch, politisch oder kirchlich. Andere füllen die freien Stunden absichtlich mit einer Betätigung, die nichts mit ihrem Studium zu tun hat. Für viele ist es also ein klarer Fall, dass ihr ehrenamtliches Engagement in der Freizeit dazugehört. Doch immer wieder kommt die Frage auf, ob das angesichts des Arbeitsaufwands an der Uni überhaupt noch hinzukriegen ist und inwiefern man aktiv im Studium durch das Ehrenamt profitieren sollte. Wir sind der Meinung, Ehrenamt sollte immer vor allem eines sein: Herzenssache. Wenn beim ,,ehren"-amtlich engagierten Student eine Art kühle Berechnung der Vorteile in den Vordergrund tritt, ist das Ziel weit verfehlt. Außerdem wäre es schwierig, die ins Ehrenamt investierte Kraft zu messen und in ECTS oder andere Begünstigungen umzurechnen. Auch die Vergleichbarkeit und Nachweisbarkeit der verschiedensten Formen von ehrenamtlicher Arbeit lässt zu wünschen übrig. Das Freizeitengagement kann unterm Strich einen größeren Mehrwert bereithalten, als ein paar ECTSPunkte oder Vorteile beim Auswahlverfahren. Dies zeigt sich spätestens beim Umgang mit herausfordernden Situationen, die man schon aus dem Ehrenamt kennt, oder auch beim Einstieg ins Berufsleben. Â

UHG / Piraten

Unabhängige Hochschulgruppe gegen Studiengebühren und Piraten Hochschulgruppe

In letzter Zeit wird es immer schwieriger, im Bereich der Studierendenvertretung Nachwuchs zu finden. Würde man ehrenamtliche Arbeit mit ECTS-Punkten belohnen, dann müssten engagierte Studierende dafür andere Veranstaltungen nicht besuchen und würden so Zeit für das Ehrenamt bekommen. Auch heißt es immer, man müsse neben den Fachveranstaltungen im Studium auch Erfahrungen in anderen Bereichen sammeln. Dazu ist Ehrenamt sehr gut geeignet. Es wäre also zeitgemäß, die Erfahrung aus anderen Bereichen in den modularisierten Studiengang einzubinden. Doch ist das Vergeben von Punkten überhaupt mit Ehrenamt vereinbar? Das Ehrenamt unterscheidet sich vom Hauptamt dadurch, dass man für das Hauptamt Geld bekommt, aber für das Ehrenamt nicht; dafür erfährt man im Idealfall Anerkennung, eine immaterielle Belohnung. ECTS-Punkte fürs Ehrenamt verwischen die Grenze zwischen Haupt- und Ehrenamt, womit die Gefahr besteht, dass Ehrenämter nur noch der ECTS wegen übernommen werden und dann mehr schlecht als recht ausgeführt würden. Darunter könnte dann auch das "echte" ehrenamtliche Engagement leiden.Wie soll man Engagement in Punkte übersetzen? Bei Gremiensitzungen könnte man nach Stunden rechnen, doch mit welcher Lustlosigkeit macht das dann jemand, der nur wegen der Punkte anwesend ist? Was ist mit ECTS-freien Studiengängen (Jura, Medizin,...) - werden sich diese benachteiligt fühlen?Statt sich mit den Symptomen zu beschäftigen, sollten besser die Bolognastudiengänge überdacht und in der Zwischenzeit weiter Diplom- und Magisterstudiengänge angeboten werden. Zudem könnte mit der Abschaffung der Studiengebühren ehrenamtliches Engagement erleichtert werden, da hierdurch weniger nebenher gearbeitet werden müsste. Â

GHG

Grüne Hochschulgruppe

Ehrenamtliches Engagement bildet ein unverzichtbares Rückgrat unserer pluralistischen Gesellschaft, ob in der politischen Arbeit, der Jugendarbeit in Vereinen und Verbänden oder der Sozialarbeit wie etwa Streetworker oder Sozialberatungen. Leider wird dieser Einsatz für die Gesellschaft gerade für junge Menschen immer schwieriger. Das zeigt sich bereits in der Schule, wo zum Beispiel GymnasiastInnen mittlerweile in acht Jahren zum Abitur getrieben werden und viele Unterrichtsstunden auf Nachmittage gelegt werden, bevor es am Abend noch Hausaufgaben zu erledigen gilt. Auch im Studium bleibt nicht mehr viel Zeit für Ehrenämter, denn durch die Bologna-Reform ist der Stundenplan der StudentInnen meist gut gefüllt und der Workload lässt freiwillige Zusatzarbeit kaum mehr zu. Der Leistungsdruck in den akademischen Kreisen tut sein übriges. Als Grüne Hochschulgruppe beginnt unser Ansatz nicht bei der möglichen Belohnung des Ehrenamtes. Zum einen lebt das Ehrenamt durch seine Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit, die sich auch auf ECTS-Punkte und ähnliches erstreckt, zum anderen sind die Tätigkeiten schlicht nicht vergleichbar genug, um sie ,,fair" bewerten zu können. Es macht einen Unterschied, ob sich eine Studentin jahrelang in einer Jugendgruppe engagiert und dabei wöchentlich viele Arbeitsstunden investiert hat oder ob sie sich einmal im Jahr als Begleitung einer Jugendgruppe auf einer Auslandsreise eingebracht hat. Eine klare Trennlinie zu ziehen, was mit wie vielen ECTS belohnt werden soll, wäre nicht möglich. Aus diesen Überlegungen lehnen wir eine Verrechnung von ehrenamtlichen Tätigkeiten als Studienleistung ab. Wir wollen stattdessen die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement für junge Menschen an den Hochschulen grundsätzlich verbessern. Das beinhaltet für uns vor allem eine Verminderung des Leistungsdrucks durch eine Entzerrung der Studiengangspläne und eine Verringerung der Prüfungsleistungen. Statt eines Turbostudiums muss zusätzlich mehr Wahlfreiheit im Studium herrschen und die individuelle Planung eines Studiums wieder ermöglicht werden. Es darf auch kein Nachteil entstehen, wenn man statt der vorgegeben Regelstudienzeit ein paar Semester mehr bis zum Studienabschluss benötigt. Die Abschaffung der Studiengebühren ist hier ein erster Schritt, außerdem muss die Höchstförderdauer für das BAföG abgeschafft werden. Als zusätzliche Erleichterung ist eine Aufweichung der Anwesenheitspflicht während Veranstaltungen nötig, damit ehrenamtliches Engagement nicht zu Verzögerungen im Studienablauf führt. Somit könnten für viele Studierende mehr Anreize geschaffen werden, um sich dem Engagement für die Gesellschaft zu widmen. Die Hochschulen dürfen keine Hürde für ehrenamtliche Tätigkeiten darstellen, sondern sollten als deren Förderer fungieren. Â

Seite 11

(Uni-)Leben

Sprachrohr November 2011

Tag mit... Ei n

07.00 Uhr Der Wecker klingelt,

Melodie von ,,Somewhere over the Rainbow". Dank Snooze-Funktion ziehe ich das Aufstehen ca. 15 Minuten in die Länge. Beim Duschen läuft egoFM. Wachbleiben!

Christian Steinberger

18.00 Uhr: Keinen Bock mehr, jetzt ist Feierabend. Außerdem beginnt in ein paar Minuten die Theaterprobe und gegessen werden muss irgendwie auch noch. 19.00 Uhr: Noch mal Text durchgehen, dann wird geprobt. Wenn nicht, dann geht's mit Freunden auf ein oder mehrere Biere irgendwohin. 23.00 Uhr: Da ich ständig irgendwas vergesse, wird die Tasche schon am Vortag gepackt. Zum Einschlafen gibt's noch ne Folge ,,How I met your mother", ,,Nip/Tuck", ,,Breaking Bad" oder ,,Glee".

12.00 Uhr:

Mahlzeit! Mensa ist aber Pustekuchen, da ist ja um die Zeit die Hölle los. Am liebsten daher ein LKW (LeberKäsWeck) in der Cafete der Phil. Die längste Praline der Welt gibt's als Nachtisch. Das nächste Seminar ist fällig...et il faut parler français! Oft ist man hier Hahn im Korb, was hin und wieder auch ziemlich anstrengend sein kann. quatscht. Natürlich mit einer Tasse Kaffee. Das kann sich auch gerne mal in die Länge ziehen.

7.50 Frühstück muss einfach sein, sonst ist der Tag schon im Eimer. Cornflakes mit O-Saft und der obligatorischen Tasse Kaffee oder auch Brötchen. Mit Nutella. Die Kalorien werden dann auf dem Fahrrad wieder abgestrampelt... schließlich geht es von der Zellerau steil nach oben zum Campus. 10.00 Uhr: das erste Seminar ist zu Ende. Jetzt ruft entweder eine HiWi-Schicht oder die Bibliothek.

14.00 Uhr:

16.00 Uhr: Jetzt wird erst mal mit Freunden ge-

17.00

Uhr: Wenn die Zeit bleibt, wird Sport gemacht. McFit oder Joggen. Ansonsten geht's zurück in die Bib.

11 Fragen an Christian Steinberger

1. Was war dein verrücktestes Uni-Erlebnis bisher?

Ich habe aus Spaß in einem Seminar zu meinen Nebensitzern gesagt ,,Fickt euch, ich bin kein Streber!". Leider so laut, dass es der ganze Kurs (inklusive Dozent) mitbekam. Einen Road-Trip durch Frankreich machen.

7. Ist der Lehrerberuf dein Traumjob?

Für's erste mal ja. Aber Regie oder Dramaturgie könnte ich mir auch vorstellen.

4. Wie viele Theateraufführungen hast du schon hinter dir?

Mit Regie und Schauspiel waren es in der KHG sicher schon etwa 50, Chambinzkyvorstellungen etwa 40.

8. Warum wirst du Lehrer?

Darum.

2. Stell dir vor, du dürftest eine Million Euro für die Uni ausgeben. Was würdest du anschaffen oder verbessern?

Mehr Steckdosen in der TeilBib, mehr gemütliche Sitzgelegenheiten, einen Entspannungsraum, in dem man Mittagsschläfchen halten kann und eine schönere, größere und gemütlichere Mensa.

5. Wo ist dein Lieblingsort an der Uni?

Die Sitzbänke vor der Phil 1 ­ und im Sommer unten der Teich.

9. Wem würdest du gerne mal die Hand schütteln?

Anke Engelke ­ um sie dann zu fragen, ob ich in ihren Comedyserien mitspielen darf.

6. Welche Tutorien hast du schon gegeben und wieviele insgesamt?

Keine Ahnung ­ über zehn dürften es bestimmt schon sein. Sprachwissenschaft 1, 2 und Literatur Französisch.

10. Drei Adjektive zur Hublandmensa?

Voll, teuer, fad.

