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Das Sojus-Programm

Die Frage, ob es jemals einen Wettlauf zum Mond zwischen Amerika und der Sowjetunion gegeben hat, ist auch heute noch nicht eindeutig zu beantworten. Es kann sein, dass die Sowjets in der ersten Phase des Apollo-Programms die Absicht hatten, die Herausforderung Amerikas anzunehmen und ebenfalls ein bemanntes Mondlandeprogramm einzuleiten. Wenn dem so war, dann mussten sie allerdings sehr bald erkennen, dass ihre Chancen für einen Sieg in einem solchen Wettstreit äußerst gering waren. Besonders der überraschende Tod von Chefkonstrukteur Sergej Koroljow im Januar 1966 warf die sowjetische Raumfahrt weit zurück. Sein Nachfolger Wassili Mischin war nicht in der Lage, seinen ehemaligen Chef zu ersetzen._Mit den Erfahrungen, die Amerika im Gemini-Programm gewonnen hatte, lagen die USA beim Vordringen in den Weltraum und zum Mond nun an erster Stelle. Sie hatten die Technologie, das notwendige Gerät und eingespielte Mannschaften. Mit der konsequenten Durchführung des Apollo-Programms schließlich sicherten sie sich einen enormen Vorsprung._Angeblich soll beim zweiten Teststart der sowjetischen N1-Mondrakete am 3. Juli 1969, also zwei Wochen vor dem Start von Apollo 11, eine zweite N1 in einem weiteren Startturm startfertig gestanden haben. Falls der Start der ersten, unbemannten N1 geglückt wäre, sollte die zweite N1 kurz darauf bemannt zum Mond starten. Damit wären die Sowjets den Amerikanern zuvorgekommen. Doch auch dieser zweite Test einer unbemannten N1 schlug fehl. Nach nur wenigen Metern fiel die Rakete auf die Startrampe zurück und explodierte in einem riesigen Feuerball. Bereits am 21. Februar 1969 war eine N1-Trägerrakete kurz nach dem Start explodiert. Damit waren die sowjetischen Mondlandepläne endgültig gescheitert. Am 25. Juni 1971 und am 23. November 1972 gab es noch zwei weitere Starts der N1. Auch diese beiden letzten Starts misslangen. Damit war bei vier Starts nicht ein einziger erfolgreich gewesen. Ursache war wohl die Anzahl der Triebwerke. Während die amerikanische Saturn V-Mondrakete in der ersten und zweiten Stufe jeweils fünf Triebwerke hatte, besaß die vierstufige N1-Mondrakete alleine in der ersten Stufe 30 Triebwerke.

Heckansicht der 1. Stufe der N1 mit ihren 30 Triebwerken

Das Sojus-Programm geht auf einen Entwurf von Sergej Koroljow für ein Mondflugsystem aus dem Jahre 1960 zurück. Da nur eine begrenzte Nutzmasse-Kapazität der Trägerrakete zur Verfügung stand, sollten die einzelnen Elemente in der Erdumlaufbahn montiert werden. Die 1963 fertiggestellte Konstruktion bestand aus der bemannten Kapsel, einer Mondflugstufe und einem Treibstoffmodul. In dieser Mondflugvariante erhielt das Projekt aber nicht die erforderliche Genehmigung. Erst als Sergej Koroljow eine militärische Variante anbot, stand einer Realisierung des Sojus-Projekts unter der Bezeichnung Korabl nichts mehr im Wege._Obwohl die ersten drei unbemannten Tests fehlschlugen, beschloss die politische Führung, den vierten Flug bemannt durchzuführen. Diese Mission unter der Bezeichnung Sojus 1 endete mit einer Katastrophe, bei der der Kosmonaut Wladimir Komarow am 24. April 1967 den Tod fand. Bei der Landung versagten die Landefallschirme und die Kapsel fiel ungebremst wie ein Stein zu Boden. Bereits kurz nach dem Start gab es erste Probleme. Nachdem Komarow die Umlaufbahn erreicht hatte, entfaltete sich einer der beiden Solarzellenflügel nicht. Dadurch stand nicht die vollständige Bordspannung zur Verfügung (Sojus 1Unglück)._Der ursprünglich geplante Start der Sojus 2-Mission mit Bykowskij, Jelisejew und Chrunow wurde abgesagt. Jelisejew und Chrunow sollten nach der Kopplung und einem Umstieg in die Sojus 1-Kapsel mit Komarow zusammen landen.__Rund anderthalb Jahre