3. Was hast du nach deinem 1. Staatsexamen vor?

11. Und noch drei zu deiner Person?

Extrovertiert, anstrengend, kreativ.

Seite 12

Für die Stadtmensa und die Mensa am Hubland

Mensaplan

21.11. - 16.12.2011

Mensen MEnsa aM Hubland FrankEnstubE

Am Hubland, Montag bis Freitag, 11:00 bis 14:00 Uhr Am Hubland, Montag bis Freitag, 11:00 bis 14:00 Uhr

stadtMEnsa

Am Studentenhaus, Montag bis Freitag, 11:00 bis 14:00 Uhr

bursE

Am Studentenhaus, Montag bis Freitag, 11:00 bis 14:00 Uhr

MEnsa augEnklinik

Röntgenring 12, Montag bis Freitag, 11:45 bis 14:00 Uhr

MEnsa JosEFscHnEidEr-strassE

Josef-Schneider-Straße, Montag bis Freitag, 11:30 bis 14:00 Uhr

Sprachrohr November 2011

Stadtmensa

MO Montag

2111. - 16.12.2011

Speiseplan

21.11.2011

21

(3,8,9) (3) (2,3)

MO Montag

Fleischbällchen ,,Jäger Art" Hähnchenbrust in Rotweinsoße ,,Coq au vin" Frühlingsrolle auf asiatischen Gemüse

28.11.2011

28

(3) (2,5) (2,12)

Fleischkäse mit Zigeunersoße Putensteak mit Lemon-Peppersoße Dreifarbige Nudeln mit Balkankäse

dI Dienstag

Rinderbraten ,,Esterhazy" Rotbarsch in Weißwein-Sauerampfersoße BIO Gnocchi-Spinatpfanne Ofenkartoffel mit Bärlauchquark

22.11.2011

22

(3) (3,5)

dI Dienstag

Rindergulasch Cordon bleu vom Schwein BIO Penne a la Genovese Kartoffeltaschen mit Kräuter-Käsefüllung

29.11.2011

29

(4) (1,2,8)

(3)

(2,3)

MI Mittwoch

Schweineschnitzel ,,Wiener Art" Geflügelspieß ,,Fitness" an gelber Paprikasoße Spaghetti ,,Pesto"

23.11.2011

23

(2) (3) (3,12)

MI

Mittwoch

30.11.2011

30

(1,3,6) (2,3) (2,3)

Rabas Empanadas an Tomato-Olivendip Schweinerückensteak in Pfefferrahmsoße Vital-Grünkernküchle auf Lauchsoße

dO Donnerstag

Jägerschnitzel vom Schweinerücken Halbes Grillhähnchen BIO Nudelpfanne Calabria Grießbrei mit Zimt und Zucker und Kompott

24.11.2011

24

(3,8) (3)

dO Donnerstag

Currywurst

1.12.2011

1

(3,8,9)

(3)

(1,11)

Putengeschnetzeltes in Kräuterrahmsoße BIO Vegiburger auf Asia-Wokgemüse Kartoffelpuffer

fR Freitag

Scholle gebacken mit Remouladensoße Schweinegeschnetzeltes ,,Schweizer Art" Kartoffel-Broccoli-Gratin Alle Bio-Gerichte: DE-ÖKO-006

25.11.2011

25

(2,3) (3) (3)

(2,3)

fR Freitag

Seelachsfilet in fränkischer Apfelweinsoße Rumpsteak mit Kräuterbutter Tagliatelle ,,al Funghi"

2.12.2011

2

(2,3,5) (3) (3)

Kennzeichnung Wichtiger Zusatzstoffe in Lebensmitteln Wir kennzeichnen Speisen und Getränke entsprechend den lebensmittelrechtlichen, Anforderungen. Die zugelassenen, kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe sind auf unseren Informationskarten in Form von Fußnoten wie nebenstehend kenntlich gemacht.

Wir sind bemüht, den Einsatz von Lebensmitteln mit Zusatzstoffen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Gerne sind wir bereit weitere Auskünfte zu erteilen, um unseren Gästen bei besonderen Ernährungsanforderungen behilflich zu sein. Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an unseren Küchenleiter.

rauf gulyev

Seite 14

November 2011 Sprachrohr

Diesen Mensaplan findet Ihr auch zum Download unter:

www.stuv.uni-wuerzburg.de/sprachrohr

MO Montag

Maultaschen auf Lauchcreme Putengeschnetzeltes mit Kürbis Soja-Pastaschuta mit Spaghetti

5 5.12.2011

(3) (3) (3,9)

MO Montag

Krautroulade mit Bratensoße Tortellini al forno (4)

12 12.12.2011

(3) (3) (2,3)

Putenbrustgeschnetzeltes mit Champignons in Rahmsoße

dI Dienstag

Schweizer Rosenkohlgulasch vom Schwein Scholle paniert mit Krabben-Dip BIO Überbackener Kartoffelauflauf Ciabattaschnitte ,,Mozallera"

6 6.12.2011

(3) (2,9)

dI Dienstag

Backfischfilet mit Sc. Relish BIO Balinesische Reispfanne Spinatknödel mit Bärlauchsoße

13 13.12.2011

(2,3) (3)

Schweinerückensteak mit Tomate-Mozarella überbacken

(2)

(3)

MI Mittwoch

Putenschnitzel paniert Ofenfrischer Spießbraten mit Dunkelbiersoße Käsespätzle mit Röstzwiebeln

7 7.12.2011

(11) (2,3,5,9) (3)

MI Mittwoch

Maccaroni mit Fleischsoße Kasseler Rippenspeer Gemüsestrudel auf Kräuterrahmsoße (3)

14 14.12.2011

(3) (2,3,4,8) (2,3)

dO Donnerstag

Schweinerückensteak mit Rahmsoße Paelle mit Huhn und Meeresfrüchten BIO Tortelloni all Arrabiata Gemüseschnitzel

8 8.12.2011

(3) (1,2,3,9) (2)

dO Donnerstag

Erbsentopf mit 1 Paar Wienerle Hähnchen Cordon bleu BIO Pangasius an Kräuterrahmnudeln Nudelgemüseauflauf

15 15.12.2011

(3,8) (1,2,11) (3)

fR Freitag

Barschfilet an Broccolicreme Fleischspieß in Schaschliksoße Spiegeleier auf Zwiebelkartoffeln

1 2 3 4 5 6 mit Farbstoff konserviert mit Antioxidationsmittel mit Geschmacksverstärker geschwefelt Geschwärzt

9 9.12.2011

(2,11) (2,9) (3)

fR Freitag

Paprikaschnitzel vom Schweinerücken Grüne Nudeln mit Meeresfrüchten Kaiserschmarrn mit Apfelmus (3)

16 16.12.2011

(3,9) (2,3,5) (1,2)

7 8 9 10 11 12

gewachst mit phosphat mit Süßungsmittel mit Süßungsmitteln mit einer Zuckerart und Süßungsmittel enthält eine phenylalaninquelle

13 kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken

Alle Angaben ohne Gewähr.

rauf gulyev

Seite 15

Sprachrohr November 2011

Hublandmensa

17.11. - 16.12.2011

Speiseplan

MO Montag

Schweineschnitzel paniert mit Zitrone Rindergulasch Sizilianischer Nudelgemüseauflauf

21.11.2011

21

(2,3) (4)

MO Montag

Geflügelhacksteak mit Champignonsoße Schweinerückensteak ,,Berner Art" Broccoli-Nuggets mit Coctailsoße

28.11.2011

28

(3) (4)

(3,5,9,11)

dI Dienstag

Jägerschnitzel vom Schweinerücken BIO Hacksteak an Bratenjus mit Püree Schupfnudeln mit Waldpilzen

22.11.2011

22

(4)

(2,3,4,9)

dI Dienstag

Gyros mit Tsatsiki Seelachs gebacken mit Sc. Remoulade BIO Bratwürste auf Sauerkraut und Püree Käsespätzle

29.11.2011

29

(4)

Hähnchenbrustfilet an indischem Gemüsecurry

(2,3,4,9,11)

(3,4)

(3)

MI Mittwoch

Currywurst Griechische Lammpfanne ,,Mykonos" Blumenkohlkäsemedaillon

23.11.2011

23

(9) (4,11)

MI Mittwoch

Siebenschwabenplatte Reispfanne ,,Mexiko"

30.11.2011

30

(3) (11)

(2,3,4,9,11)

(1,4,11,12)

Rigatoniauflauf mit Blattspinat, Hackfleisch und Käse

dO Donnerstag

Putenbrustgeschnetzeltes mit Champignons XXL-Schweineschnitzel paniert mit Zitrone BIO Maccaroni mit Sojaragout Kaiserschmarrn mit Apfelmus

24.11.2011

24

(4) (2,3)

dO Donnerstag

Hähnchenbrustfilet in Madeirasoße Rindfleisch mit Meerettich BIO Schwäbische Schupfnudelpfanne Milchreis mit Waldbeeren

1.12.2011

1

(3)

(3,5,9,11)

fR Freitag

Seelachsfilet ,,Provenciale" Schweinerückensteak mit Spinat und Mozzarella Spaghetti ,,Aglio Olio" Alle Bio-Gerichte: DE-ÖKO-006

25.1.2011

25

(4,11) (3)

(11)

fR Freitag

Rotbarschfilet an Limonen-Pfeffersoße Putenschnitzel ,,Paniert" Vegetarisches Chili

2.12.2011

2

(11) (11) (11)

Kennzeichnung Wichtiger Zusatzstoffe in Lebensmitteln Wir kennzeichnen Speisen und Getränke entsprechend den lebensmittelrechtlichen, Anforderungen. Die zugelassenen, kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe sind auf unseren Informationskarten in Form von Fußnoten wie nebenstehend kenntlich gemacht.

Wir sind bemüht, den Einsatz von Lebensmitteln mit Zusatzstoffen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Gerne sind wir bereit weitere Auskünfte zu erteilen, um unseren Gästen bei besonderen Ernährungsanforderungen behilflich zu sein. Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an unseren Küchenleiter.

rauf gulyev

Seite 16

November 2011 Sprachrohr

Diesen Mensaplan findet Ihr auch zum Download unter:

www.stuv.uni-wuerzburg.de/sprachrohr

MO Montag

Ungarisches Gulasch Hähnchenkeule vom Grill Gnocchi-Spinatpfanne mit Parmesan

5 5.12.2011

(4)

MO Montag

Fleischbällchen ,,Jäger Art" Pizzarösti ,,Italia"

12 12.12.2011

(1,2,3,4,9) (3)

Hähnchenbrustschnitzel paniert mit Zitrone

dI

Dienstag

6.12.2011

6

dI

Dienstag

13.12.2011

13

(4,11)

Schweinerückensteak ,,Rhodos" Rabas-Empanadas an Tomato-Olivendip BIO Indische Gemüsepfanne in Kokosmilch und Reis Gemüselasagne

(1,3) (1,3,11)

Seelachsfilet an Tomatenfruchtsoße Schweinerückensteak an Steinpilzcreme BIO Gemüseschnitzel mit Bratkartoffeln Thai-Gemüsecurry auf Basmatireis

MI Mittwoch

Spaghetti ,,Bolognese" Rinderzwiebelbraten Kartoffeltaschen mit Kräuter-Käsefüllung

7 7.12.2011

(3) (4) (3)

MI Mittwoch

Maultaschen mit Käsesoße Halbes Grillhähnchen mit würzigem Dip Kartoffelgemüseauflauf

14 14.12.2011

(3,11) (3)

dO Donnerstag

Putengeschnetzeltes ,,Mediterran" Schweinefilet in Pfefferrahmsoße BIO Nudelgemüseauflauf Quarkstrudel mit Vanillesoße

8 8.12.2011

(3) (4,11)

dO Donnerstag

Hähnchenbrustfilet ,,Sirtaki" Schweinegeschnetzeltes ,,Schweizer Art" BIO Pangasiusfilet an Kräuterrahmnudeln Tortelini mit Ricotta-Spinatfüllung

15 15.12.2011

(3,4) (4)

(1)

(3)

fR Freitag

Goldbackfischfilet mit Soße Relish Hähnchenbrustfilet an Wok-Gemüse Tortellini alla Panna

1 2 3 4 5 6 mit Farbstoff konserviert mit Antioxidationsmittel mit Geschmacksverstärker geschwefelt Geschwärzt

9.12.2011

9

fR Freitag

Rotbarschfilet gebacken mit Zitrone Gefüllte Hirtenrolle ,,Mediterran" Ciabattaschnitte ,,Mozzarella"

16 16.12.2011

(1)

(2,9) (2,4) (3)

7 8 9 10 11 12

gewachst mit phosphat mit Süßungsmittel mit Süßungsmitteln mit einer Zuckerart und Süßungsmittel enthält eine phenylalaninquelle

13 kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken

Alle Angaben ohne Gewähr.

rauf gulyev

Seite 17

(Uni-)leben

Sprachrohr November 2011

Wir sitzen alle in einem bus

Und jährlich grüßt der Murmelersti

Die Erstsemester, eine eigenartige Spezies, die sich dieses Jahr nun exorbitant ausgebreitet hat, bringt auch die Universität Würzburg und ihr Umfeld an ihre Grenzen. Grund genug, sich mit der Denkweise dieser Spezies auseinanderzusetzen. Charakteristisch für meine Spezies, der Unterart Doppeljahrgang, ist die verzweifelte Wohnungssuche, der geringe Platzanspruch im Bus und enorme Stehfähigkeit im Hörsaal. Der bayerische Doppeljahrgang hat die Universitäten erreicht, die Busse sind überfüllt, die Vorlesungen finden an allen möglichen Orten Würzburgs statt. So strömen die diesjährigen ca. 700 Wirtschaftswissenschaftler regelmäßig ins ,,Cinemaxx" am Alten Hafen. Das Anmieten von Kinos für Vorlesungen wird derzeit von mehreren Universitäten deutschlandweit betrieben, wobei eine Saalmiete, laut Aussage von ,,Spiegel TV", eine andere Universität Deutschlands eine Summe kostet, die im fünfstelligen Bereich liegt, was deutschlandweit aber sicher variiert. Im Optimalfall kann man mit den gemütlich ausgestatten Kinoräumen erreichen, dass das Lernumfeld als sehr positiv angesehen wird und das Lernen einem so einfacher fällt. Jedoch könnte es auch dazu kommen, dass die dick gepolsterten Kinostühle zum Schlafen verleiten. Sicher ist: Emotionen beeinflussen die Lernleistung und diese wiederum entstehen auch durch die Lernumgebung. Die Zukunft wird zeigen, ob solche Räume für die Wissensvermittlung geeignet sind. Die Anmietungen finden zwar nur auf temporärer Basis statt und sind keinesfalls langfristig angedacht und dennoch findet auf diese Weise ein Versuch eines neuen Lernumfeldes statt. Doch nun zum Busfahren, denn das ist ein ganz eigenes Phänomen. Das Gemeinschaftsgefühl, das bei der überfüllten Busfahrt eintritt, ist unvergleichlich. Das Erlebnis beginnt im Optimalfall damit, dass man sich freut, noch in den Bus gepasst zu haben und dass der Bus nicht an der Haltestelle vorbeigefahren ist, an der man stand. Hat man einen schlechten Tag erwischt, kann man das Busfahren eben erst ein paar Minuten später erleben oder man versucht sich stattdessen als sportlicher Fußgänger. Und dann geht es auch sofort zur Sache, denn man trifft regelrecht aufeinander. Man umarmt sich, wenn man sich eigentlich nur an einer Stange des Busses festhalten möchte. Vor allem in Kurvenbereichen ist der ,,Kuschelfaktor" am deutlichsten ausgeprägt. Gespräche werden in einem sehr offenen Dialog geführt, jeder Nahestehende kann sich jederzeit ins Gespräch einklinken. ,,Wir sitzen alle in einem Bus" fasst diese Erfahrung gut zusammen und betont den solidarischen Charakter, den ich von den busfahrenden KommilitonInnen stets erfahren habe. Auch die erfahrenen unter uns sind sich der neuen Situation bewusst und sehr kreativ, wenn es um Vorschläge für den weiteren Ablauf beim Busfahren geht. Einer meiner Mitbusfahrer schlug vor, ,,in Zukunft spezifische Gruppenbusfahrten zu schaffen, so dass es zum Beispiel einen Bus gibt, der ausschließlich Paare bedient oder einen Bus, der ausschließlich Singles aufnimmt". Auf irgendwelche Formen von Aggressionen bin ich beim Busfahren noch nicht gestoßen, wobei man bedenken muss, dass Aggressionen meist über einen längeren Zeitraum entstehen. Zu bedenken ist, dass die Kleinsten am meisten unter den Busfahrbedingungen leiden und das sind nicht die Erstsemester, sondern die Grundschüler, die die Busse ebenfalls als Transportmittel nutzen. Sollten im Semester keine weiteren Busse eingesetzt werden, müsste der Preis des Semestertickets meiner Meinung nach heruntergesetzt werden, denn momentan findet ein sehr effektiver Transport von Studierenden statt, denn die Busse sind zu den Stoßzeiten stets überfüllt, teilweise werden nicht mehr alle Haltestellen bedient. Der Busfahrer ist im Konflikt mit den Sicherheitsbestimmungen, die er einhalten muss und dem Willen, alle Fahrgäste von A nach B zu bringen. So muss er beispielsweise den vordersten Bereich im Bus freihalten. Es gibt aber auch Richtlinien dafür, wie viele Personen in einem Bus transportiert werden dürfen, wobei die Einhaltung dieser nicht ausreichend kontrolliert wird. Meistens verbessern sich die Zustände von überfüllten Bussen nicht merklich, bis es nicht zu einem Zwischenfall kommt, der Körperverletzung oder Schlimmeres beinhaltet. Dies ist bedauerlich. Das Problem von weiterem Einsatz von Bussen etc. liegt im Normalfall bei der Klärung von Zuständigkeiten, teilweise treten zu den Stoßzeiten aber auch Kapazitätsprobleme bei den Busunternehmen auf. Alles in allem sind einige Anstrengungen seitens der Universität unternommen worden, den Doppeljahrgang an der Universität gut aufzunehmen. Zu nennen ist die Schaffung von weiteren ca. 3000 Studienplätzen, der Erweiterung des Hublands durch Campus Nord und der Einstellung von deutlich mehr Personal. Zumindest in meinen Studienfächern, der Europäischen Ethnologie und der Evangelischen Theologie, gibt es weiterhin eine sehr persönliche Betreuung durch die Dozierenden. Allerdings ist zu beachten, dass es sich hierbei um eher exotische Fächer handelt. Bisher resümiert die Mehrheit der Erstsemester in etwa folgendermaßen: ,,Wir sind immer am Feiern und die Uni läuft eben so nebenher", wobei es sich ein paar Individuen auch schon in der Bibliothek gemütlich gemacht haben und sich bereits intensiv mit ihrem Studium beschäftigen. Viele aufregende Dinge sind als Erstsemester in Würzburg zu erleben, es bleibt zu hoffen, dass die anfängliche Begeisterung für das Studium und die Stadt erhalten bleibt. Samuel Jambrek

Wenn euch die Situation in den Bussen auch so stört, dann nutzt die Beschwerdeformulare auf der Homepage der Studierendenvertretung unter folgendem Link: stuv.uni-wuerzburg.de/probleme/ Dort findet ihr auch Beschwerdeformulare zu den Themen Stundenplan, Raumnot an der Uni, Wohnraumsituation, Kinderbetreuung uvm.

Gedrängel: Täglich in Bussen Richtung Hubland

Seite 18

benjamin stone fliCKr.Com

November 2011 Sprachrohr

(Uni-)Leben

Spezialisten der Spontanität

Improfestival 2011,,Win your musical"