sollten nach dem unglücklichen Sojus-1-Flug Komarows vergehen, bis am 25. Oktober 1968 Sojus 2 unbemannt und einen Tag darauf Sojus 3 mit dem Kosmonauten Beregowoij in eine Umlaufbahn in 225 Kilometer Höhe stieg. Es kam zu einem Rendezvous zwischen der bemannten und der unbemannten Sojus-Kapsel. Beide Kapseln näherten sich bis auf wenige Meter. Das vorgesehene Andockmanöver jedoch schlug fehl. Auch ein zweiter Versuch gelang nicht. Dagegen konnte die Öffentlichkeit erstmals den Flug eines sowjetischen Raumschiffes am Fernsehen verfolgen. Die Reiseverpflegung bestand aus Hühnerfleisch, Trockenfisch, Dörrpflaumen, Kakao und Gebäck. Nach zwei Tagen kehrte der Kosmonaut mit Sojus 3 wieder zur Erde zurück.__Im Januar 1969 folgte ein Doppelflug von Sojus 4 und Sojus 5; Sojus 4 wurde am 14. Januar, Sojus 5 am 15. Januar gestartet. Hierbei kam es zum ersten erfolgreichen Kopplungsmanöver zwischen zwei bemannten sowjetischen Raumfahrzeugen und dem Austausch der Kosmonauten in ihren Raumfahrzeugen._Sojus 4 hatte einen Kosmonauten, Wladimir Schatalow, an Bord, Sojus 5 die drei Kosmonauten Boris Wolinow, Jewgenij Chrunow und Alexeij Jelisejew. Chrunow und Jelisejew kehrten mit Schatalow in Sojus 4 zur Erde zurück, während Wolinow einen Tag später mit Sojus 5 alleine landete.__Weitere Sojus-Missionen folgten. Die Kosmonauten machten physikalische und insbesondere technische Experimente, wie zum Beispiel den Versuch, unter Weltraumbedingungen Schweißarbeiten durchzuführen. Sojus 9 brachte Anfang Juni 1970 mit knapp 18 Tagen einen neuen Aufenthaltsrekord in der Erdumlaufbahn._Am 19. April 1971 starteten die Sowjets Saljut 1, eine Raumstation für wissenschaftliche Experimente. Sie war nur etwa ein Drittel so groß wie das in Vorbereitung befindliche amerikanische Skylab, aber dennoch war sie ein erfolgreicher Schritt in der angestrebten Richtung._Drei Tage nach dem Start von Saljut 1 beförderte Sojus 10 die drei Kosmonauten Schatalow, Jelisejew und Rukaschnikow zu der neuen Raumstation. Für fünfeinhalb Stunden koppelten sich die Kosmonauten mit ihrer Kapsel an Saljut 1 an. Ein Umstieg konnte jedoch wegen technischen Schwierigkeiten nicht erfolgen.__Einen solchen Aufenthalt in der Station holte die Mannschaft von Sojus 11 nach, die am 6. Juni 1971 in Baikonur startete und 23 Tage lang an Bord von Saljut 1 Untersuchungen vornahm._Nachdem die drei Kosmonauten Georgij DobrowolskiJ, Wladislaw Wolkow und Viktor Patsajew mit einer Verweilzeit im Raum von 23 Tagen und 17 Stunden einen neuen Dauerrekord aufgestellt hatten, kehrten sie am 29. Juni wieder zur Erde zurück. Als indessen die Hilfsmannschaften am Boden die Raumkapsel nach der Landung öffneten, mussten sie eine grausame Entdeckung machen: Alle drei Kosmonauten saßen tot in ihren Sitzen. In der