I

m Rahmen des Improfestivals, welches in Würzburg vom 21.-30. Oktober stattgefunden hat, haben zahlreiche talentierte Schauspieler ihren Weg hier her gefunden, um uns mit der Kunst des Improvisierens zu faszinieren. 'Das kann man sich nicht entgehen lassen!', habe ich mir gedacht und wählte aus dem kunterbunten Programm sofort einen improvisatorischen Leckerbissen aus, ohne zu ahnen, dass mich Erlebnis-Theater mit Spaßfaktor hoch zehn erwartet. Eigentlich wusste ich gar nicht, was mich erwartet, aber das tut man beim Improtheater ja nie.Lediglich die Information, dass das Publikum die Akteure in Bands und Duos einteilen sollte, welche dann anschließend die Lieder und Szenen zu ihrer Musikkarriere performen mussten, war gegeben.Also nahm ich unbefangen Platz in Reihe zwei und schaute mich erst einmal um. Das ganze Spektakel fand im B-Hof statt, einem Jugendzentrum, das mit einem gemütlichen Konzert-Raum im Keller ausgestattet ist, geziert durch geschwungene Gewölbe aus Ziegelsteinen. Die Atmosphäre wirkte angenehm familiär. Vor mir befand sich eine kleine, bescheidene Bühne, schräg links hinter mir eine Bar mit Getränken zu so humanen Preisen, wie ich sie lange nicht gesehen hatte. Plötzlich stieg unerwartet Nebel auf und schon sprang der Moderator in einem äußerst extravaganten Jackett auf die Bühne. Er stellte die Musiker, einen Schlagzeuger, einen Gitarristen und einen Keyboarder, sowie die neun Schauspieler vor, die energiegeladen auf die Bühne getanzt kamen. Das Publikum steckte mindestens genauso voller Energie, was man merkte, als wir ein kleines ,,warm-up" gemacht haben, um die Stimmung etwas aufzulockern. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt und

durften nun ,,In the jungle, the mighty jungle" a capella singen. Letztendlich war es eher ein Misch-Masch aus lautem Gelächter und text-unsicherem Gemurmel, aber der erzielte Effekt war tatsächlich erreicht: Wir waren locker und absolut am Geschehen beteiligt. Das sollte aber nur der Anfang sein, denn dann ging es richtig los. Bei meinem Glück wurde ich als Erste vom Moderator auserkoren: ,,Hey, du mit den dunklen Augen, welche vier Personen würdest du denn für eine Punk/Rock-Band aussuchen?". Also habe ich mutig eine Band zusammengestellt und war ziemlich zufrieden mit meiner Auswahl. Der Rest der Truppe wurde zu zwei Duos und einem Solo-Künstler eingeteilt. Am Ende war das Werk vollbracht: Wir, das Publikum, haben den Bands ihre Namen, ihre Titel und ihre Karriere vorgegeben und die Schauspieler sollten das Ganze, nachdem sie sich entsprechend kostümiert hatten, umsetzen, was sie mit so viel Charme und Humor schafften, dass wir Tränen gelacht haben. Zum Beispiel als das Reggae-Ska-Duo ,,The Blondies" ihren Song ,,härter chillen" performt und sich in Sekundenschnelle einen Text ausgedacht haben, der nicht nur sehr amüsant war, sondern sich tatsächlich auch noch gereimt hat. Die beiden Bandmitglieder haben sich an der Biertheke auf der Mainfranken-Messe kennengelernt und da einer der beiden ,,Blondies" naheliegenderweise Jamaikaner war, stand der Entschluss schnell fest: Die beiden wollten Reggae-Ska-Musik machen! Das Kontrastprogramm dazu bot der SoloKünstler ,,Allessandro". Der Opernsänger aus Italien gab sein Lied ,,Tutti cadente a cosa di carbobara"(Nein, dieser Satz hat keinen übersetzbaren Sinn!) zum Besten. Ihm kam auf der Toilette die Eingebung zu singen, als seine innere Stimme zu ihm sprach, er solle sein Talent, das Gurgeln, zu seiner Karriere machen. Nachdem er mit seinem Song ,,Rettet die Wale, die Erde ist grün!" auch schon mal einen Abstecher ins

Hip Hop-Genre gemacht hat, ist er anschließend doch bei dem klassischen Gesang geblieben. Natürlich kann man den Humor und die Highlights durch solch eine Nacherzählung nicht vermitteln und vielleicht kann ich euch durch den Artikel nicht einmal ein kleines Lächeln entlocken, aber ich möchte damit einfach nur zeigen, dass die Darsteller mit genau diesen, absolut spontanen Ideen aus dem Publikum eine so hervorragende Show hingelegt haben, dass die 2 ½ Stunden sowohl für sie, als auch für das Publikum eine kreative Reise durch die Vielfalten der Improwelt waren, die uns sehr amüsiert hat. Wir alle waren verzaubert von dem Talent der Schauspieler, aber auch der Musiker, die quer durch jedes Genre und jede Situation für die passende musikalische Untermalung gesorgt haben und in einer Szene sogar die Rollen mit den Schauspielern tauschten. So haben die Spezialisten der Spontanität, angefeuert durch das Publikum, Theater aus dem Stegreif vom feinsten geboten und großen Beifall geerntet. Wie begeistert alle am Ende waren, hat man besonders gemerkt, als wir, wie der Moderator so schön sagte, als ,,pluralitas dieter bohlensis" entscheiden sollten, wer den Wettkampf gewinnt. Denn das Publikum kam zu keiner richtigen Entscheidung und verlangte die Vereinigung von ,,The Blondies" und ,,Allessandro". Und als der Moderator entgegnete, dass passe aber nicht ins Konzept, kam aus dem Publikum der Ausruf: ,,Improvisieren!". Schallendes Gelächter und der Moderator war überzeugt. Am Ende durften alle Darsteller noch einmal auftreten und gemeinsam ein Lied singen, sowie bei der Zugabe (!) weitere Szenen aus ihren Bandgeschichten darstellen ein abschließender kreativer Höhepunkt. Bei so vielen Überraschungsmomenten, ob skurril oder witzig, stellt sich also die Frage: Wozu braucht man ein Drehbuch? Lena Bauer

Seite 19

(Uni-)leben

Sprachrohr November 2011

1 tag 3 Studis

Die Uni aus 3 Perspektiven

DRITTTSEMESTER

Au! Das hat wehgetan! Und mich unsanft aus meiner frühmorgentlichen Trance gerissen. Ich blinzle und sehe gerade noch, wie sich ein Mädchen rabiat an mir vorbei durch die Hörsaaltür schiebt. Was soll die Hektik? Sind doch noch genug Plätze frei in den hinteren Reih...ja, ist denn das die Möglichkeit? Sie hat sich todesmutig in die dritte Reihe gesetzt. In die dritte! Wo außer ihr nur ein schwerhöriger Senior-Gasthörer und der Powerpoint-Hiwi im Polohemd sitzen! Das Mädchen stört sich nicht dran. Sie packt entschlossen einen pinken, einen blauen und einen gelben Textmarker, zwei Collegeblöcke, Traubenzucker und drei Kugelschrei- ber aus, und blickt dann starr auf das noch leere Dozentenpult. Während ich es mir hinten gemütlich mache, mit meinen Sitznachbarn die mitgebrachten Snacks vergleiche und beginne, bei lauschiger Hintergrundatmosphäre langsam wach werdend die kommende Woche zu planen, wird sie, und das ist hart, jetzt wirklich und wahrhaftig zuhören müssen.

ufregung. Dies ist tatsächlich mein allererster Tag an der Uni, der Schritt in ein neues Leben. Ein neues Leben voll von...im Moment überwiegend Aufregung. Die erste Hürde habe ich schon genommen, indem ich mich in den viel zu vollen Bus rein gepresst habe. Selbst das Gefühl, dass ich an Sauerstoffmangel und zahlreichen Quetschungen leide, kann meine euphorische Stimmung nicht trüben. Weiter geht es nun mit der verzweifelten Suche nach dem richtigen Gebäude, dem richtigen Raum und einem Kaffee-Automaten. Aber darauf bin ich selbstverständlich vorbereitet: mit dem Campus-Plan in der einen und dem Stundenplan in der anderen Hand marschiere ich einigermaßen selbstsicher los und mache mich auf die Suche nach meinem neuen Leben. Ich schaue mich um und fühle mich plötzlich wie in einem Ameisen-Bau. Überall wuseln Menschen herum, Erstis, Zweitis, Drittis usw., Menschen, die ich als Dozenten und Professoren identifiziere und hier und da sogar mal ein Hund (?!). Bei so vielen Menschen muss doch der ein oder andere Nette dabei sein. Mit der Einstellung spreche ich ein Mädchen an, dass mir entgegen kommt: ,,Entschuldige, wie komme ich zum Hörsaalgebäude?" Böser Blick. Schweigen. Im vorbei gehen mault sie, dass ich links und dann gerade aus über eine Straße muss. Okay, immerhin bin ich zu der Information gekommen, die ich brauchte. Weiter geht's. An der Straße angekommen halte ich Ausschau nach etwas wie einer Ampel oder einem Zebrastreifen. Nichts. Also mache ich es wie die anderen und renne drauf los. Ich werde zwar beinahe überfahren, aber endlich habe ich das Gebäude erreicht. Es sieht sehr neu und gepflegt aus. Sogar eine automatische Tür, nicht schlecht! Völlig erstaunt und mit einer seltsamen Mischung aus Gefühlen trete ich in den Tempel der Bildung ein, merke nicht, dass mir jemand entgegen kommt und schwups laufe ich mit dem Schwung meiner Euphorie gegen ein Mädchen. So viel ist gesagt: wenn Blicke töten könnten, dann wäre mein neues Leben leider auch mein letztes gewesen...

A

ERSTSEMESTER

FÜNFTSEMESTER

Meine Abneigung gegen frühmorgentliche Arbeitsstunden ist auch heute wieder gigantisch. Welches Monster hat bitteschön diese dämliche Einführungsvorlesung auf den unmenschlichsten aller Zeitpunkte - 12.00 Uhr - gelegt? Kurz überlege ich, einfach den Wecker zu ignorieren, aber zwei Faktoren sprechen dagegen: Dummerweise habe ich einen Hiwi-Vertrag unterschrieben, der mich ausgerechnet bei dieser Vorlesung zur Vorbereitung der Technik im Hörsaal verpflichtet und außerdem ist es der erste Tag des neuen Semesters. Das heißt: Krankmachen ist nicht. Ich habe Angst vor den Unmengen von Erstis, die viele mehr oder weniger intelligente Fragen haben, die scharenweise durch die Uni irren und dafür sorgen, dass Busse und Bibliotheken ab sofort wieder überfüllt sind. Nun gut, auf in die Schlacht. Mein Plan: Einfach schnell rein in den Hörsaal, Beamer anmachen, Laptop hochfahren, Powerpoint laden und dann wieder raus. Gesagt getan. Punkt 12 ist alles vorbereitet, ich will mich gerade wieder zum Gehen wenden, da sehe ich die Meldung einer jungen Dame im Auditorium, die etwas schüchtern dreinblickt. Verwirrt frage ich nach ihrem Anliegen und bin noch verwirrter, als sie mich auch noch siezt. Bin ich wirklich so alt? Gut, ich habe mich schon länger nicht mehr rasiert und extra für meinen

Hiwi-Job habe ich mir ein neues Polo-Hemd gekauft, aber ist es wirklich so schlimm? Mit wenigen Worten beantworte ich ihre Frage in aller Höflichkeit, die ich irgendwie aufbringen kann, kläre die Erstis über studentische Umgangsformen auf und dass 12.00 c.t. nicht 12.00 Uhr heißt. Beim Verlassen des Hörsaals befinde ich mich in einer tiefen Sinnkrise und beschließe, mir noch heute neue Rasierklingen zu besorgen. Gerade wieder draußen kommt mir das Mädel entgegen, die letztes Semester mit mir im Seminar saß. Natürlich habe ich ihren Namen vergessen. Sie erzählt mir, dass sie sich nun zu den Hundertschaften Erstis in die Vorlesung setzen wird. Oh Glückliche, wie sehr würde ich doch eine entspannte Vorlesung meiner Bachelorarbeit vorziehen ­ ,,Die ,,Kralle des Archimedes" versus ,,corvus" ­ Superwaffen der antiken Marine im Praxistest". Damit habe ich wohl ein bisschen übernommen. Ich verabschiede mich von ihr und werfe mich in den Kampf um einen Platz in der UB, wobei ich über die Frage philosophiere, warum die UB am ersten Tag des Semesters um 12.30 Uhr schon so voll ist. Morgen stehe ich früher auf, definitiv!