Wiedereintrittsphase hatte, wie eine spätere Untersuchung ergab, ein Ventil versagt. Dadurch war die Atemluft explosionsartig aus der Kapsel entwichen. Die Kosmonauten aber trugen aus Platzgründen keine Raumanzüge. Nach diesem Unfall führten die Sowjets über zwei Jahre lang keine bemannten Raumflüge mehr durch.__Am 27. September 1973 starte mit Sojus 12 wieder eine bemannte SojusKapsel. Man hatte aus dem Sojus 11-Unglück gelernt. Die Kosmonauten trugen nun wieder Raumanzüge. Aufgrund des erhöhten Platzbedarfs der Raumanzüge konnten aber nur noch zwei Kosmonauten fliegen.

Das Sojus 1-Unglück

Der erste sowjetische Kosmonaut, der sein Leben während einer Weltraummission verlor, war Wladimir Komarow. Am 23. April 1967 startete er von Baikonour aus zur Mission Sojus 1. Mehr als zwei Jahre waren seit der letzten bemannten, sowjetischen Mission Woschod 2 vergangen._Bei der Landung seiner Kapsel am 24. April 1967 öffnete sich der Hauptfallschirm nach dem Eintritt in die Erdatmosphäre nicht. Ursache hierfür war wohl nicht, wie offiziell angegeben, eine ungewollte Rotation um die Längsachse, die die Fallschirmseile verhedderte, sondern eine totale Fehlfunktion des Fallschirms. Beide Fallschirme (Haupt- und Reserveschirm) konnten sich nicht aus ihren Kammern an der Oberseite der Kapsel lösen. Komarows fiel in seiner Kapsel wie ein Stein zu Boden._Dass die Raumkapsel noch etliche gravierende Mängel aufwies, war wohl schon vor dem Start bekannt. Denn bis zuletzt versuchte angeblich Juri Gagarin, der Backup-Pilot von Sojus 1 war, diese Mission auf höchster Ebene zu stoppen.

Sojus 1

Kommandant: Komarow Rakete: Sojus A-2 Start: 23.04.1967 Landung: 24.04.1967 Dauer: 1 Tag 2 Std. 48 min. Erdumkreisungen: 18 Anmerkung: Bei der Landung der Kapsel wurde Komarow getötet

Sojus 3

Kommandant: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Verbleib der Kapsel: Anmerkung: --Beregowoij Sojus A-2 26.10.1968 30.10.1968 3 Tage 22 Std. 51 min. 64 RKK Energia Museum Korolev, Russland

Sojus 4

Kommandant: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Verbleib der Kapsel: Anmerkung: --Schatalow Sojus A-2 14.01.1969 17.01.1969 2 Tage 23 Std. 21 min. 48 Gagarin Space Museum Space City, Russland

Sojus 5

Kommandant: Bordingenieur: Forschungskosmonaut: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Wolinow Jelisejew Chrunow Sojus A-2 15.01.1969 18.01.1969 3 Tage 0 Std. 46 min. 50

Sojus 6

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Schonin Kubasow Sojus A-2 11.10.1969 16.10.1969 4 Tage 22 Std. 42 min. 80

Sojus 7

Kommandant: Bordingenieur: Forschungskosmonaut: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Filiptschenko Wolkow Gorbatko Sojus A-2 12.10.1969 17.10.1969 4 Tage 22 Std. 41 min. 80

Sojus 8

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: -- Schatalow Jelisejew Sojus A-2 13.10.1969 18.10.1969 4 Tage 22 Std. 41 min. 80