DRITTTSEMESTER

Das hätte es jetzt echt nicht auch noch gebraucht. Einen Kommilitonen, der um zwölf Uhr schon Uni-frei hat. Gerade ist er aus dem Hörsaal gekommen, um nach einem kurzen ,,Hallo" beschwingt dem Ausgang und seiner Freizeit zuzulaufen. Von Empathie keine Spur! Frustriert schaue ich auf die Hörsaaltür. Durch die muss ich gleich wieder, zum zweiten Mal schon heute. Um mir Notizen zu Pippin und Himiltrud zu machen, weil ich die in der Prüfung nämlich kennen muss. Wie viel lieber würde ich jetzt federnden Schrittes zum Ausgang laufen, meinem Fahrrad und der vernachlässigten Freizeit entgegen! Wie es scheint bleibt mir statt der heute nur ein Berg bekritzelter Karo-Blätter und der Kugelschreiber-Abdruck auf dem rechten Zeigefinger. Ich schlucke. Es ist viertel nach, und durch die Tür beginnen Hundertschaften von Erstis zu strömen. Jetzt habe ich wirklich Selbstmitleid! Lena Bauer Sarah Zimmermann Dome Schenk

Seite 20

November 2011 Sprachrohr

(Uni-)leben

Ehrenamt auf den zweiten blick

Ehrenamt inmitten von Bahnhof und Gefängnis

nen monatlichen Besuch in Als StudentIn ist es schwer Zeit der Justizvollzugsanstalt abfür Aktivitäten außerhalb des Unistatten. Studierende haben versums zu finden und hin und hier die Möglichkeit in eiwieder über den Tellerrand zu ner, zugegeben, etwas skurschauen. Selbst wenn man den rilen Umgebung nicht nur Entschluss fasst, sich sozial zu Mitmenschen moralisch und engagieren, denkt man als erspsychisch zur Seite zu stehen, tes an Sanitäter, Tierheim oder sondern vielleicht auch etwas Altenpflege. Häufig schreckt die über sich selbst zu lernen. Die Vorstellung von Nadeln, weißen Landesarbeitergemeinschaft Kitteln und Blut den Tatkräftigen ehrenamtlicher Mitarbeiter von seinem Vorhaben wieder ab. im Strafvollzug Bayern e.V. Das die tägliche Partie Rommé mit sucht immer zuverlässige und Hildegard oder der einstündige ausdauernde Menschen, die Spaziergang mit Bulldogge Rocky sich auch extremen Herausnicht jedermanns Fall ist, bedeutet forderungen stellen möchnicht zwangsmäßig auf soziales Enten. gagement verzichten zu müssen. Wer weniger Adrenalin Oft fallen viele interessante Täaber genauso viel Engagetigkeiten aus dem Raster, weil sie Vergittertes Leben: Durch eine Brieffreundschaft eine andere Perspektive erleben ment und Heimatverbundem typischen Bild des Ehrenamtes nicht entsprechen. Doch hier in Würzburg auch Frauen und Kinder in Gewaltsituationen denheit zeigen möchte, sollte sich bei der ergeben sich noch andere, verschiedene Mög- finden hier Zuspruch und Hilfe. Flexible und Stadtbibliothek bewerben. Das wunderschöne belastungsfähige Studierende, die zuhören, Wahrzeichen Würzburgs bietet Ehrenämter lichkeiten in unterschiedlichen Bereichen. Spannend und abwechslungsreich gestaltet sowie sich auf unterschiedliche Menschen und rund um die Themen Literatur. Die meistbesich zum Beispiel eine Tätigkeit am Würzburger Situationen einlassen können, werden hier im- suchte Kulturinstitution Würzburgs sucht immer engagierte Helfer um die jährlich 700.000 Hauptbahnhof. Am Dreh- so wie häufig auch mer gebraucht. Ein Besuch hinter schwedischen Gardinen Besucher zufrieden zu stellen. Brennpunkt Würzburgs ist die BahnhofsmissiEin Ehrenamt bedeutet somit nicht immer on aktiv. Die karikative Einrichtung kümmert gefällig? Eine sehr außergewöhnliche und ansich um hilfsbedürftige Reisende, wie auch, um spruchsvolle Aufgabe bietet ein ehrenamtli- dasselbe. Es ist vielseitig, spannend und für jedie vielen unterschiedlichen Menschen im und ches Engagement in der Justizvollzugsanstalt den machbar. Weitere interessante Möglichkeium den Bahnhof. Die Bahnhofsmission ist eine Würzburg. Auch hier sind Studierende der ten, sich ehrenamtlich zu betätigen, zeigt die Einrichtung der Christophorus Gesellschaft, Universität gerne gesehen und auch schon Homepage der Stadt Würzburg unter der Ruein Zusammenschluss der Caritas und Dia- seit Jahren vertreten. Engagierte Mitmenschen brik Bürgerengagement und der Informationskonie Würzburgs. Menschen ohne Wohnsitz, können einen regelmäßigen Briefwechsel mit katalog ``Sozial Aktiv in Würzburg". Lisa Dertmann mit Suchtproblemen, psychischen Nöten oder einem Gefangenen aufbauen oder diesem ei-

Neuigkeiten aus Paris

Englisch für Fortgeschrittene EiN KommENtar voN mathias ricKErt

with Michelincooks like no other city in Europe. In the supermarket it is not a rarety that lobstars are sold. Dead or Alive! And people buy this in mass. Price doesn´t play a role. Normally there are three kinds of prices. Expensive. Very expensive and unaffordable. A fellow student of mine has once eaten at the top of the Eiffel-Tower. He told me about the good quality of the food. But when the the bill arrived they were a little flabbergasted. 600 Euro for two meals blasted their expectations. Well, but at least they got two meals in exchange. The sister of a friend payed 130 Euros for a fifteen-minute journey from the airport to a nearby house. What I want to point out is that there are many ways to lose money. Leagally and illegally. Two weeks ago a friend of mine was robbed in the metro. The strange thing is that he realised it while somebody was picking his wallet. Nevertheless he had no chance to get it back, since they could only see the hand of the thief before the metro retched all the people at Chatelet (big metro change-stop). But it can even be more brazen. I know an au pair who told me that there was a guy ringing on their door, telling the children that he was a workmate of their dad. If he could have the laptop that they just forgot. At the end of the day it came to light that there was no workmate. As well as no laptop anymore. Hence I get a little skeptic everytime somebody knocks on my door. Just like last week when there was a big guy with a pane of plass in his hands telling me he had to change the window immediately. Somehow nobody had told me about this. And as the tradesman had long hairs in his ears, earrings in his nose and kooky tatoos all over his face, I was slightly sceptic. Fortunately I could ask the concierge (small woman that lives on the ground floor of normal Parisian houses for the rules of the game. Obviously this happens all the time. People knocking on your door to change windows is propably seen as an obliging favour. Ok, maybe some stories felt a little weird, but this is the vivid everyday life in the French capital. The good thing about is, that after 2 weeks living here all these issues seem pretty insignificant. Once you´re used to living in a city like this, other things become more significantly.

Mathias Rickert ist gerade für ein Auslandssemester in Paris

I recently went to a typical French restaurant in Paris to eat with some friends. One of them ordered a white sauvignon blanc to his ox tongue, and the waiter refused to bring it. Apparently, he thought that foreigners have no idea about culture and food in general. So he decided to bring a red Bordeux. In his opinion this was the only suitable wine. Another Frenchman didn´t hesitate to tell me his cultural knowledge about my homecountry. According to his statement most Germans preferred eating potato in combination with pure bread. So obviously some compatriots think that outside of France food must be defined differently. And - in fact Paris is cramped

Seite 21

Kultur

Sprachrohr November 2011

von Eco bis roche

Ein Tag auf der Frankfurter Buchmesse

und Ortsfindung in seinen Romanen (,,Warum ich einen Roman über Konstantinopel geschrieben habe? Ich brauchte eine Ausrede, um da mal hinzufahren"); verriet, dass er in jungen Jahren selbst mal ans Bücher-stehlen gedacht hat (sein Lieblingsbuch in der Bibliothek ­ leider kam ihm jemand zuvor) und gab seinen Zuhörern nebenbei auch noch Geschichtsunterricht (,,wussten sie, dass Freud Kokain gegen Augenprobleme nutzte?"). Auf die Frage nach seinem Traumbuch gab sich der passionierte Büchersammler und selbsternannte Bibliomaniac (Buch-Fanatiker) ganz bescheiden: den Codex Manesse hätte er noch gerne ­ Schätzwert etwa 50 Millionen Euro. Kaum eine Stunde später begann am anderen Ende des Geländes ein sehr anderes Interview: Charlotte Roche sprach mit Josef Joffe von der Zeit. Wer die ehemalige VIVA-Moderatorin kürzlich bei Stafan Raab gesehen hat, wird jetzt ,,au weia" denken; zu Recht übrigens. Mit Kommentaren wie ,,Das die Löcher für Sex und Fäkalien so dicht beisammen liegen, ist ein Beweis dafür, dass es Gott gibt" oder ,,Ich schreibe poppig; nicht nur übers poppen", brachte sie ihren Gesprächspartner mehr als einmal aus der Fassung. Doch ihre 'poppige' Art und die leicht blauäugige Offenheit (,,Ich lese keine Rezensionen ­ die Schreiber sind meist viel gebildeter und ich verstehe die nicht") machten schnell klar, wie ihr Roman Schoßgebete schon in den ersten Tagen 500.000 mal über die Ladentheke ging ­ trotz Roches Tipp: ,,Macht es bloß nicht so, wie meine bescheuerte Heldin!" Erst abends machte ich mich wieder auf den Heimweg ­ zwar todmüde aber schlichtweg begeistert. An welchem Ort sonst braucht es nur ein paar Schritte von Eneas zu Harry Potter; von Siegfried und Kriemhild zu Son Goku und Pikachu? Janina Beckmann

Umberto Eco stellt seinen neuen Roman vor: ,,Der Friedhof in Prag"

Oftmals sprachlos - Zeitjournalist Josef Joffe im Interview mit Charlotte Roche

Ein wenig habe ich doch an meinem Verstand gezweifelt ­ der letzte Ferientag und ich stehe freiwillig um 6 Uhr auf. Doch in vier Semestern hat man den inneren Schweinehund nicht nur kennen und lieben, sondern auch zu zähmen gelernt und so saß ich pünktlich um 8 im Zug ­ unterwegs zur Frankfurter Buchmesse. Und nach einer Stunde, in der meine Bimmelbahn in jedem noch so gottverlassenen Nest anhielt, wurde es am Hauptbahnhof endlich ernst: eine Mischung durchgestylter Geschäftsleute und leicht nerdiger Büchaholics quetschte sich mit erwartungsvoll leuchtenden Augen in den Zug Richtung Messe. Schon der Eingangsbereich ließ mein Germanistenherz höher schlagen. Mit bis zu 1100 Jahre alten Ausstellungsstücken bot die Messe eine stilechte Einführung. Am Eingang gab es noch einen Lageplan und dann wollte ich mich auch schon auf den Weg machen ­ bis ich einen Blick auf den 3-Dimensionalen Plan des 600.000 m² großen Geländes warf (der gesamte Campus Hubland Nord ist nur 400.000 m² groß). ,,Ups", war erst einmal alles, was mir da durch den Kopf ging; muss ich zu meinem Leidwesen doch eingestehen, dass ich zumindest einem Frauenkli-

schee entspreche ­ ich habe absolut keinen Orientierungssinn. Doch ,,selbst ist die Frau" dachte ich mir und machte mich auf den Weg; treppauf, treppab, durch riesige Hallen und Büchermeere oder gar mit dem Shuttlebus quer übers Gelände ­ mit dem Erfolg, dass ich mich schon bald heillos verirrte. Doch zum Glück war eine Halle interessanter als die andere; an jeder Ecke gab es spannende Lesungen oder Ausstellungen (von ,,Bücher im Mittelalter" bis ,,50 Jahre Panini-Bilder") und so hatte ich bis 13 Uhr meine erste Runde geschafft und saß, auch dank der Hilfe einiger Bücherfreunde, pünktlich für mein Tageshighlight in der ARD-Halle: Umberto Eco im Interview. Als er dann auf die Bühne kam, trotz 79 Jahren noch federnden Schrittes und mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, verstand selbst ein Laie schnell, warum seine Romane solche Erfolge sind. Während andere Autoren mit zitternden Fingern und gebrochener Stimme aus ihren Romanen vorlasen, machte Eco seinem Spitznamen ,,der Panzer" alle Ehre und erzählte gelassen von seinem Leben als Autor, Philosoph, Kolumnist, Wissenschaftler und Unidozent. Freimütig sprach er über Themen-

Unnützes Uniwissen

· Noch 2003 betrug die Durchschnittsdauer

des Studiums in Deutschland 11,7 Semester

· Der Studienerfolg liegt in Deutschland bei

insgesamt 75,5 %. Die niedrigsten Erfolgsquoten haben Naturwissenschaftler und Mathematiker mit 66,3 %, die höchste besetzen momentan die Humanmediziner mit 94,9 %.

· Das Bachelorstudium an der Universität

kostet einen Studi rund 29.200 . An Fachhochschulen zahlt man hingegen nur 12.500 .

rinnen. Das heißt, auf eine Frau kommen im Professorium 4,48 Männer. Das ist aber immer noch besser als bei der Bundeswehr. Da kommen auf eine Frau gut 12 Männer.

· Am Tag der offenen Tür am Wittelsbacher

Platz im vergangenen Monat standen einige Besucher vor verschlossener Tür. Grund hierfür? Unbekannt.

· Lediglich 55% aller Bachelor in Deutschland wollen sich für einen Master einschreiben. 27% sind unentschlossen, der Rest möchte etwas anderes machen. · Das Freizeit-Land Geiselwind erstreckt sich auf 400.000 qm. Das ist dieselbe Fläche wie der Hubland Campus Nord. · 2009 gab es an deutschen Universitäten insgesamt 32.544 Professoren und 7.267 Professo-

· Die Universität Würzburg hat ca. genauso

viele Studierende wie die TU Darmstadt, TU Dortmund, TU Bergakademie Freiberg, GeorgAugust-Universität Göttingen, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universität Hohenheim (Stuttgart) und die Eberhard Karls Universität Tübingen.

· Wer im 3. Stock der Residenz einem riesigen

Hund begegnet, braucht keine Angst zu haben. Dieser gehört zum Inventar der Bibliothek für Indogermanistik.

· 800 Mio. Currywürste werden pro Jahr in Deutschland gegessen.

Seite 22

November 2011 Sprachrohr

Kultur

Filmkritik

Schaut doch mal...

Dreiviertelmond (Christian Zübert)

In Franken ticken die Uhren anders. Weil die fränkische Zeit in Vierteln und Dreivierteln gemessen wird, ist es Zugereisten oft nicht möglich, pünktlich zu kommen. In Mittelfranken kommen dazu andere Maße. Man isst drei im Weckla oder sechs auf Kraut, und ist gemeinhin lieber Fünfter als Fürther. Soweit so gut. Doch im Nürnberger Stadtteil Gostenhof mischt sich der fränkische Edeldialekt samt ZahlenBräuchen mit Merhabas und frischem Kebab Döner - und ergibt dabei plötzlich einen ganz neuen Rhythmus. Und aus dem, das haben schon viele erkannt, lassen sich ziemlich gute Geschichten machen. Im Film Dreiviertelmond wird die fränkische Grimmigkeit auf eine harte Probe gestellt ­ und wagt die ersten Gehversuche hin zu mehr kultureller Offenheit. Erstmal heißt es aber: Lost in translation im Städtedreieck! Elmar Wepper (alias Hartmut), der zuletzt in Kirschblüten Hanami auf der Leinwand zu sehen war, spielt ein originales fränkisches Urgestein: Dialekt, Ordnung, schlechte Laune. Hartmuts Leben hat, das muss man sagen, momentan ziemlich wenig Unterhaltungswert. Nach 36 Jahren hat ihn seine Frau verlassen, die erwachsene Tochter hat eigene Sorgen, und die Kneipenfreunde sind nicht zum Reden geeignet. Kein Wunder, dass die Reisenden, die auf Hartmuts lederne Taxi-Rückbank Platz nehmen, ihn so schnell nicht wieder sehen wollen. Doch Hartmuts Leben bekommt ziemlich viel Unterhaltungswert, als er auf der Rückbank plötzlich Hayat findet. ,,Grüß Gott, Nazi!", sagt das türkische Mädchen, denn mehr deutsche Worte kennt sie nicht. Die sechsjährige ist für ein paar Tage bei ihrer Großmutter in Gostenhof untergebracht, doch die fällt ins Koma, noch am ersten Tag des Besuches. Hayat sucht Schutz beim einzigen Menschen, den sie in Nürnberg außer ihr kennt: Dem Mann, der sie vom Flughafen zur großmütterlichen Wohnung gefahren hat. Grüß Gott, Hartmut! Hayat bei Hartmut also, der in sechzig Jahren noch nie einen Döner gegessen hat. Geschweige denn türkisch kann. Und der eigentlich nur will, dass wieder alles wie früher ist. Eine Tragigkomödie mit Happy End, bei der letztlich der Helfer zum Geholfenen wird. Schon wieder ein Multi-KultiFilm. Schon wieder das Deutsche-und-TürkenDilemma. Schon wieder ein schwieriger Selbstfindungstripp. Doch das erste Mal seit langem ein Film zu diesen Themen, der wirklich gut geworden ist. Das schauspielerische Feuerwerk der sechsjährigen Mercan Türkoglu war daran wohl nicht unschuldig. Fazit: Witzig. Originell. Und vor toller Kulisse! Also: Schaut doch mal ,,Dreiviertelmond". Sarah Zimmermann

Buchrezension

Tauben fliegen auf (Melinda nadj Abonji)

Man sagt uns Deutschen ja nach, wir würden besonders lange und verschachtelte Sätze schreiben, aber Melinda Nadj Abonji, eine gebürtige Serbin, die heute in der Schweiz wohnt, ist eine wahre Meisterin dieses Fachs. In bis zu oder gar über einseitigen Satzmonstern erzählt sie in Tauben fliegen auf die Geschichte der Familie Kocsis, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben aus Serbien in die Schweiz auswandert. Nach 10 Jahren haben sie sich ihren Traum erfüllt: ein kleines Café in der Innenstadt und eine gute Ausbildung für die Töchter. Doch da bricht in ihrem Heimatland Krieg aus, die zurückgebliebenen Verwandten müssen plötzlich ums Überleben kämpfen, die Männer werden eingezogen. Es finden sich immer wieder Parallelen zum Leben der Autorin, die selbst in frühen Jahren aus dem damaligen Jugoslawien auswanderte. Probleme wie Sprachen Lernen und Integration sind ihr selbst mehr als vertraut. Wie sie selbst erlebt ihre Romanheldin Nomi den Wechsel der Kulturen, Monate bei der Großmutter, bis sie endlich den Eltern in die Schweiz folgen dürfen und das Aufwachsen in einem fremden Land. Doch auch wenn die Geschichte mehr als charmant erzählt ist, bleibt doch ein Problem ­ der Roman erinnert an eine Aufgabenstellung in der Grundschule: ,,Schreibe deine Geschichte in nur einem Satz". ,,Mit einem Geräusch, das nicht der Rede wert ist, fahren wir über die Gleise, am schiefen, rostigen Schild vorbei, das seit Ewigkeiten den Namen der Kleinstadt tragen muss, wir sind da, sagt meine Schwester Nomi, zeigt zum Friedhof, in dem eine auffallende Ungerechtigkeit herrscht, Gräber um die sich niemand kümmert, einfache, von Unkraut überwucherte, kaum mehr erkennbare Holzkreuze, Jahreszahlen, Buchstaben, die fast nicht zu entziffern sind, wir sind da, sagt Nomi, und in ihren Augen zeigt sich die Angst, irgendwann in den nächsten Tagen den Friedhof besuchen zu müssen, hilflos an den Gräbern zu stehen, sich für Tränen der Eltern zu schämen, auch weinen zu wollen, sich vorzustellen, dass da unten im Sarg der Großvater väterlicherseits liegt, die Großmutter mütterlicherseits, die Großmutter, die wir, Nomi und ich, nie kennengelernt haben, Großonkel und Großtante, die Hände, die einem in solchen Momenten im Weg sind, das Wetter, das in solchen Momenten immer unpassend ist, würde man weinen, wüsste man wenigstens, wohin mit den Händen; Gladiolen und zarte Rosen neben den Gräbern, die mit Steinplatten bedeckt sind, die Toten, deren Namen in Stein eingraviert sind, leserlich bleiben für die Nachwelt, die Steinplatten, die ich nicht mag, weil sie die Erde der Ebene erdrücken, die darunterliegenden Seelen am Fortfliegen hindern." Janina Beckmann

Lest doch mal...