Sojus 9

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: -- Nikolajew Sewastianow Sojus A-2 01.06.1970 19.06.1970 17 Tage 16 Std. 59 min. 285

Sojus 10

Kommandant: Bordingenieur: Forschungskosmonaut: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: Schatalow Jelisejew Rukaschnikow Sojus A-2 23.04.1971 24.04.1971 1 Tag 23 Std. 45 min. 30

--

Sojus 11

Kommandant: Dobrowolskij Bordingenieur: Wolkow Forschungskosmonaut: Patsajew Rakete: Sojus A-2 Start: 06.06.1971 Landung: 29.06.1971 Dauer: 23 Tage 17 Std. 40 min. Erdumkreisungen: 380 Anmerkung: Die drei Kosmonauten starben bei der Landung. Wegen eines defekten Ventils entwich in der Wiedereintrittsphase die Atemluft aus der Kapsel. Die Kosmonauten trugen aus Platzgründen keine Raumanzüge.

Sojus 12

Kommandant: Lazarew Bordingenieur: Makarow Rakete: Sojus A-2 Start: 27.09.1973 Landung: 29.09.1973 Dauer: 1 Tag 23 Std. 16 min. Erdumkreisungen: 32 Anmerkung: Die Kosmonauten trugen bei Start und Landung wieder Raumanzüge.

Sojus 13

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Klimuk Lebedew Sojus A-2 18.12.1973 26.12.1973 7 Tage 20 Std. 55 min. 128

Anmerkung: Die Bergung der Kapsel wurde wegen eines Schneesturmes erschwert.

Sojus 14

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Popowitsch Artjuchin Sojus A-2 03.07.1974 19.07.1974 15 Tage 17 Std. 30 min. 252

Sojus 15

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Sarafanow Demin Sojus A-2 26.08.1974 28.08.1974 2 Tage 0 Std. 12 min. 32

Sojus 16

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Filiptschenko Rukaschnikow Sojus A-2 02.12.1974 08.12.1974 5 Tage 22 Std. 25 min. 96

Sojus 17

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: --Gubarew Gretschko Sojus A-2 11.01.1975 09.02.1975 29 Tage 14 Std. 40 min. 467

Sojus 18A

Kommandant: Lazarew Bordingenieur: Makarow Rakete: Sojus A-2 Start: 05.04.1975 Landung: 05.04.1975 Dauer: 21 min. Erdumkreisungen: --Flugbeschreibung: Etwa acht Minuten nach dem Start löste sich die ausgebrannte Hauptstufe nicht von dem Raumfahrzeug. Dadurch begann die Rakete zu trudeln und vom vorgesehenen Kurs abzuweichen. In einer Höhe von 190 km wurde die Kapsel abgesprengt. Durch die hohe Fallgeschwindigkeit war die Besatzung enormen Belastungen ausgesetzt. In nur vier Minuten verringerte sich die Geschwindigkeit von 17.000 km/h auf 200 km/h. Mit Verletzungen (aber lebend!) landeten die Kosmonauten nur 320 km von der chinesischen Grenze entfernt. Die im Schnee gelandete Kapsel begann talabwärts zu rollen. Glücklicherweise verfingen sich die Leinen des Fallschirmes in Ästen und die Kapsel kam zum Stillstand.

Sojus 18B

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Klimuk Sewastianow Sojus A-2 24.05.1975 26.07.1975

Dauer: Erdumkreisungen: Anmerkung: ---

62 Tage 23 Std.240 min. 993

Sojus 19

Kommandant: Bordingenieur: Rakete: Start: Landung: Dauer: Erdumkreisungen: Verbleib der Kapsel: Leonow Kubasow Sojus A-2 15.07.1975 21.07.1975 5 Tage 22 Std. 30 min. 97 RKK Energia Museum Korolev, Russland

Anmerkung: Kopplung mit dem amerikanischen Apollo-Raumschiff im Rahmen des ASTP.

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