Seite 23

Ansichten

Sprachrohr November 2011

Die Kolumne aus dem Auslandsjahr

anreichern. Meine Veranstaltung in Englisch ist so klischeehaft, wie man diese aus (us-amerikanischen) Filmen über EnglischdozentInnen kennt. Gut so, denn es macht sehr viel Spaß. Der Seminarstil des Dozenten ist ziemlich kreativ. Er regt uns an, möglichst viel Perspektiven auf die Gedichte und Kurzgeschichten anzuwenden. Dann geht er zu Gruppenarbeit über (oh nein, Gruppenarbeit!): jede Gruppe befasst sich mit einem Charakter aus einer Kurzgeschichte über den Vietnamkrieg. In der Ich-Perspektive erzählen wir etwas über unsere Rolle innerhalb der MilitärEinheit. Ich werde knallrot, als ich, der Feldsanitäter, über mich erzähle, dass ich gerne ins Bordell gehe. Immer noch mit roten Ohren mache ich mich auf den Weg zu Mikroökonomie. Supply and Demand- Angebot und Nachfrage. Ich bin besessen von den Kurven, die wir dazu zeichnen. Und die Dozentin ist eine herzliche, kluge Frau, die uns auch gerne mal Elastizität am Beispiel von Klopapier erklärt. (,,Trust me- at some point in you life, you won´t buy anything else again! You´ll know as soon as you turn my age."). Ich könnte mir keine bessere, verständlichere Dozentin für dieses Fach vorstellen. In Personalmanagement achtet die Dozentin auf Praxisnähe: ich lerne viel über Anti-Diskriminierungsgesetze, Mindestlöhne, Gewerkschaften. Man mag es als DurchschnittseuropäerIn nicht glauben, aber in Sachen Equal Employment können wir von den USA lernen, dort gilt konsequenter Minderheitenschutz. Alle zwei Wochen erarbeiten wir ein Gruppenprojekt, in denen wir zum Beispiel Stellen ausschreiben, Recruiting Strategien entwickeln oder Interviews an unseren imaginären

Katharina Haß Ist gerade für ein Auslandsjahr in Minnesota

Nun sind schon zwei Monate vergangen, seit die Vorlesungszeit in Moorhead, Minnesota, begonnen hat. Wobei ich mich frage, ob man hier am College überhaupt von Vorlesungen sprechen kann. Die gibt es nämlich in ihrer Reinform hier gar nicht. Glücklicherweise! Ich muss zugeben, dass ich nicht sonderlich vom deutschen Vorlesungsstil begeistert bin. Ein narzisstischer Prof stellt sich vor gefühlt viele Studierende und ackert sich durch die PowerPoint Folien. Das Mikrophon ist zu leise eingestellt, die Batterie gibt den Geist auf, neben, vor und hinter Dir wird getuschelt. Kurz gefasst: Vorlesungen nerven und bringen keinen nennenswerten Wissenzuwachs. Von Anfang an habe ich mich für den Seminarstil am Concordia College begeistern können. Wenn erwartet wird, dass sehr viel Studierende die gleiche Veranstaltung belegen möchten, werden mehrere Termine angeboten. Also sitze ich mit ungefähr 20 bis 25 KommilitonInnen in Mikroökonomie, Personalmanagement und Englische Literaturwissenschaften. Ich habe die Möglichkeit bekommen, andere Fächer als in Würzburg zu studieren, was mich ziemlich freut, da sie meinen Horizont erweitern und mein Gehirn mit Ideen für mein weiteres Studium in Würzburg

KandidatInnen durchführen. Ich habe, trotz der täglichen Hausaufgaben, die mich anfangs sehr in Stress versetz hatten (update: immer noch in Stress versetzen), viel Freude am Lernen und meine Neugier ist wieder erweckt. Ich habe sie lange vermisst. Doch haben die unbeschreiblich guten Studienbedingungen ihren Preis. Diesen bin ich nicht bereit zu zahlen. Die Washington Post schrieb kürzlich, dass die nächste Schuldenblase, die platzen könnte, die unbezahlten Studienkredite sind. Ich hoffe, dass es den AmerikanerInnen nicht so dicke kommt.

Blitzerservice, Trödelmarkt und Politikforum

Allrounder Facebook EiN KommENtar voN max schmitt

in den letzten Jahren wie eine Silvesterrakete vom osteuropäischen Schwarzmarkt nicht nur steil nach oben, sondern auch mit einem lauten Knall in alle Richtungen der Hemisphäre. Irgendwann erwischt es jeden. Wie eine Riesenkraken klammert es seine Tentakel um einen und frisst Zeit sowie Aufmerksamkeit für jegliche anderen Dinge. Na gut, hat man die ersten paar ,,bin jetzt auch bei Facebook"-Wochen überwunden, wird es besser. Schließlich macht es einem das Leben so viel einfacher. Und langsam geht es Richtung Zenit. Was soll da noch kommen? Ich weiß es! Vorab möchte ich aber noch kurz eine persönliche, subjektive Wertung einwerfen: Hütet euch vor Smartphones! Fast ein jeder Wicht kommt, sobald er ein solches Gerät seinen Besitz schimpft, auf die wahnwitzige Idee, seine Mitmenschen könnte es interessieren, was er bzw. sie wann, wo, mit wem, warum, wie lange macht! Geistreiche Lyrik á la ,,Hunger!", ,,Schule ist doof", oder mein Favorit ,,Gute Nacht an alle", wird nur übertroffen von ,,Simon ist gerade mit Karl und Phillip hier: Urologe". Doch es gibt wahrhaftig auch gute Seiten, neben Stalking, Spam und zeitraubender Sucht. Egal ob man spontan ein Auto samt Fahrer braucht um Mobiliar zu transportieren (an dieser Stelle: danke obi), die Weltpresse ­ subjektiv von der eigenen Freundesliste gefiltert ­ mitverfolgen, oder im Livestream über Blitzer informiert werden möchte. Für all das gibt es diese Anlaufstelle. Diese Anlaufstelle, die es sogar geschafft hat, dass 14-jährige Teenies über das politische Geschehen diskutieren. Vielleicht etwas blauäugig ­ ja, aber immerhin. Sozialen Netzwerken, allen voran dem weißen ,,F" auf blauem Grund, ist es zu verdanken, dass die mediale Reizüberflutung ein Gesicht bekommt. Ein Gesicht, das nun mit einem fetten Grinsen auf uns starrt und in seinem Kopf alles versammelt. Denn Facebook wird zum Lebensarchiv. Der Zuckerberg'sche Masterplan hierbei: Jedes Kochrezept, jeder gehörte Song, jeder Zahnarztbesuch, sämtliche betretene Kneipen, alle Einkäufe, Buchtipps ­ schlichtweg alle Aspekte der eigenen Existenz werden gespeichert. Und ich find's geil! Sollen das mal alle machen. Denn so wird Facebook vor allem zu einem: Dem idealen Werbemarkt. Denn wer seine Kunden kennt, alles von ihnen weiß und auch noch live am Leben teilhaben darf, kann Produkte perfekt bewerben und vermarkten. Bald heißt es wohl: Facebook ­ ,,Einmal hin, alles drin!"

Max Schmitt schreibt eine neue Kolumne im Sprachrohr

Nicht zum ersten Mal erwartet mich eine Aufgabe. Eine Aufgabe, die im Bock-drauf-Barometer recht weit unten steht. Frisch renoviert, sieht meine aktuelle Behausung nur stellenweiße besser aus, als vor dem Sanierungsmarathon. Es müsste endlich aufgeräumt werden. Aber egal ob das Vorbereiten auf ein Referat, der Abwasch, der zu einem detailgetreuen Abbild des Eifelturms gehäuft wurde, der wöchentliche Badputz, oder eben das Auf- und Verräumen all der Dinge, die sich in meinem Zimmer tummeln. Pfandflaschen, Werkzeug, Kartons, Haartrockner, Kaffeemaschine. Ja, selbst vom Böse-Anstarren will es nicht weniger werden. Was früher der Griff zum Telefonhörer war, um die beste Freundin anzurufen, ist heute der login-Bereich der Sozialen Netzwerke. Allen voran: Facebook. Es schoss

Seite 24

November 2011 Sprachrohr

Ansichten

UNIversal: Sozial oder was?

EiN KommENtar voN LENa rodEr

Lena Roder studiert im 5. Semester Digital Humanities und Germanistik

Sozial sein, wurde mir immer gesagt, ist etwas Gutes tun, sich engagieren. Es wurde immer erklärt, dass man nicht nur an sich selbst denken soll, sondern auch an andere Mitglieder der Gesellschaft. Das heißt, man übernimmt eine Turngruppe der Erstklässler, singt in einem Chor, ist im Schachclub oder man tritt einem Verein bei. Sozial sein bedeutet damit auch, dass man viel Zeit mit einbringt. Neben dem Studium ist das meist nicht so leicht, wie man sich leicht denken kann. Oft ist bis nach 20:00 Uhr Uni,

ätzend lange Blockseminare am Wochenende folgen zwischendurch und die meisten Studierenden versuchen, sich mit einem Nebenjob noch über Wasser zu halten. Wo ist da dann noch Zeit, um sich sozial zu engagieren? Es geht. Es geht alles, ist hingegen auch anstrengend. Aber man sagt ja gerne, wenn man etwas gerne macht, sollte man auch nicht aufgeben. Also geht man doch um 19:00 Uhr zur Chorprobe, um 18:30 Uhr zum Turnen, Samstag um 8:00 Uhr zum Fussballtraining oder sonntags in das Altenheim oder in den Gottesdienst. Ab und zu wird es dann doch etwas stressig und man bekommt plötzlich von allen Seiten zu hören: ,,Na dann lass es doch!" Einfach so alles aufgeben, als wäre es nicht wichtig? Zehn Jahre Ballett tanzen einfach sein lassen, fünf Jahre Schülerlotse einfach nicht mehr machen? Als wäre das alles nichts gewesen, als wäre man an den Aufgaben nicht selbst gewachsen und hätte nicht gelernt, Verantwortung und Rücksicht

zu lernen. Sozial sein bedeutet, sich nützlich machen, erfahren, lernen, gefordert werden, sich zu entwickeln und gleichzeitig anderen helfen. Es ist schade mit ansehen zu müssen, dass viele dieses ,,soziale Engagement" viel zu sehr belächeln, denn es ist wichtig. Viele sehen es als zusätzliche Tätigkeit, die man jederzeit beenden könnte, wenn man mal gerade keine Lust hat, die Schwimmstunde zu halten oder sich in die Theaterprobe zu setzten. Wenn man etwas so lange gemacht hat, möchte man nicht einfach von heute auf morgen aufhören, denn mit dem ,,sozial sein" verbindet man Freude und Freunde. Man ist stolz auf sich selbst, denn man hat etwas geleistet: Für sich und für andere. Und gerade weil es für andere so wichtig ist, müssen auch wir Studierenden in diesem Lebenssektor mehr Verantwortung übernehmen. Denn wer weiß, ob wir später im Leben noch die Zeit, die Energie oder die Möglichkeiten haben?

Steini Stinkt`s ...

EiN KommENtar voN christiaN stEiNbErgEr

Christian Steinberger studiert im 9. Semester Deutsch, Französisch und Geschichte im Nebenfach.

Langsam verkommt hier alles zum Irrenhaus. Und zwar zu einem Irrenhaus, das aus allen Nähten zu platzen scheint. Was sich so toll ,,Zeitfenstermodell" schimpft, hat sich als ziemlicher Flop erwiesen, weil jetzt alles gleichzeitig beginnt oder endet und damit Schwälle von Studis ausspuckt, die in Massen in alle Richtungen strömen. ÜBERALL, aber auch wirklich ÜBERALL muss ich mich anstellen und unglaublich viel Zeit mitbringen ­ dass bereits an der Adalberokirche oder am Barbarossaplatz sechs Busse an einem vorbeifahren, bis man endlich mitfahren kann, ist ja schon Normalität geworden. Und dann muss man noch mit aggressivem Gebrülle die Schaf-

herde nach hinten treiben, weil einfach vorne stehen geblieben wird. Die Busfahrer haben bereits resigniert und hüllen sich so lange in pseudo-pädagogisches Schweigen, bis die Leute von selbst checken, dass sie durchgehen müssen. Beim Kartenaufladen in der Bib sieht es ähnlich aus, die Scheinautomaten fressen auch nicht jeden Schein oder fressen ihn ganz und laden das Geld aber nicht auf. Von der Mensa ganz zu schweigen. Seltsamerweise bringen die Schilder ,,Hier KEINE Barzahlung" an den Kassen irgendwie gar nichts, die jeweiligen Kandidaten checken es immer dann erst, wenn sie mit Zahlen dran sind. Auch das Nudelbuffet schafft keinerlei Abhilfe. Mit meinem Gefängnis-Förmchen-Tablett darf ich dann auch noch fünf Minuten durch die Gegend eiern, bis ich endlich einen freien Platz gefunden habe. Und ­ wen wundert's- mich danach wieder anstellen, um mein Tablett abzugeben. Die arme Amanda aus der Cafete müsste eigentlich schon heiser sein, so oft wie sie derzeit ,,DA BIEBST A KÄRTLE!!!" durch den Raum ruft, doch die Schlange vor den Kaffeeautomaten wird dadurch auch nicht kürzer.

Man müsste eigentlich Warteschlangen und Freizeitpark-Schilder einführen wie ,,ab hier wartest du noch 10 Minuten auf dein Essen" oder die Warteschlangen mit animierten Studentenpuppen ausstatten, die singend und heiter ihr Essen zu sich nehmen ­ ein Szenario, das ich nur noch aus meinen ersten Semestern kenne. Oder wie wäre es mit Clowns und verkleideten Menschen ­ ich wollte schon immer mal von einem Heiligen Kilian aus Plüsch umarmt werden. Dazu kommt noch, dass wir auf einer Baustelle leben, dank der wir einerseits alle die Busunterführung benutzen müssen und uns mit den dort wartenden Menschen in die Quere kommen und die Phil 1 gleicht gerade auch einem Szenario aus einer Hornbach-Werbung ­ bloß das YippieYaYaYippieYippieYeah fehlt irgendwie. Aber manchmal wäre ich ziemlich gerne diese kleine Hand, die aus dem Nichts erscheint und irgendjemanden ohrfeigt...mir stinkt's jedenfalls. Ich geh jetzt in die Abendmensa, da hab ich meine Ruhe. Das scheint nämlich die einzig gute Idee der Sommerpause gewesen zu sein.

Seite 25

Aussichten

Sprachrohr November 2011

Fünf Fragen an drei Stiftungen ­ wie sie antworten würden und für wen sie geeignet sind.

Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw)

robert-bosch-Stiftung

Hans-böcklerStiftung

Ab dem wievielten Semester kann man sich bewerben?

Ab dem ersten Semester. Theoretisch ist eine Förderung schon zu Schulzeiten möglich.

Ab wann? Ab wann?

Ab dem ersten Semester. Man kann sich schon vor Studienbeginn bewerben. Ab dem ersten Semester. Kinder von Immigranten können bereits zu Schulzeiten gefördert werden.

Was muss der potenzielle Destinär (begünstigte) vorweisen?

In erster Linie soziales Engagement. Ehrenämter sind hier das A und O. Überdurchschnittliche Noten sind zweitrangig. Bevorzugt werden Nichtakademiker-Kinder und Studierende mit Migrationshintergrund.

Was vorweisen?

Abhängig von der Fokussierung: Völkerverständigung, Gesundheit, Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft. Engagement ist obligatorisch.

Was vorweisen?

Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft ist fakultativ, erleichtert aber den Bewerbungsvorgang. Gesellschaftliches Engagement ist obligatorisch.

Wie viel?

Beispielsweise 2400 für zwei Jahre im Förderungsprogramm Fast Track. In Einzelfällen gibt es Büchergeld oder Fahrtkostenübernahme.

Welche finanziellen Mittel sieht die Förderung vor?

Ein elterneinkommensabhängiges Verfahren bestimmt den Höchstsatz (597 ). Hinzu kommen 150 Büchergeld pro Monat.

Wie viel?

Ein elterneinkommensabhängiges Verfahren bestimmt den Höchstsatz (597 ). Hinzu kommen 150 Büchergeld pro Monat.

Gegenleistungen?

Keine. Eine weitere Förderung im ideellen Sinn steht allen zu Verfügung, die Interesse haben an: Personal Coaching, Sprach- und Wirtschaftskursen sowie an Kinderbetreuung.

Welche Gegenleistungen müssen erbracht werden?

Teilnahme an einwöchigen Akademien und mehreren Tagesseminaren. Diese sucht man sich aus einem deutschlandweiten Angebot aus.

Gegenleistungen?

Teilnahme am Praktikumsprogramm sowie Mitarbeit in einer Stipendiatengruppe. Bei Weiterförderung ist die Arbeit in der Stipendiatengruppe obligatorisch.

Endet wann?

Nach zwei Jahren.

Wann endet die Förderung?

Nach dem Abschluss des Erststudiums in Regelstudienzeit; modularisiert also ein Bachelorund ein Masterstudium.

Endet wann?

Generell nach drei Semestern. Eine Verlängerung bis zum Ende der Regelstudiengesetzt nach BAföG ist möglich.

E

in Stipendium, das jeder in Anspruch nehmen kann, sobald er das zweite Fachsemester erreicht hat, ist das einmalige Stipendium der Oskar-Karl-Forster-Stiftung. Dabei bewirbt man sich um Zuzahlung für die Anschaffung wissenschaftlicher Bücher in wechselnder Höhe, zuletzt waren es 300 . Wer seine Dissertation oder eine andere Abschlussarbeit damit finanzieren möchte, kann das m. E. auch tun. Einziges Manko: Wie bei vielen Stiftungen wird auch hier der Einkommenssatz der Eltern einberechnet. Speziell für Studentinnen gibt es auch den Dr.-Romana-SchottFonds, dessen Inhalt nur zur Forschung des weiblichen, wissenschaftlichen Nachwuchses zu

Verfügung gestellt wird. Hierbei werden die individuellen Lebensumstände einberechnet. Wer sich mehr zu einer der universitäts-immanenten Förderungen informieren möchte, kann das hier tun: www.uni-wuerzburg.de/fuer/studierende/ studienfinanzierung/ Weitere nützliche Anlaufstellen bietet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über www.stipendienlotse.de/ sowie eine weitere Informationsseite www.stipendien-tipps.de/ Zuletzt noch ein Angebot der deutschen Studentenwerke: www.studentenwerke.de/main/ default.asp?id=03310 Riccardo Altieri

Seite 26

November 2011 Sprachrohr

Termine

22.11. Themenabend der StuV: ,,Hochschulstruktur 20:00 Uhr Festsaal über der Burse 23.11. Treffen AK gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit 20:00 Uhr im Café Klug 24.11. Fachschaftvernetzungstreffen 20:00 Uhr in der Chemie 24.11. Weinprobe des AK Kultur 20:00 Uhr Hofkeller der Residenz, Treffpunkt Tor B 29.11. Tagung Studentischer Konvent 20:00 Uhr Festsaal über der Burse 29.11 Der Filmclub zeigt ,,Paul-Ein Alien auf der Flucht" 19:00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal 29.11. Britta Kiersch vom Buchladen Neuer Weg präsentiert neue Bilder-, Sach- und Weihnachtsbücher für Jugendliche 20:15 Uhr im Buchladen Neuer Weg Sanderstraße 23/25 30.11. Treffen des AK Presse um 20:00 Uhr Café Klug 06.12. Niko Fete der Phil 1 21:00 im Tirili, bis 22:00 umsonst, danach 4 Eintritt 06.12. Der Filmclub zeigt ,,Die Feuerzangenbowle" 19:00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal 07.12. Weihnachtsfeier des AK Lehramt 20:00 Uhr im Fachschaftszimmer Wittelsbacherplatz 19:00 im Max-Scheer-Hörsaal 07.12. ,,Literatur zur Abendstunde" um 20:00 Uhr im Buchladen Neuer Weg 13.12. Themenabend der StuV ,,ÖPNV-Semesterticket" 18:00 Uhr im Festsaal über der Burse 13.12. Tagung Fachschaftenrat 20:00 Uhr im Festsaal über der Burse 13.12. Der Filmclub zeigt ,,The King`s Speech" 19:00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal 14.12. Tagung Studentischer Konvent 20:00 Uhr im Festsaal über der Burse 14.12. Treffen des AK Presse 20:00 Uhr im Café Klug 15.12. Weihnachtsfeier der Fachschaft Mathe/Info ab 17:00 Uhr im Informatik-Gebäude der phil 2 am

TERMINE

20.12. Der Filmclub zeigt ,,Rango" 19:00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal 21.12. Treffen des AK Lehramt 20:00 Uhr im Fachschaftszimmer der phil 2 am Wittelsbacherplatz 28.12. Treffen des AK Presse 20:00 Uhr im Café Klug 10.01. Der Filmclub zeigt ,,Thor" 19:00 Uhr im Max-Scheer-Hörsaal

©rainer sturm/pixelio.De

Oktober/November 2011

07.12. Der Filmclub zeigt noch einmal ,,Die Feuerzangenbowle"

SPRACHROHR

Das nächste Mal am 09.01.2012

Seite 27

Information

28 pages

Find more like this

Report File (DMCA)

Our content is added by our users. We aim to remove reported files within 1 working day. Please use this link to notify us:

Report this file as copyright or inappropriate

1281074